Frage von DrMeise, 55

Arbeitsvertrag unterschrieben, muß ich anfangen?

Hallo, ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Meine Stelle würde ab dem 19.10. beginnen.

Ich habe bei der Stelle ein ganz schlechtes Gefühl, laut dem Vertrag bekomme ich auch nur 20 Tage Urlaub im Jahr, laut dem gesetzlichen Manteltarifvertrag für Arzthelferinnen stehen mir aber 30 Tage Urlaub zu.

Kann ich den Vertrag einfach nicht antreten ? Oder kann ich gezwungen werden ?

Meinem´Arbeitsamtberater habe ich schon angeschrieben, bekomme aber vor Montag keine Antwort, wenn ich keine Sanktionen zu befürchten habe, würde ich dort lieber nicht anfangen.

Danke

Antwort
von Samika68, 41

Eine Kürzung der Leistungen vom Arbeitsamt wirst Du wohl nur umgehen können, wenn Du aus "wichtigen Gründen" die Arbeit nicht antrittst.

Ein "schlechtes Gefühl" ist sicher kein wichtiger Grund.

Die meisten Arbeitsverträge enthalten die Klausel, dass eine Kündigung vor Arbeitsantritt nicht möglich ist.

Da Du aber erst am 19.10. mit der Arbeit beginnen sollst und heute erst der 24.09. ist, wirst Du das alles am Montag mit Deinem zuständigen Berater beim Arbeitsamt besprechen können.

Kommentar von Familiengerd ,

Die meisten Arbeitsverträge enthalten die Klausel, dass eine Kündigung vor Arbeitsantritt nicht möglich ist.

Ist das so?? Woher willst Du das wissen??

Kommentar von Samika68 ,

Aus diversen Verträgen die ich für die unterschiedlichsten Arbeitgeber verfasst habe.

Ich selbst hatte auch schon einen Arbeitsvertrag, der diese Klausel enthielt.

Du hast wohl noch nicht sehr viele Arbeitsverträge gelesen...

Kommentar von Familiengerd ,

Dann ist das lediglich Deine individuelle Erfahrung, die aber so nicht zu verallgemeinern ist.

Es mag ja bestimmte Gründe geben, warum ein Arbeitgeber eine Klausel in den Vertrag aufnimmt, die eine Kündigung vor Arbeitsbeginn ausschließt - womöglich noch erweitert um eine Vertragsstrafe für diesen Fall -, wenn er z.B. ein besonders starkes Interesse an der Beschäftigung dieses Arbeitnehmers haben sollte.

Ansonsten aber ist eine solche Klausel ziemlich unsinnig; denn es macht auch für den Arbeitgeber keinen Sinn, einen "unwilligen" Arbeitnehmer über eine solche Klausel lediglich für die Dauer einer Kündigungsfrist ins Arbeitsverhältnis zu zwingen!

Du hast wohl noch nicht sehr viele Arbeitsverträge gelesen...

Das ist genau so eine rein spekulative Mutmaßung wie die unbelegte Behaupte "Die meisten Arbeitsverträge enthalten die Klausel, dass eine Kündigung vor Arbeitsantritt nicht möglich ist."!

Kommentar von Samika68 ,

Welche Art "Beleg" hättest Du denn gerne? Soll ich ein paar der Arbeitsverträge kopieren?

Nun, diese Klausel macht Sinn in Verträgen für Manager-Positionen, da für solche Mitarbeiter im Vorfeld oft ein großer finanzieller Aufwand seitens des AG stattfindet (Bestellung Firmen-Pkw, Smartphone, Neuausstattung des Arbeitsplatzes und sogar u. U. schon Buchungen internationaler Flüge zu Geschäftspartnern bezgl. Vorstellung etc.)

Sich hier abzusichern und u. U. Schadenersatzansprüche geltend machen zu können, kann man manchen AG nicht verdenken.

Hättest Du lt. meiner "spekulativen Mutmaßung" etwas mehr Einsicht in diverse Verträge, hätte es Deinen Kommentar nicht gegeben.

Kommentar von Familiengerd ,

Welche Art "Beleg" hättest Du denn gerne? Soll ich ein paar der Arbeitsverträge kopieren?

Das ändert nichts daran, dass Deine Verallgemeinerung nicht zulässig ist.

Nun, diese Klausel macht Sinn in Verträgen für Manager-Positionen

In diesem Zusammenhang will ich ja nicht widersprechen!

Aber wovon reden wir denn hier?!?!

Davon kann doch bei den Fragen, die hier im Allgemeinen gestellt werden - und konkret jetzt, wo es um eine Arzthelferin geht - nun aber überhaupt keine Rede sein!

Und im aktuellen Fragezusammenhang macht Deine Aussage also überhaupt keinen Sinn!

Kommentar von Samika68 ,

Ich war nicht die Person, die aus meiner Äußerung einen Elefanten gemacht hat...

Es wurde von mir lediglich angemerkt, dass diese Klausel - lt. meiner Erfahrung - in Arbeitsverträgen vorkommt.

Nun lassen wir's aber gut sein, gell...

Antwort
von Familiengerd, 21

Wenn es im Arbeitsvertrag keine Klausel gibt, die eine Kündigung vor Arbeitsbeginn ausschließt, dann kannst Du den Vertrag noch vor Arbeitsbeginn (schriftlich, eine Begründung ist nicht erforderlich) kündigen.

Du hast allerdings auch dann Fristen einzuhalten:

Ist eine Probezeit vereinbart, dann kannst Du mit der gesetzlichen Frist von 14 Tagen kündigen, wenn der Arbeitsvertrag keine längere Frist für die Probezeit vorsieht. Wenn Du dann also spätestens 14 Tage vor Arbeitsbeginn kündigst, musst Du die Arbeit nicht antreten; kündigst Du später, müsstest du - rein rechtlich - die restliche Frist noch zur Arbeit.

Entsprechendes gilt, wenn keine Probezeit vorgesehen ist und für eine Kündigung z.B. die gesetzliche Frist von 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats einzuhalten ist: In diesem Fall könntest Du erst zum 31.10 kündigen, müsstest also ab dem 19.10 arbeiten (wenn der Arbeitgeber nicht ganz verzichtet und sich nicht mit einem Nicht-Antritt einverstanden erklärt). 

laut dem Vertrag bekomme ich auch nur 20 Tage Urlaub im Jahr, laut dem gesetzlichen Manteltarifvertrag für Arzthelferinnen stehen mir aber 30 Tage Urlaub zu.

Es gibt keinen "gesetzlichen" oder allgemeinverbindlichen Manteltarifvertrag, der allgemein für alle Arzthelferinnen 30 Tage Urlaub vorschreibt.

Dieser Manteltarifvertrag ist nur dann anzuwenden, wenn Dein Arbeitgeber im entsprechenden Arbeitgeberband (Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten - AAA) ist und Du selbst Mitglied im Verband medizinischer Fachberufe bist.

Ist beides nicht der Fall, dann ist die Vereinbarung eines Urlaubsanspruch von 20 Tagen rechtlich in Ordnung, weil es sich dabei um den gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch (bei einer 5-Tage-Woche) handelt; im Vertrag muss aber ein Hinweis enthalten sein, wenn ein Tarifvertrag auf das Arbeitsverhältnis entweder zwingend/verpflichtend oder freiwillig angewendet wird.

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