Frage von Flummy86, 68

"Auf Rechnung" aus Kirche austreten?

Hallo.

Ich würde gerne wissen, wie ich aus der Kirche austreten kann, ohne das Geld direkt abgeben zu müssen, da ich diesen Monat aufgrund meines BAföG-Wegfalls ziemlich pleite bin und niemanden weiß, der mir Geld leihen könnte. Kann ich das Geld bezahlen, sobald ich meinen Lohn erhalten habe?

Gerade gehe ich einer kurzfristigen Beschäftigung nach (habe soeben damit angefangen) und muss nun wider mir gegenüber getätigte Aussagen Kirchensteuer zahlen, zwar "nur" 12€ - aber auch dafür muss ich anderthalb Stunden arbeiten, was ich als Atheistin und nie überzeugt gewesenes Kirchenmitglied leider nicht nicht einsehe. Die Kirche ging mir schon immer am Allerwertesten vorbei, nur war der Austritt bisher nie relevant, da ich nicht arbeitete.

Schlimm genug, dass ich als in mehrfacher Hinsicht psychisch Erkrankte, die ihrer Krankheit wegen kein BAföG mehr bekommt, aber eigentlich Anspruch auf den Höchstsatz hätte, nun mittels Steuern anderen, vielfach psychisch Gesunden ihr Studium subventioniert.

Sorry, falls ich jemandem auf den Schlips trete, aber es regt mich mehr als geringfügig auf, dass ich überhaupt Geld dafür bezahlen muss, eine eigene Einstellung kultivieren und mich dementsprechend behandeln lassen zu dürfen.

Ich bedanke mich.

Antwort
von PatrickLassan, 28

Wenn du nur einer kurzfristigen Tätigkeit nachgehst, dann wird dein Arbeitslohn wahrscheinlich so niedrig sein, dass du Anfang 2017 bei Abgabe einer Einkommensteuererklärung die gesamten einbehaltenen Steuerabzugsbeträge inklusive der Kirchensteuer erstattet bekommst.

Der Erstattungsbetrag dürfte dann auch dafür ausreichen, die Gebühren für den Kirchenaustritt zu zahlen.

Antwort
von matmatmat, 28

Ob Du das Geld auch später zahlen kannst weiß ich nicht sicher, das kann von deiner Gemeindeverwaltung abhängen. ruf doch da mal an?

Was Du auf jeden Fall machen kannst, ist einen Antrag stellen, die Gebühr zu senken oder zu erlassen weil Du dir die volle nicht leisten kannst... das ist dazu da, damit niemand - wie in deiner Situation - nur in der Kirche bleibt weil er sich den Austritt nicht leisten kann.

Antwort
von zonkie, 35

Ich weis nicht ob die das hilft aber wenn du schon einer Tätigkeit nachgehst könntest du hier um eine Vorauszahlung bitten um eine ggf. anfallende Gebühr zu bezahlen?

Naja das mit dem Geld bezahlen ist so eine Sache. Du bist ja nicht per Definition in der Kirche, daran sind wohl deine Eltern schuld. Die Gebühr die nun fällig wird ist dann wohl der Auslagenersatz der mehr oder weniger gerechtfertigt hoch ist :/

Kommentar von Flummy86 ,

Nein, sorry, das ist absolut ungerechtfertigt. Ich lebe von weit weniger als ein Hartz IV-Empfänger und damit von weit weniger als dem gesetzlich festgehaltenen menschenwürdigen Existenzminimum, da ich selbst als psychisch Kranke kein Anrecht auf irgendwie geartete Unterstützung habe, weil ich "ja unbedingt studieren muss".

Kommentar von Flummy86 ,

Und an Elternteile kann ich mich dahingehend leider nicht wenden, da ein Elternteil tot, ein Elternteil annähernd so arm ist wie ich.

Kommentar von zonkie ,

Das es für dich nicht schön ist verstehe ich vollkommen.

Es ist aber doch nunmal so das deine Eltern dich in die Kirche gebracht haben. Ohne diese Entscheidung hättest du heute das Problem nicht es handelt sich also schonmal nicht um eine Zwangsabgabe die man nie umgehen könnte... es ist eher die Tradition die dich in diese unschöne lage bringt .. man tauft sein Kind eben... haben sie vor 100 Jahren gemacht, machen wir heute auch so.

Und jetzt bereitest du mit deinem Kirchenaustritt Arbeit auf der die Verwaltung nicht sitzenbleiben will. Immerhin muss das jemand annehmen, dokumentieren, eintragen übermitteln usw. In der freien Wirtschaft wäre der Beitrag da vermutlich noch ein gutes Stück teurer.

Ich verstehe vollkommen das hier Geld von den "Armen" genommen wird wo anderseits Geld tonnenweise verbrannt wird. Leider sind unsere Vorschriften meist allgemeinverbindlich und treffen damit den einen härter als andere.

Wenn dir sonst niemand einfällt wäre wirklich die einzige Idee die ich hätte der Arbeitgeber mit Bitte um 50-100€ Vorschuss (keine Ahnung wie das bei dir läuft bei unseren Mandanten sehe ich das häufiger mal). Je nach Bundesland hat man aber selbst dann noch das Porblem das der Austritt gerne 1 Monat nach Besuch auf dem Standesamt erst steuerlich wirksam ist.... Ich finds auch nicht schön aber was will man machen.

Zuletzt noch eine möglicherweise frohe Botschaft für dich .. Wenn du erst jetzt anfängst für dieses Jahr Geld zu verdienen hast du eine potentielle Chance mit deiner Steuereklärung 2016 (Irgendwann gegen 02-03/2017) deine gezahlten Steuern zurückzuholen (Theoretisch 100% sowohl die Kirchensteuer als auch "Lohnsteuer"). Das mag dir jetzt nichts bringen aber je nach deiner sonstigen Situation [Zuschüsse von Ämtern usw usw  ...] kann es sein das du am Ende doch 0,- an die Kirche und auch den Staat zahlst.

Antwort
von Othetaler, 21

Um die Kirchensteuer kommst du nicht herum. Die wird automatisch mit deiner Lohnsteuer abgeführt. Dafür kommt auch ein Austritt zu spät.

Auch ein Austritt wird so richtig erst ab dem nächsten Jahr greifen. Dieses Jahr bleibst du (anteilig) kirchensteuerpflichtig.

Und selbst der Austritt ist nicht umsonst. Der kostet nämlich eine Gebühr, die von Ort zu Ort unterschiedlich sein kann. Das können schon mal über 50 Euro sein.

Kommentar von Flummy86 ,

...genau um die Gebühr ging es mir. Wie gut, dass ich als Studentin mit einem weit unterhalb des gesetzlich definierten Existenzminimums liegenden Monatsgesamteinkommen nicht regulär Kirchensteuer zahle.

Kommentar von Othetaler ,

Die Gebühr ist sofort bei Austritt fällig. Um nächstes Jahr wirklich komplett freigestellt zu sein, musst du aber dieses Jahr noch austreten.

Das kannst du ja machen, nachdem du dein Gehalt bekommen hast. Für diese Zahlung ist es eh zu spät.

Kommentar von Othetaler ,

Noch eine Ergänzung:

Wenn du mit deinem Jahreseinkommen nicht zu viel verdienst bekommst du deine gezahlte Lohnsteuer (und damit auch die Kirchensteuer) nächstes Jahr zurück, wenn du deine Steuererklärung machst.

Kommentar von Flummy86 ,

Wenigstens etwas, danke.

Antwort
von hummel3, 14

Ich will deine Meinung nicht beurteilen. - Nur gilt, wenn man sich einmal einer Sache angeschlossen hatte, dann muss man auch die Folgen eines späteren Austritts, von dem du ja nun profitieren willst, bedenken. - Kannst dich ja an deine Eltern wenden, welche dich einst haben taufen lassen und so wesentlich zu deiner Kirchenmitgliedschaft beigetragen haben oder alternativ einen "Bedürftigkeitsantrag" bei der Behörde stellen. - Im "Land der tausend Möglichkeiten" kommst du vielleicht sogar damit durch.

Kommentar von Flummy86 ,

Ich "wurde" dem angeschlossen, von mir aus angeschlossen habe ich mich nie, hätte ich auch mit fünf nicht, also in dem Alter, in dem ich getauft wurde. Meine Eltern kann ich, wie oben erwähnt, leider nicht konsultieren

Kommentar von hummel3 ,

Dann bleibt wohl nur die Alternative "Bedürftigkeitsantrag", oder dir die Austrittsgebühr von einem Kumpel zu leihen. - Zahlt sich ja durch die sofort einsetzende Ersparnis an Kirchensteuer fast von selbst! 

Antwort
von Omikron6, 25

In Hamburg ist für die Austrittserklärung das Standesamt zuständig. Es wird eine sofort zu entrichtende Verwaltungsgebühr erhoben.

Antwort
von Stellwerk, 40

Du vermischst zwei Dinge, nachvollziehbar, aber nicht zielführend.

 Aus der Kirche austreten kannst Du jederzeit. Ob Du auf Rechnung zahlen kannst, kannst Du mit einem Anruf beim zuständigen Standesamt klären.

Kommentar von Flummy86 ,

Entschuldigung, aber was vermische ich? Ich kann schlecht austreten, wenn ich das Geld nicht habe und es auch nicht erst in zwei Wochen überweisen darf. Ergo müsste ich für den kommenden Monat Kirchensteuer zahlen, obwohl mir die Kirche egal ist und ich mich nicht als Kirchenmitglied betrachte.

Kommentar von gunnar90 ,

Solche Gebühren werden Geringverdienern in der Regel erlassen.

Kommentar von omikron ,

Wie du dich betrachtest, ist in Deutschland nicht relevant. Es zählt nur, was auf dem Papier steht, und dort bist du Kirchenmitglied.

Kommentar von Flummy86 ,

Ja, er- bzw. gezwungenermaßen, weil ich mir den Austritt nicht leisten kann.

Kommentar von Flummy86 ,

Tja, definiere "Geringverdiener". Könnte ich den Erhalt einer Sozialleistung nachweisen, könnte ich je nach Stadt befreit werden. Da ich aber keine erhalte (und überhaupt in einer Stadt wohne, in der es derartige Ermäßigungen nicht gibt), habe ich erstens allgemein weniger Geld als ein Sozialleistungsempfänger, da alle zur Deckung des Lebensunterhalts gedachten Sozialleistungen dem Existenzminimum entsprechen müssen, dessen Höhe ich mittels Arbeit wiederum nicht erreiche, darf zweitens keine Einrichtungen wie die Tafel nutzen und muss drittens den Rundfunkbeitrag in voller Höhe entrichten. Und das alles trotz mehrerer pathologischer psychologischer Diagnosen. Das ist und bleibt für mich unfassbar.

Antwort
von TechnologKing68, 31

Der Austritt kostet doch nichts, meine ich? Im Gegenteil du sparst ja, weil du keine Steuer mehr bezahlst.

Kommentar von Flummy86 ,

Doch, der kostet hier - soweit ich weiß - 35€ 

Kommentar von zonkie ,

kommt drauf an wo man grade wohnt. es gibt Städte in den ist es kostenlos, in anderen muss man zahlen. Bei mir warens 40,- z.B.

Antwort
von kevin1905, 19

Kann ich das Geld bezahlen, sobald ich meinen Lohn erhalten habe?

Nope.

Antwort
von gunnar90, 30

Der Kirchenaustritt kostet NICHTS. Du musst lediglich zum Amtsgericht gehen und den Austritt erklären. Die vor dem Austritt gezahlte Kirchensteuer bekommst du allerdings nicht wieder zurück.

Kommentar von Flummy86 ,

Sofern ich korrekt informiert bin, kostet der in unserer Stadt stolze 35€

Kommentar von JustinBieber02 ,

Ja das stimmt, der kostet 35 Euro.

Kommentar von Stellwerk ,

?? 

Standesamt reicht - Amtsgericht wär n bissel arg aufwendig, oder? 

Und die verlangen dann eine Bearbeitungsgebühr; bei mir waren das 20,- soweit ich mich erinner.

Kommentar von Flummy86 ,

Und wenn ich das Geld gerade nicht habe, weil ich nicht einmal genug Geld fürs Einkaufen habe?

Kommentar von PatrickLassan ,

Standesamt reicht - Amtsgericht wär n bissel arg aufwendig, oder?

Das kommt auf das jeweilige Bundesland an. In einigen Bundesländern kann man den Austritt beim Standesamt erklären, bei anderen muss man zum Amtsgericht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenaustritt#Zust.C3.A4ndige_Beh.C3.B6rde

Kommentar von gunnar90 ,

Bei uns macht das ausschließlich das Amtsgericht und es kostet für Studenten und Geringverdiener NICHTS !!!! (NRW)

Kommentar von matmatmat ,

In Mannheim waren es mal 50€, ist gesenkt worden auf 23€ nachdem das in den Medien um ging, das man die teuerste Stadt Deutschlands sei um auszutreten. 20-30€ sind durchaus normal als "Strafgebühr"...

Antwort
von Flummy86, 24

*-nicht ;)

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