Mit diesem Satz (Res Gestae Divi Augusti 1) beginnt Augustus seinen Tatenbericht:
Annos undeviginti natus exercitum privato consilio et privata impensa comparavi, per quem rem publicam a dominatione factionis oppressam in libertatem vindicavi.
„Im Alter von 19 Jahren Jahren habe ich aus eigenem/privaten Entschluß und aus eigenen/privaten Mitteln ein Heer aufgestellt, durch das ich dem Staat/Staatswesen, das durch die Herrschaft/Gewaltherrschaft einer politischen Clique unterdrückt wurde, befreite/in die Freiheit setzte/die Freiheit wiedergab.“
Duchsetzbarkeit
Er war Erbe Caesars. Gaius Octavius (den Ehrentitel „Augustus“, der etwa „der Erhabene“ bedeutet“, hat er erst später, 27. v. Chr. erhalten) war der Großneffe des mächtigen Gaius Iulius Caesar und ist von ihm in seinem Testament adoptiert und als Haupterbe eingesetzt worden.
Gaius Octavius hat sich dann Gaius Iulius Caesar genannt. Da üblicherweise dabei der Zusatz „Octavianus“ hinzugefügt worden wäre, wird er in dieser Phase auch Octavian bzw. Oktavian genannt. Er hat sich die für den Partherkrieg bestimmte Kriegskasse in Appolonia angeeignet. Marcus Antonius hat ihm zunächst nicht das Geld aus dem Testament ausgezahlt. Octavian hat Güter versteigert, von den mit ihm verwandten Miterben Quintus Pedius und Lucius Pinarius Scarpus ihr Erbteil erbeten und erhalten und von Freunden und Verwandten Geld geliehen, um Geldzahlungen gemäß Cäsars Testament zu leisten.
Gaius Oppius und Lucius Cornelius Balbus, zwei enge Berater Cäsars, wurden für ihn Ratgeber und Vertrauensmänner. Freunde und Verwandte haben ihn bei der Aufstellung eines Heers unterstützt.
Wichtig ist der Gegensatz zwischen Caesarmördern und Caesaranhängern nach Caesars Ermordung. Octavian hat im Oktober 44 v. Chr. aus Veteranen in Kampanien (aus der 7. und 8. Legion Cäsars) Soldaten angeworben und zahlte dabei einen doppelten Jahreslohn (2000 Sesterzen) als Handgeld. So bekam er bald 3000 Mann zusammen.
Im November brachte er mit Appell an die Treue zu Cäsar und finanziellen Versprechungen die 4. Legion und die Mars-Legion (er zahlte ihren Soldaten noch einmal 2000 Sesterzen und versprach weitere 20000 für den Tag des Sieges) zum Überlaufen auf seine Seite. 3 weitere Legionen bildete er bis Januar 43 v. Chr. aus angeworbenen Veteranen und Rekruten.
Im November war Octavian schon einmal nach Rom marschiert, wo er aber für seine Zeile keine große Unterstützung erhielt. Ein Teil seiner Soldaten (etwa 3000 hatte er mit sich gehabt) lief weg, als seine Absichten gegen Marcus Antonius deutlich wurden. Als Marcus Antonius mit Truppen herannahte, sah sich Octavian zum Rückzug genötigt.
Allerdings hatte auch Marcus Antonius Schwierigkeiten, mit Caesarmördern und Senatoren. Er konnte Octavian nicht politisch ganz ausschalten. Ihm die Privatarmee gegen den Willen der Soldaten zu entziehen, war kein leichtes Unternehmen.
Zustand des States
Wie in der Frage richtig festgestellt, war es nicht rechtmäßig und verfassungswidrig, als Privatmann, ohne ein Amt, aus eigenem Entschluß eine Armee aufzustellen. Octavian hatte keine amtliche Stellung und auch keinen öffentlichen Auftrag einer rechtmäßigen Institution zur Aufstellung einer Armee erhalten.
Wenn die Neigungen der Soldaten keine deutlich Bevorzugung enthielten, konnte in dieser Zeit Geld (bzw. das Versprechen von Geld oder anderem Besitz) den Ausschlag geben, wem sie sich anschlossen.
Die Privatarme hatte keinerlei rechtliche Grundlage und kam einem Hochverrat gleich – wenn es eine normale Zeit gewesen wäre.
Die politische Lage war aber nicht stabil. Die römische Republik hatte sich in einer Krise befunden und Caesar hatte im Bürgerkrieg die Alleinherrschaft errungen. Seine Ermordung führte nicht zu einem Zustand, in dem die Republik leicht wiederhergestellt werden konnte, wie von den Tätern erhofft. Mehrere Männer und Gruppen rangen um die Macht. Es gab damals keine politische Führung, die in der Lage war, die Lage klar unter Kontrolle zu bekommen.
Rechtliche unerlaubte Handlungen politisch Mächtiger konnten nicht so einfach verhindert werden. Die Durchsetzung eines staatlichen Gewaltmonopols stieß auf Schwierigkeiten.
Außerdem spielte politische Strategie und Taktik eine Rolle. Die Einstellung zu Ereignissen und Maßnahmen hing auch davon ab, was für eigene Ziele als günstig oder nutzbar erschien.
Die Caesarianer standen nicht geschlossen hinter Marcus Antonius, der als Konsul eine Amtsstellung besaß. Der Senat war nicht völlig einig und auch wenn in ihm Beschlüsse eine Mehrheit erhielten, hatte diese Senatsmehrheit Schwierigkeiten damit, sich damit gegen mächtige Politiker durchzusetzen, die als Heerführer auftaten.
Im Senat ergab sich bald darauf eine Mehrheit, die auf ein Bündnis mit Octavian gegen Marcus Antonius setzte. Sie tat dies aufgrund einer gewissen Notlage, allein nicht viel gegen diesen ausrichten zu können. Vermutlich dachten viele, Octavian lenken zu können oder ihn sonst, wenn er nicht als Mittel mehr benötigt wurde, entmachten zu können (ob das Bündnis mit Octavian langfristig gesehen klug war, kann stark bezweifelt werden, da es einen Preis hatte und eine Einengung des Handlungsspielraums bedeutete, mit Abhängigkeit von einem die Vergrößerung seiner eigenen Machstellung anstrebenden Politiker).
Der Senat mit Marcus Tullius Cicero als einflußreichem Befürworter (der ihn als Mittel zur Bekämpfung von Gegnern einsetzen wollte) nahm Octavian in den Senat auf, verlieh ihm das Recht, dort in der höchsten Ranggruppe (ehemalige Konsuln) abzustimmen, und gab ihm ein außerordentliches Kommando, eine propaetorische Befehlsgewalt (imperium propraetore) für einen Kampf gegen Marcus Antonius, der in Norditalien gegen den Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus kämpfte und zum Staatsfeind (hostis) erklärt wurde.
Die nicht rechtmäßige Aufstellung einer Privatarmee wurde so nun legalisiert. Mit der politischen Clique, die den Staat unterdrücke, ist Marcus Antonius mit seinen Anhängern gemeint. Das angebliche Ziel Freiheit ist ein Schlagwort, das besser vorzeigbar ist, als das tatsächliche Machtstreben. 43 v. Chr. hat Octavian durch Einmarsch mit Soldaten in Rom ein Konsulat für sich erzwungen. Mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus ging er ein Bündnis ein und bildete ein Triumvirat (tresviri rei publicae constituendae).