Frage von Fufu7, 41

Arbeitszeugniss nach drei Jahren Anforderbar?

Hallo,

um meine Bewerbungsunterlagen zu vervollständigen würde ich gerne mein Arbeitszeugnis welches ich nach meiner Ausbildung bekommen sollte Nachfordern. Jedoch frage ich mich ob es noch möglich wäre dies nach drei Jahren zu tun.

(Arbeitsverhältnis endete mit bestehen der Abschlussprüfung am 27.06.2013

mfg Fufu

Antwort
von Sebijk, 14

Beim Ausbildungsverhältnis zählt: Der Betrieb muss dir UNAUFGEFORDERT ein "einfaches" Ausbildungszeugnis nach Ausbildungsende schicken (§ 16 Abs. 1 S. 1 BBiG und § 16 Abs. 2 BBiG). Am besten versuchst du mit Fristsetzung freundlich den Arbeitgeber zu erinnern, dass er innerhalb von 10 Tagen dir es schicken soll, am besten schriftlich und per Einschreiben. Nur wenn du ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis haben willst, musst du es erst (am besten schriftlich) anfordern.

Bringt es nichts, dann sofort rechtliche Beratung suchen, der wird dann sagen, ob die Klage sinnvoll ist oder nicht. Wichtig: Sie muss innerhalb dieses Jahres eingereicht werden, um die Verjährung zu hemmen.

Antwort
von tinalisatina, 27

Hallo,

anfordern kann man immer :-)

Allgemein gibt es auch hier die Verjährungsfrist von drei Jahren. Also Ende diesen Jahres ist es entgültig vorbei.

Allerdings - wenn Du Dich die ganzen drei Jahre nicht darum gekümmert hast, dann kannst Du diesen Anspruch verwirkt haben. Im Zweifel würde das erst ein Gericht entscheiden müssen.

Da hilft nur: Seeeehr freundlich nachfragen.

Kommentar von Nightstick ,

Hier widersprichst Du Dir selbst, was zur "allgemeinen Verunsicherung" beitragen kann!

Zur Klarstellung: Der Anspruch ist keineswegs verwirkt.

1. Siehe die richtige Antwort von @Sebijk

2. Der Fragesteller befindet sich bis zum 31.12.2016 immer noch in der Verjährungsfrist gemäß § 195 BGB.

3. Man muss hier keineswegs freundlich sein.

Kommentar von tinalisatina ,

Das tut mir leid, ich wollte Dich nicht verwirren. Allerdings hast Du nicht genau gelesen, sonst wäre die "allgemeine Verunsicherung" nicht entstanden. Wobei "allgemein" eher für Dich steht.

Nochmal ganz langsam:

Zur Klarstellung: Ich habe nicht geschrieben, dass der Anspruch verwirkt ist. Ich habe geschrieben, dass er verwirkt sein kann.

1. Die Antwort von Sebjik ist natürlich richtig. Eigentlich hätte das Arbeitszeugnis unaufgefordert kommen müssen. Ist es aber nicht.

2. Ja. Siehe auch meine Antwort. Hilft aber nicht unbedingt etwas, weil es in diesem Fall das Zeitmoment gibt. Siehe nochmal meine Antwort hinter "Allerdings". Die Voraussetzung dafür ist, dass der Gläubiger sein Recht längere Zeit nicht ausgeübt hat und so den Eindruck erweckt, er werde es nicht mehr wahrnehmen. Die Gerichte setzen für eine solche Verwirkung unterschiedliche Fristen, die liegen regelmäßig bei 5 bis 10 Monaten. Wir haben es hier mit 30 (!) Monaten zu tun.

3. Man muss sogar extrem freundlich sein. Denn der Anspruch auf ein Zeugnis erlischt, wenn der Auszustellende nicht mehr in der Lage ist, ein wahrheitsgemäßes Zeugnis zu erstellen (Stichwort Zeugniswahrheit, §4 BAG). Wenn mir nach fast drei Jahren jemand kommt und mich schräg von der Seite anmacht, dann ist es ein Leichtes, dass ich nicht mehr in der Lage bin, ein wahrheitsgemäßes Zeugnis zu erstellen. Und dann gibt es eben keines mehr.

Kommentar von Sebijk ,

Zumindest für ein einfaches Ausbildungszeugnis sollte es noch gehen, wenn man noch die Berichtshefte hat (vorausgesetzt sie sind auch geführt und vom Betrieb unterzeichnet), denn da sollte es hervorgehen, was der Azubi vermittelt bekommen hat.

Kommentar von tinalisatina ,

Ich bin ja auch der Meinung, dass da noch etwas gehen sollte. Aber es ist den Betrieb eben kein Muss.

Kommt auch immer darauf an, in welcher Verfassung man damals gegangen ist. Wenn da noch "Rechnungen" offen sind ... Man trifft sich eben immer öfter im Leben.

Wenn sich der Betrieb querstellt (oder man Nightsticks Rat Nummer 3 befolgt), dann kann es schon ein, dass da keiner mehr Lust hat. Und dann kann man das Ding einklagen. Klar, die Arbeitsrichter versuchen, hier einen Ausgleich zu finden. Aber zum einen kostet das Geld (also den Kläger), zum anderen ist nicht sicher, wie's ausgeht.

Kommentar von Nightstick ,

Hier verwechselst Du leider "Äpfel mit Birnen"!

Das wäre insofern alles richtig, wenn es sich um ein normales Angestelltenverhältnis gehandelt hätte - hier ist es aber ein Ausbildungsverhältnis, weshalb das von mir Gesagte richtig ist.  

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