Frage von Nerderella, 39

Arbeitsvertrag - Arbeitsunfähigkeit?

Salut ,

ich muss ein wenig ausholen. Ich bin Studentin und arbeite seit Anfang Juli nebenbei ( Minijob) in der Firma, in der auch mein Partner angestellt ist. Bis heute habe ich noch keinen Arbeitsvertrag bekommen , geschweige denn, dass ich ihn unterschrieben habe, fertig soll er aber sein. Der Chef sowie seine Gattin sind in der Hinsicht wohl nicht die schnellsten ( Was soll man dazu sagen?)..Mein Geld für Juli bekam ich aber, daher erstmal nicht ganz so tragisch.

Aufgrund des Studiums, darf die Arbeitszeit 20 Wochenstunden nicht überschreiten und über 450 Euro darf ich im Durschnitt bei 12 Monaten im Jahr auch nicht kommen . Der Chef hat demnach wohl einen " Bis-zu-Stunden-Vertrag" fertigstellen lassen. D.h , ich darf bis zu 20 Stunden die Woche arbeiten, muss dies aber nicht. Arbeite aktuell im Monat 6 Tage a 8 Stunden, bekomme dafür 369 Euro. Reicht mir.

Nun ist aber folgendes eingetreten. Ich wurde am 05.August operiert , wollte am 17. wieder arbeiten, aber der Heilungsprozess machte mir einen Strich durch die Rechnung. Durch eine Entzündung heilt die Op-Wunde nicht wie gewüscht. Wurde daher bis einschließlich den 26.8 krankgeschrieben.

Wie ist es nun bei diesen "komischen" Verträgen. Normal ist doch , dass es die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nach 4 Wochen durchgängiger Anstellung in dem Betrieb gibt.

Ist es bei diesem "Bis-zu-Vertrag" nun so , dass ich für die bislang ausgefallenen Arbeitstage keinen Lohn bekomme ?

Ich rechne ja fast damit . Falls dem so wäre, wäre ich gezwungen Mittwoch wieder arbeiten zu gehen , auch wenn ich mich nicht dazu in der Lage fühle. Aber da eine Autoreperatur und die Entrichtung des Semesterbeitrages für das Wintersemester ansteht brauche ich das zusätzliche Geld nunmal ..

Wäre über Infos sehr dankbar

Lg

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 13

Da Du seit Anfang Juli arbeitest und seit dem 05.08. erkrankt bist, hast Du die Voraussetzung für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber (4-wöchige ununterbrochene Beschäftigungsdauer) erfüllt.

Dir Steht also Entgeltfortzahlung für maximal 6 Wochen wegen dieser Erkrankung zu (dauert sie länger, hast Du als Minijobberin aber keinen Anspruch auf Krankengeld durch die Krankenkasse).

An Entgeltfortzahlung hast Du dasjenige zu erhalten, was Du erhalten hättest, wenn Du nciht krank geworden wärst; das wäre kein Problem, wenn es z.B. für die Zeit Deiner Erkrankung einen vorher bereits erstellten Dienstplan geben würde - was ich aber nicht annehme.

Ansonsten ist die Entgeltfortzahlung aus dem Durchschnitt dessen zu errechnen, was in den letzten 13 Wochen/3 Monaten gezahlt worden ist.

Da Du noch nicht so lange arbeitest, ist dafür die bisherige Arbeitsdauer heranzuziehen:

Du hast von Anfang Juli bis zum Beginn der Erkrankung umgerechnet pro Kalendertag X,XX € an Entgelt erhalten (wobei das Entgelt für eventuell angefallene Überstunden nicht berücksichtigt wird); dieser Betrag steht Dir dann auch für jeden Kalendertag der Erkrankung (maximal 42 Kalendertage) zu.

Deinen Arbeitgeber belastet das finanziell kaum, da er (unter der Voraussetzung, dass er weniger als 31 Arbeitnehmer hat) aufgrund des vorgeschriebenen Umlageverfahrens nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz AAG 80 % seiner Kosten für Deine Entgeltfortzahlung von der Krankenkasse erstattet bekommt.

Kommentar von Nerderella ,

Danke für diese ausführliche Antwort. Einen Dienstplan gibt es tatsächlich, darin wurden meine Arbeitszeiten bis Ende des Jahres auch schon festgehalten.

Demnach hätte ich also, auch wenn ich diesen Mittwoch und Freitag nicht arbeiten gehe dennoch den Anspruch auf den Lohn der 4 Ausfalltage. 

Merci.

Ich bin gespannt, was mein Konto Ende des Monats sagt.

Falls dem nicht so ist, werde ich den Arbeitgeber einfach mal damit konfrontieren.

Kommentar von Familiengerd ,

Na, dann ist das vom Prinzip her eine einfache Sache:

Nach dem Lohn--/Entgeltausfallprinzip hast Du das zu erhalten, was Du ohne Erkrankung erhalten hättest. also das Entgelt entsprechend der Einteilung im Dienstplan.

Bezüglich der "Anmeldung" brauchst Du Dir wohl keine besorgten Gedanken zu machen. Eine Lohnabrechnung muss Dir der Arbeitnehmer nach der Gewerbeordnung GewO § 108 "Abrechnung des Arbeitsentgelts" in Papierform ausstellen, aber nur einmal (also jetzt am Anfang), wenn es danach keine Änderungen gibt; nur bei Änderungen in der Abrechnung ist er zu einer erneuten Ausstellung verpflichtet.

Er muss sie Dir aber nicht zustellen, sondern kann auch die Abholung verlangen.

Zur Lohnfortzahlung findest Du ausführliche Informationen (zur Höhe speziell im Abschnitt "Höhe der Entgeltfortzahlung") auf dieser Seite: http://www.lohn-info.de/lohnfortzahlung_im_krankheitsfall.html .

Dir ist bekannt, dass Du keine Leistungen mehr erhältst, wenn die Erkrankung länger als 6 Wochen dauert und der Entgetlfortzahlungsanspruch gegen den Arbeitgeber nicht mehr besteht? Denn Minijobber erhalten kein anschließendes Krankengeld von der Krankenkasse.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 18

Ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall besteht erst nach viewöchigem ununterbrochenen Arbeitsverhältnis.

Der Arbeitgeber eines geringfügig Beschäftigten kann sich vor den Kosten der Entgeltfortzahlung durch ein Umlageverfahren schützen:

https://www.minijob-zentrale.de/DE/0\_Home/01\_mj\_im\_gewerblichen\_bereich/12\...

Nach Ablauf der vier Wochen muss der Arbeitgber dich so bezahlen, als hättest du normal gearbeitet.


Antwort
von konstanze85, 15

Ich würde mir erstmal gar keine so großen Gedanken über die Vereinbarungen in dem Arbeitsvertrag machen, denn Du hast ja gar keinen.

Ich weiß nicht, ob Dir das klar ist, aber bis dato hast Du wahrscheinlich quasi schwarz gearbeitet.

Ich vermute stark, dass Du noch keinen Vertrag hast, weil Dein Chef Deine Beiträge nicht entrichten wollte und nicht entrichtet hat, oder hast Du eine Abrechnung erhalten für Juli? Dann nehme ich alles zurück.



Kommentar von Familiengerd ,

Ich weiß nicht, ob Dir das klar ist, aber bis dato hast Du wahrscheinlich quasi schwarz gearbeitet.

Dieses Märchen ist wohl nicht auszurotten - oder anders: Das ist Unsinn!

Schwarzarbeit hat nichts damit zu tun, dass es keinen schriftlichen Arbeitsvertrag gibt (sondern hier bisher nur einen mündlichen), sondern alleine damit, ob die vorgeschriebenen Steuern und Sozialabgaben vom Arbeitgeber abgeführt werden.

Für eine "Anmeldung" hat der Arbeitgeber 6 Wochen Zeit (von "besonderen" Gewerbebereichen - Gastronomie, Fleischverarbeitung, Baugewerbe usw. - abgesehen, in denen eine Anmeldung unverzüglich erfolgen muss).

Kommentar von konstanze85 ,

Und darum kann man nur hoffen, dass er sie tatsächlich angemeldet hat.

Kommentar von Familiengerd ,

Da Entgelt gezahlt wurde, kann man von einer Anmeldung ausgehen - unter der Voraussetzung, dass es darüber auch eine Lohnabrechnung gibt.

Bei "Schwarzarbeit" würde es kaum eine Lohnabrechnung geben.

Kommentar von konstanze85 ,

Und genau das habe ich bereits in meiner hauptantwort geschrieben...dass WENN sie eine lohnabrechnung erhalten hat, ich meine vermutung zurücknehme:)

Kommentar von Familiengerd ,

Richtig.

Ein Indiz, dass es sich nicht um Schwarzarbeit handelt, wäre allerdings auch die Überweisung des Entgelts auf das Konto des Arbeitnehmers anstelle einer Barauszahlung.

Kommentar von konstanze85 ,

Und ob sie das Geld überwiesen bekam, kann dir nur die Fragestellerin sagen:)

Kommentar von Nerderella ,

Um das Rätsel zu lüften : 

Ich bekomme 8,50Euro die Stunde. Bei 48 Stunden 408 Euro wovon mir 369 Euro ausgezahlt werden. Das Geld wird auf mein Konto überwiesen.

Daher gehe ich erstmal von einer Anmeldung aus. ABER und das habe ich die letzten Wochen gar nicht weiter bedacht, da die Op im Vordergrund stand : ich bekam keine Lohnabrechnung. Mein Partner bekommt sie immer mit der Post . Meine war nicht dabei. Werde morgen nachhaken.

Antwort
von Landliebelei2, 19

viell. hilft dir das weiter:

https://www.haufe.de/personal/entgelt/erstattung-der-entgeltfortzahlung-bei-kran...

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