Frage von uiropa, 17

Was versteht man unter: "dass der gänzlich ausgebrochene Tunnel nie mehr als 600 Meter auf jeder Seite hinter der Stollenbrust zurückbleiben darf"?

Antwort
von GrobGeschaetzt, 4

Aus http://folio.nzz.ch/1995/juli/der-gotthardbahnbau-querelen-und-opfer

Im Herbst 1872 begann Favre mit dem Bau des Tunnels. Der Arbeitsprozess
war sehr langwierig, man kam nur langsam voran. Gearbeitet wurde an
jedem Tag im Jahr, und zwar in drei Schichten zu acht Stunden. Favres
Charakter spiegelte sich in der Art wider, in der er baute: Auf beiden
Seiten liess er die Tunnelspitze in zackigem Tempo vorantreiben; den
Vollausbruch dahinter vernachlässigte er sträflich. Die Stimmung
zwischen Favre und der Gotthardbahngesellschaft verdüsterte sich bald.
Im Juni 1874 fand in Bern unter bundesrätlicher Leitung eine
Schlichtungskonferenz statt. Es wurde bestimmt, dass «der gänzlich
ausgebrochene Tunnel nie mehr als 600 Meter auf jeder Seite hinter der
Stollenbrust zurückbleiben darf». Favre sollte so gezwungen werden,
seine eigentümliche Bauweise aufzugeben.

Es reicht nicht, dass man einfach nur ein langes Loch gräbt, man muss den Tunnel danach ja zum vollen Durchmesser ausbauen und sichern. Das findet natürlich immer in einem gewissen Abstand zur Tunnelspitze (Stollenbrust) statt. Favre hat aber das wohl vernächlässigt. Deswegen sollte er dazu gezwungen werden, erst mal die Arbeiten weiter hinten abzuschließen, bevor er vorne weiter gräbt.

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