Eine nicht triviale Frage, weil die Debatte über die „Gefahren“ der Gentechnik schon so lange geführt wird, dass sich nur wenig die Mühe machen, mal die Argumente zusammen zu führen und zu kommentieren. Ich kann in diesem Zusammenhang sehr empfehlen die Artikel „Genetically Engineered Plants and Foods: A Scientist’s Analysis of the Issues (Part I + II)“ von Peggy G. Lemaux (Annu. Rev. Plant Biol. 2008. 59:771–812 und Annu. Rev. Plant Biol. 2009. 60:511–59).
Wenn Sie keinen Datenbankzugriff haben, sende ich Ihnen die Artikel auch gerne als PDF (bitte senden Sie mir Ihre Mail Adresse dann an katzek-at-biomitteldeutschland-punkt-de).
Sehr umfassend und interessant sind auch die Zusammenstellungen von Klaus Amman, die man findet unter http://pubresreg.org
Einzelthemen werden sehr objektiv unter transgen-punkt-de bzw. biosicherheit-punkt-de behandelt
Ok, also meine Hausaufgaben machst du sicherlich nicht. Ich habe den Bachelor in molekularer Biotechnologie, die Schulzeit liegt lange hinter mir. Deine Argumente lassen sich fast alle entkräftigen, an vielen Stellen sagst du Dinge wurden bisher nicht ausreichend erforscht, das ist aber in vielen deiner Genannten fälle der Fall.
Es würde mich schon sehr interessieren, wo die Argumente von Isabella B. sachlich einwandfrei entkräftet wurden. Insbesondere bei der Frage, was denn "ausreichend erforscht" überhaupt bedeutet, gehen die Meinungen schon weit auseinander.
Ich schlage für die Freisetzungsversuche Folgendes vor: Gentechnik Konzerne mögen eine Hafptflichtpolice mit unbegrenzter Deckung vorweisen. Die Risiken sind ja angeblich erforscht. Tatsächlich waren auch die "Entwicklungsrisiken" bisher abgedeckt. Mit einer Ausnahme: das Rückrufrisiko. Zitat: "Ein Aspekt bei der Einschätzung von Gentechnik Risiken besteht darin, daß Unternehmen den Risikoprüfern verständlicherweise einen genauen Einblick in das vorhandene DNA-Know-How beziehungweise ihre Techniken verwehren" (Berberich, K., Risiko Gentechnik, in: Gentechnik, Grenzzone menschlichen Handelns, Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, 1999).
Obama: "A company that is too large to fail, is too large to exist." In dem Sinne sage ich: "Ein gesamtgesellschaftliches Risiko, daß nicht eingeschätzt werden kann, darf nicht eingegangen werden." Das gilt für Tiefsee Ölprospektion ohne Notfallpläne ebenso, wie für die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen.
Es gibt zahllose andere Punkte, an denen die Kritik ansetzt. Ein einfacher: wenn die Menschen es nicht wollen, hat es nicht zu passieren. Noch leben wir nominell in einer Demokratie, und nicht in einer offenen Industriediktatur. Das Verhalten der Konzerne, Auswirkungen auf Landwirtschaft in der dritten Welt (Abhängigkeiten, Eigentumsverhältnisse), mangelnde Transparenz bis hin zur fast völligen Entfernung einer Schlüsseltechnologie aus dem Bereich öffentlicher Kontrolle - das reicht mir schon als Gegenargument. Ansonsten gibt es eine umfassende Zusammenstellung kritischer Papers und Risikoanalysen beim "Institute of Science in Society". Dort unter "Biotechnology" nachschauen.
http://www.i-sis.org.uk/index.php