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Augustus und das private Heer?

Frage von ReggaeFever ReggaeFever

Hallo liebe Community, ich schreibe am Donnerstag meine 2. GeschichtsLK-Klausur und vorher sollen wir noch ein paar Quellen analysieren. Alles schön und gut, nur haben wir jetzt zu der einen Quelle noch andere Aufgaben bekommen und bei der einen Frage komme ich einfach nicht voran. Ich bin schon nur am lesen, aber i.wie hat das Internet nichts wirklich Brauchbares. Vllt kann mir von euch ja jmd helfen. Also, die Frage lautet:

"Augustus (Octavian) berichtet, dass er bereits in jungen Jahren (19 Jahre alt) ein privates Heer aufgestellt habe. Was sagt dies über den Zustand des römischen Staatswesens aus?"

Ich hoffe jmd kann mir da helfen, denn ich finde nicht wirklich Anhaltspunkte, warum er das so einfach durchsetzen konnte, da er damals eig nicht das römische Recht hatte, ein Heer aufzustellen, da er kein politisches Amt bekleidete.

LG ReggaeFever

PS: Achso, die Quelle heißt "An auctorias habe ich alle übertroffen..." und stammt aus "Res gestae" http://de.wikipedia.org/wiki/Res_gestae_divi_Augusti

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Antworten (4)

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    RatgeberHelden Antwort von Albrecht Albrecht

    Mit diesem Satz (Res Gestae Divi Augusti 1) beginnt Augustus seinen Tatenbericht:

    Annos undeviginti natus exercitum privato consilio et privata impensa comparavi, per quem rem publicam a dominatione factionis oppressam in libertatem vindicavi.

    „Im Alter von 19 Jahren Jahren habe ich aus eigenem/privaten Entschluß und aus eigenen/privaten Mitteln ein Heer aufgestellt, durch das ich dem Staat/Staatswesen, das durch die Herrschaft/Gewaltherrschaft einer politischen Clique unterdrückt wurde, befreite/in die Freiheit setzte/die Freiheit wiedergab.“

    Duchsetzbarkeit

    Er war Erbe Caesars. Gaius Octavius (den Ehrentitel „Augustus“, der etwa „der Erhabene“ bedeutet“, hat er erst später, 27. v. Chr. erhalten) war der Großneffe des mächtigen Gaius Iulius Caesar und ist von ihm in seinem Testament adoptiert und als Haupterbe eingesetzt worden.

    Gaius Octavius hat sich dann Gaius Iulius Caesar genannt. Da üblicherweise dabei der Zusatz „Octavianus“ hinzugefügt worden wäre, wird er in dieser Phase auch Octavian bzw. Oktavian genannt. Er hat sich die für den Partherkrieg bestimmte Kriegskasse in Appolonia angeeignet. Marcus Antonius hat ihm zunächst nicht das Geld aus dem Testament ausgezahlt. Octavian hat Güter versteigert, von den mit ihm verwandten Miterben Quintus Pedius und Lucius Pinarius Scarpus ihr Erbteil erbeten und erhalten und von Freunden und Verwandten Geld geliehen, um Geldzahlungen gemäß Cäsars Testament zu leisten.

    Gaius Oppius und Lucius Cornelius Balbus, zwei enge Berater Cäsars, wurden für ihn Ratgeber und Vertrauensmänner. Freunde und Verwandte haben ihn bei der Aufstellung eines Heers unterstützt.

    Wichtig ist der Gegensatz zwischen Caesarmördern und Caesaranhängern nach Caesars Ermordung. Octavian hat im Oktober 44 v. Chr. aus Veteranen in Kampanien (aus der 7. und 8. Legion Cäsars) Soldaten angeworben und zahlte dabei einen doppelten Jahreslohn (2000 Sesterzen) als Handgeld. So bekam er bald 3000 Mann zusammen.

    Im November brachte er mit Appell an die Treue zu Cäsar und finanziellen Versprechungen die 4. Legion und die Mars-Legion (er zahlte ihren Soldaten noch einmal 2000 Sesterzen und versprach weitere 20000 für den Tag des Sieges) zum Überlaufen auf seine Seite. 3 weitere Legionen bildete er bis Januar 43 v. Chr. aus angeworbenen Veteranen und Rekruten.

    Im November war Octavian schon einmal nach Rom marschiert, wo er aber für seine Zeile keine große Unterstützung erhielt. Ein Teil seiner Soldaten (etwa 3000 hatte er mit sich gehabt) lief weg, als seine Absichten gegen Marcus Antonius deutlich wurden. Als Marcus Antonius mit Truppen herannahte, sah sich Octavian zum Rückzug genötigt.

    Allerdings hatte auch Marcus Antonius Schwierigkeiten, mit Caesarmördern und Senatoren. Er konnte Octavian nicht politisch ganz ausschalten. Ihm die Privatarmee gegen den Willen der Soldaten zu entziehen, war kein leichtes Unternehmen.

    Zustand des States

    Wie in der Frage richtig festgestellt, war es nicht rechtmäßig und verfassungswidrig, als Privatmann, ohne ein Amt, aus eigenem Entschluß eine Armee aufzustellen. Octavian hatte keine amtliche Stellung und auch keinen öffentlichen Auftrag einer rechtmäßigen Institution zur Aufstellung einer Armee erhalten.

    Wenn die Neigungen der Soldaten keine deutlich Bevorzugung enthielten, konnte in dieser Zeit Geld (bzw. das Versprechen von Geld oder anderem Besitz) den Ausschlag geben, wem sie sich anschlossen.

    Die Privatarme hatte keinerlei rechtliche Grundlage und kam einem Hochverrat gleich – wenn es eine normale Zeit gewesen wäre.

    Die politische Lage war aber nicht stabil. Die römische Republik hatte sich in einer Krise befunden und Caesar hatte im Bürgerkrieg die Alleinherrschaft errungen. Seine Ermordung führte nicht zu einem Zustand, in dem die Republik leicht wiederhergestellt werden konnte, wie von den Tätern erhofft. Mehrere Männer und Gruppen rangen um die Macht. Es gab damals keine politische Führung, die in der Lage war, die Lage klar unter Kontrolle zu bekommen.

    Rechtliche unerlaubte Handlungen politisch Mächtiger konnten nicht so einfach verhindert werden. Die Durchsetzung eines staatlichen Gewaltmonopols stieß auf Schwierigkeiten.

    Außerdem spielte politische Strategie und Taktik eine Rolle. Die Einstellung zu Ereignissen und Maßnahmen hing auch davon ab, was für eigene Ziele als günstig oder nutzbar erschien.

    Die Caesarianer standen nicht geschlossen hinter Marcus Antonius, der als Konsul eine Amtsstellung besaß. Der Senat war nicht völlig einig und auch wenn in ihm Beschlüsse eine Mehrheit erhielten, hatte diese Senatsmehrheit Schwierigkeiten damit, sich damit gegen mächtige Politiker durchzusetzen, die als Heerführer auftaten.

    Kommentar von Albrecht AlbrechtAlbrecht

    Im Senat ergab sich bald darauf eine Mehrheit, die auf ein Bündnis mit Octavian gegen Marcus Antonius setzte. Sie tat dies aufgrund einer gewissen Notlage, allein nicht viel gegen diesen ausrichten zu können. Vermutlich dachten viele, Octavian lenken zu können oder ihn sonst, wenn er nicht als Mittel mehr benötigt wurde, entmachten zu können (ob das Bündnis mit Octavian langfristig gesehen klug war, kann stark bezweifelt werden, da es einen Preis hatte und eine Einengung des Handlungsspielraums bedeutete, mit Abhängigkeit von einem die Vergrößerung seiner eigenen Machstellung anstrebenden Politiker).

    Der Senat mit Marcus Tullius Cicero als einflußreichem Befürworter (der ihn als Mittel zur Bekämpfung von Gegnern einsetzen wollte) nahm Octavian in den Senat auf, verlieh ihm das Recht, dort in der höchsten Ranggruppe (ehemalige Konsuln) abzustimmen, und gab ihm ein außerordentliches Kommando, eine propaetorische Befehlsgewalt (imperium propraetore) für einen Kampf gegen Marcus Antonius, der in Norditalien gegen den Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus kämpfte und zum Staatsfeind (hostis) erklärt wurde.

    Die nicht rechtmäßige Aufstellung einer Privatarmee wurde so nun legalisiert. Mit der politischen Clique, die den Staat unterdrücke, ist Marcus Antonius mit seinen Anhängern gemeint. Das angebliche Ziel Freiheit ist ein Schlagwort, das besser vorzeigbar ist, als das tatsächliche Machtstreben. 43 v. Chr. hat Octavian durch Einmarsch mit Soldaten in Rom ein Konsulat für sich erzwungen. Mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus ging er ein Bündnis ein und bildete ein Triumvirat (tresviri rei publicae constituendae).

    Kommentar von Albrecht AlbrechtAlbrecht

    In Biographien und Untersuchungen zu dieser Zeit sind Erläuterungen nachzulesen, z. B.:

    Jochen Bleicken, Augustus : eine Biographie. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010 (rororo ; 62650), S. 47 – 120

    Klaus Bringmann, Augustus. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007 (Gestalten der Antike). S. 35 - 58

    Werner Dahlheim, Augustus : Aufrührer - Herrscher - Heiland ; eine Biographie. München : Beck, 2010, S. 34 – 47

    S. 42 – 43: „Die Erinnerung an die Wochen, in denen Octavian zur Waffe griff, blieb lange lebendig. Und wenn sie ihn auch nicht mehr gefährden konnte, als alles längst Geschichte war, so hielt sie doch eine peinliche Wahrheit fest: Die Anfänge des allmächtigen Kaisers waren die eines gesetzlosen Abenteurers, der sich des Hochverrats schuldig gemacht hatte, als er eigenmächtig Truppen anwarb. Niemand, dafür war das erfahrene Leid zu groß, vergaß, dass mit dieser Tat im Herbst 44 der Bürgerkrieg erneut ausbrach, der fünfzehn Jahre lang das Unterste zuoberst kehrte. Wie aber sollte eine Herrschaft Bestand haben, auf dessen Gründungsakt die tiefen Schatten von Aufruhr und Verrat fielen, und wie sollte ein Mann vor der Geschichte bestehen können, der alles, was er besaß, räuberischer Erpressung verdankte?

    Noch Jahrzehnte nach den Ereignissen musste der alt gewordene Kaiser darauf eine Antwort finden. Sie brauchte nicht originell zu sein, musste aber überzeugen. Ihren Gedanken hat bereits Cicero formuliert, als er in der Senatssitzung am 20. Dezember Antonius als Staatfeind denunzierte und die Legalisierung der hochverräterischen Truppenanwerbung des Octavian verlangte. Die Veteranen und Soldaten, lockte er, hätten sich für die Selbstbestimmung des römischen Volkes erhoben, und ihr Führer habe vorbildlich gehandelt, als er mit seinem Geld der Republik einen großen Dienst erwiesen und ihr die Freiheit bewahrt habe; beide seien daher zu loben und vom Senat zu ehren – was dieser auch tat.

    Jeder Rebell hört solche Sätze gern und dankbar. Augustus wird sich an sie und ähnliche erinnert haben, als er sich entschloss, seinen Tatenbericht mit der Entscheidung des Herbstes 44 zu beginnen. Gerade sie, die das Stigma des Verbrechens so offenkundig trug, bedurfte in seinem politischen Testament der Begründung. Denn sein Leben und seine Taten sollten als gültiges Leitbild einer Alleinherrschaft dienen, die sich bewusst in die Geschichte der Republik einordnete und den Segen der Götter erhalten hatte. So verdeckte er den Hochverrat mit dem Wort, das allein geeignet schein, die Kritiker zum Verstummen zu bringen: der Rettung des Staates. » Im Alter von neunzehn Jahren habe ich als Privatmann aus eigenem Entschluss und aus eigenen Mitteln ein Heer aufgestellt, mit dessen Hilfe ich den durch die Willkürherrschaft einer bestimmten Gruppe versklavten Staat befreite.« “

    Werner Eck, Augustus und seine Zeit. Originalausgabe, 5., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2009 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2084), S. 13 – 17 Ulrich Gotter, Der Diktator ist tot! : Politik in Rom zwischen den Iden des März und der Begründung des Zweiten Triumvirats. Stuttgart : Steiner, 1996 (Historia : Einzelschriften ; Heft 110), S. 56 - 105

    Dietmar Kienast, Augustus. Prinzeps und Monarch. 4., bibliographisch aktualisierte und um ein Vorwort ergänzte Auflage (Sonderausgabe). Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2009 (Wissen verbindet), S. 10 - 20

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    Antwort von ReggaeFever ReggaeFever

    DANKE FÜR DIE HILFREICHEN ANTWORTEN!!!!!!!!!!!! Jetzt hab ich's verstanden. Da konnt ich mit meinen paar Stichpunkten nicht mithalten^^

    Allerdings muss ich nochmal nerven, denn bei der letzten Aufgabe habe ich auch so meine Probleme. I.wie komme ich mit der Quelle nicht klar :(

    Wie stellt Augustus insgesamt sein Verhältnis zur Staatsgewalt dar? Nehmen Sie dabei kritisch Stellung zu seiner Aussage, er habe alle an persönlichem Ansehen (auctoritas) übertroffen, niemanden aber an Amtsgewalt (potestas).

    Das Problem ist, dass ich meine Lehrerin vorher nicht nochmal fragen kann, da diese bis zur Klausur krank ist und uns nur die Aufgaben zum Üben dagelassen hat -.- Könnt ihr mir da vllt auch nochmal helfen?

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    Antwort von stonedog stonedog

    Es sagt aus, dass

    • einzelne furchtbar reich und mächtig werden konnten
    • der Staat nicht mehr die Möglichkeit hatte, dies zu verhindern
    • Soldaten demjenigen gegenüber loyal waren, der sie bezahlt hat bzw. der ihre Altersvorsorge gesichert hat. Augustus hat auch Soldaten von seinem Adoptivvater Cäsar "geerbt"
    • der Staat sich in einem Zustand des Bürgerkriegs befand
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    Antwort von Helmpflicht Helmpflicht

    Zu einem Staat gehört, zumindest nach modernem Verständnis, das staatliche Gewaltmonopol. Wenn ein Staat dieses Gewaltmonopol nicht durchsetzen kann, handelt es sich um einen schwachen Staat.

    Jetzt ist es natürlich albern, moderne Kriterien an die antike römische Republik anzulegen. Deshalb hier eine andere Argumentation: Der Staat war zu schwach, sich gegen die vielen Warlords durchzusetzen, die nach Caesars Ermordung die Provinzen beherrschten. Deshalb war der Staat angewiesen auf die politische Inititative eines begüterten, jungen Mannes aus gutem Haus, der seine ganze Kraft dem Staat zur Verfügung stellt. So jedenfalls dürfte sich Octavian selbst gesehen haben. Unerwähnt bleibt dabei natürlich, dass Octavian selbst nichts anderes als ein Warlord war.

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