Frage von Armannn, 55

Arbeitszeugnis, Arbeitsrecht, unseriöse Zeitarbeitsfirma?

Hallo, ich habe eine Frage bezüglich eines Arbeitszeugnisses. Also ich habe für 1 Semester zur Überbrückung einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma angenommen. Ich war direkt bei der Zeitarbeitsfirma im Büro angestellt und nicht bei einem Kunden. Diese Zeitarbeitsfirma beschäftigt öfters mal Studenten intern die eine gewisse Freizeit haben. Erstmal verlief auch alles gut, das änderte sich aber schnell, denn das Arbeitsverhältnis wurde vorzeitig beendet. Beendet wurde das Arbeitsverhältnis durch einen Aufhebungsvertrag, als Grund wurde mir dafür angegeben: "Man könne keine zusätzliche Interne Kraft mehr beschäftigen weil die Auftragslage so schlecht sei" oder "du bist mir zu wertvoll für die kleineren anfallenden Aufgaben (Druckerpapier verstauen etc.)". Das hatte ich der ZA auch abgenommen und den Aufhebungsvertrag unterschrieben da die Kündigungsfrist sehr kurz ist. Dies war aber gelogen, denn in der nächsten Woche hat die ZA einen anderen Studenten eingestellt, der schon mal bei dieser Firma gearbeitet hatte und zufällig wieder um den Weg und arbeitssuchend war. Man kann also sehr wohl eine zusätzliche interne Kraft beschäftigen und Aufträge gibt es genügend. Der Vertrag lief eigentlich viel länger. Nun meine Frage, wie das im Arbeitszeugnis formuliert werden muss. Kann ich die Aussage verlangen, dass das Arbeitsverhältnis einseitig von Arbeitgeberseite her beendet wurde? Denn nur durch die Lüge der ZA habe ich den Aufhebungsvertrag unterschrieben. Ohne Unterschrift hätte die ZA mich kündigen müssen. Muss die im Arbeitsvertrag vereinbarte Befristung, die seitens der ZA nicht eingehalten wurde erwähnt werden?

Ich bin sehr unzufrieden mit dem Arbeitszeugnis das die ZA mir zugeschickt hat. Die Formulierung "Es handelte sich um einen von vornherein befristeten Arbeitsvertrag" finde ich auch katastrophal, würde ich das als Arbeitgeber lesen würde ich hier sofort interpretieren, dass der Vertrag nur auf das im Arbeitszeugnis genannte Ein- und Austrittsdatum befristet war. Der Arbeitsvertrag sollte aber normalerweise viel länger laufen.

Antwort
von Andretta, 24

Die Erwähnung der Befristung ist eigentlich eher von Vorteil, da man so nicht vermuten muss, jemand wäre mit Deinen Leistungen unzufrieden gewesen. 

Kommentar von Nightstick ,

Das ist richtig!

Trotzdem ist dem Fragesteller zu raten, das ganze Zeugnis hier anonymisiert, jedoch vollständig (!) einzustellen, damit überprüft werden kann, ob darin nicht doch negative Bemerkungen enthalten sind. 

Antwort
von Dontknow0815, 26

Klar kannst du angeben dass es dein Arbeitgeber beendet hat wegen der Auftragslage das hast du ja schriftlich.

Dein Arbeitszeugniss darf laut Gesetz nich schlimmer als 3 ausfallen natürlich im wörtenlichen Sinne. Es dürfen keine offensichtlich negativen Äußerungen getroffen werden. Allerdings nutzen Firmen einen versteckten *Code* den du auch überprüfen solltest.

Zum Beispiel Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.
Heißt übersetzt: Der Typ ist arroganter als eine Diva.

Oder
Sie zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft.
Heißt übersetzt: Sie flirtete mehr als sie arbeitete

Schau dir das genau an es gibt dazu genug Erklärungen im Netz

Kommentar von skychecker ,

Kann ich dazu mal das entsprechende Gesetz kennen lernen?

Kommentar von Dontknow0815 ,

Dazu gibt es nicht direkt einen Paragraph. Wichtigster Rechtsanspruch eines Arbeitnehmers sind Wahrheit (Urteil vom 23.06.1960 5 AZR 560/58) und Wohlwollen (Urteil vom 26.11.1963 VI ZR 221/62) in der Beurteilung durch den Arbeitgeber im Arbeitszeugnis. Es gab eine Rechtssprechung dazu haben wir damals so in Berufsschule gelernt. Das bedeutet dass alles was mit schlechter als 3 bewertet wir der Arbeitgeber in der beweispflicht ist. Deswegen gibt es ja diesen versteckten Code.

Kommentar von Hideaway ,

Dein Arbeitszeugniss darf laut Gesetz nich schlimmer als 3 ausfallen

Bei unzureichender Leistung kann es selbstverständlich schlechter ausfallen.

Kommentar von Dontknow0815 ,

Jup aber eben Arbeitgeber in beweispflicht

Antwort
von BradleyBiggle, 24

Hallo

Zeitarbeitsfirmen... das ist immer so eine Sache, leider wird denen mehr zugesprochen als rechtlich in Ordnung wäre. 

In deinem Fall ist es leider so das du den Aufhebungsvertrag unterzeichnet hast, damit hast du dich einverstanden erklärt den Vertrag zu beenden. Rechtlich hast du nichts weiter zu verlangen was das Arbeitsverhältnis zu tun hat.

Das Arbeitszeugnis kannst du letztlich vor dem Arbeitsgericht anfechten. Bevor du das tust solltest du mit der Firma sprechen und um nachbesserung bitten, diese kannst du selbst formulieren (sprich selbst ein Zeugnis schreiben) und es zur Unterschrift vorlegen, manche Firmen akzeptieren das. 

LG

Antwort
von rotreginak02, 15

Hallo Armannn,

ich finde die Formulierung, dass es sich von vorneherein um einen befristeten Arbeitsvertrag handelt, keineswegs katastrophal, kann sogar von Vorteil für dich sein.

Um dein Zeugnis beurteilen zu können, müsste man es allerdings komplett lesen, stell es doch einmal anonymisiert hier ein. Arbeitszeugnisse haben eine sehr eigene Sprache, die ungeübte Leser oft falsch verstehen. 

Die rechtliche Grundlage für Arbeitszeugnisse ist im § 630 BGB sowie im § 109 GeWO (Gewerbeordnung) geregelt. Darüber hinaus gibt es jede Menge Urteile zu Arbeitszeugnissen, an denen sich die aktuelle Rechtsprechung orientiert.

Hier findest du jede Menge guter Erklärungen dazu:

https://www.berufsstrategie.de/bewerbung-karriere-soft-skills/arbeitszeugnis-arb...

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