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Atomkraftwerke ITER Frage

Frage von Raschi1 Raschi1

hab da was gelesen:

ITER (englisch International Thermonuclear Experimental Reactor) ist ein internationales Forschungsprojekt, das den zur Zeit größten und fortschrittlichsten Experimental-Fusionsreaktor baut. ITER soll zeigen, dass es physikalisch und technisch möglich ist, durch Kernverschmelzung Energie zu gewinnen. Das Ziel ist die kommerzielle Nutzung der Kernfusion zum Zwecke der Stromerzeugung, womit jedoch frühestens im Jahre 2050 zu rechnen ist.

doch was bedeutet das konkret??? versucht man nun statt kerne zu splaten und dadurch energie zu gewinnen, lieber kerne zu verschmelzen und dadurch energie zu gewinnen??? wenn ich das richtig verstanden habe, ist das ungefährlich???

DANKE SCHONMAL!!!

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Antworten (4)

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    Antwort von Foerster1973 Foerster1973

    Wikipedia -> Kernfusion

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    Antwort von JTKirk2000 JTKirk2000

    Wenn ich das richtig verstehe, sind folgende, radioaktive Strahlungen bekannt:

    • Alpha-Srahlung (bestehend aus freien Heliumatomkernen)
    • Beta-Strahlung (bestehend aus freien Elektronen)
    • Beta+Strahlung (bestehend aus freien Positronen) und
    • Gamma-Strahlung (der eigentlichen Wellenstrahlung, während die anderen Teilchenstrahlungen sind)

    Bei der Kernfusion (soweit ich mich recht entsinne), werden Deuteriumatomkerne bzw. Deuteriumatome zusammengeführt, wodurch ein Heliumatomkern bzw. ein Heliumatom aus jeweils zwei Deuteriumatom(kern)en entsteht. Aus der so freiwerdenden Bindungsenergie wird somit nutzbare Energie. Außerdem, sofern tatsächlich nur Heliumkerne erzeugt werden, wird ein Elektronenmangel herbeigeführt, welcher normalerweise durch freie Elektronen recht schnell wieder ausgeglichen wird, weshalb diese Alphastrahlung nur einen recht kleinen Auswirkungsbereich hat. Dennoch könnte man theoretisch diesen Elektronenmangel nutzbar machen, indem man über die Elektronenwanderung an Elektroden eine elektrische Spannung entsprechend einsetzt. Das ist jedoch größtenteils meine Vermutung und muss nichts damit zu tun haben, wie das beim ITER der Fall ist.

    Kommentar von Bernte BernteBernte

    Nein, die elektrische Bilanz ändert sich im ITER nicht. Bei der Fusion wird im Wesentlichen ein Neutron produziert, welches die Plasmafalle verlassen kann und mit viel Kawumms in die Wand des Reaktors jagt. Diese wird heiß und kann klassische Turbinen antreiben.

    1Deuterium+1Tritium --> 1 Helium + 1Neutron

    Das Tritium ist übrigens eines der großen Probleme bei der Kernfusion. Es kommt in der Natur (praktisch) nicht vor, und muss bis jetzt in konventionellen Atomreaktoren erbrütet werden.

    Kommentar von JTKirk2000 JTKirk2000JTKirk2000

    Das mit der "elektrischen Bilanz" war ja auch nur gemeint, wenn es lediglich Atomkerne gewesen wären, die man eingesetzt hätte. Wenn es ganze Atome wären, sieht es da natürlich schon anders aus. Dass allerdings die Differenz Bindungsenergie nicht genutzt wird, verwundert mich etwas und um dieser Verwunderung die Krone aufzusetzen, wird dann auch noch Tritium eingesetzt, wodurch man dann doch auf Kernspaltungsreaktoren angewiesen ist. Ich meine: Deuterium ist schon selten genug in der Natur vorhanden und (wie Du richtig bemerkst) Tritium in der Natur gar nicht vorkommt: In Bezug auf die Häufigkeit in der Natur prozentual auf alle Wasserstoffatome gibt es einen interessanten Link zu Wikipedia, welcher auch andere Details zu den Wasserstoffisotopen (aber auch Heliumisotopen) aufzeigt: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Isotope/1._Periode

    Kommentar von Bernte BernteBernte

    Deuterium-Deuterium-Reaktionen scheinen einen sehr kleinen Wirkungsquerschnitt zu haben, weshalb deutlich höhere Temperaturen nötig wären. Die Forschung scheint aber darauf abzuzielen, entweder mit den Temperaturen höher zu kommen, oder aber Tritium gleich im Fusionsreaktor zu erbrüten.

    Ich glaube nicht, dass man die Elektronenbindungsenergie irgendwie sinnvoll nutzen könnte. Während des Betriebs ist ja eh alles Plasma, und die Elektronen und Rümpfe koexisiteren friedlich, ohne dass sie sich gegenseitig groß beeinflussen würden. Außerdem sind die Bindungsenergien mit ein paar eV gegenüber den MeV pro Kernfusion eher klein.

    Kommentar von JTKirk2000 JTKirk2000JTKirk2000

    Wenn schon enorm hohe Temperaturen und vielleicht auch entsprechend hohen Druck, warum dann nicht gleich die Kernschmelze von 4 Protiumatomen (um dahingehend eindeutig zu sein) zu jeweils einem He4-Heliumatom? Dadurch hätte man ein Energieäquivalent von vier Elektronen (eigentlich zwei Elektronen und zwei Positronen, was aber im Masse-Energie-Äquivalent identisch sein dürfte) je Kernfusionsreaktion. Im Übrigen meinte ich nicht die Elektronenbindungsenergie, sondern die Kernbindungsenergie und man muss auch nicht Megaelektronenvolt je Reaktion bei jeweils einer Reaktion herausholen wollen, sondern es geht um die Menge. Zu Protium und dem erwähnten Heliumelement empfehle ich auch hier den erwähnten Wikipedialink, bevor dahingehend wieder ein Einwand oder Vorwurf folgt: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Isotope/1._Periode

    Kommentar von Bernte BernteBernte

    Hi Kirk, ich hoffe, du liest das hier noch. Ich habe endlich das Diagramm gefunden, das ich gesucht habe: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Fusion_rxnrate.svg Es zeigt, dass man für D-D-Reaktionen die hundertfache Temperatur braucht wie für D-T-Reaktionen. Ich glaube, da kann man ganz gut nachvollziehen, dass man ohne Tritium leider nicht auskommt. Gruß, Bernte

    Kommentar von JTKirk2000 JTKirk2000JTKirk2000

    Danke für den Link, aber hundertfache Temperatur ist doch etwas übertrieben, wie mir scheint Dummerweise reicht aber die Darstellung nicht aus, um ein Maximum der D-D-Reaktionskurve zu erkennen, da diese auch am Ende des KeV/Temperaturbereiches noch ansteigt, was etwa einem 15fachen des Maximum der D-T-Reaktion entspricht, aber auch nicht viel mehr. Schade finde ich bei diesem Koordinatensystem dass die Kernfusion von 4 Protiumatomen zu einem Helium-4-atom nicht mit angegeben ist. Immerhin reicht die Temperatur-Skala bis auf 10 Milliarden Grad Kelvin bzw. aus Celsius denn der Unterschied dürfte hier echt vernachlässigbar sein. Soweit ich mich recht entsinne, habe ich gelernt, dass aus vier Protiumatomen ebenfalls ein Herlium-4-Atom entsteht, was aus dem Wikipedia-Artikel leider nicht hervorgeht: http://de.wikipedia.org/wiki/Kernfusion#Stellare_Kernfusion

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    Antwort von Bernte Bernte

    Ja, genau das ist Kernfusion. Wenn zwei leichte Wasserstoffatomkerne zu einem Heliumkern verschmolzen werden, wird lustiger Weise Energie freigesetzt. Genauso, wie wenn man deutlich größere Kerne in kleine zerbricht.

    Die beiden großen Risiken von Atomkraftwerken bleiben glücklicher Weise aus. Zum einen ist da die Gefahr der unkontrollierten Kettenreaktion. In einem Atomreaktor befindet sich stets eine große Menge spaltbares Material, eine sogenannte überkritische Masse. Das ist zwingend notwendig, damit die Kettenreaktion überhaupt in Gang kommt. Bei fehlerhafter Regelung der Kettenreaktion kann es zu einem exponentiellen Anstieg der Aktivität kommen. Schlimmstenfalls zerfetzt die explosionsartige Verbrennung das Gebäude, und radioaktives Material gelangt in großen Mengen in die Atmosphäre.

    Fusionsreaktoren benötigen keine kritische Masse. Man speist den Reaktor mit gerade soviel Wasserstoff, wie gerade benötigt wird. Wenn man den Hahn abdreht, ist der Reaktor aus.

    Das zweite große Problem von Atomreaktoren ist die Endlagerung. Große Mengen radioaktiven Materials müssen für Jahrmillionen sicher gelagert werden. Bei Fusionsreaktoren treten auch kleine Mengen radioaktiven Materials auf. Die Wände des Reaktors werden nämlich die ganze Zeit von sehr schnellen Elementarteilchen beschossen, was die Materie verändert. Die dabei entstehenden Nuklide sind jedoch so kurzlebig, dass sie binnen weniger Jahre Lagerung von alleine verschwinden.

    Kommentar von JTKirk2000 JTKirk2000JTKirk2000

    Nicht bei der Kernfusion von 2 Wasserstoffatomkernen zu einem Herliumatomkern, sondern wenn schon von entweder 4 Wasserstoffatomen zu einem Heliumatom, oder von zwei Deuteriumatom(kern)en zu einem Heliumatom(kern). Ein Heliumatomkern besteht aus 2 Protonen und 2 Neutronen, Bei einem entsprechenden Heliumatom kämen noch 2 Elektronen dazu. Daher können zwei Wasserstoffatome nicht für eine Kernfusion zu einem Wasserstoffatom ausreichen, da diese keine Neutronen besitzen, während Deuterium sich von Wasserstoff in der Form unterscheidet (Deuterium ist daher ein Isotop von Wasserstoff) dass es gleich viele Protonen wie Neutronen im Atomkern besitzt, also jeweils eines. Bei der Kernfusion von Wasserstoff zu Helium läuft es also eher folgendermaßen ab:

    • Bei einer entsprechenden Temperatur werden die Protonen von zweien der vier Wasserstoffatome aufgeteilt in Positronen und Neutronen.
    • Diese entstehenden zwei Positronen zerstrahlen mit zwei der vier Elektronen zu Energie, was als Wellenstrahlung (also logischerweise Gammastrahlung) abgegeben wird.
    • Die übrig bleibenden jeweils zwei Protonen und Neutronen bilden den Atomkern des neu entstandenen Heliumatoms, während die übrig bleibenden zwei Elektronen das Atom elektrisch sättigen.
    • Hierbei gewinnt man also die meiste Energie, nämlich einerseits die relativ geringe Differenz aus der Bindungsenergie und andererseits die relativ hohe Energie aus dem Masse-Energie-Äquivalent der beiden zerstrahlten Elektron-Positron-Paare. Allerdings sind hierfür enorme Temperaturen und ein ebenso enormer Druck erforderlich, welcher technisch vermutlich kaum zu erreichen ist.

    Bei Deuterium verhält es sich wesentlich direkter, denn Deuteriumatomkerne besitzen bereits eigene Neutronen. Daher sind nur zwei Deuteriumatome notwendig, um ein Wasserstoffatom hervorzubringen. Jedoch kann dann nur Energie aus der Differenz der Bindungsenergie gewonnen werden, es sei denn zusätzlich durch die Elektronensättigung, wenn man nur Deuteriumatomkerne einsetzt und daher auch in direkter Hinsicht erst einmal nur einen Heliumatomkern gewinnt.

    Kommentar von Bernte BernteBernte

    Dein Wissen in allen Ehren, aber ich glaube nicht, dass es solche Details sind, die den Fragesteller interessieren.

    Übrigens IST Deuterium Wasserstoff. Deine Aussage ließt sich in etwa wie "Nein, das war kein Unfall von zwei Autos. Es waren zwei Hondas!".

    Kommentar von JTKirk2000 JTKirk2000JTKirk2000

    Wasserstoff ist das Basiselement und besitzt an sich kein Neutron im Nukleus. Deuterium hingegen besitzt ein Neutron im Nukleus und Tritium sogar zwei. Es sollte klar sein, dass es da einen maßgeblichen Unterschied gibt, oder? Natürlich sind Deuterium und Tritium Isotope des Wasserstoffatoms, aber so sehr wie Tritium ein Isotop (gleiche Protonenzahl) des Wasserstoffatoms ist, ist es auch ein Isoton (gleiche Neutronenzahl) des Heliumatoms. Ist daher Tritium gleichzeitig Wasserstoff und Helium oder was? In den genauen Eigenschaften seines Nukleus ist es weder das Eine noch das Andere in Bezug auf das jeweilige Basiselement, sondern nur das Isotop des einen und das Isoton das andere. So viel Präzision sollte man schon bereit sein, anzuwenden. Aber wenn es Dir hilft, ersetze einfach das, was ich über Wasserstoff geschrieben habe, in Gedanken durch Protium.

    Kommentar von Bernte BernteBernte

    Klar ist mir das klar. Ich finde es nur völlig übertrieben, bei einer sehr grundsätzlichen Frage mit kernphysikalischem Klein-Klein zu kommen. Wasserstoff kennt der Fragesteller, Deuterium müsste er vermutlich erstmal googlen. Da tue ich ihm doch keinen Gefallen mit, mit Fremdwörtern um mich zu werfen, oder?

    Kommentar von JTKirk2000 JTKirk2000JTKirk2000

    Wenn man meine Antwort (nicht nur meine Kommentare) gelesen hat, dann findet man auch einen entsprechenden Link zu den Isotopen von Wasserstoff. Dazu braucht man nicht mal zu googeln. Wer sich dafür interessiert, der kennt aber zumindest die Bezeichnung Deuterium und vielleicht sogar Tritium (bei Protium sieht es vielleicht etwas anders aus). Aber nur für den Fall dass sich jemand beschweren will, weil der betreffende nicht einmal hier nach dem erwähnten Link suchen möchte, wiederhole ich diesen hier noch einmal: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Isotope/1._Periode

    Im Übrigen habe ich eines erkannt: Wer Interesse an Physik hat, der muss auch Präzision schätzen. Denn wer keinen Wert auf Präzision legt, wird in der Physik nie wirklich verstehen, wieso etwas funktioniert (eigentlich ist Physik sogar eine Grundlagenwissenschaft für andere Wissenschaften wie Chemie oder wieder darauf aufbauende Biologie), was bedeutet, dass man je nach Niveau der Betrachtung auch entsprechend auf Präzision achten muss). Natürlich sind Namen nichts weiter als Schall und Rauch, aber wenn es hilft, etwas eindeutig zu identifizieren, dann sollte man diese auch verwenden. Wer allerdings mit Google und Wikipedia überfordert ist, der tut mir als Schüler einer höheren Klasse heute echt leid.

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    Antwort von mathgeek007 mathgeek007

    Hallo!

    Ja, das ist ungefährlich für die Umwelt. Es ist technisch höchst anspruchsvoll und wir erreichen permanent die Möglichkeitsgrenze des technisch Machbaren. Auf dieser Seite http://www.iter.org/album/construction/pf#205

    kannst du dich über alles informieren. Bei Youtube gibts auch viele Videos zu dem Thema.

    MFG

    Kommentar von hmmueller hmmuellerhmmueller

    "Ja, das ist ungefährlich für die Umwelt." - stimmt leider nicht: bei der Kernfusion entstehen freie Neutronen, die durch die Gegend sausen und (weil sie nicht elektrisch sind) sich nur mit Materie abbremsen lassen --> das Stahlgehäuse wird mit diesen Neutronen bombardiert. Dadurch gibt es dort atomare Prozesse, die radioaktive Stoffe entstehen lassen (und der Stahl versprödet - was er heute bei Kernreaktoren auch tut). Allerdings ist so viel von dem, was wir tun (incl. Ackerbau und Schifahren) gefährlich für die Umwelt, dass es darauf auch nicht mehr ankommen wird ...

    Kommentar von mathgeek007 mathgeek007mathgeek007

    Ja, du hast recht, das habe ich unterschlagen... Aber im Vergleich zu jetzigen Kernreaktoren, ist das praktisch vernachlässigbar.

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