Archäologiestudium in der Schweiz?

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1 Antwort

Archäologie zu studieren ist nun wirklich nicht das Problem. Die Zulassungsbedingungen findest du auf der Homepage der Uni deiner Wahl.

Die Frage ist, was du dir von einem Archäologie-Studium und deinem Leben danach erwartest. Die Stellensituation an Unis, Museen und im Denkmalschutz ist mehr als überschaubar, dort, wo es Arbeit gibt, nämlich bei Grabungsfirmen, ist sie hart und schlecht bezahlt.

Wie lausig deine Aussichten sind, ist auch von deiner Spezialisierung abhängig, in Fachrichtungen, die ihren Schwerpunkt außerhalb D/AT/CH haben, kommst du noch deutlich schwerer unter als mit einer Ausrichtung, bei der du mit lokalem Material umgehen kannst.

Die wenigsten Menschen haben eine realistische Vorstellung vom Fach Archäologie und seinen Arbeitsweisen. Bevor du also mit falschen Vorstellungen vom Fach lospreschst, solltest du dringend einen Realitätsabgleich durchführen. Mach Praktika in möglichst vielen Bereichen, schau dir an, wie der Alltag in der Archäologie wirklich aussieht. Entweder weißt du dann, worauf du dich einlässt oder bist schlauer und denkst dir nicht auf Ewigkeiten "ach hätte ich doch".

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Kommentar von Jerne79
07.05.2016, 15:38

Zuätzlich erlaube ich mir mal, eine frühere Antwort von mir zu zitieren:

Quellennennung: Ich bin freiberufliche Archäologin, seit 12 Jahren ohne Unterbrechungen im Fach tätig.

Wie der Alltag eines (im Fach tätigen ;) ) Archäologen aussieht, ist
stark davon abhängig, wo er arbeitet und in welcher Funktion. Das kann man hier natürlich nur stark verallgemeinert und verkürzt wiedergeben.

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Jemand mit einer klassischen universitären Laufbahn verbringt seineZeit mit der Vorbereitung von Seminaren und Vorlesungen, einem Schwung Bürokratie und zu einem kleineren Teil mit der Vorbereitung undDurchführung von Projekten, sei es nun in praktischer oder theoretischerForschung. Auch hier kann es natürlich anders aussehen, wenn man eine spezielle Position an der Uni bekleidet, beispielsweise alsGrabungstechniker oder als Betreuer für ein spezielles Projekt.

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Ein Archäologe in einer Behörde (Stadt- oder Kreisarchäologie, Landesamt für Denkmalpflege) kümmert sich um Anträge (Grabungserlaubnis), stellt Bescheide aus, sorgt für die ordnungsgemäße Durchführung von Grabungen, kontrolliert Grabungsberichte. Dazu kommthäufig auch Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Pressearbeit,...). In einigen Gebieten schaffen es diese Archäologen, auch selbst Grabungendurchzuführen, das wird jedoch immer mehr zur Ausnahme, weil die Verwaltung der immer zahlreicheren Grabungen immer mehr Zeit beansprucht.

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In einer Grabungsfirma ist die Tätigkeit stark von der Position innerhalb der Firma abhängig.

Als einfacher Mitarbeiter gräbt man, wäscht Funde, arbeitet je nach Qualifikation an der Dokumentation mit, vermisst, zeichnet, photographiert. In größeren Grabungsfirmen gibt es häufig Spezialisten für einzelne Teilgebiete.

Der Grabungsleiter kümmert sich um die Abläufe auf der Grabung, sowohl organisatorisch als auch wissenschaftlich. Er ist meist die Schnittstelle zwischen Auftraggeber, Behörden und Grabungsteam. Ob er dazu kommt, selbst mitzugraben, ist von der Organisation der Firma und der Grabung abhängig. Er kümmert sich um die Dokumentation und verfasst
im Anschluss den Grabungsbericht. Er ist derjenige, der nach der Grabung am Schreibtisch sitzt und unter Umständen recherchiert. Zwischen Leitung und Mitarbeiter gibt es diverse Hierarchiemodelle.

Der Inhaber einer Grabungsfirma kann selbst eine Grabung betreuen oder sich schwerpunktmäßig darum kümmern, die Firma am Laufen zu halten.

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Archäologen in Museen kümmern sich um die Präsentation von Funden und Befunden, sie verwalten die Sammlung des Museums, konzipieren Ausstellungen, leisten Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier gibt esSpezialisierungen.

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Ich für meinen Teil bin Freiberuflerin und als solche wissenschaftliche Dienstleisterin.

Ich habe keine Firma, sondern arbeite allein. Ich führe Prospektionen
und kleinere Grabungen durch, betreue Bauprojekte im Bereich von
Bodendenkmälern. Alle Funktionen einer Grabungsfirma liegen bei mir, mit
Ausnahme der Betreuung von Mitarbeitern, weil ich keine habe (oder
zumindest nur für bestimmte Projekte). Nach der Grabung geht es an die
Berichterstellung. Außerdem mache ich anthropologische Auswertungen für
Grabungen, die andere Firmen durchgeführt haben. Ich erarbeite
Ausstellungen, biete gelegentlich Kurse an der Volkshochschule an, halte
Vorträge. Ehrenamtlich kümmere ich mich um den lokalen
Archäologieverein. Dazu kommen diverse Publikationsprojekte (die in der
Regel im Fach nicht bezahlt werden) und noch diverses andere.

Was man als Freiberufler macht, ist aber stark von der eigenen
Qualifikation abhängig (an vielen Unis lernt man wenig, was man
hinterher in der Praxis brauchen kann), aber auch von der Auftragslage.
Ich sitze beispielsweise seit einigen Jahren mehr am Schreibtisch als
auf Grabungen, weil ich einige größere Aufträge an Land gezogen habe.
Draußen bin ich derzeit nur für Stammkunden oder Projekte, die mich
reizen.

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Damit sollte auch die Frage, wer Archäologen einstelllt, geklärt
sein. Die meisten Stellen gibt es sicherlich bei Grabungsfirmen, das
sind aber auch die Stellen, die jämmerlich bezahlt sind. Man kann nicht
selbst über seine Projekte entscheiden, ist im Zweifelsfall bei Wind und
Wetter draußen, die körperliche Arbeit ist nicht ohne. In den übrigen
Bereichen ist die Zahl der pro Jahr freiwerdenden Stellen sehr
überschaubar, wobei auf jede freie Stelle Heerscharen von Bewerbern
kommen.

Im Bereich Unterwasserarchäologie ist es auch nicht besser. Die Zahl
der festen Stellen ist nicht sehr groß, da nur wenige Institutionen UA
betreiben. Es ist eben ein Spezialgebiet. Bei Interesse lohnt es
sicherlich, sich mal bei der Deutschen Gesellschaft für
Unterwasserarchäologie umzutun und sich einen Realitätsabgleich zu
verschaffen.

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