Frage von Rosenblad, 116

Auf welcher biblischen Grundlage fußt bei der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" eigentlich das Buches "Mormon" als "Heilige Schrift"?

Wir hatten gerade im Büroraum die Diskussion darüber ob die "Mormonen" eine christliche Gemeinschaft darstellen - ohne Zweifel konnte die Frage bejaht werden.

Wenn diese Disposition aber so stimmt, dann muss auch die Frage erlaubt sein, auf welcher biblischen Grundlage eine solche sakrosankte Ausweitung über und in eine weitere, nachfolgende "Heilige Schrift" möglich sein sollte.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von suziesext06, 57

hi Rosenblad - also die Mormonen selbst bezeichnen sich als Kirche Jesu Christi, und das ist wohl entscheidend. Die Grosskirchen sehen die Mormonen nicht als zur Ökumene zugehörig, die Mormonen Taufe aber wird nur als rite anerkannt, wegen des abweichenden Gottesverständnisses aber nicht als gültige christliche Taufe ( (EKD; katholische Kirche)

Im Zentrum der Mormonenlehre steht, dass die Offenbarungen Gottes nicht mit der Bibel geendet haben, sondern dass Offenbarung immer weiter gehen kann, wie zb an den Propheten Joseph Smith und auch an seine Nachfolger. Also sind in den Augen der Mormonen auch die drei Schriften „Das Buch Mormon“, „Lehre und Bündnisse“ und „Die Köstliche Perle“ einfach so ne Art Fortsetzungsroman der Bibel, die zusätzliche Geschichten und Lehren enthalten.

Man könnte so ne Vorstellung vergleichen zb mit der Praxis im tibetischen Buddhismus: wo auch lang nach Abschluss des Tipitaka-Kanon ne ganze Reihe zusätzlicher Erleuchtungen kamen, die der Buddha verkündet haben soll, und die in den wiederaufgefundenen Schatz-Schriften stehen.

Oder die Idee im Islam vom Propheten der nach Jesus kam - nur im islam ist er in der Geschichte der allerletzte, bei den Mormonen aber nicht - da könnte der Nachfolger von Joseph Smith durchaus noch ne neue Offenbarung empfangen.

Kommentar von Rosenblad ,

Ist das nun schon Synkretismus oder Deine persönliche Meinung?

Kommentar von suziesext06 ,

nein, die Methode, neue Glaubenssätze, Offenbarungen und Erleuchtungen quasi als nur die Fortsetzung von was Altem zu präsentieren, die hat mich erinnert. So als würde Albert Einstein sich so darstellen, als hätte er das selbe gesagt wie die Sieben Weisen von Griechenland, nur mit etwas anderen Worten.

Kommentar von Rosenblad ,

Hierbei gebe ich zu bedenken das die Buchreligion des Christentum in seinem eigentlichen Bestand kein Noumenon darstellt, sondern auf festen (kanonischen) Grundsätzen verankert sein muß um nicht sich selbst in Frage stellen zu müssen (v.a. wegen der vertikalen Transzendenzabhängigkeit - die der Buddhismus nicht zu fürchten braucht)

Antwort
von Eselspur, 50

Dass die Mormonen eine christliche Gemeinschaft sein sollen, sehen die ökumenischen orientierten Kirchen nicht so. In der Praxis spielt die Bibel kaum eine Rolle, Mormonen lehnen die Dreifaltigkeit ab etc.
Sie werden eher zu den nominell christlichen Sondergemeinschaften gerechnet.

Antwort
von JTKirk2000, 48

Das Buch Mormon ist, wie die Bibel, eine Sammlung von Schriften. Hauptsächlich ist das Buch Mormon wie eine Chronik gehalten, so wie es auch mit einem Großteil des Alten Testaments der Bibel ist. Außerdem bezieht sich das Buch Mormon auf einen Teil der Schriften im Alten Testament, so zum Beispiel in Bezug auf Jesaja und auf die Zeit von etwa 600 v.u.Z. kurz bevor Jerusalem durch Babylon angegriffen wurde. 

Es gibt auch eine Passage im Buch Mormon, laut welcher Jesus Christus auch in Amerika erschienen sein soll, welche in gewisser Hinsicht die Aussage Christi laut der Bibel bestätigt wird:

Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

Quelle: http://www.bibleserver.com/text/EU/Johannes10,5

Und ja, egal wie andere Christen es sehen mögen: Mormonen sind Christen, denn sie glauben an Christus als den Sohn Gottes, an seine Lehren, sein Wirken und nicht zuletzt daran, was er laut der Bibel für Alle getan hat. Allerdings sind Mormonen Christen entsprechend dem Arianismus. Dahingehend ist das Buch "Alles war anders" von Gerd Skibbe sehr interessant. 

auf welcher biblischen Grundlage eine solche sakrosankte Ausweitung

Ich weiß zwar nicht, was Du damit meinst, aber wenn Du Dich auf die Warnung beziehst, die in http://www.bibleserver.com/text/EU/Offenbarung22,18 steht, dann ist wohl interessant, dass die Warnung sich nur auf das Buch der Offenbarung beziehen kann, denn einige der Evangelien der Apostel wurden erst nach der Offenbarung des Johannes niedergeschrieben und dürften sonst auch nicht in der Bibel stehen.

Interessanterweise bezieht sich auch das Buch Mormon zu einem gewissen Teil auf die Offenbarung, aber es wird im Buch Mormon nichts von dem Erlebnis der Offenbarung des Johannes geschildert, sondern nur bestätigt, dass dieser die Offenbarung empfängt, und dass dem betreffenden Propheten, welcher die Passage im Buch Mormon geschrieben hat, nichts über die Offenbarung selbst schreiben durfte und sich auch daran gehalten hat.

Kommentar von Rosenblad ,

Die Frage einer Extension über das im Grund abgeschlossene kanonische Prinzip der Bibel ist damit aber nicht beantwortet. Über die Vorgehensweise der Zusammenstellung ließe sich ja noch ein Diskurs führen, aber nach meinen bescheidenen Bibelwissen verweigern solche Vertextungen wie 2. Kor 11:4 oder Gal. 1:6 eine Nachkanonisierung. Die Hemeneutik allein schon des gesamtkanonischen Bündels der Bibel birgt ja schon genügend Interpretationsstoff - eine nachgeordnete Heuristik (bei Selbstbeanspruch irgendwelcher "eingegebener" Wahrheiten) würde allerdings dann die christliche Architektur zu einem Sakralobjekt führen das nur noch unendliche Korridore, aber keine hellen Zimmer mehr aufweisen würde - jeder könnte dann zum Thaumaturgen werden.

Kommentar von JTKirk2000 ,

Das abgeschlossene kanonische Prinzip ist eine interessante Bezeichnung, denn was ist mit den Schriften, die vor der Kanonisierung ebenfalls der Kirche zugänglich waren und ausgeschlossen wurden? Das Buch Mormon entstand in seiner ursprünglichen Form, den Platten Nephis in den Jahren etwa 600 v.u.Z. bis etwa 400 u.Z. Zumindest die meisten dieser Schriften waren also bereits existent bevor diese Kanonisierung durchgeführt wurde - sie waren der Kirche im Mittelmeerraum nur nicht zugänglich, weil Amerika erst wesentlich später wiederentdeckt wurde.

Soweit ich mich recht entsinne, wurden die Briefe bereits innerhalb des 1. Jahrhunderts unserer Zeit geschrieben, zumindest das Johannesevangelium jedoch erst Anfang bis Mitte des 2. Jahrhunderts und auch nicht von einem der Apostel Christi. Von daher hätte den Briefen nach auch dieses Evangelium gar nicht mehr in die Bibel aufgenommen werden dürfen, wenn man nach Deiner Äußerung geht.

Kommentar von Rosenblad ,

Das ist jetzt eine jener heuristischen Kontrafaktizitäten die man dann doch nur noch mit dem Begriff eines sehr starken Glaubens umschreiben kann und gegen die jedes "Widerwort" in eine (gegen)argumentative Isolation geführt wird. Auf einer solcher ideativen Vorkommensbasis kann ich eigentlich jede steile These zur Apodiktik hinaufführen oder wollen Sie jetzt die gesamten archäologischen Befundhorizonte für den amerikanischen Kontinent als Null und Nichtig erklären. Mir geht es nicht um einen Angriff gegen ihre Glaubensansichten, aber wir sollten uns wenigstens ein klein wenig auf dem Boden von Realitätsinventarien bewegen oder wir begeben uns auf eine ganz dünne idiographischen Eisfläche, die dann nur noch über spezifische Attribute und Dispositionen zu festigen sind - eben wie einen unerschütterlichen Glauben an idiomale Inhalte.

Kommentar von JTKirk2000 ,

Ich zweifle nicht die archäologische Befunde in Amerika an. Aber ebenso zweifle ich auch nicht die Aussagen der Zeugen der Platten Nephis an, von welchen einige aus unterschiedlichen Gründen die Kirche später verlassen hatten, nie wieder zur Kirche zurückkehrten, aber dennoch, trotz aller Versuche, sie dazu zu überreden, nie ihre Aussage widerrufen hatten, die Platten Nephis selbst gesehen zu haben, obwohl sie, allen Grund gehabt hätten dies zu tun, hätten sie die Platten nicht selbst gesehen.

Kommentar von Rosenblad ,

Gut ich will jetzt Ihre Kontingenzzusammenhänge nicht weiter ausfragen. Nur so viel, es gibt auch viele Aussagen von Zeugen die unidentified flying objects gesehen haben (das meine ich jetzt nicht lustig) und ich habe keine Ahnung und kann dies von meiner Position auch nicht beurteilen, ob es sich hierbei um dissoziative Erscheinungen handelt

Kommentar von JTKirk2000 ,

Es ist wohl eine Sache, wenn man eine Luftspiegelung für ein UFO hält und eine ganz andere, wenn man einen Block an Metallplatten direkt vor sich sieht. Im Übrigen frage ich mich, ob das ein Zwang bei Dir ist, dass Du in so ziemlich jedem Deiner Beiträge Worte einbringst, die ein Normalbürger erst einmal googeln muss, um zu wissen, was diese bedeuten.

Eine Dissoziation kann man wohl ausschließen, wenn mehrere Personen genau dasselbe gesehen haben und dies auch aussagten, trotzdem einige eben, wie ich schon geschrieben habe, durchaus Anlass hatten, dies zu widerrufen, nie widerrufen hatten.

Anders wiederum haben ein Kumpel von mir und ich selbst einmal etwas sehr interessantes erlebt. Ebenso interessant daran ist, dass er mich erst darauf aufmerksam gemacht hatte. Seither sind etwa 14 Jahre vergangen und obwohl ich eigentlich derjenige bin, der eigentlich eher ein schlechtes Gedächtnis hat, war er derjenige, der sich bereits vor ein paar Jahren nicht mehr daran erinnern konnte. Ich weiß nicht, warum er sich nicht mehr daran erinnern kann. Vielleicht hat auch sein Gedächtnis Schwierigkeiten, aber gerade ein solches Beispiel sollte weniger begründen, dass man eine Aussage widerrufen würde, weil man sich eben nicht mehr erinnern kann, als dass es begründen würde, dass man seiner früheren Aussage trotz allen sozialen Drucks treu bleibt - bezogen auf die Zeugen der Platten Nephis.

Kommentar von Rosenblad ,

Es scheint auch kollektive Dissoziationen zu geben - wie die Marienerscheinungen von Zeitoun, Fatima und Assiut vermutlich aufzeigen. Und wenn man sich mit Menschen unterhält die UFO´s gesehen haben, dann sind das für diese Menschen nicht nur Luftspiegelungen gewesen- also bitte, dann auch solche Phänomene zulassen.

Antwort
von OnkelSchorsch, 60

Die Mormonen beziehen sich nicht auf die Bibel, sondern auf ein eigenes Buch, eben das Buch Mormon. Obwohl sie selbst sich als Christen ansehen, wird diese Sekte von den relevanten christlichen Glaubensgemeinschaften nicht als christlich eingeordnet.

Kommentar von JTKirk2000 ,

Falsch. Die Mormonen beziehen sich auch auf die Bibel, aber eben so, wie es direkt in der Bibel steht, und nicht erst durch Interpretation.

Kommentar von Rosenblad ,

Das war mir bewusst als ich die Frage stellte - nur auf welcher biblischen Grundlage extendiert sich dann das Buch "Mormon"?

Kommentar von JTKirk2000 ,

In meiner Antwort steht das bereits drin und ich habe die Antwort bereits begonnen, direkt nachdem ich den Kommentar geschrieben hatte. Nur die Suche nach den Schriftstellen hat mich dabei etwas aufgehalten.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

LieberJTKirk2000, wie eigentlich immer, wenn du etwas zu Religion schreibst, ist auch diesmal das, was du von dir gibst, sachlich falsch, unbegründet und fern jeder Realität. Dass du Sekten wie die Zeugen Jehovas und Mormonen persönlich offenbar sehr magst, sei dir gegönnt, ich halte es aber für bedenklich, wie du deine persönlichen und sachlich unrichtigen Ansichten als Fakten präsentierst.

Die Mormonen sind keine Christen. Ihr Glaube beruht auf einem in meinen Augen albernen Buch ohne realen Bezug zur Bibel.

Kommentar von JTKirk2000 ,

Die Mormonen sind keine Christen. Ihr Glaube beruht auf einem in meinen Augen albernen Buch ohne realen Bezug zur Bibel.

Darin irrst Du Dich gewaltig. Fern jeder Realität ist diese Behauptung von Dir.

Ich finde es verwerflich Religionen als Sekten zu bezeichnen, ohne sie überhaupt selbst zu kennen, vor allem in einer Zeit, wo die Bezeichnung Sekte verschiedene Definitionen hat, von welcher zumindest eine durchaus in negativer Hinsicht wertend ist und in diesem Sinne trifft das zumindest auf die Mormonen keineswegs zu. Jeder der selbst die Mormonen kennt und nicht falsche Gerüchte verbreiten will, wird zugeben müssen, dass es sich zumindest in Bezug auf die wertende Definition des Begriffes Sekte nicht um eine solche handelt. In Bezug darauf, dass es eine Glaubensgemeinschaft mit wenigen Mitgliedern ist, die sich aus einer anderen Religion abgespalten hat, trifft wertneutrale Definition des Begriffes Sekte aber auch nicht zu, denn immerhin hat diese Religion weltweit gut 15,4 Millionen Mitglieder.

Kommentar von warehouse14 ,

"...von den relevanten christlichen Glaubensgemeinschaften..."

o.O

Für wen oder was relevant? 

Klingt mal wieder nach klassischem Pharisäertum, wenn "Geistliche" sich selbst für gottgewollter oder halt nur "christlicher" halten als den kleinen Bruder von nebenan... ;)

Ich bin mir ziemlich sicher, daß unserem großen Bruder Jesus das nicht gefällt.

warehouse14

Antwort
von 1988Ritter, 49

:-))).....nein....Mormonen haben keinen christlichen Glauben, sondern vielmehr eine religöse Eigenständigkeit, die sich allerdings auf Elemente anderer Religionen beruft, unter anderem auch dem Christentum.

Mormonen werden in weiten Teilen der Welt als Sekte angesehen.

http://www.southpark.de/clips/104253/joseph-smith-teil-1

Kommentar von Gambler2000 ,

Die verlinkte South Park Folge war völlig übertrieben und absurd. Diese Folge spiegelt nicht den Glauben der Mormonen wieder.

LG.

Kommentar von 1988Ritter ,

Ist ja auch Satire

Kommentar von JTKirk2000 ,

Mormonen werden in weiten Teilen der Welt als Sekte angesehen.

Mag sein, aber nur wegen entweder veralteten oder einfach falschen Vorurteilen. 

Und Mormonen sind definitiv Christen, wenn auch nach arianischem Glauben. Ob das andere Christen akzeptieren oder nicht, ist dahingehend irrelevant, denn den meisten von den anderen Christen interessiert gar nicht erst, woran Mormonen glauben. 

Diejenigen jedoch, die sich damit auskennen, und da gibt es einige zumindest auch in der evangelischen Kirche - und ich meine damit zum Beispiel örtliche Pfarrer, halten Mormonen durchaus für Christen, und sogar für sehr gute.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

JTKirk2000: deine Argumentation ist die des Geisterfahrers, der behauptet, er fahre richtig, alle anderen jedoch falsch.

Antwort
von josef050153, 16

Das Buch Mormon zitiert zwar die (King James) Übersetzung der Bibel samt ihren Fehlern, hat aber keine biblische Grundlage. Der ehemalige Freimaurer Joseph Smith hat sich das wohl in seinem Größenwahn selbst zusammenfantasiert.

Es gibt eine einzige Abschrift der sogenannten 'reformägyptischen Zeichen', das Anthon-Manuskript. Es zeigt eindeutig Fantasiezeichen.

Die große Blamage war aber die 'Übersetzung' von Smth des 'Buches Abraham', dass sich später als 'Buch vom Atmen' so einer Art altägyptisches Totenbuch herausstellte.

Antwort
von Herb3472, 43

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