Frage von tauchfabrik1982, 73

Auf was deutet das Trinken von Blut in Träumen und Visionen hin?

Zur Aufklärung: Eine sehr obskur anmutende Geschichte aus dem 14. Jahrhundert: Katharina von Siena, eine der größten Mystikerinnen der katholischen Kirchegeschichte, hatte neben den fünf Wundmalen Christie auch diverse Christus- und Marienerscheinungen. Eine Vision hat es allerdings in sich und bietet einen doch recht verstörenden Anblick, wenn man sich die Szenerie bildlich veranschaulicht:

In einer ihrer Visionen trinkt sie das austretende Blut aus jener Hüft-Wunde, welche Jesus am Kreuze hängend, durch den römischen Hauptmann Longinus zugefügt wurde.

Meine Frage und mein Anstoß zur Diskussion an alle Traumdeuter, Psychiater, Psychologen und Hobby-Seelen-Kemptner:

  1. Bietet dieses Bild eine gewisse Neigung zur Nekrophilie? Immerhin ist Jesus zu diesem Zeitpunkt tot.

  2. Auch wenn Blut in der Abendmahlstradition eine fundamentale Rolle spielt, scheint mir hier das Verhältnis zur normalen Abendmahlstradition doch sehr asymmetrisch zu sein, oder?

  3. Kann man in dieses Bild eine gewisse sexuelle Affektiertheit hineninterpretieren? Immerhin befindet sich die Hüfte (Seite) doch recht nahe am Intimbereich. Wenn nicht doch eine ziemlich deutliche Form von Devotheit?! (Klar, wir befinden uns im 14. Jahrhundert und Frauen hatten recht wenig zu "melden".

Danke schon mal für die hoffentlich interessanten Antworten!

Antwort
von whynot63, 19

Hallo!

Das Trinken von Blut kommt in den verschiedensten Kulturen vor, die Bedeutung ist aber durchwegs immer dieselbe.
Da Blut der "Lebenssaft" ist, meinte man, durch das Trinken von Blut gewissermaßen das Leben selber zu trinken und sich einzuverleiben - und mit ihm auch die "besondere Kraft", die man dem jeweiligen Wesen zugesprochen hat.
Bezeichnend sind hier auch die diversen Vampirvorstellungen: Vampire, so die Vorstellung, schöpfen ihre Lebenskraft aus dem Blut der Opfer.

In dem von Dir erwähnten konkreten Fall wird es wohl darum gehen, durch das trinken des Blutes auch die "Göttlichkeit" und "Heiligkeit" des Gekreuzigten in sich aufzunehmen, um so selber "göttlich" und "heilig" zu werden.
Diese Vorstellung, durch das Trinken von Blut werden die Eigenschaften dessen, dessen Blut man trinkt, auf einen selber übertragen, ist, wie gesagt, eine alte mythologische, archetypische Vorstellung.

Ob man dem Bild auch einen sexuellen Anteil zumessen kann, bezweifle ich aber eher. Sonder es geht hier offensichtlich vor allem um die Assoziation: Blut = Leben (samt allen Eigenschaften oder zugerechneten Eigenschaften des Betreffenden).

LG

Antwort
von mychrissie, 11

Träume haben keinerlei "Bedeutung".

Wenn eine Putzfrau den Boden kehrt, bildet der aufgekehrte Schmutz manchmal auch scheinbar sinnvolle Muster. Wenn das Gehirn nachts seine für die Existenz des Träumenden überflüssige Erinnerungsabfälle raus"kehrt", entstehen auch manchmal scheinbar sinnvolle Träume.

Aber – wie gesagt – sie scheinen nur sinnvoll. Nur haben wir Menschen eben seit Urzeiten ein Wahrnehmungsprogramm, das überall plausible Muster zu erkennen versucht. Beobachte mal eine Rauputztapete – am besten, wenn Du müde bist – dann wirst Du nach einer Weile auf der Tapete die verschiedensten Gesichter erkennen.


Antwort
von kawasakiii, 43

Für mich klingt es als würdest du dir zu viele Gedanken machen ;-) :-)

Kommentar von tauchfabrik1982 ,

definitiv

Kommentar von kawasakiii ,

:-P

Antwort
von DerBuddha, 12

trinken von blut hat zu allen zeiten, selbst heute noch, bei vielen kulturen einen eigenen hintergrund, der abhängig von dieser kultur, vom glauben und vom weltbild ist............manchmal ist es sogar nur eine frage des überlebens.........

eine allgemein gültige interpretation ist also nicht möglich.............:)

Antwort
von Dummie42, 31

Eindeutig Punkt 3. Da hatten aber manche Nonnen noch viel ekligere Visionen und feuchte Träume, für die sie heilig gesprochen wurden.

Kommentar von tauchfabrik1982 ,

Das mag sein... Für diesen Traum hätte vielleicht, unter anderen Umständen, auch der Scheiterhaufen warten können. Wobei gegen einen "feuchten" Traum im Grunde nichts einzuwenden wäre. Es geht eben nur darum, dass hier faktisch eine Projektion stattfindet, die es doch recht in sich hat.

Kommentar von Dummie42 ,

Ich empfehle dir folgendes Buch: "Das Kreuz mit der Kirche - Eine Sexualgeschichte des Christentums" von Karl Heinz Deschner.

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