Frage von tomaartomaar, 36

Astrofotografie mit Teleskop?

Hallo liebe Community, Ich habe mir eine Sony Alpha 6000 zugelegt und möchte sehr gerne mit Astrofotografie beginnen.

Jedoch benötigt man dafür logischerweise ein Teleskop. Da ich noch mit meinem Wissensstand am Anfang stehe, würde ich gerne euch um Rat bitten. Ich würde gerne mit einem achromatischen Teleskop für maximal 150€ starten. Kennt jemand gute Teleskope in dem Preissegment?

Zudem braucht man noch entsprechende T2 (und andere) Adapter. Welche brauche ich genau?-Habe noch nicht den Überblick darüber.

LG Daniel

Antwort
von Grautvornix16, 21

Hi >Startrails< hat dich ja schon auf einiges aufmerksam gemacht; auf seine Preisangabe würde ich aber noch locker 500,- bis 1000,- Euronen drauflegen. Den besten Rat, den ich dir geben könnte (jeder Versuch alle wichtigen Dinge hier zu beschreiben und zu erklären würde die zulässige Datenmenge sprengen) - also, den wichtigsten Rat, den ich dir geben könnte um dich vor Schaden und Enttäuschung zu bewahren wäre: Information, Information, Information. Dazu gibt es im Netz wirklich einige bis viele gute Astroseiten und -foren auch von Sternwarten und gestandenen Amateurastronomen. Das Stichwort "Astrofotografie" reicht oft schon. (Laß dich dabei aber nicht von detaillverlorenen "Expertendiskussionen" irritieren - ebensowenig wie von den verkaufsorientierten Systembeschreibungen der kommerziellen Anbieter). Dann die Infos verdauen, Zeit zum Verstehen lassen und schließlich das Gewollte gegen das Machbare abwägen.

Du hast insgesamt 4-6 Schwerpunkte:

- Bauart, Öffnungsverhältnis (auch notwendige Mindestgröße der Öffnung selbst) und Qualität des optischen Hauptsystems

- Montierung und ihre Qualität, einschll. System zur elektronischen        Nachführung ggf. als "Goto" (für die etwas Bequemeren ;-))

- in diesem Zusammenhang ggf. das optische System zur Nachführkontrolle und -korrektur

- Zubehör wie notwendige Filter, Reducer, Feinuntersetzungen am Auszug (Crayford, Monorail), Adapter, ev. Okularprojektionsauszug, etc.

- und last but not least wichtige grundlegende Systemeigenschaften deiner Kamera wie z. B. Rauschverhalten des Chips bei Langzeitbelichtung, Fähigkeit zur Langzeitbelichtung (Bulb-Funktion, ggf. Durchhaltevermögen des Akkus bei Langzeit), Detaill-Kontrastverhältnis der Abbildungen, Auslöse- / Blendenöffnungsverzögerung, ggf. Werte zum sog. "Thermischen Rauschen des Chips", Aggressivität des verbauten Infrarot-Sperrfilters etc.

Und dann ist da noch die Frage des Standplatzes wegen Umgebungslicht (siehe Filter) und der Stromversorgung.

Diese Schwerpunkte würde ich in aller Ruhe klären. Laß dir Zeit dabei dann bleibt auch Zeit, noch etwas zu sparen (und zu klären ob dir die erste Begeisterung das auch wirklich wert ist). Dann gehst du gut vorbereitet in die finale Entscheidung. ;-)

Gruß und viel Erfolg und Spaß. :-)


Expertenantwort
von Startrails, Community-Experte für Astronomie, 18

Hallo,

150,- Euro? Häng mal noch ne Null dran, dann kann man nochmal über ein vernünftiges Setup nachdenken.

Das Problem bei der Astrofotografie ist, dass man lange Belichtungszeiten braucht. Ok, das ist noch nicht mal das eigentliche Problem, aber daraus resultiert, dass du nur Striche anstatt Sterne aufs Bild bekommst - Stichwort Erdrotation. Selbst bei einer ganz kleinen Brennweite von gerade mal 18 mm bekommst du in Richtung Himmelsäquator lediglich Belichtungszeiten von ca. 15-20 Sekunden hin bevor die Sterne strichförmig werden.

Was schafft da Abhilfe? Eine parallaktische Montierung. Die kostengünstigsten liegen hier bei ca. 400,- Euro und da ist noch nicht mal die Stromversorgung etc. dabei.

So, nun haben wir eine parallaktische Montierung, aber noch kein Teleskop. Ein kurzbrennweitiger Richfield-Refraktor kommt auch nochmal ein paar hundert Euro.

Wenn die Montierung gut eingenordet ist, kommst du trotzdem auf max. 30 Sekunden Belichtungszeit. Was macht man nun? Man guidet. Dazu braucht man ein zweites Teleskop als Leitrohr welches mit einem z.B. Laptop verbunden ist welcher wiederum mit der Montierung verbunden ist und notfalls die nötigen Korrekturen an die Montierung weitergibt.

So, nun braucht der ganze Krempel aber auch noch Strom. Im Idealfall fotografiert man von zu Hause aus und kann sich einer Steckdose bedienen. Falls es aber nicht wirklich dunkel ist, muss man aufs Feld ausweichen und dann braucht man eine Powerbank. Die kosten auch nochmal so um die 100,- Euro.

Um die Kamera ans Teleskop zu bekommen, braucht man einen T2-Adapter. Der kostet meines Wissens nach auch nochmal um die 25,- Euro.

Und dann kommt nochmal ganz viel Übung dazu. Gerade wenn man gleich mit großem Gerät an die Sache rangeht, kommt es sehr oft zu vielen Fehlversuchen.

Nun macht man aber nicht nur ein Foto, sondern man stackt die Aufnahmen noch später am PC/ Laptop mittels Software. Neben den Lights werden dann noch Darks, Lightframes, Bias usw. gemacht.

Ich denke, dass es sinnvoller ist wenn man erst mal klein anfängt. Soll heißen erst mal nur die Kamera auf eine parallaktische Montierung packen und sich mit dem ganzen Vorgehen vertraut machen. Kann man richtig einnorden und hat sich mit der Bearbeitung vertraut gemacht, kann man sich ja immer noch an die Knipserei mit einem Teleskop machen. Hier würde natürlich auch ein Spiegelteleskop gehen. Vorteilhaft sind schnelle Systeme <f/5 wobei aber ein Komakorrektor erforderlich wird da sonst die Randbereiche unschön werden.

Es gibt z.B. die EQ3-Astrofoto - die ist gleich einsatzbereit für die Fotografie, sprich es sind dabei ein stabiles Alustativ, die Schrittmotoren, beleuchteter Polsucher, Gegengewichte, Prismenschine und die Steuereinheit. Die bietet sogar die Möglichkeit, dass man kleinere Teleskope drauf montieren kann. Sollte es etwas leichter sein, gibt es auch noch die sog. Reisemontierungen. Beispiele hier wären Astrotrac, Vixen Polarie, Nanotracker von Baader, iOptron Skytracker oder der StarAdventurer von Skywatcher.

Kommentar von tomaartomaar ,

Danke für deine ausführliche Antwort.

Ich werde definitiv deine Ratschläge beherzigen.

Antwort
von ichweisnix, 6

Jedoch benötigt man dafür logischerweise ein Teleskop.

Nicht unbedingt. Man kann auch mit normalen Objektiven fotographieren. Das ist für den Anfang sogar zu empfehlen. Das Problem bei der Astrofotographie ist das lichtschwache Objekte fotographiert werden.

Desshalb benötigt man sehr hohe Belichtungszeiten. Es ist zwar möglich und sinnvoll, Serienbilder zu machen und dann am  Computer zusammenzusetzen. Das ist aber auch kein Allheilmittel.

Was man auf jeden Fall benötigt ist ein hochwertiges Stativ mit Nachführung. 150€ werden da sicher nicht reichen. Bedenkten sie, das das Stativ während der Belichtungszeit nicht wackeln darf. 

Wenn sie schon ein Fotostativ haben, können sie damit schon mal experimentieren um einen Eindruck zu erlangen.

Expertenantwort
von IXXIac, Community-Experte für Fotografie, 5

Hallo

besorge dir ein gebrauchte "Wundertüte" (Beroflex 500/8, bevorzugt die "Erstversion" mit 72mm Filtergewinde aus DDR Produktion, die 67mm kamen aus Bulgarien und später aus Korea und hatten mehr "Serienstreuung"), gibt es ab 20€, gepflegters ab 40€
- dazu einen T2 Adapter Sony F (bzw Sony FE) ab 15€ (Kiwi)
- dazu ein stabiles Stativ mit 3D Neigekopf (200€) oder Gimbal Kopf (350€) Gebraucht für die Hälfte. bzw man holt sich gleich eine Astromontierung

www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p6597_Skywatcher-EQ3-Astrofot...

Damit geht Mondfotografie etwas Planetenfotografie (Bei einem guten Standort zb im Gebirge kann das Beroflex die Saturnringspalte sauber auflösen).
Das Beroflex hat einige Fehler die sich aber digital bereinigen lassen (Blaustich, Farbsaum am Rand bzw bei Cropsensoren fehlt der Rand) aber keinen Astigmatismus oder Comafehler in der Focusebene

Wenn dich Astrofotografie nicht mehr reizt hast du wenigstens schon ein vernünftiges Stativ und denn Rest kann man wieder verklopfen an denn nächsten Sternegucker oder Spanner. Wenn dich Astrofotografie reizt dann kann man die Barlow Linse hinten rauschrauben und ein gutes Guiderohr draus bauen.

Wenn man unbedingt ein "Neues" Astroteleskop (Refraktor) zum Einstieg "braucht" das Meade/Bresser 102/600 gibt es "Nackt" ab 220€ und mit brauchbarer Montierung ab 310€

www.astroshop.de/bresser-teleskop-ac-102-600-eq-3-at-3/p,43996?

Das Beroflex ist keine echte Astrooptik sondern für den "Nahbereich" entwickelt (50-500 Meter) daher kann man es auch zum fotografieren von "nahen" Objekten benutzen, als klassisches Tele (Dafür taugen Teleskope/Refraktoren weniger bzw "vergleichbare" auch dafür taugliche Pentax 75 SDHF oder TELEVU TV75 kosten gebraucht ab 1000€).

Aber das Beroflex ist im Astrobereich immer noch besser als die meisten aktuellen 150-200€ Refraktoren mit wackeligen Fassungen und Plastikokulare.

Besser/Zukunftsfähiger wäre es gleich mit ein Teleskop bzw Newton/Matsukov oder Dobson mit passender "GoTo" Montierung zu kaufen die gibt es gebraucht ab 200-300€. Damit kann man dann schon mal längere Belichtungen fahren und Ansatzweise Deep Sky (bzw Deppen-Sky).

Die a6000 ist ja relativ leicht, da reichen schon kleine Montierungen der 2er oder 3er Kategorie. Wenn man damit an Orte wandert wo es kaum Verschmutzungen gibt (Gutes Seeing) kann man schon recht gute Fotos erzeugen aber natürlich kein Vergleich zu dem was eine richtige Astrokamera kann/auflösst.
Wo wir beim Punkt sind dass Fotokameras keine Astrokameras sind und im Prinzip Zeit und Geldverschwendung wenn man "Astrofotografie" betreiben will.

Der Bereich Astrofotografie ist eigentlich "abgegrast". Grosse Teleskope wie Keppler oder SOFIA erzeugen Bildmaterial dass man nicht von der Erde aus erreichen kann und das Material ist kostenlos bei EAS/NASA in voller Auflösung runterladbar.

Bleibt nur noch der Bereich der Komentenjagd oder terristrische Landschaftsfotografie mit Sternenhimmel drüber.

Antwort
von Australialiker, 4

Omegon 150/750 eq3

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