Frage von darkermanz2, 47

Welche Aufnahmekriterien für Schriften gab es im NT?

Hallo!

Gab es damals eigentlich gewisse Kriterien, die Schriften erfüllen mussten, um in das Neue Testament aufgenommen zu werden?

Antwort
von Rowal, 20

Allerdings gab es die. Es sind 5 Kriterien, die erfüllt sein mussten:

(1) Jesus Christus muss zentral sein, sein Leben, seine Lehre, seine Werke, seine Auferstehung oder sein Nachwirken dargestellt sein.

(2) Die Autorenschaft darf nicht später als die 3. Generation sein, d.h. der Autor muss noch direkte Schüler der Apostel einschließlich Paulus gekannt haben.

(3) Die Texte müssen zusammenhängend sein und die Darstellung muss konform mit der Überlieferung sein

(4) Jesus muss als echter Mensch dargestellt werden, der mit dem göttlichen verbunden ist, insbesondere darf der Text nicht doketisch sein

(5) Die Schriften müssen  zumindest in einer bestimmten Gegend verbreitet sein.

Darüber hinaus wurde auf eine Ausgewogenheit geachtet. So war z.B. der Hebräerbrief umstritten, weil er die Äußerung erhält, dass ein Christ, der 2 mal vom Christentum abgefallen ist, nicht wieder aufgenommen soll. Dies widerspricht der Tradition und somit war Kriterium 3 nicht 100%-ig erfüllt. Aber der Hebräerbrief wurde trotzdem aufgenommen. Ebenfalls zweifelhaft nach diesen Kriterien ist die Johannesapokalypse. Ob er Kriterium 2 erfüllt ist unklar, weil aufgrund des Inhalts angezweifelt werden muss, ob der Autor aus dem Kreis der Schüler kommt. Beide Schriften wurden aber letztlich doch in den Canon aufgenommen, obwohl sie aus den genannten Gründen umstritten waren.  Doch mussten judenchristliche Schriften ebenfalls angemessen im Kanon vertreten sein.

Nur aus Vollständigkeits-Gründen aufgenommen wurden am Ende der Kanonisierung  auch Schriften (erst nicht kanonisch), die Kriterium 1 nicht erfüllen, wie der Philemonbrief. Warum allerdings dann der 1. Clemensbrief nicht aufgenommen wurde, ist mir ein Rätsel und wäre eine eigene Frage auf GF wert.

Antwort
von chrisbyrd, 30

Hier findet sich ein m. E. sehr interessanter und empfehlenswerter Artikel zur Frage: http://www.gottesbotschaft.de/?pg=2918

Kommentar von chrisbyrd ,

Sehr interessant ist auch der folgender Artikel: https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=4455

Antwort
von kdd1945, 14

Hallo darkermanz2!

Fest steht, dass die Christen die inspirierten christlichen Schriften früh sammelten.

In einem Werk ist zu lesen, dass "gegen Ende des 1. Jahrhunderts Klemens, der Bischof von Rom, mit den Briefen vertraut war, die Paulus an die Kirche in Korinth geschrieben hatte. Später bestätigten sowohl die Briefe von Ignatius, dem Bischof von Antiochia, als auch die von Polykarp, dem Bischof von Smyrna, dass die Paulinischen Briefe im zweiten Jahrzehnt des 2. Jahrhunderts in Umlauf waren" (The International Standard Bible Encyclopedia, herausgegeben von G. W. Bromiley, 1979, Bd. 1, S. 603).

Sie alle waren frühchristliche Schriftsteller — Klemens von Rom (30 [?] bis 100 [?] u. Z.), Polykarp (69 [?] bis 155 [?] u. Z.) und Ignatius von Antiochia (spätes 1. Jahrhundert und frühes 2. Jahrhundert u. Z.) —, die Zitate und Auszüge aus verschiedenen Büchern der Christlichen Griechischen Schriften in ihre Werke einflochten und so erkennen ließen, dass sie mit diesen kanonischen Schriften vertraut waren.

Ob ein gewisses Buch allerdings wirklich kanonisch ist, hängt nicht davon ab, wie oft oder von welchem nichtapostolischen Schriftsteller es zitiert worden ist.

Der Inhalt des Buches muss den Beweis erbringen, dass es ein Produkt des heiligen Geistes ist. Infolgedessen darf es weder abergläubische oder dämonische Ansichten enthalten noch zur Verehrung irgendwelcher Geschöpfe ermuntern. Es muss völlig mit dem übrigen Teil der Bibel in Übereinstimmung sein und Gott als Autor hervorheben. Jedes Buch muss dem göttlichen „Muster gesunder Worte“ entsprechen und mit den Lehren und Taten Christi Jesu übereinstimmen (2Ti 1:13; 1Ko 4:17).

Die Apostel hatten eindeutig Gottes Anerkennung, und durch das, was sie äußerten, bestätigten sie andere Schreiber, wie Lukas und Jakobus, den Halbbruder Jesu.

Mit Hilfe des heiligen Geistes hatten die Apostel „Unterscheidung inspirierter Äußerungen“, d. h., sie konnten feststellen, ob diese von Gott stammten oder nicht (1Ko 12:4, 10).

Mit dem Tod von Johannes, dem letzten Apostel, endete diese Reihe zuverlässiger, von Gott inspirierter Männer, und mit der Offenbarung, dem Johannesevangelium und den Briefen des Johannes war der Bibelkanon abgeschlossen.

Grüße, kdd

Nach Daten der Wachtturm-Online-Bibliothek

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