Frage von 2Fragensteller0, 46

Ausbildung Bankkaufmann - Beruf stirnt aus?

Abend, Ich habe nächste Woche ein Vorstellungsgespräch für ein Praktikum zum Bankkaufmann. Wenn es mir gefallen würde (was ich denke,da ich mich viel informiert habe), dann würde ich gerne eine Ausbildung als Bankkaufmann machen. Leider habe ich von einigen gehört, dass der Beruf als Bankkaufmann anfängt auszusterben und es immer weniger davon gibt, während ich gelesen habe, dass es den Beruf immer geben wird. Was denkt ihr ? Das interessiert mich sehr weil ich mit 30 nicht arbeitlos sein will. Vielen Dank für eure Antworten

Antwort
von JTKitzel, 17

Tja, da schlagen als Banker zwei Herzen in meiner Brust.

Zum einen: Ja, viele heutige Einsatzbereiche für Bankkaufleute wird es schon in zehn, fünfzehn Jahren nicht mehr geben. Ich meine damit die Kollegen an der Kasse/Schalter, der Standard-Beratung von Privatkunden und vielen Back-Office-Tätigkeiten. Diese Dinge kann man auf die ein oder andere Weise technisieren.

Zum anderen: Alle anspruchsvollen Tätigkeiten werden in einigen Jahren zwar noch mehr technisch unterstützt sein, aber immer noch von Menschen ausgeführt werden. Damit meine ich umfangreiche Anlageberatungen, Baufinanzierungen, Beratung gewerblicher Kunden, Transaktionsberatungen, Investmentbanking, etc.

Wenn du dir also zutraust, dich auch auf hohem Level immer wieder zu beweisen, stetig dazuzulernen und ggf. auch mit einem Studium (ggf. auch berufsbegleitend) dir eine Nasenlänge Vorsprung gegenüber anderen zu verschaffen ... dann ist der Beruf des Bankkaufmann auch weiterhin für dich vergleichsweise zukunftsorientiert.

Antwort
von MatthiasHerz, 25

Nun ja, es ist eben so, dass die junge Generation online banking nutzt, während die Älteren lieber zum Schalter gehen.

Ich schätze, das klassische Bargeld- und Schaltergeschäft wird es irgendwann nicht mehr geben oder nur noch sehr eingeschränkt für Geschäftsleute und die Bankkaufleute übernehmen hauptsächlich Beraterfunktionen bei Investitionen, Anlagen, Umschuldung, Schuldenabbau etc.

Dafür erwarte ich z. B. von „meinem” Berater Perfektion und unbedingte Ehrlichkeit, was heutzutage leider selten geworden zu sein scheint. Ich hoffe, es wird besser.

Antwort
von christl10, 3



Ich war über 20 Jahre als Bankkaufmann tätig. Davon über 16 Jahre in der Börsenabteilung. Bankkaufleute arbeiten in der Regel in der Bank. Sie haben den Beruf in 2 bzw. in 2,5 Jahren erlernt und die Prüfung zum Bankkaufmann abgelegt. Danach sind sie als Finanzberater in der Bank tätig. Sie beraten in allen Belangen der Kontoführung (Girokonto) und Spareinlagen. Sie verkaufen Bausparverträge und Finanzierungen und beraten wie man das gesparte bzw. überflüssige Geld anlegen kann. Zu den Anlagen gehören nicht nur Sparbriefe und Festgelder sondern auch Wertpapiere in allen Formen. Da es derzeit kaum noch Zinsen auf Geldanlagen gibt verkauft der Bankkaufmann vor allem Wertpapiere wie Aktien, Zertifikate oder Fonds. Für den Verkauf erhält er in der regel eine Provision oder es werden Gebühren berechnet. Jetzt glaubt man, daß der Bankkaufmann einem das beste Produkt verkauft. Aber da irrst Du Dich gewaltig, denn er muss im Sinne der Bank handeln, denn die Bank zahlt seinen Lohn. dafür verkauft er dem Kunden Produkte an denen er das meiste verdient. Das muss nicht immer das beste und passende Produkt für den Kunden sein. Deshalb ist der Bankkaufmann auch etwas verrufen. Also glaube nicht immer das zu dem man Dir rät. Am besten man informiert sich selbst und bildet sich selbst eine Meinung, um den Bankkaufmann zu prüfen, ob er einem aufs Ohr hauen möchte. Heutzutage hat der Bankkaufmann einen schweren Stand, denn er sit immer unter Druck seine Produkte an den Mann zu bringen. Denn daran wird er gemessen und beurteilt. Wer nicht verkaufen und überzeugend auftreten kann, der sollte einen anderen Beruf wählen in dem die Verwaltungsarbeit eher eine Rolle spielt.



Zudem solltest Du wissen, daß der Bankkaufmann kein Verwaltungsjob mehr ist. Hier geht es nur noch ums Verkaufen. Kannst Du Dich gut verkaufen und Kunden von den Produkten überzeugen dann geht es Dir in der Bank gut. Solltest Du eher schüchtern sein und kein guter Verkäufer, dann hast Du in der Bank nur ein kurzes Leben. Das sage ich, weil ich selbst Bankkaufmann gelernt habe und sich der Job in den letzten 20 Jahren total verändert hat. Leider zum schlechten. Daher kann ich jedem raten sich das ersthaft zu überlegen, ob er sich das wirklich antun möchte und im Vertrieb unter enormen Druck arbeiten möchte.




Antwort
von bronkhorst, 7

Ich habe meine Banklehre vor 30 Jahren gemacht und bin danach ins Studium abgehauen, weil der "klassische Karrierepfad" erst mal Jahre am Schalter und in der Kasse bedeutet hätte, bis es dann zu Anspruchsvollerem weitergegangen wäre.

Schon damals war erkennbar, dass die "normalen" Tätigkeiten sich deutlich entwerteten. Als Leiter einer größeren Bankfiliale war man in den Sechzigern noch einer der Dorfhonoratioren und verdiente bestens (mit Auto und Chauffeur); zur Zeit meiner Lehre wurden die gerade auf Opel Ascona und ähnliche Trauerschaukeln heruntergestuft; inzwischen dürfte das kaum besser, sondern eher noch schlechter geworden sein.

Der Geldautomat war die erste große Axt, und das Online-Banking frisst schon seit Längerem die einfachen Tätigkeiten auf. In den letzten Jahren werden auch Dinge wie die Kreditvergabe immer weiter standardisiert und automatisiert; selbst da, wo vielleicht noch Dinge manuell passieren müssen, stehen sie wegen Preisvergleichsbörsen wie interhyp oder check24 unter massivem Preiswettbewerb.

Wer sagt schließlich, dass Kreditanträge in Deutschland geprüft werden müssen - das kann mit scans auch ohne Weiteres irgendwo in einem asiatischen Dienstleistungszentrum passieren.

Es mag immer eine Gruppe schwer ersetzbarer, hochqualifizierter und gut bezahlter Jobs geben - an die man mit einer Banklehre aber immer schwieriger herankommt.

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