In ihrem psychologischen Werk "Götter in jedem Mann" stellt J.S. Bolen die Archetypen in der Psyche des Mannes anhand der Götter Griechenlands dar. Das Buch ist Nachfolger des Bestsellers "Göttinnen in jeder Frau"?
Allerdings kommt mir eine Verständnisfrage auf, weshalb ich vorwiegend jene frage, die die Bücher ebenfalls gelesen haben:
Bolen behauptet, dass alle Archetypen (ob männliche oder weibliche, also ob nun Aphrodite oder Dionysos) in jedem Menschen vorhanden sind. Als Mann, der sich sehr für Wissenschaften interessiert, finde ich nur Athene (also einen weiblichen Archetypen) als Zuständig für den genannten Bereich. Bei Apolollon bin ich mir nicht sicher, ob er das männliche Äquivalent zu Athene ist. Was meint ihr?
Apollon steht für Zielstrebigkeit, (emotionale) Distanz und ebenfalls Strategie. Wird der archetypische Wissenschaftler nun (ironischerweise) von Athene beeinflusst? Wenn das "Geschlecht" keine Rolle spielt...
Welche Aufgaben übernimmt dann Apollon?
Meines Wissens nach ist die Weisheit des Apollon eher auf die Dichtkunst, künstlerische Inspiration ganz allgemein, prophetische Gaben (die ich auch mit Intuition beschreiben würde), gerichtet. Er wird auch als "Träger der Sonne" beschrieben und als "Spender des Lichts".
Beeinflusst wirst du zunächst mal gar nicht :-)
Die Archetypen sind dazu da, in symbolhafter Weise, in Art einer Metapher, das was IN dir ist zu beschreiben, damit zu besserem Erkennen und Verstehen beizutragen.
Jeder "besteht" aus einem Zusammenspiel ALLER archetypischen Energien. Nur dass die Gewichtung und die Art, wie sie zum Tragen kommen, sich unterscheidet.
Naja, war wohl etwas ungenau von mir ausgedrückt :)
Athene steht also für den Intellekt. In der Mythologie allgemein wäre ihr männliches Gegenstück wohl der ägyptische Gott Thoth. Oder was meinst du?
Ich glaube, du siehst dies zu eng und zu sehr mit dem Intellekt.
Wenn du die Energie eines Archetypus wirklich erfassen willst, kommst du nicht umhin, dich in die jeweilige Mythologie einzulesen und ihn in seiner Ganzheit zu erfassen, das heißt:
mit Herz und Verstand!
Athene nur mit Intellekt zu umschreiben, ist stark begrenzt. Ebenso begrenzt wäre es, Toth mit Wissen gleichzusetzen.
Wenn du sie in ihrer ganzen Tiefe erfasst, wirst du bemerken, dass sie sich wie einzelne Puzzleteilchen ergänzen und oft schlicht eine andere Sichtweise desselben grundsätzlichen Themas darstellen. Wissen hat viele Facetten, Weisheit hat viele Facetten. Und je nach Reife lassen sich diese Bereiche auf immer höherer Ebene verstehen und leben.
Wenn du da tiefer einsteigen willst, musst du dich vom „waagerechten Denken“ weg und zum „senkrechten Denken“, zum Denken in Entsprechungen, in Symbolen und Metaphern, hin bewegen.