Nachdem ich im Rettungsdienst so ziemlich alles erreicht habe, was möglich ist, habe ich mit 30 Jahren Rente wegen Berufsunfähigkeit (psychische Gründe) eingereicht und zeitlich unbegrenzt erhalten.
Ab 1998 bin ich als Sozialmanager tätig und rette anders Menschen, die nicht weniger in Not sind, als Schwerkranke.
Soviel zu BlackCloud und Hinweis in Sachen "psychische Eignung".
Aber zur Sache, falls diese Warnungen nicht abschrecken:
Ich würde auch zunächst dort tätig werden, was geht, also Schulsanitätsdienst, Jugendgruppen. Beim DRK (meine "Heimat") gibt es beides recht gut organisiert mit Wettbewerben und Ausbildung zum Sanitäter, also weit mehr als Ersthelfer, und das geht auch schon ab 14, soweit ich weiß.
Dann gäbe es noch die Realistische Unfalldarstellung, also die Schminker und Mimer, die bei Übungen auch mit dabei sind und einen ganz besonderen Einblick in die Thematik bieten.
Schließlich kann er sich immer und überall als Praktikant bewerben. Ob der da mit U16 genommen wird? Vielleicht nur wegen guter Beziehungen und Tätigkeit bei Jugendgruppen.
Ggf. kann er fragen, ob er bei einem "richtigen" Lehrgang als "Ausbildungshelfer-Praktikant" oder "außer Konkurrenz" mitmachen darf.
Einen Einsatz als (mitverantworticher) Sanitäter auf einem Rettungsmittel wie KTW oder RTW hatte ich bei Personen unter 18 Jahren (!) nie erlaubt, alleine aus rechtlichen Gründen. Da gab es bei mir nie Nischen oder Ausreden. Aber Praktikanten hatte ich als 3. Mann/Frau auch mit 16 oder jünger. Da gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, außer allgemeine Regelwerke wie JugendSchutzG o. ä.. Die übrigen Vorschriften sind organisationsspezifisch. Da ich zuletzt als Leiter-RD für den Landkreis tätig war, ohne einer HO anzugehören, musste ich mich um deren intere Gesetze nicht kümmern. Meine Arbeitsgrundlage war das LandesRettungsdienstG und übliche ArbeitsG..
Fazit: Wenn der MHD oder andere HOs eine Tätigkeit als 3. Mann verbieten, soll er bei "freien" Einheiten fragen.
Ob das mit 14 Jahren sinnvoll ist, mag ich hier aber genauso wie Kollegen hier bezweifeln.
Darüber hinaus spreche ich Dir - ohne Dich zu kennen - die Kompetenz ab, die psychische Eignung Deines Bekannten einzuschätzen. Aus diveren Gründen:
1. Wesentilcher Aspekt ist nicht der Sani selber, sondern auch die Art und Weise, wie im Rettungsdienstunternehmen die EInsätze psychisch auf-/nachbereitet werden. Ob also z. B. ein "ausgebildeter" Supervisor Einsätze nachbespricht oder sogar ein Notarzt zum Team gehört. Und auch ob Dein Bekannter an diesen Vorkehrungen als Praktikant teilhaben, davon auch profitieren kann oder ob er "allein gelassen" wird.
2. Die Art der Einsätze, die man erlebt, ist wichtig. Man kann viele Wochen lang völlig unbelastende EInsätze haben, und dann an einem Tag den Einsatz, der einen psychisch umhaut. Dabei sind es nicht nur die Kinder, die so oft als problematisch dargestellt werden. Bei den Einsätzen, an denen ich nach über 10 Jahren immer noch zu knabbern habe ging es nie um Kinder (eigene Kinder hatte ich damals noch nicht). Es ging u. a. um Leute in meinem Alter.
3. Die menschliche Psyche ist wesentlich komplexer, als man meinen mag. Nicht der harte Typ, der kein gefühl an sich ran läßt, ist der beste Sani. Aber auch nicht der hochempathische Frauenversteher, der jedes Gefühl beschreiben und ausleben kann. Meiner Erfahrung nach gibt es keinen idealen Psychotyp für den Rettungsdienst, ich meine, dass das psychische Fundament viel wichtiger ist. Und da kommen Dinge wie Gott und Religion ins Spiel. Vielen ist das eine Hilfe. Warum leiden Menschen, obwohl es einen gütigen liebevollen Gott gibt? Kann Dein Bekannter das beantworten? An so einer Antwort magst Du erkennen, wie der psychisch befestigt ist.
Es geht nämlich nicht darum, Leid nicht an sich ran zu lassen, sondern trotz des Erlebens von Leid und Ungerechtigkeit nicht umzufallen, nicht den Glauben zu verlieren.
Damals ist mir das nicht gelungen, weil ich - vermutich wie Dein Bekannter - meine Eignung aus der Tatsache bezog, dass ich z. B. schon parallel zur Schule nachmittags im Krankenhaus jobbte. Zuerst in der Ambulanz, dann im OP als Anästhesie-Helfer. Während meine Klassenkameraden nachmittags fürs ABI paukten, jobbte ich im OP, den Medizinstudienplatz schon sicher in der Tasche habend.
Genützt hat es nichts, denn die Antwort auf die obige Fraeg nach Gott und dem Leid weiß ich erst heute. Nur jetzt bin ich schlau genug, nicht zurück in den RD zu gehen.
sehr gute antwort,ehrlich.