Frage von AlphaGamer2, 77

Aufwandspensum Informatikstudium + Doppelstudium?

Guten Tag allerseits.

Ich werde ab Oktober ein Informatikstudium beginnen und spiele mit dem Gedanken ein Doppelstudium aufzunehmen. Das 2. Fach wäre hierbei Arabistik & Islamwissenschaft. Das wollte ich eigentlich nach dem Beenden des Informatikstudiums beginnen, aber dachte mir, dass man ja eventuell beides zusammen legen könnte um Zeit zu sparen. Nun ist mir bewusst, dass insbesondere Informatik ein schwerer und vor allem Mathematiklastiger Studiengang ist und nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Ich bin jetzt leider auch nicht so DAS Ultramathegenie (3.0 Abitur, Mathe Leistungskurs mit 9 v. 15 Punkten abgeschlossen) aber traue es mir trotzdem zu.

Meine Frage wäre jetzt:

Kann mir jemand etwas zum Aufwandspensum im Informatikstudium berichten? War jemand etwa so Mathe"stark" wie ich und hat es geschafft und wenn ja mit welchem Aufwand? Hat jemand allgemein Erfahrung mit einem Doppelstudium (Idealerweise natürlich Informatik + irgend eine Geisteswissenschaft)? Kann mir jemand allgemein etwas über das Informatik oder Arabistik Studium berichten? Wie läuft es ab, ist es schwer, Arbeitsverhältnis nach der Uni und so weiter.

Vielen Dank und freue mich auf eure Antworten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von lillian92, 54

Ich kann von einem Doppelstudium von Informatik und so einem artfremden Fach nur abraten.

Ich studiere selbst Informatik (war immer Vorzugsschüler, Abitur mit 1.0 bestanden) und das Arbeitspensum und die Leistungsanforderungen sind wirklich immens hoch. Je nachdem welche Vorkenntnisse du mitbringst, darfst du dich nicht nur tief im Programmcode mehrere Programmiersprachen vergraben, sondern musst eben auch durch Unimathematik durch. Der Unterschied zur Schule ist wie Tag und Nacht – an der Uni wird Schulmathematik ab und an auch als "Rechnen für Fortgeschrittene" bezeichnet. Während man in der Uni zwar die Rechenregeln beherrschen muss, sind die Probleme aber auf einer viel höheren Abstraktionsebene beschrieben, wodurch man Probleme oftmals nur unter theoretischer Anwendungen gelernter Inhalte lösen muss – sprich nicht Rechnen, sondern "nur" ausformulieren, wie man es machen würde. Außerdem kommen je nach Studiumspezialisierung auch noch theoretische Informatik und das Erlernen verschiedener Standardalgorithmen sowie das generelle Abstrahieren von Problemen hinzu.

Um es mal in Zahlen zu sagen, die wir sie am Anfang des 1. Semesters präsentiert bekommen haben: Etwa 5% der Studierenden schaffen das 1. Semester auf Anhieb – ca 10 % wenn man die Nachprüfungen/Wiederholungstests miteinrechnet.
Die Drop-Out-Rate ist extrem hoch (laut meiner Uni bei ca 60 % gesamt, wobei ca 40% aufgrund der gut bezahlten Jobs das Studium abbrechen und ohne Abschluss in die Wirtschaft gehen).

Ein Studienkollege mit einschlägiger Vorbildung hat im ersten Semester noch ein Doppelstudium von Informatik und technischer Mathematik angedacht (sehr Artverwandt möchte man meinen), hat mittlerweile aber die technische Mathematik abgebrochen und studiert nur noch Informatik.

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Oha. Das macht mir etwas Angst.

Aber Danke für die Antwort!

Kommentar von lillian92 ,

Kein Problem, ich wollte dir aber keine Angst machen.

Die Informatik alleine ist durchaus schaffbar, aber man bracht eben auch Biss und ein großes Interesse dafür. Falls man Interessen neben der Informatik hat, hat man ja auch ein gewisses Pensum an Fächern, die man komplett frei auswählen und an jeder Uni machen kann (hier geht zB der Mythos von universitären Bierbraukursen als Möglichkeit um). Diese Pensum könnte man dann ja für ausgewählte Kurse aus diesem Fachbereich benützen – oder eben umgekehrt, Arabistik & Islamwissenschaften machen und das freie Wahl-Pensum für Informatik-Kurse nutzen ;)

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Bierbraukurse klingt natürlich höchstinteressant, aber wenn mir dafür wertvolle Zeit fürs Hauptstudium verloren geht, werde ich es wohl nicht in Anspruch nehmen hehe ;-).

Kennst du denn vielleicht jemanden in deinem Kurs, der NICHT unbedingt Mathe-1er oder 2er Schüler war und es schafft/schaffte?

Kommentar von lillian92 ,

Ja, so geht es damit vielen :D

Und ja, auch solche Leute haben wir hier. Wie gesagt Unimathe ist anders als Schulmathematik – manche tun sich damit sogar leichter. Außerdem sollte man beachten, dass je nach Schule und vor allem auch Lehrer nicht jede Note das selbe Können voraussetzt ;)

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Alles klar. Ich habe ein sächsisches Abitur und bin damit guter Dinge eine anständige und anspruchsvolle Bildung erhalten zu haben ^^

Expertenantwort
von Kristall08, Community-Experte für Studium, 43

Ist dir klar, dass du für ein Doppelstudium eine Genehmigung der Uni benötigst? Und die wollen eine wirklich gute Begründung hören, wieso du zwei so wenig artverwandte Fächer studieren möchtest und wie du den Zeitaufwand zu bewältigen gedenkst.

Mein Ältester studiert Informatik im 2. Semester. Er hatte Mathe-LK, im Abi 12 Punkte und rotiert schon ziemlich. Wie du es da schaffen willst, ein derart anspruchsvolles Zweitfach wie Arabistik zusätzlich zu schaffen, sehe ich nicht. Ich habe mir sagen lassen, dass die Kinder in den arabischen Ländern bis zu vier Jahre brauchen, bis sie diese Schrift beherrschen. Und das ist dann nur die Schrift, von der Grammatik und den anderen Seminaren, die man belegen muss, reden wir erst mal nicht.

An den Unis gibt es Sprachkurse, die man meist kostenlos besuchen kann. Wenn Arabisch dich so interessiert, kannst du ja damit schon mal anfangen.

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Hallo.

Ja mir ist bewusst, dass ich eine Genehmigung brauche mit Motivationsschreiben etc. 

Aber ja, du hast vermutlich Recht. Ich habe Informatik etwas unterschätzt.

Um ehrlich zu sein, beherrsche ich die Arabische Schrift schon (Übrigens in nur 1 Woche gelernt - aber die Araber machen es natürlich gründlicher in der Schule, deswegen länger).

Aber gut, vielen Dank für die Antwort, das macht mich auch nochmal nachdenklich ob ich das Studium tatsächlich wagen sollte. Wobei später wechseln auch keine Schande ist.

Kommentar von Kristall08 ,

In einer Woche? Nimm es mir nicht übel, aber das fällt mir dann doch etwas schwer zu glauben. ^^

Es ist wohl so, dass die ersten Semester, in denen die (meist eher langweiligen) Grundlagen vermittelt werden, die schwierigsten sind. Du kannst doch, wenn du die hinter dir hast, Veranstaltungen in Arabistik besuchen und sehen, ob es dir immer noch so viel Spaß bereitet. In welcher Form du dich dann ggf. einschreibst für das Fach, kann man dann klären.

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Ich verstehe deine Zweifel voll und ganz haha.. Aber ich war extrem motiviert (Der Grund war der Besuch eines arabischen Landes - hat mir auch sehr viel geholfen übrigens) und hatte Zeit. Kannst du auch probieren, ist nicht unbedingt so schwer. Zudem spreche ich auch noch einige andere Sprachen, von daher vermute ich, dass meine Veranlagung da etwas geholfen hat. ;-)

Das macht mir auch Hoffnung das Studium zu schaffen, denn am Ende liegt es ja immer an der Motivation.! Und ja, die Möglichkeit als Gast Kurse zu besuchen werde ich wohl benutzen.

Kommentar von Kristall08 ,

Nun ja, ich denke nicht, dass ich mich als sprachlich gänzlich unbegabt bezeichnen würde. Ich habe, unter anderem, Sprachen studiert, das Erlernen fremder Schriften (Runen waren mein Schwerpunkt in Nordistik, außerdem musste ich Russisch, Bulgarisch und Ukrainisch lesen lernen) ist mir durchaus vertraut. Derzeit lerne ich Persisch, das hat noch 4 Schriftzeichen mehr als das Arabische, daher weiß ich ziemlich genau, wovon ich spreche. 

Ein Arabistik-Studium beinhaltet natürlich mehr als nur den reinen Erwerb der Sprache. Schau mal nach einem Modulplan, dann kannst du sehen, was dich dort erwartet. ;)

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Oh sehr schön, bulgarisch ist meine Muttersprache hehe ;) 

Arabistik würde mich schon extrem interessieren, habe den Modulplan gelesen. Aber leider ist dieses Fach so Zukunftsuntauglich, weswegen ich mich erst für Informatik entschieden habe und danach dann A & Owi, mehr für die persönliche Bereicherung.

Antwort
von Malheur, 39

Der Aufwand richtet sich danach, was du erreichen möchtest. Möchtest du die bestmögliche Note erreichen, ist dieser sehr hoch. (Was sehr hoch bedeutet, richtet sich auch danach, wie viele Module/Fächer du dir in dein Semester gelegt hast.) Einige Leute bekommen sowas irgendwie hin, aber eben nicht entsprechend gut. So ist zumindest meine Erfahrung. Wenn du etwas wirklich gut machen willst, dann konzentriere dich auf eine Sache zu 100 %. Das ist auch immer abhängig von welchen Typ du bist und wie diszipliniert du bist und wie wenig Hobbys/Freunde du sonst noch hast.

Kommentar von AlphaGamer2 ,

Das habe ich noch gar nicht bedacht. Ich meinte bisher, dass es einen hohen Standard gibt den man erreichen MUSS um das Studium abzuschließen. Aber wenn es so wie in der Schule ist, dann bin erleichtert ^^

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