Aus welcher Perspektive schreiben?

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6 Antworten

Es ist eine Geschmacksfrage und eine Frage des Aufbaus. Zunächst einmal ist die "Ich"-Perspektive persönlicher, aber Du legst damit schon Identifikationsmuster an. In der Erzähl-Perspektive beläßt Du es mehr dem Leser, mit wem er sich identifizieren will.

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Frage nach Stilmitteln. Aus der "Ich"-Perspektive kannst Du nicht über den Horizont des Protagonisten hinausgehen, es ist ein schmales Fenster, mit wenigen Ausnahmen prädestiniert für einen chronologischen Aufbau.

Als Erzähler kannst Du lang und breit über Dinge berichten, die sich dem Protagonisten entziehen, kannst die Geschichte beliebig brechen, kannst beliebig "dozieren" (sehr beliebt z.B. bei Thomas Mann :D). Gerade aber darin liegt auch die Gefahr: die Verzettelung in Kleinigkeiten und dadurch Spannungsverlust zum einen oder ein zu hoher Grad der Abgehobenheit. Einen Höhepunkt findet dies m.E. im Nouveau Roman, wo die Protagonisten in ihren Handlungen fast nur noch über Veränderung von Objekten in ihrer Umwelt dargestellt werden, um sie über dieses Stilmittel auf die Objektebene zu reduzieren. Willst Du aber Kafka-mäßig den Protagonisten als Gefangenen seines Schicksals darstellen, welcher trotz aller Gegenwehr dennoch nicht seinem Schicksal entfliehen kann, dann ist fast schon die Erzählerperspektive zwingend. Da macht sich die Perspektive gut, die den Protagonisten wie eine Versuchsratte im Käfig betrachtet, denn der Wille, die Selbstbestimmtheit wird zu einer Illusion, die am Ende enttarnt wird, die "Ich"-Perspektive aber läßt den Protagonisten fast schon zwangsläufig zum Dominator der Entwicklung werden. Sein Wille, sein Handeln, seine Gedanken bestimmen das Geschehen.

Willst Du mit "vorausschauender Spannung" arbeiten, bleibt Dir eigentlich ebenfalls nur die Erzählerperspektive. Das wäre z.B. der Fall, wenn der Leser zwar um eine lauernde Gefahr weiß, aber hofft, daß der Protagonist dem noch entgehen werde. Bei der "Ich"-Perspektive stolpert man halt unerwartet in eine Falle ....

Zentrale Fragen sind also die zeitliche Anlage der Geschichte als auch die angedachte Dramaturgie, die Antwort auf die Frage ist kein Selbstgänger. Aber daß die "Ich"-Perspektive einfacher sei, kann ich nur bestätigen.


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1. person da kommt die spannung besser rüber finde ich

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Mir persönlich gefallen Geschichten, die aus der 3. Person geschrieben sind, besser.

Aber in der 1. Person schreiben ist leichter.

Wenn du also "Schreib-Anfänger" bist, kannst ja erst mal in der Ich-Perspektive schreiben :)

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dritte Person, außer du schreibst aus der Sicht des "Täters"

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Jo glaub auch erste

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Warum kombinierst du nicht einfach beide? In einem Abschnitt aus der Sicht des Mörders und in einem des Opfers, da die meisten Protagonisten sterben ist es unklug in der 1. Person zu schreiben. 

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