Frage von MrNerd, 67

Atheismus/Kommunismus in der Philosophie?

Hallo Leute,

ich habe schon des Öfteren mit dem Gedanken gespielt, später Philosophie zu studieren, da es mich sehr interessiert. Vor Kurzem habe ich mich in der philosophischen Abteilung einer Bibliothek umgesehen und zu meinem Erstaunen sehr viele Bücher über den Atheismus und Kommunismus (oder Karl Marx) gefunden.

Davor wusste ich ja schon, dass viele Philosophen an der Existenz Gottes zweifelten oder es abstritten, aber gleich auf so viele Bücher zu stoßen hat mich etwas schockiert, da ich gläubig bin. Dasselbe gilt für den Kommunismus, eine Ideologie, die ich komplett ablehne.

Meine Frage ist jetzt: kann man auch als eine religiöse Person Philosophie studieren? Und richtet sich die Philosophie immer gegen Religionen aller Art? Baut der Kommunismus auf der Philosophie auf, muss/sollte man mit kommunistischen Ideen sympathisieren? Wie schaut es im Studium aus?

Danke im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Peterwefer, 33

Ob man als Gläubiger Philosophie studieren kann, darüber gehen die Meinungen extrem auseinander. Meine ist: Ja, das geht, denn im Studium lernst Du die philosophischen Ansichten der großen Philosophen kennen, musst sie aber nicht 1:1 annehmen. Das geht gar nicht, weil genügend Philosophen sich widersprechen.

Auch die Frage, ob sich Philosophie immer gegen Religionen aller Art richtet, ist extrem umstritten. Fakt ist: Leibnitz blieb zeit seines Lebens Lutheraner, Descartes und Pascal behielten ihren Glauben, Kant hat in jungen Jahren eine Abhandlung über Gottesbeweise geschrieben, hat die Möglichkeit eines Gottesbeweises im Alter ausgeschlossen, ist aber damit nicht so weit gegangen, dass er Gott abgelehnt hat. Anscheinend kann man durchaus philosophieren und glauben.

Der Kommunismus baut nicht auf Philosophie auf, sondern ist allerbestenfalls eine von mehreren Dutzend Staatsphilosophien. Somit muss man keineswegs als Philosoph mit dem Kommunismus sympathisieren. Namhafte Philosophen (Heidegger, Jaspers u. a. auch Nietzsche) wollten vom Kommunismus absolut nichts wissen.

Leider weiß ich nicht, ob ich Dir damit geholfen habe.

Kommentar von MrNerd ,

Hat mir sehr geholfen. Ich danke Dir.

Antwort
von Eselspur, 46

Es gibt auch gläubige Philosophen - derzeit aber eher wenige. Also ein guter Grund, warum Christinnen und Christen Philosophie studieren sollen! (Die Jobaussichten sind allerdings eine andere Frage.)

Auch mit Marxismus zu beschäftigen hat nichts mit der eigenen persönlichen politischen Einstellung zu tun. Auch in Theologiestudium beschäftigt man sich mit (und nicht gegen) Atheismus und Religionskritik.

Antwort
von ClaudiHundemom, 42

Hallo,

ich habe hier ein paar interessante Gedanken dazu gefunden:

"(...)Der Unterschied zwischen Religion und Philosophie ist der Unterschied zwischen Glauben und Denken. In diesem Sinne bin ich ein philosophischer, kein religiöser Mensch. (Die Grenze zwischen Religion und Philosophie ist in der Wirklichkeit aber nicht immer so klar wie in der Analyse. Es gibt besonders in der heutigen Zeit Menschen, die sowohl religiöses wie philosophisches in sich haben.)

Der Unterschied zwischen Religion und Philosophie ist aber nicht der, dass der religiöse Mensch von der Existenz eines Gottes ausgeht und der Philosoph nicht. Philosophie ist nicht identisch mit Atheismus. Ein Philosoph kann im Verlaufe seines Nachdenkens durchaus zum Atheismus gelangen. (Wie es auch atheistische Religion geben kann! Siehe  Buddhismus.) Er kann aber auch zu der Auffassung gelangen, dass ein Gott existiert, bzw. dass dieswahrscheinlich oder möglich ist. Aber er kommt zu diesem Ergebnis im Verlauf eines Denkprozesses und nicht auf dem Wege des blinden Glaubens.(...)" Quelle: http://www.philolex.de/religion.htm

Wenn Du Dich für Philosophie so sehr interessierst, dass Du es studieren möchtest, dann bedeutet dass meiner Ansicht nach, dass Du Freude am Denken, "Zerfieseln" und an der Logik hast. Du musst auch keiner Ideologie angehören, im Gegenteil, die Haltung ist eigentlich dass Du von außen auf ALLES blickst und es hinterfragst - ggf. auch Religionen an sich, aber niemand zwingt Dich Deinen Glauben abzugeben. So wie der junge Mann auf der Seite schreibt, geht eher um verschiedene Modi: Philosophieren = (Nach-)Denken und Religiösität = Glauben. Das ist also nicht zwingend ein Gegensatz - je nachdem wie gut DU beides vereinen kannst.



Antwort
von Ahzmandius, 7

Na ja, Philosophie ist die Suche nach Wahrheit.

Bei Religion handelt es sich um den Fall, dass die Anhänger dieser Religion, bereits der Meinung sind, dass sie die Wahrheit gefunden haben.

Antwort
von Imagination67, 31

Nein, die Sache bei der Philosophie ist: du MUSST nichts. Aber du SOLLST alles hinterfragen.

Ja, der Kommunismus ist aus einem philosophischen Gedanken heraus entstanden: was ist eine ideale Gesellschaft und was ist ein ideales Wirtschaftssystem und Marx' Antwort darauf war der Kommunismus. Doch der Grundsatz der Philosophie ist eben: es gibt nicht "eine einzige" Antwork und es gibt keine falschen Antworten, solange sie begründet sind. Und so ist von Mieses Antwort auf diese Frage der Kapitalismus. Welche Ansicht genau du hast, macht dich nicht zu einem Philosophen(bzw. zu einem nicht-Philosophen), wie du DEINE EIGENE Ansicht begründest tut es schon.

Religiöse Philosophen gibt es, zwar in der modernen Philosophie immer weniger, aber doch. Du musst auf jeden Fall darauf vorbereitet sein, dass deine Religion hinterfragt wird und dass du selbst dazu gezwungen wirst sie zu hinterfragen. Doch wenn du aus Überzeugung religiös bist und nicht nur "weil die anderen halt auch sind", dann wirst du dem ohne Probleme standhalten können.

Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen: es gibt in der Philosophie keine absoluten Antworten. Die Suche nach den Antworten  ist das Ziel, die Suche nach deinen EIGENEN Antworten und nicht das Übernehmen der Antworten anderer!

Liebe grüße :)

Kommentar von Peterwefer ,

keine absoluten Antworten, damit unterscheidet sich die Philosophie - das ist meine Sichtweise - ein ganzes Stück weit von der Naturwissenschaft. Während diese TATSACHEN  experimentell oder durch Beobachtung ermittelt, gibt es in der Philosophie keine Tatsachen, sondern nur Überzeugungen.

Antwort
von Lennister, 11

kann man auch als eine religiöse Person Philosophie studieren? 

Ja, natürlich kann man das. Es gab und gibt durchaus auch gläubige Philosophen. 

Antwort
von dompfeifer, 8

Da hast Du Dich wohl verlaufen. Warum läufst Du nicht zu religiösen Bibliotheken?

Außerdem ist Philosophie keine Bekenntnislehre. Kannst Du nicht religiös unbelastet z.B. Platon lesen, Aristodeles, die Nibelungensage, die Edda oder die Ilias?

Kommentar von MrNerd ,

Leichter gesagt als getan. Die Religion greift auf bestimmte Richtlinien zurück, an die man sich zu halten hat. Wer sich an diese Richtlinien hält, handelt, und das ist mein Verständnis von der Philosophie, gegen die Aufforderung der Philosophie, sich von dem Glauben zu lösen und "eigenständig" die Welt zu hinterfragen. Meine Befürchtung war nur, ob man in diesem Studiengang tagtäglich mit solchen Widersprüchen konfrontiert werden würde. Ich möchte nicht etwas studieren, dass sich immer wieder gegen meinen Glauben und meine Ansichten richtet. Natürlich kann ich auch objektiv etwas beurteilen, aber nicht durchgängig. Das wäre mir zu viel des Guten.

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