Frage von coentrao5, 72

Aufklärung und Französische Revolution?

Guten Abend,

die Aufklärung hatte großen Einfluss auf die Französische Revolution. Weiss jemand, inwiefern die Aufklärung zur Französischen Revolution beigetragen hat? Danke.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 25

Die Aufklärung ist durch ihr Gedankengut und ihre Kommunikationsformen eine geistige Wegbereiterin der Französischen Revolution (1789 - 1799) gewesen.

Ziel der Aufklärung war die Hinwendung zur Vernunft/zum Verstand, um aus Unmündigkeit und Abhängigkeit zu befreien. Das Denken der Aufklärung konnte zu einer kritischen Einstellung, Einwänden und Vorwürfen gegenüber der bestehenden Herrschaftsordnung führen und einen Wunsch nach Veränderung auslösen oder fördern.

Ein Fortschrittsglaube ist stark gewesen, durch vernünftige Einsicht in sich selbst und die Gesellschaft und richtige Erfassung der Natur zunehmend bessere Verhältnisse zu erreichen. Die Zukunft wird als offen und von den Menschen gestaltbar verstanden.

Nation, Freiheit, Natur und Vernunft wurden wichtige Orientierungen, auf die Bezug genommen wurde.

Zu Politik und Gesellschaft gab es in der Aufklärungsbewegung in manchen Hinsichten unterschiedliche Auffassungen, aber auch Einigkeit in Feindbildern. Dabei war die Ablehnung einer rechtlich nicht eingeschränkten Monarchie (Alleinherrschaft), die Willkür großen Spielraum gab, besonders wichtig. Es bestand starke Gegnerschaft zu solchen Herrschern, die als »Despoten« bzw. »Tyrannen« galten.

Eine Legitimation (Rechtfertigung, Anerkennung als rechtmäßig/berechtigt) des Herrschers durch Berufung auf ein Gottesgnadentum stieß auf Ablehnung. Sie wurde von einer Legitimation durch Berufung auf das Allgemeinwohl ersetzt. Es wurde als Mißbrauch kirchlicher Macht verstanden, wenn Willkürherrschaft von Monarchen eine sakrale Weihe erhielt, das Volk in Aberglauben und Vorurteilen gehalten und unterdrückt wurde.

Die Aufklärung trug dazu bei, die Legitimation des bis 1789 bestehenden politischen und gesellschaftlichen Systems zu untergraben. Die Aufklärung hatte nicht nur im Bürgertum Anhängerschaft, sondern auch in erheblichem Ausmaß im Adel und im Klerus. In den sozialen Eliten war eine Bereitschaft zu Veränderungngen verhältnismäßig groß. Die Revolution beeendete eine Ständegesellschaft mit Privilegien (Vorrechten), vor allem für die Stände Adel und Klerus.

In der Religion gab es (wie in der Politik) einer ziemlich große Spannbreite an aufklärerischen Standpunkten: Es gab welche, die an die Existenz Gottes glaubten, Agnostiker und Atheisten. Verbreitet war ein Deismus, der das Dasein Gottes annahm und ihn für ein transzendentes und personales Wesen hielt, aber nicht an ein übernatürliches Eingreifen Gottes in die Welt glaubte. Der Deismus ist eine natürliche Vernunftreligion. Das Fest des Höchsten Wesens am 8. Juni 1794, bei dem Maximilien de Robespierre eine führende Rolle spielte, beruhte darauf und auf Überlegungen Rousseaus über eine Zivilreligion.

Die Aufklärung (z. B. Voltaire) wendete sich gegen religiöse Intoleranz. 1789 wurde die Stellung einer bestimmten Religion (vorher der Katholiszismus) als Staatsreligion abgeschafft. Es kam auch zu einer Säkularisierung (Verweltlichung). Am 13. Februar 1790 wurden von der Nationalversammlung alle Orden und Köster aufgelöst, die nicht im Schulwesen (Erziehung/Bildung) oder in der Krankenpflege tätig waren. Am 18. August 1792 wurde die Aufhebung der noch existierenden religiösen Orden (congrégations religieuses) beschlossen. Die Ehe galt als naturrechtlicher oder bürgerlicher Vertrag, der Staat beanspruchte die Gesetzgebung darüber, forderte Zivilehe und erleichterte Scheidungen (Verfassung vom 5. September 1791 und Ehegesetze vom 20. September 1792).

Die Aufklärung legte Erziehung/Bildung eine große Bedeutung bei. In der Französischen Revolution gab es Ansätze zu einer schulischen Grundbildung für alle.

Die berühmtesten französischen Aufklärungsphilosophen waren tot, als die Französische Revolution begann. Ein Fall einer Beteiligung an der Revolution ist Condorcet (1743 – 1794).

Einflüsse gab es durch den Denkstil, der den Diskurs (Erörterung, Diskussion, Gedankenaustausch) der Revolution stark prägte, spezifische Kommunikationsformen (wie Veröffentlichungen von Schriften, Gespräche in Klubs und Gesellschaften) und grundlegende Gedanken, die traditionelle Werte und Autoritäten in Frage stellten.

Die Rolle öffentlicher Debatten entsprach dem Streben der Aufklärung, mit Argumentation zu mehr Klarheit zu kommen.

Die politischen Theorien der Aufklärer (wichtig sind vor allem John Locke, Charles de Montesquieu und Jean-Jacques Rousseau) waren unterschiedlich. Es gab Gedanken zu konstitutioneller Monarchie, Demokratie und Republik. In der Französischen Revolution kam zunächst eine konstitutionelle Monarchie mit parlamentarischer Demokratie, später auch eine demokratische Republik.

wichtige politische Schlagworte und Gedanken waren:

  • Gesellschaftsvertrag
  • geschriebene Verfassung
  • Gewaltenteilung
  • Menschen- und Bürgerrechte (Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789, Verfassungen von 1791, 1993 und 1795)
  • Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (Liberté, Égalité, Fraternité)
  • Gleichheit vor dem Gesetz
  • Volkssouveränität
  • gewählte Volksvertreter (zum Teil nur indirekte Wahl und Zensuswahlrecht, also Wahlrecht von einem Mindestmaß an Besitz/Einkommen abhängig)
  • Nation als Willensgemeinschaft politische Grundlage und Berufung darauf als Legitimation
  • allgemeines Glück als Ziel der Gesellschaft

Die Herrschaftspraxis erreichte selbstverständlich nicht in jeder Hinsicht und nicht immer in vollem Ausmaß den hohen Anspruch der Ideale. Zum Teil lagen Anspruch und Wirklichkeit erheblich auseinander.

Es gibt zum Thema Informationen in Büchern und auf Internetseiten, z. B.:

Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution. Originalausgabe. 4., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2347). ISBN 978-3-406-50847-9 (insbesondere S. 18 – 20)

S. 19: „Die Aufklärung, so wird man zusammenfassend sagen können, war Katalysator und Symptom einer zunehmenden Autoritätskrise; ihre Bedeutung lag darin, daß sie einen neuen und kritischen politischen Diskurs begründete und ausweitete, indem sie mit ihren Organisations- und Kommunikationsformen eine öffentliche Sphäre des kritischen Raisonnements mit der Tendenz zur unbeschränkten Dynamisierung und Radikalisierung des Denkens schuf.“

S. 20: „Seine systemsprengende Kraft entfaltete dieses Denken in dem Augenblick, als Reformunfähigkeit und Systemkrise des Ancien Régime erkennbar wurden. Denn weder die zunehmenden sozialen Spannungen innerhalb der Stände noch die Partizipationsansprüche bürgerlicher Gruppen und auch nicht die Verbreitung eines auf Freiheit und bürgerliche Gleichheit gerichteten Denkens haben zum Zusammenbruch des Ancien Régime geführt, sondern dessen Funktions- und Reformunfähigkeit im Augenblick einer wachsenden Finanz- und Wirtschaftskrise.“

Helmut Reinalter, Aufklärung und Französische Revolution. In: Vernunft der Aufklärung - Aufklärung der Vernunft. Herausgegeben von Konstantin Broese, Andreas Hütig, Oliver Immel und Renate Reschke. Berlin : Akademie-Verlag, 2006, S. 77 – 90

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 5. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck's historische Bibliothek). ISBN 978-3-406-65877-8 (insbesondere S. 176 – 191)

https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/hintergru...

Antwort
von maryfontaine, 27

Also. Die Leute hörten damals nur auf das was erzaehlt wurde. Dann haben Aufklärer z.b. Emanuel Kant die Leute eben aufgeklärt. Sie sollten ihren eigenen verstand nutzen und die Dinge infrage stellen und nicht immer auf das Gerede anderer hören :)

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