Frage von Headcomesfirst, 36

Aufnahme in die Krankenversicherung für alte Menschen?

Liebe Community,

ich habe folgende Frage an Euch. Der Fall meines Vaters (83 Jahre alt, ehem. freiberuflicher Sänger und jap. Staatsbürger) treibt mich etwas in den Wahnsinn. 

Mein Vater war zu keinem Zeitpunkt seines Lebens versichert und hat Zeit seines Lebens seine Arztrechnung aus eigenem Vermögen bezahlt. Er ist ziemlich pflegebedürftig (Demenz und 2 Schlaganfälle) und würde nun eine Unterbringung in einem Pflegeheim benötigen, da meine Mutter - die ihn bis anhin gepflegt hat - seit mehr als 4 Wochen im Krankenhaus ist. Ich habe übergangsweise eine Lösung gefunden und für ihn eine Unterbringung in einer Tagesstätte arrangiert. Er ist jedoch nachtaktiv und geistert bisweilen nachts im Haus herum. 

Ich selbst wohne nicht am gleichen Ort, aber mein Onkel wohnt im selben Haus, nur 1 Stockwerk drüber. Er ist selbst 65 Jahre alt und stößt langsam aber sicher an seine Grenzen. Es ist nicht klar, ob meine Mutter nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus (plus anschließendem Reha-Aufenthalt) wieder nach Hause zurückkehren kann. 

Deswegen haben mein Onkel und ich zunächst versucht, meinen Vater in eine Familienversicherung zusammen mit meiner Mutter hineinzubekommen, was jedoch von der Krankenkasse abgelehnt wurde. Er würde pro Monat zu viel verdienen (durch Einnahmen aus einer Erbschaft stehen ihm monatlich ca. 3.600 EUR zur Verfügung) und er würde auch nicht für eine eigene Mitgliedschaft qualifizieren, da er " nicht zum Kreis der aufnahmefähigen Personen" gehört. Mein Onkel und ich sind nun etwas mit unserer Weisheit am Ende.

Gibt es für Menschen wie meinen Vater in Deutschland überhaupt eine Möglichkeit

a) in eine Versicherung zu kommen oder b) gibt es Pflegeeinrichtungen, in die man auch ohne eine Versicherung kommen kann?

Lieben Dank im Voraus für Eure Ideen und Feedbacks!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von basiswissen, 33

ich glaube ganz ehrlich das in einem solch speziellen Fall die Hilfe hier im Forum nicht ausreicht. Hier ist Hilfe von einem Experten erforderlich. Ich möchte Dir dringend raten dich an Thorulf Müller  http://www.der-kvprofi.de/ zu wenden. Der ist Honorarberater und kennt da eine Vielzahl von Präzedenzfällen . Seine Dienstleistung ist nicht billig, dürfte aber unter Umständen sogar von den Kassen getragen werden und letztlich werdet Ihr einiges an Geld sparen wenn er den Eintritt in die Versicherung ermöglicht.

Ich wünsche definitiv viel Erfolg!!!

Kommentar von DerHans ,

Wenn er tatsächlich die nachträgliche Versicherungspflicht in der gesetzlichen KK erreicht, muss aber auch der Beitrag nachgezahlt werden, der seit der Versicherungspflicht aufgelaufen ist. 

Kommentar von basiswissen ,

Das bleibt abzuwarten. Zudem dürfe auch die Nachzahlung  deutlich günstiger sein: Seit 2014 wird unter bestimmten Umständen nur ein reduzierter Beitrag in Höhe von zurzeit 44 Euro pro Monat rückwirkend fällig. Außerdem werden die Zinsen auf die ausstehenden Schulden erlassen. Damit Schuldner von dieser günstigen Regelung profitieren können, müssen sie länger als drei Monate ohne Versicherung gewesen sein. Außerdem dürfen sie in der versicherungslosen Zeit keine Leistungen in Anspruch genommen haben oder sie müssen auf die nachträgliche Übernahme von Behandlungskosten verzichten. Alles günstiger als diese horrenden Kosten allein zu tragen.
Da das aber so derart viele juristische Konsequenzen hat bleibt mein Rat zum Experten!

Kommentar von Headcomesfirst ,

Hallo Basiswissen, vielen Dank für Dein Feedback. Es handelt sich hier in der Tat um einen Präzedenzfall, der wohl nur von einem Honorarberater gelöst werden kann. Ich werde dies auf jeden Fall mit meinem Onkel besprechen! 

Antwort
von DerHans, 34

Er hat sich zeit seines Lebens das Geld für die Versicherung gespart und muss jetzt von diesem "gesparten Geld" seine Kosten selbst tragen.

Ganz davon abgesehen. dass er gesetzlich sogar verpflichtet war, sich zu versichern. Das hat ihn ( und auch dich) so lange ja auch nicht gestört-

Hier wird wohl das Sozialamt in Vorleistung treten und dich anschließend zur Kasse bitten.

Kommentar von lindgren ,

Dein letzter Satz ist kaum richtig. Der Mann verfügt über 3600 Euro im Monat, da geht kein Sozialamt in Vorleistung. Im übrigen hat dieser seine gesamten Kosten für Behandlungen privat getragen. Das ist kein "gespartes Geld". Und den moralischen Zeigefinger lasse stecken!

Kommentar von DerHans ,

Er hat sich sehr wohl vor der Versicherungspflicht gedrückt. Und nun erwartet sein Sohn, dass die Allgemeinheit für seinen Vater aufkommt.

Das wird (hoffentlich) nicht klappen.

Mit dem moralischen Zeigefinger hat das rein gar nichts zu tun.

Wenn 3.600 € nicht reichen, wird das Sozialamt sehr wohl in Vorleistung gehen müssen.

Kommentar von aribaole ,

Da die 3600 in einer Pflegeeinrichtung kaum reichen werden, wird hier das Sozialamt eintreten, sich aber von den Kindern/Enkeln einiges wenn nicht alles zurückholen. Andersrum ist es in meinen Augen eine Frechheit. Erst die Ges. Bestimmungen Umgehen, sich ein feines Leben machen, und wenn die K..... am dampfen ist, soll die Allgemeinheit gerade stehen!

Antwort
von lindgren, 36

Schwierige Situation. Aber 3600 Euro monatlich sind ja schon eine Stange Geld. Wenn dieser Betrag nicht für ein Heim reichen sollte, dann müsst ihr eben etwas dazu geben. So viel wird es nicht sein, wenn man überlegt, was ein Heimplatz bei Pflegestufe 3 kostet bis 4000 Euro im Monat. Also würden noch 400 Euro fehlen, die ihr dann aus eigener Tasche zusteuern könntet.

Dass ihn keine Versicherung mehr nehmen mag,  war zu erwarten. Aber die gesetzlichen Krankenkassen sind doch gesetzlich verpflichtet dazu Menschen aufzunehmen.


Kommentar von DerHans ,

Gesetzliche Kassen sind verpflichtet....., aber nicht kostenlos.

Kommentar von lindgren ,

Das dürfte jedem klar sein, dass es nicht kostenlos ist.

Kommentar von Headcomesfirst ,

Hierzu gibt es noch eine Hinzufügung: Mein Onkel und ich hatten bereits eine geeignete Pflegeeinrichtung kontaktiert. Hier wurde uns gesagt, dass ohne eine Versicherung eine Unterbringung im Pflegeheim ausgeschlossen sei. Verhält es sich tatsächlich so oder ist das von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich?

Kommentar von basiswissen ,

Wer genug zahlt kann auch in ein privates Pflegeheim... Aber das ist Sache der Einrichtung die da entscheidet mit welchen Personen die einen solchen Vertrag eingehen...

Kommentar von Headcomesfirst ,

Hallo Basiswissen, danke nochmal für Deinen Input. Ich werde noch mal eine Google-Suche nach "privaten Pflegeheimen" starten. LG

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