Frage von Sven9789, 72

Arbeitsvertrag rechtlich ok?

Aloa Leute, ich habe folgendes Anliegen. Und zwar bin als Sales Manager in einer Online Marketing Agentur beschäftigt.

Eingestellt wurde ich am 01.09.2015. 

In dem Vertrag steht unter:

Arbeitszeiten: Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 160 Stunden und richtet sich nach den bertrieblichen Verhältnissen.

Bezüge: Es gilt ein Stundensatz von 10 Euro...Das monatliche BRuttogehalt beträgt 1600 Brutto

Urlaub: Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 tagen....

Nun sagte mein Chef mir vor 2 Monaten das es Änderungen gibt wegen des Steuerbüros blablabla.

Seit dem bekomme ich immer 500 € als fest Gehalt der Rest wird als Überstunden in der Abrechnung aufgelistet. Im Durchschnitt arbeite ich ca. 120 -160 Std im Monat. 

Also in der Abrechnung steht:

Gehalt - 500 € 

Überstundenvergütung: - 64 Stunden - 640 €

Weitere Infos:

-Feiertage bekomme ich nicht bezahlt, er sagte das ist doch normal ?! Glaube ich weniger

-Außerdem sagte er habe ich nur 7 Tage Urlaubsanspruch.

-Wenn ich Urlaub nehme bekomme ich für jeden Tag nur 2.30 Std angerechnet und bezahlt.

-Muss er mir wenn ich das anfechte alle nicht bezahlten Feiertage nachzahlen oder alles nachzahlen was mir eigentlich zugestanden hätte.?

-Das ganze wurde nur mal kurz angesprochen zwischen Tür und Angel und nie vertraglich oder schriftlich festgehalten´. Also alles sehr suspekt.


Nun meine Fragen:

    • Wenn diese Änderungen nicht schriftlich festgelegt werden ist das rechtens oder muss er sich an die zu Anfang vertraglich unterschriebenen Punkte halten ?
  • Welchen Sinn machen diese Änderungen ? Ich ziehe nur Nachteile daraus.
  • Werden Feiertage grundsätzlich nicht bezahlt ?
  • Ist das mit 7 Tagen Urlaub Ok? Denn auch Teilzeitkräfte die nur 30 oder 40 Std arbeiten haben den gleichen Urlaubsanspruch wie ich.
  • Müssen Urlaubstage nicht ganz normal bezahlt werden ? Denn auch wenn es mit einem Durchschnitt berechnet wird steht mir doch mehr zu als 2.30 Std.*

Aus Anfangs vertraglich geregelten 20 Urlaubstagen sind nun 7 geworden. Auch in dem damals unterschriebenen Vertrag steht nichts genaues drin ob Urlaub bezahlt wird oder Feiertage etc. Nur gesetzlicher Urlaubsanspruch von 20 Tagen...

Danke im voraus für hilfreiche Antworten.

Anzeige
Antwort
von expermondo, 5

Hallo Sven9789,

Schau mal bitte hier:
Arbeitsrecht Vertragsrecht

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht, 32

Hast Du eine Rechtsschutzversicherung oder bist Du Gewerkschaftsmitglied? Dann nichts wie ab zum Anwalt für Arbeitsrecht oder zur Gewerkschaft.

Dein AG versucht Dich von hinten bis vorne zu beschei..en. Dabei schreckt er nicht zurück geltende Gesetze zu missachten.

Er ist lt. Arbeitsvertrag verpflichtet Dich monatlich 160 Stunden zu beschäftigen und vertragsgemäß zu bezahlen. Was die Aussage wegen dem Steuerbüro soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Das ist absoluter Blödsinn.

Jeder AN hat nach dem Bundesurlaubsgesetz Anspruch auf mindestens vier Wochen bezahlten Urlaub/Jahr (§ 3 Bundesurlaubsgesetz). Selbst wenn vertraglich weniger Urlaub festgelegt wäre (was ja nicht ist), wäre diese Vereinbarung nichtig da geltendes Recht nicht durch solche dubiosen Abmachungen unterlaufen werden kann. Bei einer 5-Tage-Woche stehen Dir 20 Urlaubstage zu.

Die Bezahlung der Urlaubstage richtet sich nach dem Durchschnitt der letzten 13 Wochen. Wenn Du täglich z.B. acht Stunden arbeitest, müssen für einen Urlaubstag auch acht Stunden bezahlt werden (§ 11 Bundesurlaubsgesetz).

Dass gesetzliche Feiertage bezahlt werden müssen, steht im § 2 Entgeltfortzahlungsgesetz: "Für Arbeitszeit die infolge eines gesetzlichen Feiertages ausfällt, hat der AG dem AN das Arbeitsentgelt zu zahlen, das er ohne den Arbeitsausfall erhalten hätte."

Dein AG muss Dir für einen Feiertag also acht Stunden Entgeltfortzahlung leisten, wenn Du ohne den Feiertag acht Stunden hättest arbeiten müssen.

Kommentar von Sven9789 ,

OK vielen Danke für die ausführliche Antwort! 

Also auch wenn ich nicht immer voll 8 Std sondern auch mal 6 Std komme und nicht immer auf 160Std komme habe ich also 20 Tage die garantiert mit mehr als 2.30Std berechnet werden müssen.

Genauso mit den Feiertagen und Krankheitstage. Er sagte mir da du nicht immer 160 Std voll hast nehmen wir für alles einen Dursch nittswert von 21.5 Stunden oder so.

Selbst Krankheitstage bekomme ich nur anteilig bezahlt ?!
Obwohl ich immer 5 Tage die Woche 6-8 Std arbeite.

Ich war im Mai zB 4 Tage krank, es gab 5 Feiertage (ostern etc) und 2 Tage musste ich mir Urlaub nehmen. Ich habe nun keinen Feiertag bezahlt bekommen für due Urlauzbstage nur 4 std bezahlt bekommen.  Oh man Danke

Kommentar von Hexle2 ,

Warum hast Du denn nicht die vereinbarte Stundenzahl? Gibt der AG Dir zu wenig Arbeit obwohl Du arbeiten möchtest?

Dann würde sich der AG nach § 615 BGB in Annahmeverzug befinden und müsste Dich so bezahlen als hättest Du gearbeitet. Es könnten keine Minusstunden entstehen und nacharbeiten braucht man auch nicht.

Dein AG legt die geltenden Gesetze wohl so aus wie es ihm in den Kram passt und nicht wie er verpflichtet ist.

Er hätte Dir die vier Krankheitstage so bezahlen müssen als hättest Du gearbeitet, ebenso die Feiertage. Das mit den Urlaubstagen habe ich ja auch schon geschrieben.

Durch Urlaub, Krankheit oder Feiertage kann man keine Minusstunden bekommen, der AG muss sie voll bezahlen (wie schon erläutert).

Macht Dein Chef das mit den anderen AN auch und wenn ja, warum lasst Ihr Euch das alles gefallen? Dann würde es mich nicht wundern, wenn dieser "kreative" AG noch auf ganz andere "Einsparmöglichkeiten" kommt.

Du solltest auf alle Fälle etwas unternehmen und Dich auch dringend nach einem anderen Job umsehen. 

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeitsrecht, 25

Irgendetwas stimmt an deinem Arbeitsvertrag offensichtlich nicht, denn der von dir genannte Einstellungstermin kann so schon mal nicht richtig sein:
Eingestellt wurde ich am 01.09.2016.Heute schreiben wir den 6.Juli 2016.

Deshalb zweifle ich auch an der Richtigkeit aller weiteren Angaben.

Überprüfe deine komplette Frage und stell sie noch einmal hier rein.

Kommentar von Sven9789 ,

Sorry ich meinte 2015

Kommentar von lenzing42 ,

OK, aber Autragsänderungen müssen grundsätzlich schriftlich erfolgen, um rechtsgültig zu sein, und du musst damit einverstanden sein, sonst musst du die Änderung nicht unterschreiben.

Der Arbeitgeber kann dann eine Änderungskündigung schriftlich aussprechen, aber das ist dann ein anderes Thema.

Kommentar von Sven9789 ,

Ja das weiß ich aber jetzt bestätigt sich das ganze auch. Danke für die Antwort

Antwort
von Thure111, 36

Sieben Tage Urlaub kenne ich eigentlich nur aus Japan ^^

Der Urlaubsanspruch ergibt sich aus der Zeit die Du real laut AV leistest. Siehe hierzu auch die Passagen im Bundesurlaubsgesetz.

Feiertage müssen immer bezahlt werden. Das ist gesetzlich geregelt.

Sittenwidrige Passagen Deines Arbeitsvertrages werden zudem automatisch durch die des SGB ersetzt.

Dein Arbeitgeber ist offenbar auf der Suche nach  Arbeitnehmer-Opfern, die am besten noch Geld mitbringen. Das Du bei 160 Monatsstunden 1600€ brutto verdienen sollst, spricht ja schon für sich.

Kommentar von Sven9789 ,

Mir geht es nicht um den Lohn. Ich bekomme auch Provisionen also ist das schon ok und kenne es nicht anders. Mir geht es darum das wenn ich mich schon zufrieden gebe mit 10 euro dann wenigstens alles andere rechtlich stimmt. 

Antwort
von Frangge, 38

Gültig ist, was im Vertrag festgelegt wurde. Änderungen bedürfen der Schriftform und müssen von beiden Vertragpartnern akzeptiert werden.

Ich an deiner Stelle würde mich umgehend nach einer neuen Stelle umsehen.

Kommentar von Familiengerd ,

Gültig ist, was im Vertrag festgelegt wurde.

Das gilt aber nicht uneingeschränkt - nicht für Klauseln, die einen Arbeitnehmer unangemessen benachteiligen, die unklar sind (also einer inhaltlichen Überprüfung nicht standhalten), mit gesetzlichen Bestimmungen (z.B. hier die Entgeltfortzahlung an Feiertagen) kollidieren usw!

Antwort
von Amtsschimmel25, 28

Kraß wie der dich bescheißt ohne das du es raffst.

Ich würde einen Anwalt nehmen und die Bude fristlos verlassen und diese auf Schadensersatz verklagen.

Merkst du wirklich nicht wie die dich abzocken????

Kommentar von Sven9789 ,

Wenn ich es nicht raffen würde dann hätte ich hier bestimmt nicht nach gefragt du Heini! Ich wollte einfach mal nachhören was andere dazu sagen.

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Danke für den Heini. Wenn du mal bei deinem Chef gleich so wärst. Dort lässt du dich jedoch bescheißen, oder wie ist zu erklären, dass du diese Sklavenbedingungen offensichtlich seit längerem hinnimmst und erst jetzt langsam ins grübeln kommst.

Wenn du einen Vertrag schließt, den beide unterschrieben haben und du akzeptierst eine einseitige Änderung die so zu deinem Nachteil ist und außerdem gegen so ziemlich alle einschlägigen gesetzlichen Regelungen verstößt, dann raffst du Schwachmat es scheinbar wirklich nicht.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community