Frage von Neymar1997, 72

Auf was muss ich alles beachten wenn ich ein Gebraucht Auto kaufe?

Was ist wichtig?

Antwort
von volker79, 42

Bei der ersten Auswahl:

  • Die allgemeine Qualität der Marke und des Modells: Wenn du ein 5 Jahre altes Auto kaufen willst, guck auf die 5-10 Jahre alten Modelle, damit du weißt, was dir die nächsten 5 Jahre bevorstehen könnte. Indikatoren sind die Pannenstatistiken von ADAC und AvD, sowie die von diversen Autozeitschriften regelmäßig veröffentlichten Mängelberichte von TÜV und Dekra. Empfehlungen von Fahrern sind immer zu hinterfragen, welches Baujahr sie fahren (Beispiel: zufriedene Franzosen-Fahrer sind meist in jungen, gut gewarteten Fahrzeugen unterwegs, z.B. Leasing-Fahrzeuge der Firma, da haben Franzosen echt Klasse, oder in Oldtimern als noch nicht so viel Hightech in den Autos steckte, aber nach 5 Jahren hilft bei aktuellen Modellen nur noch die Schrottpresse).
  • Deine Anforderungen an das Auto: Man kauft oft sehr emotional und merkt nach einem halben Jahr nach verflogener Neulust, dass der Kofferraum zu klein ist oder die hohe Fahrleistung doch etwas mehr laufende Kosten verursache als man eigentlich wollte
  • Laufende Kosten: Steuer, Versicherung, Verbrauch, Werkstatt- und Ersatzteilkosten  (hier sind die Japaner übrigens mittlerweile bei Vertragswerkstätten teilweise billiger als die Deutschen - für Deutsche gibt es aber immer noch mehr günstigere Teile in Erstausrüsterqualität, was die Deutschen wieder billiger macht, wenn man keine Originalteile verwendet)

Bei der Besichtigung:

  • Ein Gebrauchtwagengutachten ist gerade bei höherpreisigen Gebrauchten gut angelegtes Geld, bei jungen Gebrauchten gerade der Premium-Klasse lohnt ein Kauf beim Vertragshändler mit Zusatzgarantie (z.B. Audi Plus, Mercedes Junge Sterne, Lexus Select, Toyota CarGarantie)
  • Scheckheftgepflegt: Ein Zeichen für einen guten Pflegezustand und vor Allem auch ein Indikator, an dem man einigermaßen verlässlich sehen kann, ob am Tacho gedreht wurde, da bei jeder Wartung Datum und KM-Stand eingetragen wurden. Falls kein Scheckheft: Historie an Rechnunge über Wartungen und von TÜV-Berichten ginge notfalls auch. Stempel freier Werkstätten sind kein Mangel, seit ich meinen Lexus nach Herstellervorgaben in einer Ford-Werkstatt machen lasse, läuft er besser, als bei Wartungen im Lexus-Autohaus (das zwischenzeitig Citroen verkauft da man erst kein Lexus und dann garkein Toyota mehr verkaufen durfte)
  • Frischen oder zumindest recht neuen TÜV, frische oder zumindest zeitnahe Inspektion
  • Verdeckte Unfallschäden: Farbunterschiede, Wolken, Läufer/Nasen im Lack (Anzeichen für Nachlackieren - auch ein schöner Test: ein schwacher Gummi-Kühlschrankmagnet hält normalerweise - außer du guckst dir ein Auto mit Alu- oder Kunststoff-Karosserie an - liegt Spachtelmasse drunter, oder teilweise nur dickerer nachlackierter Lack, fällt er ab), ungleichmäßige und schiefe Spaltmaße, gestauchte Teile im Motorraum oder unter der Kofferraumabdeckung. Normal kommt sowas auch bei einem Gebrauchtwagengutachten raus.
  • Roststellen
  • Undichtigkeiten (sind mittlerweile nur noch bei abgenommener Unterbodenverkleidung auf der Hebebühne zu sehen, da aber besonders eindrucksvoll weil sich alles darin sammelt)
  • Zustand des Innenraums: Passt er zur Laufleistung? Abgetretenes Profil an den Pedalauflagen und 50.000 Laufleistung spricht für schlechte Qualität oder Tachomanipulation.
  • Motor sollte bei Besichtigung kalt sein. Ölstand prüfen, Öleinfülldeckel öffnen und nach Schaum oder Schleim gucken (Anzeichen für Zylinderkopfdichtungs-Schaden). Bei Modellen mit Steuerkette: Lass dir die Plastikverkleidung abnehmen, leg die Hand auf den Zylinderkopf und lass den Motor von jemand anders starten. Kommt von vorne (bei quer eingebauten Motoren da wo die Lichtmaschine sitzt) ein verdächtiges Rasseln, ist die Kette überdehnt, was auf Dauer zu Motorschäden führen kann (eine Pest bei den VW/Audi TSI und TFSI älterer Baujahre die noch keine neue Kette haben - sollte zwischenzeitig behoben sein)
  • Bei Probefahrt: Gehen alle Gänge sauber rein (Schaltung) bzw. ruckelt es nicht beim Schalten (Automatik)? Zieht der Motor sauber durch das ganze Drehzahlband durch? (Auffällige Leistungslöcher in niedrigen Drehzahlen können auf Probleme mit der Abgasrückführung, bei Turbomotoren im schlimmsten Fall mit dem Turbolader hindeuten). Auf einer geraden (für diesen Test leeren!) Landstraße in gutem Zustand (sonst läuft der Wagen natürlich jeder Spurrille und jedem Schlagloch nach) die Hände vom Lenkrad wegnehmen. Steht es von sich aus gerade und der Wagen läuft geradeaus? Geradeaus bremsen von 50 auf 0 ohne Hände am Lenkrad. Geht das ohne zu verziehen?
  • Bei hohen Laufleistungen (achtung dieser Test nutzt die Kupplung enorm ab und sollte nicht zu oft gemacht werden!): Handbremse ziehen, 2. Gang einlegen, Kupplung kommen lassen. Der Wagen muss ausgehen. Läuft er weiter, ist die Kupplung hinüber.

Kommentar von wikinger66 ,

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen!

Kommentar von volker79 ,

Doch eines ist mir noch eingefallen:

- Beim Einschaltung der Zündung sollten im Tacho "Disco" sein: Alles leuchtet und blinkt was leuchten und blinken kann (Motor-, Airbag-, ... Kontrolleuchten, Fahrhilfs-Warnleuchten (ESP, DSC, BAS, ABS und wie sie alle heißen), ... und dann beim Starten des Motors ausgehen. Da wird nämlich auch schon mal gerne manipuliert. Eine "rollende Hüpfburg" mit keiner Stelle wo nicht ein Airbag rauskommen sollte, aber nicht leuchtender Airbag-Leuchte im Armaturenbrett (plus Anzeige ob der Beifahrerairbag aktiv oder abgeschaltet ist - die ersetzt die normale Airbag-Systemkontrollleuchte NICHT) ist mächtig verdächtig.

Im Zweifel verrät das Handbuch, was im Tacho alles leuchten und blinken kann.

Antwort
von Rizi93, 44

Jemanden mitzunehmen, der sich damit auskennt (beispielsweise ienen KFZ-Gesellen). Bei meinem Gebrauchtwagenkauf habe ich den Wagen über eine halbe stunde durchgeprüft und bin dabei auch unter den Wagen gekrochen um mögliche Undichtigkeiten am Getriebe und Motor, sowie Rost feststellen zu können.

Kaufst du dir alleine einen gebrauchtwagen ohne einen, welcher sich mit der materie auskennt kann es passieren, dass du dir eine schrottmühle andrehen lässt.



Antwort
von burninghey, 45

Nicht belabern lassen, ab zum TÜV damit und Gutachten machen lassen. Das kostet dich 100 Euro aber erspart dir eine Menge Ärger wenn etwas mit dem Auto nicht stimmt.

Alternativ vor dem Kauf zu einer Werkstatt und durchchecken lassen.

Antwort
von Dragontrain, 58

Ich würde sagen das alles ganz ist. Vorallem die wichtigen und teuren Sachen wie z.B. die Bremsscheiben. Außerdem musst du darauf achten das du es nicht zu teuer kaufst.

Antwort
von webflexer, 53
Antwort
von nurromanus, 41

Du druckst Dir beim ADAC, Autoscout oder ähnlich eine Checkliste für den Gebrauchtwagenkauf aus. Trotzdem solltest Du aber jemanden mitnehmen, der viel Ahnung von Autos hat. Was willst Du mit der Checkliste, wenn da z.B. "Spaltmasse prüfen" steht, und Du aber gar nicht weisst, was Spaltmasse sind?

Kommentar von volker79 ,

Findet man "Spaltmasse" nicht in einem Atomkraftwerk? Nicht zu verwechseln mit den "Spaltmaßen" am Auto ;-) (Sorry, aber der musste gerade raus)

Kommentar von nurromanus ,

Findet man "Spaltmasse" nicht in einem Atomkraftwerk? Nicht zu verwechseln mit den "Spaltmaßen" am Auto ;-)

Auf den Spruch habe ich förmlich gewartet. Ich wusste, dass der kommt. Würdest Du bitte zur Kenntnis nehmen, dass ich in einem Land wohne, wo es kein "Eszett" auf der Tastatur gibt. Danke

Kommentar von nurromanus ,

Hier noch die entsprechende Info im Sinne einer Weiterbildung:

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9F

Kommentar von volker79 ,

Bitte bring deinen Humor-Detektor zur Generalüberholung, er scheit schwerwiegendere Mängel zu haben. War nicht böse gemeint, aber bei so "kleiner Buchstabe, große Wirkung" Wörter überkommt es mich gerne.

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