Frage von Fuchssprung, 64

Atommüll Endlager im Klimawandel?

Bis jetzt ist ja noch nicht endgültig klar, wo der Atommüll endgültig gelagert wird. Aber die Salzstöcke in Gorleben sind noch immer im Gespräch. Jetzt frage ich mich, was mit diesem Atommüll eigentlich passiert, wenn das Eis auf Grönland und auf dem Festland der Antarktis schmilzt. Wenn wir so weiter machen kann das schon in den nächsten paar hundert Jahren passieren. Der Atommüll ist dann immer noch gefährlich, er wird aber dann nicht mehr nur von Salz bedeckt sein, sondern auch noch von vielen Metern Wasser. Berlin wird dann unter Wasser liegen und die Küstenlinie beginnt dann irgendwo nördlich vom Harz. Das heißt, Gorleben liegt dann weit draußen im Meer.

Was passiert dann mit dem Atommüll? Löst sich das unterirdische Salz dann auf, wenn das Land unter Wasser steht? Verteilt sich der Müll dann großflächig über den ganzen Planeten? Was passiert dann?

Expertenantwort
von realfacepalm, Community-Experte für Klimawandel, 16

Glücklicherweise wird das komplette antaktische Eisschild nicht so schnell abschmelzen - dann hätten wir zusammen mit Grönland über 70Meter Meeresspiegelanstieg (Sea Level Rise, SLR), Berlin wäre tatsächlich abgesoffen und der Kölner Dom hätte nasse Füsse.

Trotzdem soll es auf lange Sicht von ein paar tausend Jahren, auf die es bei einer Endlagerung ja ankommt, selbst bei einer Erwärmung von nur 2°C einen Meerespiegelanstieg von 25 Meter geben - und Gorleben wäre damit mindestens Küstendorf.

Hier ein Bericht über die Arbeit von Clark et al über den möglichen SLR: http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/meeresspiegel-ueber-die-jahrtausende/

Und hier ein Karte mit der Darstellung des Meersspiegelanstieges: http://flood.firetree.net/?ll=53.0195,11.3903&zoom=13&m=20 (da es dort keine Einstellung für 25 Meter gibt: einfach mal zwischen 20 und 30 Meter umschalten)

Der Salzstock von Gorleben liegt auch sehr nahe an der Oberfläche, was diesen empfindlich gegen solche dauerhaften Überflutungen macht. In Salz ist auch eine Rückholung schwierig, das sich der Salzstock plastisch verformen kann. Es ist ja sogar der Plan, dass das Salz die eingelagerten Stoffe letztendlich sicher umschließt.

Wir würden aber immer noch besser dastehen als die Engländer mit dem Lager Drigg neben Sellafield, das direkt an der Küste in grade mal 10-20 Meter Höhe liegt, und bereits bei einem geringeren SLR im Meer landen würde. http://flood.firetree.net/?ll=54.3901,-3.4397&zoom=13&m=20

Eine Verdünnung ist auch der Plan gewesen hinter den Verklappungen (= die haben die Fässer einfach von Schiffen über Bord geworfen) und den immer noch aktiven flüssigen Einleitungen von z.B. Sellafied (=Windscale) oder la Hague direkt ins Meer von schwachradioaktiven Abfällen.

Müllentsorgung in den Allgemeninbestitz ist da mindestens moralisch ein Problem.



Antwort
von BTyker99, 21

Damit kannst du recht haben, da die Wahl es Endlagers stark politisch beeinflusst ist, und nicht unbedingt der beste Ort gewählt wird (niemand will es vor der eigenen Haustür haben).

Aber da man sowieso nicht davon ausgehen kann, dass unsere Gesellschaft noch lange besteht, ist das okay. Nach uns die Sintflut :-)

Wenn sich der Müll auf der ganzen Welt verteilt hat, dürfte das auch nicht extrem viel ändern, da die Konzentration sehr gering wäre. Ich schätze, dass einige Krankheiten dann vermehrt auftreten könnten, aber es wäre schwer, einen statistischen Nachweis dafür zu finden, bzw. zu beweisen, dass es am verteilten Atommüll liegt. In Tschernobyl floriert die Natur trotz erhöhter Radioaktivität.

Antwort
von ocin1, 12

Die Salzstollen sind vor ca. 100 Millionen Jahren durch das Verdunsten von eingeschlossenen Meeren ohne Wasserzulauf entstanden. Seit dieser Zeit sind diese Salzstollen von mehreren 100 m Erdreich bedeckt worden und an manchen stellen sogar von neuen Meeren. Und das diese Salzformationen das über viele 100 Millionen Jahre überstanden haben, ist ein guter Belege, das es sie auch noch mindestens in 1 Million Jahre dort geben wird. In dieser Zeit werden sich die Verhältnisse auf der Erde nicht so ändern, dass die geologische Geschichte von mehreren 100 Millionen Jahren in den Schatten gestellt wird. Aus genau diesem Grund benutzt man eben Salzgesteine (Salzstöcke) für die Endlagerung, ob nun von chemischen oder von nuklearem Abfall.

6 chemische Endlager in der BRD sind in alten Salzbergwerken eingerichtet, wie die ASSE

Man bedenke, dass es in der BRD 16 chemische Endlager (im
politisch Sprech "4 Untertagedeponien" 12
„Versatzbergwerke“) gibt, die schon seit langem betrieben werden.
Interessanter Weise sind 6 chemischen Endlager in Salzgesteinen, wie
auch das nukleare "Endlager" Morsleben und die ASSE.

1. Herfa Neurode /Hesen (altes Kalisalz-Bergwerk)

2.Heilbronn / Baden-Württenberg (altes Salzbergwerk)

3. Zielitz/Sachsen-Anhalt (altes Kalisalz-Bergwerk)

4. Borht-Niederreihn/ Nordreihn-Westfalen (altes
Salzbergwerk)

5. Riedel /Niedersachsen (altes Salzbergwerk)

6. Sondershausen /Thüringen (altes Kalisalz-Bergwerk)

Es stellt sich nun die objektive Frage,wenn die Endlagerung in
Salz "ganz klar gefährlich sei",so wie es von unseren
Medien und unserer Politik am Beispiel der ASSE gerne verdeutlicht
wird, warum gibt es dann über die 6 chemischen Endlager, welche auch
in Salzgestein liegen, keine vergleichbare Medienpräsenz?

Hier kann es eigentlich nur 3 logische Antworten geben:

1- Die Probleme der ASSE werden aus politischen Gründen maßlos
übertrieben und restlos einseitig behandelt.

2- Über die Probleme der 6 chemischen Endlager wird mit Absicht
nicht in Medien und Politik berichtet. Die Endlagerung wäre dann
keine Besonderheit der Kernenergie, was sie ja auch nicht ist. Das
bedeutet aber, dass die Deutschen seit Jahren von den Medien und der
Politik belogen werden.

3- Die Probleme der ASSE sind auf die ASSE selbst begrenzt und
stellen somit das Endlagerkonzept in Salzgestein nicht in Frage. Die
6 chemischen Endlager in Salzgestein sind ein praktischer Beleg für
die gut Umsetzbarkeit.

Das größte chem. Endlager weltweit (Fläche Münchens inklusive
Autobahnring) in Herfa Neurode wurde vom damaligen hessischen
Umweltminister Joschka Fischer 1986 genehmigt und als "Juwel"
bezeichnet [ww.spiegel.de/spiegel/print/d-13520557.html].
Also, wer "GRÜN" wählt, wählt chemische Endlager (die
zweifellos notwendig sind).

Resümee: Jede Energietechnik verursacht endzulagernde Abfälle!
Die Frage sollte besser nach der Technik lauten, welche die geringste
Müllmenge pro generierte kWh Strom erzeugt.

Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Endlager
,de.wikipedia.org/wiki/Müllverbrennung,
ww.sueddeutsche.de/wissen/untertagedeponie-herfa-neurode-das-giftgrab-1.910158,
ww1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/sbmuelldiegiftigstenortedeutschlands102.html,
ww.focus.de/politik/deutschland/sondermuell-ab-ins-bergwerk_aid_152486.html,ww.badische-zeitung.de/elsass-x2x/wohin-mit-dem-hochgiftiger-sondermuell-aus-wittelsheim--36297444.html,
ww.spiegel.de/spiegel/print/d-13489952.html
,toxcenter.org/artikel/Herfa-Neurode-groesste-Sondermuelldeponie-der-Welt.php,
ww.eon-energyfromwaste.com/Umwelt/133.aspx
,ww.spiegel.de/wirtschaft/gefaehrlicher-goldabbau-ein-ehering-produziert-20-tonnen-giftmuell-a-542725.html,
ww.dw.de/zerstörte-umwelt-der-preis-des-goldes/a-15295336,ww.beobachter.ch/natur/umweltpolitik/natur-umweltschutz/artikel/sondermuell_aus-den-augen-aus-dem-sinn/,ww.deutschlandfunk.de/im-fegefeuer-der-konsumgesellschaft.740.de.html?dram:article_id=111876,ww.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Reste-von-Chemiewaffen-aus-Syrien-landen-in-Kalischacht-in-Sondershausen-1582229580

Antwort
von Spezialwidde, 29

Das Salzbergwerk liegt auch heute schon unter Meeresniveau. Grundwassereinbrüche sind hier das größte Problem.

Antwort
von Barolo88, 29

schön, dass sich wenigstens einer diese Fragen stellt,  unsere Atom-Lobby schert sich nämlich einen Dreck darum.

Kommentar von martinzuhause ,

dem stromkunden ist das aber auch egal.

würde keiner den strom abnehmen würden die anbieter da schnell eine lösung finden

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