Frage von Coke0Zero, 34

Aus Verzweiflung wurde Hass?

Früher, wenn ich nicht weiter wusste, war ich traurig und hatte Ohnmachtsgefühle..doch seit einem Jahr ist es anders..wenn ich nicht weiter weiß, verzweifelt bin..dann werde ich aggressivnd denke drüber nach, gewaltsam zu meinem Ziel zu gelangen, weil sich das bisher mehr bewährt hat, als durch "unterwürfiges" Bitten. Ich habe zB angefangen, meine Ärzte zu bedrohen, wenn sie mich nicht richtig ernst genommen haben, was mir zwar eine Anzeige eingebracht hat, aber ebenso mich zu meinem Ziel gebracht hat. Was ist der psychologische Vorgang dahinter, wieso wählt man plötzlich diesen Weg?

Antwort
von Woropa, 14

Du hast wohl irgendwie die Geduld verloren. Du hast das Gefühl, das du auf die nette Art nicht weiterkommst und willst deshalb mit Gewalt deine Ziele erreichen. Das ist aber nicht der richtige Weg. Damit  machst du dich strafbar, wie du ja selber schon gemerkt hast.  Vielleicht kannst du da irgendwie einen Mittelweg finden.  Ich hab das auch schon erlebt, das ich mit Ärzten unzufrieden war, weil sie einfach falsche Entscheidungen getroffen haben, die mir geschadet haben. Ich habe dann einen Weg gefunden, doch noch richtig behandelt zu werden.  Ich habe im Krankenhaus bei der Chefvisite den Professor angesprochen und darauf bestanden, das ich anders behandelt werde. Das hat dann auch geklappt.   Und als mich mal ein Arzt im Krankenhaus in der Notaufnahme nach Hause schicken wollte, weil er eine falsche Diagnose gestellt hattte, habe ich energisch darauf bestanden  das ich im Krankenhaus bleibe. Und das war auch gut und richtig so. Ich musste dann 3 Tage auf Station bleiben und ein paar Wochen später musste ich auch noch operiert werden.

Antwort
von XpressMak123, 10

Nutze das aus! Aber koordiniere die dabei entstehende Energie wohlbedacht! So wirst du vieles erreichen können. Gewalt und Drohungen sind für die Katz.. Kannst du die geballte Wut aber in Worte umwandeln, die dem Arzt nachvollziehbar erklären, warum du dich nicht ernst genommen fühlst, wird er die Emotionen hinausspüren, und das Problem löst sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit.

Wenn du früher immer verzweifeltest, hast du vielleicht Mühe, auf Anhieb die richtigen Worte zu finden?

Dann empfehle ich dir, hin und wieder in einem guten Buch zu lesen. Schon eine Seite am Tag kann Wunder bewirken.

Kommentar von Coke0Zero ,

Ich sehe das genau wie du - Drohung oder gar Gewalt ist absolut der falsche Weg und auch absolut nicht meine zukünftige Intention. Die Bedrohung des Arztes war eher ein Verzweiflungsakt und auch keine Gewaltandrohung, sondern eine Drohung des finanziellen und reputativen Untergangs, sollte der Arzt mich nicht endlich ernst nehmen, was er dann dadurch auch getan hat. Dennoch habe ich mich anschließend bei ihm entschuldigt, weil ich wohl etwas ausfahrend reagiert hatte. Ich habe dieses Beispiel nur aufgeführt, um die Wandlung extremer darzustellen, die ich erfahren habe. Worte sind eigentlich genau meine Stärke, da ich selbst nicht nur täglich Bücher lese, sondern mich selbst ebenfalls als Sprachjongleur versuche, wenn auch eher im rationalen, als im kunstvoll-orientieren Bereich. Dennoch würde mich der psychologische Hintergrund interessieren, um mehr darüber zu verstehen, wieso ich plötzlich "keine Geduld" mehr habe und jetzt direkter und energischer meinen Standpunkt vertete und mich auch nicht mehr so leicht abwimmeln lasse, bis ich das bekomme, was ich als nötig und richtig ansehe? Ist wohl ein psychopathologischer Prozess, der bestimmt einen "Titel" hegt, den man ergoooooooogeln kann?

Kommentar von XpressMak123 ,

Alles klar. Ich würde sagen: https://de.wikipedia.org/wiki/Affekt#Psychopathologie_des_Affekts und der ganze Artikel.

Wahrscheinlich hast du das schon selbst ergoogelt. 

Noch als Lösungstipp: Platon war - einfach gesagt - der Auffassung, dass Glückseligkeit nur entstehen kann, wenn man die eigene Auffassung von Gerechtigkeit umsetzt. Natürlich ist es von Nachteil, wenn man eine gestörte Vorstellung von Gerechtigkeit hat. Bei dir scheint mir klar zu sein, dass du eben wegen einer 'grundsätzlich richtigen' Auffassung von Gerechtigkeit, überhaupt darüber nachdenkst, was hinter deinen Handlungen stecken könnte. Könnte sein, dass du dir nicht sicher bist, ob du richtig handelst. Liege ich da richtig? Wie stehst du persönlich zu solchen Handlungen? Möchtest du sie dir abgewöhnen, oder suchst du einen Grund, dein Vorgehen rechtfertigen zu dürfen? (Wenn ich aus reiner Neugier mal so fragen darf)

Androhungen, à la das Leben deines Gegenübers zu ruinieren etc. erachte ich persönlich schon fast als schlimmer als körperliche Gewalt, die für das Opfer ganz einfach als 'böse' einzustufen ist. Denn, wenn du die Androhungen rational untermalst, könnte der Arzt 24/7 in Angst leben, weil sein Weltbild einzubrechen droht.Theoretisch. 

"Wieso wählt man/ich plötzlich einen solchen Weg?" Wenn du diese Frage stellen kannst, bringst du dich automatisch in die Position, die Frage als einziger selbst beantworten zu können. Das Bewusstsein des Menschen ist dazu in der Lage, die Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen, also die eigene Gefühlslage BEWUSST zu beeinflussen. Informationen über den psychologischen und physiologischen Vorgang sind zwar interessant, aber - nach meiner persönlichen Erfahrung - selten hilfreich. Denn man entfernt sich so von der realen Handlungsebene.Vielleicht ist das bei dir auch ganz anders, ich weiss es nicht.

Kommentar von XpressMak123 ,

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