Frage von henssw, 45

Ausbildungszeugnis nie bekommen, will es jetzt aber erhalten, Firma hat Insolvenz angemeldet und existiert bald nicht mehr?

Hallo,

ich habe vor zweieinhalb Jahren (Anfang 2014) meine Ausbildung abgebrochen. Ich war ein halbes Jahr in der Firma als Azubi angestellt.

Nun möchte ich gerne mein Arbeitszeugnis bekommen, welches ich nie erhalten hab (obwohl ich zweimal eine E-Mail geschrieben habe). Denn ich habe gehört, dass die Firma Insolvenz angemeldet hat und nicht mehr lange existieren wird. Mein Ansprechpartner und Ausbildungsbetreuer, der mein Zeugnis schreiben sollte, ist leider nicht mehr da.

Was soll ich tun? Kann ich noch irgendwie mein Zeugnis bekommen? Ich glaube die Firma existiert nur noch bis Ende November. Was ist wenn ich es bis dahin nicht schaffe das Zeugnis zu bekommen und die Firma nicht mehr existiert? Kann man dann noch das Zeugnis erhalten. Ja ich weiß ich hätte mich viel eher darum kümmern sollen :(

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Antwort
von relevant, 33

Du hast ein Jahr nach ausscheiden Zeit ein Zeugnis einzufordern. Zumindest rechtlich hat du keine Möglichkeit. Wenn die Firma dir entgegenkommt hat du Glück. Versuch daher freundlich zu sein. 

Kommentar von henssw ,

Hmm ok, alles klar, danke für deine Antwort.

Kommentar von Nightstick ,

Diese Antwort ist leider von Grund auf falsch!

1. Der Auszubildende hat gemäß § 16 BBiG einen Anspruch auf Erteilung eines Ausbildungszeugnisses - auch wenn die Ausbildung vorzeitig beendet (abgebrochen) wurde. In diesem Fall könnte man sich allenfalls darüber streiten, ob der Ausbildungsbetrieb dies hätte automatisch erstellen müssen - so wie es bei ordnungsgemäßer Beendigung (und Bestehen der Abschlussprüfung) gewesen wäre.

Offensichtlich ist das Ausbildungszeugnis ja (nachweislich) beantragt worden, sodass der Betrieb nun auf jeden Fall in der Pflicht ist.

Grundsätzlich ist nämlich für einen lückenlosen beruflichen Werdeganges (Lebenslauf) auch ein Nachweis des vorgenannten Zeitraums notwendig.

2. Der Anspruch ist keineswegs verjährt, denn im Hintergrund steht auf jedenfall die dreijährige Verjährungsfrist gemäß § 195 BGB. 

3. Freundlichkeit ist in diesem Fall auch nicht notwendig.

Anm.: Nun haben die Mitarbeiter bzw. die Firmenleitung in den letzten Tagen des Bestandes des Unternehmens wahrscheinlich noch viele andere Dinge zu regeln, weshalb ich dem Fragesteller das Folgende empfehle:

° Gleich morgen früh persönlich dort hingehen (wenn möglich) und den Fall vortragen - am Besten einen Zeugen mitnehmen, und die Namen der Ansprechpartner notieren. Idealer Weise gleich von der Personalabteilung ausstellen lassen, ggf. in einfacher Form (ohne Führung und Leistung) und gleich mitnehmen.

°.Wenn das nicht funktioniert, das Ausbildungszeugnis unter Schilderung des Sachverhaltes noch einmal schriftlich per Brief anfordern (Versendungsform: Einwurf-Einschreiben). Dann müsste das Anforderungsschreiben eigentlich im Zuge der Abwicklung spätestens von dem Insolvenzverwalter bearbeitet werden.

° Zur Sicherheit den Insolvenzverwalter herausfinden, und sollte nach 14 Tagen nichts da sein, diesen ansprechen.

Ich wünsche dem Fragesteller viel Erfolg (und dem Antwortenden etwas mehr Zurückhaltung).

Gruß @Nightstick

Kommentar von relevant ,

Immerhin habe ich eine gründliche Antwort von einem Experten in diesem Sachgebiet erzwungen. Falsche Aussagen lässt man für gewöhnlich ungern stehen. 

Kommentar von Nightstick ,

Kein guter Ansatz, der aus meiner Sicht zukünftig etwas mehr Zurückhaltung erfordert :))

Kommentar von henssw ,

Wow, vielen Dank für diese ausführliche Antwort!
Du hast mir sehr viel weitergeholfen :)
Ich könnte das Zeugnis ja auch vorschreiben und dann vorlegen, sodass jemand das dann unterschreibt. Ist es eigentlich egal wer das Zeugnis unterschreibt? Am besten ja mein Ausbilder, aber der ist ja nicht mehr da. Und wenn ich mich woanders bewerbe, dann wissen diese doch nicht, wer mein Ausbilder war. Also ist es doch im Prinzip egal, wer unterschreibt. Und was ist mit dem Datum? Wahrscheinlich 03.12.2016 und nicht 28.03.2014 oder so. Wobei 2016 ja ein bisschen blöd aussieht, aber ist nun mal so. Ich habe mich halt zu spät darum gekümmert.

Kommentar von Nightstick ,

A). Es ist in jedem Fall ebenso unnötig wie unsinnig, sich das besagte Ausbildungszeugnis selbst zu schreiben,

1. weil man sich dadurch sehr leicht "ein Eigentor schießt", wenn man Formulierungen benutzt, die nachteilig sind,

2. es die Aufgabe des Ausbildungsbetriebs ist, und

3. es sowieso auf einem Firmenbogen geschrieben werden muss.

In der Zeit hat die Sachbearbeiterin schon den Briefbogen eingespannt (bzw. ihren PC angeworfen).

Viel wichtiger wäre es, das Zeugnis nach Erhalt hier in diesem Forum überprüfen zu lassen.

B) Es ist nicht egal, wer das Ausbildungszeugnis unterschreibt.
Ich weiß nicht, wie groß der Ausbildungsbetrieb ist, aber eigentlich muss der Firmeninhaber selbst (in der Eigenschaft als Ausbilder) unterschreiben - es sei denn, er hat die Ausbildung an einen zur Ausbildung Berechtigten delegiert. Diese Person muss im Besitz des AEVO-Zertifikates sein (AEVO = Ausbildereignungsverordnung). Bei größeren Unternehmen unterschreibt demnach z.B. der Leiter der Personalabteilung zusammen mit dem Ausbildungsleiter.

Als Ausstellungsdatum wäre der 28.03.2014 gut (wobei ich davon ausgehe, dass dies das tatsächliche Austrittsdatum ist). Darauf kannst Du jedoch nicht bestehen, sodass Du auch ein aktuelles Datum akzeptieren müsstest.

Also: Hinsichtlich des Datums freundlich sein, und "kleine Brötchen backen"!

Kommentar von henssw ,

Alles klar, habe verstanden :)
Vielen Dank für deine Mühe! Ich werde sofort am Montag persönlich dort hingehen.

Kommentar von Nightstick ,

Dann nochmals viel Erfolg :)

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