Frage von jessytime44, 108

Moslem/konfessionslos, was bin ich?

Hallo Leute, ich hoffe ich kann meine Frage verständich formulieren, weil das ein nicht so leichtest Thema für mich (und vielleicht auch andere?) ist. Ich komme aus einer deutsch-türkischen Familie. Meine Mutter ist Deutsche (evangelisch) und mein Papa Türke. Er und seine Familie würden sich zwar alle als Moslems bezeichnen, weils ja nunmal so gut wie jeder in der Türkei ist ABER sie leben halt nicht religiös. Mein Papa isst manchmal Schweinefleisch, die Familie trinkt Alkohol und sie fasten auch nicht bzw. gehen nicht in die Moschee an Feiertagen. Trotzdem beten sie "für sich" auf dem Friedhof zB. Mein Bruder ist beschnitten worden damals und ich wurde nach "islamischem Ritual" von meinem Vater "getauft". Wenn dem Baby ins Ohr geflütert wird..ihr wisst bestimmt was ich meine. Ich bin mit beiden KULTUREN aufgewachsen, nicht mit den Religionen, mir wurde nichts religiöses beigebracht, man weiß halt einfach was sich kulturell gehört und was nicht. Ich würde mich nicht als Atheisten bezeichnen. Aber bin ich nur wegen der "Taufe" Muslima? Für mich gehört da schon ein bisschen mehr dazu. Andererseits sagt man ja aber, dass Kinder eines Moslems automatisch auch welche sind. Wenn ich mich so bezeichnen würde, müsste ich doch auch praktizieren oder wie seht ihr das? Ich weiß ich weiß einige werden jetzt sagen du musst doch selbst wissen was du bist, ja, aber ich würde gerne die Meinung von anderen hören, was sie denken. Vielleicht auch von Muslimen/türkisch stämmigen. LG :))

Antwort
von oelbart, 30

Also grundsätzlich bezeichnet "Muslim" ja jemanden, der irgendwie im großen und ganzen an die Prophezeiungen Gottes durch Mohammed glaubt. Und ich meine mal gehört zu haben, dass "Muslim" wörtlich so etwas heißt wie "sich dem Willen Gottes ergebender", womit auch Leute, die vom Koran nichts wissen, trotzdem "Muslime" sein können (wie zb die Propheten vor Mohammed)

Wenn Du das nicht glaubst, kannst Du sagen, dass Du keine Muslima bist. Genauso geht es ja vielen anderen, die als Kinder zwar irgendwelche Initiationsriten (bei den Christen: Taufe, Konfirmation, Kommunion, Firmung; bei den Juden: Beschneidung und Bar/Bat Mizwa) mitgemacht haben, aber sich später umentschieden haben oder schon damals das eher aus sozialen Gründen über sich haben ergehen lassen.

Was mich etwas stutzig macht ist der Satz: "Ich würde mich nicht als Atheisten bezeichnen": Es gibt ja in den meisten Religionen auch Menschen, die zwar grundsätzlich an "ihre Religion" glauben, aber diesen Glauben nicht "praktizieren" (also sich nicht (immer) an die Gebote und Verbote halten). Es kann sein, dass Deine Eltern in diese Gruppe fallen: Glaube ja, Moschee nein.

Es gibt aber auch noch eine ganze Reihe von Leuten, die an keinerlei "klassische Religion" glauben, sich aber trotzdem nicht als Atheisten bezeichnen. Manche versuchen, sich aus den verschiedenen Religionen die sinnvollsten Aussagen herauszusuchen und sich dadurch ein persönliches Weltbild zusammenzustellen - solche Leute könnte man als "Eklektiker" bezeichnen.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 28

Viele Kinder werden in christlichen Familien geboren, als Säuglinge getauft und werden christlich erzogen, ohne dass sie dies wollen.

Später glauben sie womöglich weiterhin an Gott, können aber mit den ganzen Geboten und Ritualen nichts mehr anfangen. Es ist ihnen fremd.

Viele Menschen sind also "Taufschein-Christen" - offizielle Dokumente bestätigen zwar ihre Zugehörigkeit zu einer Konfession, damit ist jedoch nicht automatisch echte Überzeugung verbunden.

Du kannst also auch ohne das befolgen religiöser Gebräuche und Regeln an Gott glauben, das kann dir absolut niemand verbieten.

Das "Etikett" der Religion, das du nach außen trägst, hat nur Relevanz für die Gesellschaft in der man lebt.

Ich bin der Meinung, wenn es tatsächlich einen Gott geben sollte, dann sind im Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und andere Eigenschaften wichtiger, als die Mitgliedschaft in einer Gruppe und die Einhaltung ihrer Regeln.

Wenn dieser Gott aber tatsächlich so kleinlich sein sollte, dass er mich in die Hölle schickt, weil ich den falschen religiösen Mitgliedsausweis habe - nun, dann ist mir das auch Recht, denn mit so einem pedantischen Bürokraten würde ich nicht auf der gleichen Wolke sitzen wollen. ;-)

Antwort
von WiihatMii, 44

Du bist säkulär aufgewachsen und erzogen werden. Bei deinen Eltern ist auch traditionellen Gründen noch ein bisschen von der Religion übrig geblieben, aber wirklich wichtig scheint es ihnen nicht zu sein. Du selbst bezeichnest dich als Atheistin, kennst die Bräuche und bist damit vertraut, aber bist selbst nicht praktizierend.

Genau das gilt auch für mich und für die meisten meiner Freunde in meinem Alter, egal ob Türken, Deutsche oder welcher Nationalität auch immer. Zu unserem Leben passt die Religion nicht mehr wirklich dazu. Wir wissen heute so viel über die Welt und das Universum, wir haben Menschrechte und zahlreiche Gesetze. Religion passt einfach nicht mehr in die heutige Zeit. Daher würde auch keiner von uns sich als Christ oder Muslim betrachten. Wir sind Atheisten, aber mit einer gewissen kulturellen Prägung der jeweiligen Religion. Man kann ja Weihnachten, das Zuckerfest oder beides mitfeiern. Religiös muss man dazu nicht sein.

Antwort
von Elizabeth2, 40

Du bist multukulturell, an vielem interessiert und nicht dogmatisch. Das sollte doch reichen. Allerdings suchst du deine Wurzeln oder möchtest an was religiösem festhalten? Das ist aber, nachdem, was du schilderst, nicht dein Weg. Beobachte mal die anderen, wie die das so machen. Es gibt soviele, die ähnlich sind wie du. Seine Zeit mit Beten, in der Kirche, in den Moscheen zu verbringen, ist nicht jedermanns Sache. Ich lebe nur einmal und wenn ich genußvoll  Alkohol trinken möchte und daran Spaß habe (nicht zu verwechseln mit Alkoholiker bitte), dann möchte das tun. Ohne mir von anderen Dogmen was vorschreiben zu lassen. Das ist immer noch das angenehme hier in Deutschland, dass ich nicht in eine Ecke gedrängt werde, irgendwas zu tun, was ich nicht möchte. Bewahre die Freiheit und achte darauf, dass du mit deinem Freiheits-leben nicht anderen auf die Füsse trampelst. (so wie das einige Reilgionsfanatiker tun!).


Antwort
von Aleqasina, 42

Theoretisch bist du Muslima, weil im Islam jeder Mensch "von Natur aus" Moslem ist, sofern er sich nicht vom Islam abgewandt hat bzw. getauft wurde oder so.

Aber das ist eitel Theorie.

Mein Rat: Prüfe die Religionen und entscheide dich. Aber auf keinen Fall irgendwie mit dem Strom schwimmen. Eine unentschiedene oder unverstandene Religionszugehörigkeit ist schlimmer als gar keine!

Kommentar von Korrelationsfkt ,

Theoretisch bist du Muslima, weil im Islam jeder Mensch "von Natur aus" Moslem ist

So ein Unsinn! Weil Muslime dies gern so hätten, trifft es noch lange nicht zu. Geboren wird man als Baby- das wars.

Antwort
von Peterwefer, 45

Ich würde sagen: Die Gretchenfrage ist die: Was glaubst Du? Denn Religion ist zuallererst eine Frage des persönlichen Glaubens. Die Rituale sind Ausdruck des Glaubens.

Antwort
von MrSavage4, 20

Mal angenommen, ich wäre in Deiner Situation. Mir wäre es doch völlig wurscht, ob meine Eltern und Verwandten Moslems, Christen, Hindus, Juden oder sonstwas sind. Solange sie mir nicht mit ihrer Religion auf die Nerven gehen und mir meine Ruhe lassen, können sie sein und tun, was sie wollen.

Und ich würde mir auch nicht die Frage stellen, was ich bin. Ganz einfach deswegen, weil ich mit Religion nichts am Hut haben will, weil's mich nicht interessiert.

Ich will einfach nur ganz normal mein Leben leben, sonst nichts. Ohne Religion und sonstigen Firlefanz.

Mach' Dir keine Gedanken darüber, welcher Religion Deine Eltern oder Verwandten angehören. Das ist ganz alleine deren Problem.

Lebe einfach Dein Leben, wie Du es für richtig hältst und gut isses. Sich die Frage zu stellen, was man ist, ist völlig uninteressant und überflüssig.

Das Leben der Menschen wäre um ein Vielfaches einfacher, friedlicher und entspannter, wenn sie sich nicht ständig mit irgendwelchen hirnrissigen Religionen beschäftigen würden.

Antwort
von Mbartho, 50

Der Gott der Bibel schaut nicht auf oberflächliches, sondern er schaut auf dein Herz.

Er schaut nicht auf deine Taufe oder die Traditionen, sondern was in deinem Inneren für eine Anbetung herrscht :).

Antwort
von FotoLA2HH, 27

Atheist ist jemand, der weder an die Existenz eines Gottes noch etwas Übernatürlichem glaubt. Die Taufe macht Dich zu keinem gläubigen Menschen. Kein Kind wird als Moselm, Christ oder Jude geboren genauso wenig wie ein Kind als CDU, SPD oder AfD- Anhänger geboren werden könnte. Es steht Dir frei Dich für oder gegen eine Religion zu entscheiden in diesem Land. Die Idee eines Gottes oder der Religionen wirken eh recht lächerlich im 21 Jahrhundert. Ein Gott dem sexuelle Praktiken, das Fasten oder Ernährungsvorschriften wichtiger sind als der Frieden untereinander ist kein weiser Gott.  

Antwort
von suesstweet, 18

Hallo...

Nicht für jede türkische Familie ist es üblich, nach der islamischen Kultur zu leben. Es gibt natürlich auch Atheisten Christen und Juden (sogar Götzendiener!!!) Aber mehrwiegend sind die Türken muslimisch. Interessant finde ich, dass du fürs Muslimsein mehr Erwartungen als beim Christentum siehst... Das hängt vom Praktizieren der Religion zusammen. Nur weil die Familie sündigt, heißt das noch lange nicht, dass sie keine Muslime sind.

Ich finde, wenn du denkst du bist gläubig, solltest du selbst über die zwei Religionen forschen und dich dementsprechend entscheiden... 

Antwort
von LuckSub, 34

Ich würde sagen, dass du muslima bist, die sich ganz einfach nicht mit dem "Glaubensbuch" der eigenen Religion identifizieren kann, was auch so in Ordnung ist. 

Du musst für dich selbst entscheiden, in wie weit du deinen Glauben praktizierst, aber als atheistin würde ich dich nicht bezeichen. :)

Kommentar von WiihatMii ,

Wieso ist sie dann Muslima, wenn sie sich nicht mit der Religion identifiziert? Weil man sie als Kind in einen Verein hineingebracht hat, als sie noch gar nicht selbst darüber entscheiden konnte? Religiös ist, wer glaubt und wer das nicht tut ist Atheist. Ich finde es nicht richtig, jemandem eine Religion aufzudrücken, für die er oder sie sich nie entschieden hat.

Antwort
von xxbluenutxx, 51

Frag doch einfach mal deine Eltern,ich weiß die werden sagen das du moslem bist,aber dann kannst du sagen wieso wir z.B schweinefleisch essen oder alkohol trinken...Vielleicht werden deine eltern auch drüber nachdenken.Eine Klassenkameradin isst auch schweinefleisch und sind nicht religiös trotzdem sagt sie,sie ist immernoch moslem.

Antwort
von HorstdasBrot, 4

Wenn du an Gott glaubst bist du schon mal kein Atheist, der Rest ist eh egal.

Antwort
von FunnysunnyFR, 25

Es geht nicht darum ob du getauft oder ob du religiös erzogen wurdest.

Es geht darum, ob du tief im Inneren an die Exsistenz (irgendeines) Gottes glaubst.

Wenn du sagen kannst, ich glaube nicht das es einen Gott giebt, dann bist du Atheist.

Es kann doch keiner was dafür, wenn man als Kind Wasser auf den Kopf gekippt, oder Worte ins Ohr geflüstert bekommt, nur weil einen die Eltern in eine Religion pressen wollen.

Wenn du alt genug bist, um selber über Religion nachzudenken, dann bist du das, woran du glaubst.

Im Zweifel mußt du nur den dir aufgezwungenen Weltlichen Schwachsinn loswerden. zB aus der Kirche austreten.

Und wenn du nicht an (Allah, Mohamet ??? sorry bin kein Moslem) glaubst, dich den Gesetzen dieser Religion nicht verpflichtet fühlst, dann bist du auch kein Moslem. 

(Sondern doch Atheist?)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Atheismus

Ich bestreite das es einen Gott giebt, ich bin Atheist !!

Antwort
von minaabg, 7

Ich glaube dass dein Vater ein Moslem ist ,aber praktiziert den Islam nicht, denn im Islam gibt IMAN und das bedeutet Glauben , und ISLAM und das bedeutet Praktizieren .. Ein Muslim glaubt an Allah als einzige Gott, und an Prophet Mohammed (saws) als der letzte Prophet von Allah, wenn du daran dann bist du bestimmt eine Muslime, was danach kommt ist das Praktizieren , manche Leute glauben an Allah und an Prophet Mohammed , aber sie sind einfach faul sie beten nicht, manche wessen gar nicht dass sie beten und fasten müssen, sie haben keine Ahnung was Halal ist und as Haram , manche sind nicht  bereit dafür , aber sie bleiben trotzdem Moslime, aber wenn man wirklich an Allah glaubt und an Prophet Mohammed dann muss auch an die regeln die im Koran stehen halten. aber die Hauptsache bleibt dass man nicht neben Allah einen anderen Gott stellt. Allah sagt im Koran     4:49  Wahrlich, Allah wird es nicht vergeben, dass Ihm Götter zur Seite gestellt werden; doch vergibt Er das, was geringer ist als dies, wem Er will. Und wer Allah Götter zur Seite stellt, der hat wahrhaftig eine gewaltige Sünde ersonnen. und Allah weiß es am bestens .

 

Antwort
von KevTi, 31

Frag dich einfach mal ob du an einen Gott glaubst. Alles andere ist erstmal egal.

Antwort
von hummel3, 14

Nach meiner Logik und meinen theologischen Kenntnissen bist du keine "Muslima", denn dies würde voraussetzen, dass du an den Islam und den Inhalt des Koran glaubst und auch strikt nach seinen Regeln leben würdest.

Fundamentalisten im Islam sehen dies allerdings anders. - Sie behaupten ganz einfach, alle Menschen (alle!) würden schon als Muslime geboren. Das aber ist völlig aus der Luft gegriffen, denn den Regeln der Logik folgend kann man sich in Glaubensfragen nur der Religion zurechnen, an welche man auch tatsächlich glaubt. Oder verdient etwa eine leere Bierflasche noch Bier genannt zu werden, nur weil es außen drauf steht? 

Und auch wenn dein Vater aus der Türkei kommt, ist er nicht automatisch Muslim, sondern in erster Linie Türke. "Muslim" ist also keine Nationalitätsbezeichnung, sondern immer eine Glaubenszuordnung der Person. - Ich bin ja auch nicht automatisch "Christ", nur weil ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin.

Ein Rätsel ist für mich weiter, dass du angeblich islamisch "getauft" wurdest. Die Taufe ist ein exklusiv christlicher Brauch! Und selbst dort macht der Brauch der Taufe einen Menschen nicht wirklich zum Christen, wenn er nicht auch an das Evangelium von Jesus Christus glaubt.

Ich hoffe, ich konnte deine Unklarheiten beseitigen.

Antwort
von Belruh, 12

Kann es sein, daß ihr Aleviten seid?

Antwort
von Korrelationsfkt, 25

Wenn du an keine Religion glaubst, dann gehörst du auch keiner an.

Sag du bist Christ/in und du bist Christ/in.

Sag du bist Muslim/a und du bist Muslim/a.

Das liegt ganz allein bei dir. Deine Eltern entscheiden nicht über deine Religion.

Du kannst jeglicher Religion angehören. Vielleicht glaubst du ja an Gott, aber das heißt nicht, dass du irgendeiner Religion angehören musst.

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