Ausbildung zum Ritter?

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6 Antworten


Die mittelalterlichen Begrifflichkeiten sind nicht immer eindeutig.
Außerdem ist immer die jeweilige Zeitstellung zu beachten: die
Verhältnisse im Frühmittelalter waren i. d. R. vollkommen andere als die
im Spätmittelalter.

Entgegen den Angaben in vielen populären Literaturwerken oder auch Lexika wie Wikipedia war die geschichtliche Wirklichkeit oft eine andere. Zum Beispiel für die "Ausbildung zum Ritter" gab es keine feste, staatlich aufgestellte und überwachte "Ausbildungsordnung", wie wir das heute kennen.

Um Ritter zu werden, kam es nicht zuletzt darauf an, in welcher Region man
lebte. Es gab wesentliche Unterschiede, ob man z. B. in Spanien,
Frankreich, im Heiligen Römischen Reich oder in England Ritter werden
wollte.

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass "Ritter" nicht gleich "Ritter" war, sondern sich dieser Stand seit dem Hochmittelalter sehr ausdifferenzierte. Anfangs war der Ritter einfach ein Berufskrieger, der für seinen (fürstlichen) Herren Militärdienst leistete, aber auch Dienste in der Landesverwaltung zu verrichten hatte. Mit den Kreuzzügen wurde es auch für den hohen, den fürstlichen Adel bis hin zum Monarchen attraktiv, ein "Ritter" zu sein. Die vormals einfachen Reiterkrieger konnten in den Niederadel aufsteigen. Im Umkreis der fürstlichen bzw. monarchischen Höfe entwickelte sich eine besondere Ethik, die bis heute nachwirkt, wenn wir z. B. davon sprechen, dass sich ein Mensch "ritterlich verhält".

Es waren auch die Höfe, die gerade für Ritteranwärter hochadeliger Familien besondere "Erziehungsprogramme" entwickelten. Diese Anwärter dienten als Knappen, wobei sie nicht nur militärische Fähigkeiten erlernten, sondern auch "höfische" Sitten und Gebräuche, also das, was wir "gutes Benehmen" nennen. Im späteren Mittelalter und besonders in der Frühen Neuzeit entwickelte sich dann an den Höfen aus dem "Knappen" der "Page", als die militärische Bedeutung des Ritters immer mehr zurückging.

Nicht jeder Ritteranwärter gerade aus dem Niederadel kam an einen fürstlichen Hof, um dort zu lernen, nur die, deren Eltern über entsprechendes Vermögen verfügten oder ein fürstliches "Stipendium" erhielten. Viele, wenn nicht die Mehrheit der späteren Ritter wurde Knappe auf der Burg oder dem festen Haus eines Verwandten oder väterlichen Freundes. Dort ging es meist einfach und recht rauh zu, das Waffenhandwerk und Fähigkeiten, den eigenen Besitz zu verwalten, standen im Mittelpunkt des "Lehrplans". Einen "Pagen" brauchte dort niemand!  :-)

Übrigens wurden im späten Mittelalter immer weniger Söhne niederadliger Familien wirklich Ritter. Viele niederadlig-ritterliche Familien sparten sich eine entsprechend aufwendige Zeremonie und begnügten sich mit ihrer adligen Abstammung und einer entsprechenden Lebensweise, weil das Rittertum kaum noch militärische Bedeutung hatte. Das wurde allgemein akzeptiert. Wenn Geld zur Verfügung stand, dann investierten die Familien in eine kirchliche Laubahn ihrer Nachkommen oder ließen sie weltliches und geistliches Recht studieren, um ihnen eine Karriere in den Verwaltungen und Räten der sich im späten Mittelalter gerade im Heiligen Römischen Reich bildenden Territorialstaaten zu ermöglichen. 

MfG

Arnold




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Nein, in der Hirarchie kommt erst der Page, dann der Knappe(Schildknappe) und letztendlich der Ritter.

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Du hast Recht, denn nur wer auch Ritter werden konnte (edelbuertige Knaben), konnte mit 7 als Page anfangen, dann mit 14 Knappe oder Schildtraeger werden. Mit 21, wenn er sich durch Treue und Mut ausgezeichnet hatte, wurde er dann entgueltig zum Ritter.

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Page, das waren Kinder im Alter von 7- 14 J., danach wurde man Knappe, bevor man anschließend Ritter wurde, sofern eine solche Laufbahn in Frage kam.

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In der Zeit des Mittelalters nicht unbedingt. Das war es eigentlich dasselbe. Heute wird Page eher mit Hotel in Verbindung gebracht, Knappe wird kaum noch verwendet...

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