Es gibt zwei Ebenen, die bei dieser Frage immer wieder mit reingespielt haben: die erkenntnistheoretische und die othologische. Und weil es in der Richtung ein wenig Streit gab, dachte ich, ich versuche das mal zu trennen. Anmerkzung dazu: Ich schreibe nur nach bestem Wissen und bin kein hochkarätiger Philosoph in dem Gebiet.
Die onthologische Frage ist hier etwa: Was können wir erkennen?
Die Antwort darauf lautet dann zum Beispiel: "Wir können nichts so richtig erkennen und können uns bei nichts, was wir wahrnehmen, hunderprozentig sicher sein" (Agnostiker) oder "Wir können unsere Umwelt umfassend wahrnehmen und erkennen die Wahrheit" (Gnostiker)
Dann folgt die erkenntnistheoretische Frage: Was erkennen wir?
Da kommt zum Beispiel ein: "Ich erkenne Gott, und der ist so und so und will das und das" (gläubiger Mensch) oder ein "Ich erkenne, dass es keinen Gott gibt/ geben kann" (Atheist)
Das ist wohl das, was HiFiech meinte, als er sagte, dass Atheismus auch gewissermaßen nur eine Religion ist: Ateismus antwortet auf die selbe Frage wir Religion.
Natürlich kann man die Antworten der unterschiedlichen Fragen miteinander kombinieren, zum beispiel indem man gläubiger Agnostiker ("Ich vermute, dass es meinen Gott gibt, aber ich weiß es nicht") oder atheistischer Gnostiker ("Es gibt ja Gott sowas von sicher nicht!" - mehrmals in dieser Diskussion erlebt) ist.
Das ist der Grund, weshalb man allein aus dem Begriff "Atheist" nicht herauslesen kann, ob jemand seine Meinung für fehlbar hält und eben nur für eine Meinung, oder ob es für ihn wirklich eine Weltanschauung ist.
Atheisten, die aufgrund des Studiums einer oder mehrer Religionen zu der Ansicht kommen, dass es sich hierbei nicht um die Wahrheit handelt.
Atheisten, die merken, dass ihre eigene Gottesvorstellung nicht wahr ist und keine für sie annehmbare Variante finden
Ich habe diese Antwort ausgewählt, weil sie mir am besten auszudrücken scheint, wie viele verschiedene Atheismen es geben könnte, und wahrscheinlich auch gibt, wenn man darüber nachdenkt.
Die Liste könnte man wahrscheinlich noch erheblich erweitern, und dazu würde ich auch motivieren wollen.
Ich bedanke mich für die rege Teilnahme, die interessanten Beiträge, und wünsche mir, dass weit weniger geurteilt als nachgedacht wird, ob es nun um Atheisten oder Gläubige geht.
Diese Antwort ist nur leider nicht passend zur Frage. Es wurde gefragt WAS ein Atheist ist und nicht WIE man zum Atheisten wird. Ein Atheist ist jemand der überzeugt ist, dass es keinen Gott gibt. Dann gibt es noch Antitheisten, die ein wenig weiter gehen und alles ablehnen was mit Theismus zu tun hat und dafür auch Gegenbeweise aufbringen. Und es gibt die Agnostiker, die nicht ausschließen das es so etwas wie Gott oder Götter gibt, aber sagen, dass man es auch nicht beweisen kann. Der Agnostizismus ist eine Weltanschauung, die insbesondere die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens betont.
Garwain, wenn du lesen kannst, wirst du auch sehen, dass es bei gamine sehr wohl um die Definition eines Atheisten geht, nur ist die eben wahrscheinlich nicht so klar, wie du sie vielleicht siehst.
Darum ging es, dass es eben nicht alles klar ist, und die Vorstellungen und Motivationen sehr verschieden sind.
Hochinteressant. Erstens, weil ich wieder bemerke, wie ungenau Sprache bei sehr feinen Dingen werden kann, vor allem, wenn man sich nicht dabei sehen kann. Und zweitens, weil ich gerade merke, daß meine Ansicht über die Ansiedelung dieses Begriffes im Prozeß der menschlichen Meinungsbildung zu starr war, so daß mir diese Facette der Frage gar nicht in den Sinn kam. Gut, daß es so eine Plattform gibt - ich hab´s gerne gelesen...
Danke dir, frank und auch dir, andisazi -
ich möchte auch gerne noch anregen, ebensolche Bilder von Theisten zu entwerfen, sozusagen als Übung um die Diskussionsfähigkeit anzuregen und mit dem Schubladendenken aufzuhören, wie TeeEi das auch aufgezeigt hat.
Diskussionen sind doch in höchstem Masse fruchtbar, wenn man mit Menschen diskutiert, die anderer Meinung sind als man selber, weil man angeregt wird, seine eigene Position zu überdenken, neu zu formulieren oder zu begründen... vorausgesetzt, man ist willens dies zu tun.