Frage von einigekennmich,

Arbeitszeugnis - bin unsicher benötige Rat und Aufschlüsselung der Sätze

Hallo liebe Community,

ich habe ein Arbeitszeugnis von meinem Ex-Arbeitgeber erhalten und habe den Eindruck dass das Zeugnis nicht gut ist und somit nicht der Realität entspricht - schließlich habe ich nicht umsonst in dieser Firma gekündigt. Gibt es jemanden der dieses Zeugnis entschlüsseln kann?

Ich tippe mal Satz für Satz:

Seine hervorragenden Fachkenntnisse sowie seine gute Auffassungsgabe ermöglichten es Herrn X, schwierige Situationen zu überblicken und dabei stets das Wesentliche zu erkennen. Er bewies Eigeninitiative und zeigte sich gegenüber neuen Vorhaben flexibel und aufgeschlossen.

Herr X war pünktlich und zuverlässig; an den Weiterbildungsmaßnahmen des Betriebes nahm er regelmäßig mit Erfolg teil. Seinen Aufgabenbereich erledigte Hr. X mit Fleiß und hohem persönlichen Einsatz zu unserer vollsten Zufriedenheit. Sein Verhalten Führungskräften, Kunden und Kollegen war jederzeit einwandfrei.

Das Arbeitsverhältnis mit Hrn. X endete zum XX.XX.XX auf eigenen Wunsch hin.

Wir bedauern, einen guten Mitarbeiter zu verlieren, bedanken uns für die jederzeit angenehme Zusammenarbeit und wünschen Hrn. X für seinen weiteren privaten und beruflichen Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Was mich stutzig macht sind die Aussagen zur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, die Aussage stets das Wesentliche zu erkennen und an Weiterbildungsmaßnahmen mit Erfolg teilgenommen zu haben - das zu meinem Eindruck.

Im Groben handelte es sich um eine Stelle im Key Account in der Software Branche.

Ich würde mich freuen, wenn mir jemande helfen kann das Zeugnis Satz für Satz zu entschlüsseln und mit Rat geben kann, welche Verbesserungsvorschläge ich bei der Reklamation des Zeugnisses machen kann.

Danke
Gruss ekmi

Hilfreichste Antwort von JagoJason,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Hallo ekmi,

ich hatte zuerst den gleichen Eindruck, aber ich habe mal mein schriftliches Zeugnis rausgesucht (IT-Bereich, Hardwareintegration) und die Punkte bzgl. Pünktlichkeit sind nur ein schlechtes Zeichen, wenn sonst nichts erwähnt wird oder halt nur noch das Betragen. Deine fachliche Kompetenz wird aber ebenfalls erwähnt, ebenso deine Teamfähigkeit, bzw. Betragen und (sehr) gute Auffassungsgabe (..."an den Weiterbildungsmaßnahmen des Betriebes nahm er regelmäßig mit Erfolg teil"). "Wesentlich" hat zwar einen gewissen Nebengeschmack, aber im ganzen ist es ja "das Wesentliche", also das, worauf es wirklich ankommt. Dazu kommt ja noch, dass du auch in schwierigen Situationen den Überblick behalten hast.

Summa summarum beinhält mein Zeugnis die Gleichen Dinge und teilweise auch die gleichen Stichtworte, hatte aber keine Probleme, dass je ein potentieller Arbeitgeber mich, beim Vorstellungsgespräch, wg. eines schlechten Zeugnis angesprochen hätte. Ich meine mich zu erinnern, dass mir auch mal gesagt wurde, dass das Zeugnis ja in Ordnung sei. Bei dir sticht aber noch Pünktlichkeit heraus und ja, ich war paar mal verspätet und bei mir steht der Punkt nicht drinne. Daher schließe ich mich u.a. katwal an, dass du dir keine Sorgen machen brauchst. :)

Kommentar von einigekennmich,

Danke für deinen Beitrag. Wenn nun so viele Personen sagen dass das Zeugnis OK ist, dann glaube ich das jetzt auch.

Ich bin / war mir unsicher, da ich mich mit solchen Formalitäten nicht auskenne.

Kommentar von JagoJason,

War ich auch, bin aber ziemlich sicher, dass ich es deswegen mal einem Bekannten gezeigt habe, der Selbstständig war und auch Personalchef und habe keinen Tadel in Erinnerung. "wesentlich" kommt in meinem Zeugnis z.B. auch vor und beschreibt mein Aufgabengebiet, also den Kern meiner Arbeit. Ich hab aber auch Kartons zerschnibbelt, Lager aufgefüllt usw. aber das sind Nebensachen, die einfach wegfallen. Ich bin sicher, dass das Wort in deinem Zeugnis auch durch z.B. "Hauptsache", "Schwerpunkt", "Kern" oder "Entscheidende" ersetzt werden könnte und es auf den Kontext ankommt, wie auch z.B. bei "... war stets pünktlich" und "... machte stets pünktlich Feierabend". Es ist nur ein Synonym, das man zwar negativ interpretieren kann, in deinem Fall passt es aber nicht in einem negativen Zusammenhang in den Satz, da im Vorfeld schon positiv bewertet wurde. Selbst wenn wir annehmen, dass es negativ gedeutet werden soll, wenn du stets das Wesentliche erkannt hast/im Auge behalten konntest, waren es lediglich Nebensächlichkeiten, die da ggf. untergegangen sind. Ist dann zwar keine 1+, aber trotzdem noch gut. "Stets" ist auch dabei. Negativ(er) wäre z.B. "oft", "häufig", "manchmal" usw.. Am Ende steht ja z.B. auch noch "...weiterhin viel Erfolg". Negativ wäre z.B. "...zukünftig viel Erfolg".

Auch wenn einige Dinge ggf. fehlen oder anders ausgelegt werden können, ich bezweifle das man dich im Zeugnis mehrmals loben und dich als "guten Mitarbeiter" bezeichnen würde, wenn man dir eigentlich ein negatives Zeugnis ausstellen wollte. Da wäre die Wortwahl anders und das Zeugnis auch wesentlich kürzer. ;)

Kommentar von einigekennmich,

Danke, dass du dir so ausführlich Zeit für mich genommen hast.
Gruss ekmi

Antwort von katwal,
14 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich sehe das Arbeitszeugnis mit der Note "gut" an und entdecke nach meinem Wissen keine verschlüsselte negative Aussage bzw. Beurteilung.

Kommentar von einigekennmich,

Vielen Dank für deinen Beitrag.

Kommentar von DerRumpelrudi,

Sehe ich auch so.

Im ersten Satz wird ein wenig darauf hingewiesen, dass das hohe Fachwissen manchmal zum spontanen, eigenmächtigen Handeln führt, welches aber nie zum Schaden der Firma gereichte. Man kann es auch Proaktiv nennen.

Das ist aber das Leid eines jeden hochqualifizierten Mitarbeiters, der Situationen einschätzen kann, die von weniger Qualifizierten noch nicht wahrgenommen wurden.

Antwort von elenore,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Arbeitszeugnis: Formulierungen

Seht gut =

• Er/Sie verfügt über fundierte Fachkenntnisse, die er/sie in seinem/ihrem Aufgabengebiet erfolgreich einsetzte

• Er/Sie verfügt über eine sehr große Berufserfahrung und beherrscht seine/ihren Aufgabenbereich vollkommen sicher

• Aufgrund seiner/ihrer Fachkenntnisse konnte er/sie wiederholt mit schwierigen Aufgaben betraut werden, die er/sie völlig selbständig erfolgreich bearbeitete

• Aufgrund seiner/ihrer umfassenden Fachkenntnisse fand er/sie sich auch in neuen Situationen stets sicher zurecht

Eigeninitiative / Leistungsbereitschaft

Sehr gut =

• Er/Sie zeigte stets Initiative, großen Fleiß und Eifer

• Er/Sie zeichnete sich stets durch eine vorbildliche Arbeitsauffassung aus

• Er/Sie zeigte stets Eigeninitiative und beeindruckte durch seine/ihre große Einsatzbereitschaft

• Er/Sie führte alle Aufgaben mit großer Umsicht, großem Wissen und beachtlichem Engagement

Also ich habe nur 2 Punkte deines Arbeitszeugnis beleuchtet, damit kannst du höchst zufrieden sein, super und herzlichen Glückwunsch!!!!..........laut Link = http://www2.igmetall.de/homepages/friedrichshafen/file_uploads/zeugnisb.pdf aus

Kommentar von einigekennmich,

Danke für deine Antwort. Also meinst du auch dass das Zeugnis gut ist? Ich kann leider keinen deiner Beispielsätze in einen von meinen Zeugnissätzen interpretieren da sie doch etwas unterschiedlich formuliert sind.

Kommentar von elenore,

Dein Zeugnis ist absolut TOP!!! Sie sind etwas anders formuliert...treffen aber sinngemäss immer das Prädikat sehr gut!!!!

Antwort von speeedi,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Das ist eine 2+ besser geht es kaum. Ein klasse Zeugnis (Gratuliere!), Alles ist gut.

Kommentar von einigekennmich,

Sicher? Woher weisst du das, was sind deine Referenzen? Was ist mit der Pünktlichkeit? Ist das nicht eine Allerweltsbewertung wenn man nichts besseres zu schreiben hat? Schließlich ist es Grundvoraussetzung pünktlich zu sein.

Kommentar von speeedi,

Ich schreibe selber Zeugnisse für Mitarbeiter, reicht Dir das? Warst Du immer pünktlich?

Ist nicht sooo wichtig, weil das Zeugnis völlig o.k. ist.

Kommentar von einigekennmich,

Danke für die Antwort, ich frage, damit ich einfach weiss wer hier antwortet - nicht persönlich nehmen.
Zur Pünktlichkeit: Ich hatte Gleitzeit. Um so weniger verstehe ich, warum mein Arbeitgeben diesen Satz eingefügt hat.

Kommentar von einigekennmich,

Ich habe bei meinen Vorrecherchen diese Erklärung gefunden:

Was bedeutet es, wenn im Zeugnis bescheinigt wird: "Er/ Sie war stets ehrlich, fleißig, pünktlich und zuverlässig"?

Es handelt sich hierbei um eine veraltete und heute eigentlich nicht mehr gebräuchliche Zeugnisformulierung, an der insbesondere Folgendes kritisiert wurde: Bei der Erwähnung bzw. besonderen Betonung von Ehrlichkeit und Pünktlichkeit kann der Eindruck entstehen, dass außer diesen absoluten Selbstverständlichkeiten keine weiteren positiven Aussagen getroffen werden können (z.B. "teamorientiert, freundlich, loyal, durchsetzungsstark"). Pünktlichkeit kann zudem als mangelnde Flexibilität gedeutet werden ("geht pünktlich zum Feierabend"). Wenn Attribute wie "ehrlich" trotz ihrer Selbstverständlichkeit genannt werden, sollte auf ein Temporaladverb ("stets ehrlich") nicht verzichtet werden. Andernfalls könnte der Eindruck entstehen, der Beurteilte war "nicht immer" ehrlich. Üblich ist die Bescheinigung von Ehrlichkeit nur bei Kassierertätigkeiten. Ein weiterer Stolperstein: Wenn in dieser bekannten Viererkette ("ehrlich, fleißig, pünktlich und zuverlässig") ein Attribut fehlt (z.B. "Er war stets fleißig, pünktlich und zuverlässig"), kann der Eindruck entstehen, dass der Arbeitnehmer diesen fehlenden Aspekt nicht erfüllt hat (hier also: Er war nicht ehrlich).

Kommentar von katwal,

einigekennmich: Du recherchierst wirklich gut!

Im Grunde genommen kann man in fast jede Zeugnisformulierung eine versteckte Negativaussage hinein interpretieren.

Gravierende und ziemlich bekannte Zeugniscodes für Negativbeurteilungen wie bespielsweise "er war sehr gesellig" (er sprach dem Alkohol zu) etc. sind m. E. nicht in Deinem Zeugnis enthalten; Näheres siehe

http://www.anwalt.de/rechtstipps/zeugniscodes-und-geheimzeichen-was-jeder-ueber-...

Nun zu Deiner Beruhigung:

Ich hielt mal ein Arbeitszeugnis einer jungen Arbeitnehmerin in Händen, in dem folgende Formulierung stand:

"Nach einer längeren Einarbeitungszeit konnten ihr kleinere Routineschreiben wie beispielsweise Gutschriften und Belastungen teilweise selbständig übertragen werden."

Diese Formulierung war so negativ, dass sie sogar positiv beurteilt werden konnte nach dem Motto: 2 x negativ ergibt positiv oder minus x minis ergibt plus.

Fazit: Die Zeugnisbesitzerin hatte mit diesem "Negativ-Plus-Zeugnis" (bewusst absurd formuliert!) in ihrem späteren Berufsleben keine Probleme, weil sie durch Gewandtheit, positive Ausstrahlung und last but not least Qualifikation ihre Arbeitgeber überzeugte.

Also: Alles ist okay! Ich wünsche Dir weiterhin beruflichen Erfolg.

Kommentar von einigekennmich,

Hallo katwal,

diesen Text:

"Nach einer längeren Einarbeitungszeit konnten ihr kleinere Routineschreiben wie beispielsweise Gutschriften und Belastungen teilweise selbständig übertragen werden."

Würde ich, als Leihe, absolut negativ auffassen. Es heisst für mich: Der Arbeitnehmer hatte eine so schlechte Auffassungsgabe, dass es einfach nicht für mehr als ein paar Routinearbeiten reichte.

Kommentar von katwal,

@einigekennmich: Danke für Deine Anmerkung!

Bitterernst genommen kann man es so verstehen, wie Du darlegst, und eigentlich sind Zeugnisse auch ernst zu verstehen. Aber in Zeugnistexten können auch psychologische Inhalte verborgen sein:

Im konkreten Fall hatte der für den Zeugnisinhalt verantwortliche Vorgesetzte eine Riesenwut auf die junge Arbeitnehmerin, die gekündigt und schon eine neue Arbeitsstelle durch Arbeitsvertrag inne hatte.

Jener nun wütende Vorgesetzte hatte zuvor seinen Mitarbeitern untersagt, während der gesetzlichen Mittagspause das Arbeitsgebäude zu verlassen mit der Begründung, dass manche die Mittagspause überziehen können. Das empfand die junge Arbeitnehmerin als ungerechtfertigt, weil sie sich während der Mittagspause gern im angrenzenden Park aufhielt, und erkundigte sich daraufhin beim Betriebsrat, der ihr recht gab und den Chef "eines Besseren belehrte", so dass dieser sich entschuldigen und seine Anordnung zurück nehmen musste. Danach hat er die junge Arbeitnehmerin ziemlich schlimm schickaniert, bis sie selbst kündigte, worauf er ihr das negative Arbeitszeugnis ausstellte.

Kommentar von einigekennmich,

Danke.

Antwort von alchemist2,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Wie die meisten anderen sehe ich das Zeugnis als 2 bis 2+ an. Fachlich und von der Denk- und Arbeitsleistung ist alles einwandfrei, es könnte höchstens sein, dass man dir eine gewisse soziale Schwäche vorhält. Wie genau weiss ich natürlich nicht, aber es könnte weniger als 100% Loyalität sein, und/oder Überkorrektheit zu Lasten menschlicher Nähe. Will heissen, dass du mit Erfolg, aber krampfhaft versuchst, immer das Richtige zu tun und zu sagen, anstatt auszusprechen, was du wirklich empfindest.

Du solltest nicht versuchen, das Zeugnis zu reklamieren. Damit tust du dir keinen Gefallen, erst recht nicht, wenn dein neuer potenzieller Arbeitgeber sich beim alten über dich erkundigt.

Kommentar von einigekennmich,

Vielen Dank für deine Antwort.

Das ist richtig, ich habe soziale Schwächen, ich bin kein Teamplayer. Ich habe mich nicht vollständig für meine Vorgesetzten und Kollegen interessiert. Aber ich war so ehrlich und habe dies immer mitgeteilt, damit man einfach weiss woran man bei mir ist.

Glaubst du, es wirkt sich negativ auf meinen weitern beruflichen Weg aus, wenn man aus meinem Zeugnis soziale Schwächen herausliest?

Kommentar von einigekennmich,

Was ich vergessen habe: Woher weisst du das und woraus liest du die sozialen Schwächen aus meinem Zeugnis? Gibt es darin irgendeine Satzkombination aus welcher du dies schließt?

Kommentar von alchemist2,

Sein Verhalten Führungskräften, Kunden und Kollegen war jederzeit einwandfrei.

Das müsste der Schlüsselsatz sein.

Kommentar von alchemist2,

Das muss nicht zwangsläufig negativ sein, es kommt darauf an, wie du in Zukunft mit dieser Erkenntnis umgehst und wie du dich bei neuen Arbeitgebern präsentieren wirst. Wenn man dich darauf ansprechen wird, kannst du ja sagen, dass du um deine Schwächen weisst und es besser machen möchtest. Andererseits solltest du dich nicht um Jobs bewerben, die ausdrücklich gute Teamarbeit verlangen.

Die meisten Chefs sind Leute, die selber soziale Schwächen haben. Deshalb haben sie ja auch ein Leben lang einsame Überstunden geschoben und sich mit Ehrgeiz und/oder Ellenbogen nach oben gekämpft. Aber das würden sie nie zugeben.

Kommentar von einigekennmich,

Danke dass du dir so ausführlich Zeit nimmst.

Sein Verhalten Führungskräften, Kunden und Kollegen war jederzeit einwandfrei. Klingt eigentlich nicht nach sozialen Schwächen, meines Erachtens nach.

Ich habe bereits einen neuen Job, daher hatte ich gekündigt. Aber es kann ja durchaus sein dass ich wieder einmal kündigen muss und dann könnte das Arbeitszeugnis relevant werden - daher auch meine Nachfrage dazu.

Antwort von kiniro,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

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