Wie und aus welchen Komponenten wird bei einer FMEA das Risikopotential eines Fehler ermittet?

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Für solche Sachen geht man in ein Seminar, weil es ein komplexes Thema ist, aber soweit kann ich dir erklären:

In der FMEA werden nur Prozessschritte betrachtet, die in DEINER Firma eine Wertsteigerung verursachen (was die Firma also bezahlt bekommt, wichtig ist die Unterscheidung zur Wertsteigerung am Bauteil, wenn man selbst nur Dienstleister ist).

Vor Erstellung einer FMEA müssen mittels Fehlerbaumanalysen, Ishikawa etc. alle möglichen Prozessrisiken ermittelt werden. Das macht man während einer moderierten Besprechung im Team (Werker bitte hinzuholen, damit der Praxisbezug bestehen bleibt).

Diese Risiken werden weiter analysiert:

Was sind die FEHLERFOLGEN beim Endkunden (auch für Sublieferanten relevant). Diese muss anhand ihrer BEDEUTUNG (B)für den Endkunden bewertet werden (1 - merkt er niemals, 9 - rechtliche Vorgaben werden missachtet, 10 - Verletzungs- und Lebensgefahr).

Dann betrachten wir die FEHLERART AM BAUTEIL selbst und seine URSACHE. Was ist also der konkrete Fehler und woher kommt er? Anhand dieser Informationen kann man 1. bewerten, wie WAHRSCHEINLICH SEIN AUFTRETEN (A) ist (1 - kommt niemals vor, 10 - unverschämt viel Ausschuss) und 2. wie WAHRSCHEINLICH IST ES, DASS DER FEHLER ENTDECKT (E) wird(1 - Fehler wird >immer< entdeckt, 10 - Feldausfall).

Für die RPZ (Risikoprioritätszahl) muss man dann einfach nur noch B x A x E rechnen. ABER:

(B) 10 x (A) 1 x (E) 10 = (RPZ) 100
ist besser als
(B) 10 x (A) 10 x (E) 1 = (RPZ) 100

Im ersten Fall produzierst du den (lebensbedrohlichen) Fehler gar nicht, für den es logischerweise keine Entdeckungsmaßnahme braucht, wenn er nicht auftritt,
Im zweiten Fall produzierst du massig Ausschuss, den du zuverlässig entdeckst, aber die gehen massig Ressourcen und Geld verloren.

Also lieber A niedrig als E niedrig.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Bonbonglas
07.12.2015, 14:15

Also in der Prozess-FMEA wird die Wertsteigerung mitbedacht, bei Produkt- und System-FMEA's geht es rein um Funktionalität und Sicherheit.

1
Kommentar von Bonbonglas
07.12.2015, 14:32

Da du Medizin mitgetaggt hast, unterscheide: Fehlerfolge: Was ist für den Patienten relevant? Was geschieht am Patienten? Fehlerart: Welche Fehler können am "Output" der Firma entstehen (im Labor wären das z.B. falsche Laborwerte oder verzögerte Lieferung der Werte) Fehlerursache: Was führte dazu, dass der Output fehlerhaft war? (z.B. Vertauschen der Proben, unvollständige Kennzeichnung). Mediziner tun sich schwer, dieses produktorientierte Werkzeug FMEA in ihre Prozesse einzubinden.

1
Kommentar von Bonbonglas
07.12.2015, 16:30

Du begibst dich auf dünnes Eis. Es ist für die FMEA ganz wichtig (!) Fehler von Ursachen zu unterscheiden. Fehlerarten existieren in der FMEA nur im Output. Für die FMEA gibt es nur einen betrachteten Prozess und seine Prozessschritte. Sind die Prozesse komplex, dass du sie in Teilprozesse zerlegen musst, dann bekommen Teilprozesse eine eigene FMEA, sofern sie wertschöpfend sind.

0
Kommentar von Bonbonglas
07.12.2015, 16:35

Es empfiehlt sich außerdem, (B) voranzustellen. (B) ändert sich nie. Bei Korrektur- und Verbesserungsmaßnahmen können sich nur (A) und (E) ändern. Wenn du Excel verwendest, ist so besser zu arbeiten. Sowieso muss während der Analyse immer im Vordergrund der Betrachtung stehen, was Fehler beim Kunden verursachen.

0