Frage von OG1995, 135

Arbeitsunfall in der Probezeit?

Heute morgen ist mir auf der Arbeit ein Unfall passiert. Ich hatte im Lager mit der Ameise zu tun und mein Fuß wurde zwischen der Wand und der Ameise zerquetscht. Mir wurden Sicherheitsschuhe versprochen, aber ich habe sie bis heute nicht bekommen, sprich ich hatte sie heute natürlich auch nicht an. Jetzt ist meine Frage, wie kann ich da vorgehen? Rechtlich gesehen. Wer ist im Vorteil? Der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer? Die Sache mit den Sicherheitsschuhe machen mich nämlich ganz nervös.

Antwort
von Interesierter, 72

Zunächst mal: Wie geht es deinem Fuß? Ich hoffe, es ist nicht allzu schlimm.

Nun, es ist ein Arbeitsunfall, egal ob Sicherheitsschuhe oder nicht. Daher bist du über die Berufsgenossenschaft versichert. Um die Heilbehandlungskosten brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Du kämpfst hier nicht gegen deinen Arbeitgeber. Ihr sitzt eigentlich im selben Boot.

Problematisch könnte es werden, da du noch in der Probezeit bist. Dein Arbeitgeber könnte auf die Idee kommen und dich in der Probezeit zu entlassen. Dazu braucht er keinen Grund anzugeben. Deine Arbeitsunfähigkeit schützt dich nicht vor der Kündigung.

Antwort
von clemensw, 43

Der AG hat die persönliche Schutzausrüstung zu stellen bzw. die Kosten zu tragen - und zwar nicht irgendwann, sondern sofort bei Arbeitsbeginn!

Geh zum Durchgangsarzt und melde den Unfall der zuständigen Berufsgenossenschaft.

Den Rest regeln BG und AG dann miteinander - was meist mit ziemlichen Ärger für den AG endet...

Antwort
von RuedigerKaarst, 55

Hallo,

Dein Arbeitgeber und Du habt nun ein Problem.

Du weil Du die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung nicht getragen hast, er weil er sie dir nicht zur Verfügung stellte.

Mir scheint so, als wärst Du zudem nicht in die Verwendung der Ameise unterwiesen wurde, eher hast Du diese wohl mit beiden Händen bedient und bist hinter ihr hergegangen.

Wenn diese rückwärts geführt wird, geht man daneben und bedient diese mit einer Hand, so dass solche Unfälle nicht geschehen können und man rasch in Sicherheit kommt.

Wurdest Du nicht unterwiesen, so hättest Du dieses Flurförderfahrzeug nicht benutzen dürfen.

Ihr könnt nur hoffen, dass es keine bleibenden Schäden gibt, denn die BG wird die Übernahme der Kosten verweigern. 

Du hättest mit Deinem Arbeitgeber ausmachen können, dass Du Arbeitsschuhe auf Deine Kosten kaufst, und er diese bis zu einem bestimmten Wert erstattet.


Was ist nun mit dem Fuß?

Gute Besserung! 

Kommentar von Lokicorax ,

Warum darf den die BG die Übernahme der Kosten verweigern? Wo steht das geschrieben? Gibt es Urteile??

Eher das Gegenteil ist richtig - trotz Fehlverhalten bleibt der Versicherungsschutz erhalten.

§ 7 SGB VII  Begriff

(1) Versicherungsfälle sind Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.

(2) Verbotswidriges Handeln schließt einen Versicherungsfall nicht aus.
Kommentar von emib5 ,

"Ihr könnt nur hoffen, dass es keine bleibenden Schäden gibt, denn die BG wird die Übernahme der Kosten verweigern."

Unfug. Die BG wird die Kostenübernahme nicht verweigern und der Fragesteller hat nichts zu befürchten. Wenn, dann könnte die BG höchstens den Arbeitgeber in Regress nehmen. Da hat der Fragesteller aber nichts mit zu tun.

Du hättest mit Deinem Arbeitgeber ausmachen können, dass Du
Arbeitsschuhe auf Deine Kosten kaufst, und er diese bis zu einem
bestimmten Wert erstattet.

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichten erforderliche PSA zu stellen und zu bezahlen.

Antwort
von bergquelle72, 51

Ich hoffe, Du hast nur sprachliche Probleme.

"zerquetscht" klingt als ob er abgeschnitten werden muß. Ich hoffe doch, daß er nur eingeklemmt wurde und Du jetzt ein paar blaue Flecken hast.

Alles weitere regelt die Versicherung bzw.  die Gewerbeaufsicht. Du mußt jetzt gar nicht vorgehen. Da Du ja wohl ärtzlich versorgt wurdes geht das jetzt seinen Gang, Unfallmeldung, etc.

Was heißt "Wer ist im Vorteil?" , ??? Wie soll jemand aus einem Betriebsunfall einen Vorteil ziehen ?  Du meinst sicher etwas anderes. 


Antwort
von DerITSupport, 60

Die Frage ist ja, warum du gearbeitet hast, obwohl du keine Sicherheitsschuhe hast. Klar steht dein Vorgesetzter in einer Aufsichtspflicht, trotzdem muss er nicht bei jedem kleinen Schritt dabei sein.

Als mündiger Azubi hättest du sagen müssen: "Nein, das mache ich nicht ohne meine Sicherheitsschuhe!"

So kannst du zwar sagen, dass dir dein Arbeitgeber nicht das nötige Sicherheitsequipment gegeben hat, trotzdem hast du gegen die Vereinbarung verstoßen, sicher zu arbeiten.

Die Schuld liegt demnach bei dir.

MfG. der verständnisslose IT-Support

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Der Daumen hoch! war fehlerhaft....

Gerade ein Azubi ist in Sicherheitsfragen unmündig, er ist in Ausbildung und kann alltägliche Gefahren überhaupt nicht erkennen. Der AG hat die Arbeit unter Kentniss (ohne Sicherheitsschuhe) angewiesen!

Kommentar von DerITSupport ,

Weißt du ob der AG das hat? Es steht nirgends etwas davon. Wenn der AG ihm/ihr eine Aufgabe zugeweisen hat, und er selbstständig im nachhinein gearbeitet hat, hat sein AG in keinster Weise etwas falsch gemacht.

Sollte sein AG gesagt haben arbeite dort und auch ohne Schuhe, hätte er immernoch wiedersprechen MÜSSEN! da im Falle einer folgenden Abmahnung oder Kündigung ganz einfach Wiederspruch eingelegt werden kann (und eben auch sollte).

Die Tätigkeit zu verrichten war ganz klar in seinem/ihrem eigenen Ermessen.

Alleine die Frage nach "Vorteil" und nicht "Recht" spiegelt das Unwissen hier wieder.

Im gesetzlichen Recht ist er als Verletzter natürlich ganz klar. Der Arbeitsunfall war aus dieser Sicht nicht seine Schuld. Im Vorteil ist er damit nicht.

Sollte er nämlich keine Sicherheitseinweisung erfahren haben ("
Gerade ein Azubi ist in Sicherheitsfragen unmündig, er ist in Ausbildung und kann alltägliche Gefahren überhaupt nicht erkennen."), darf er garnicht arbeiten und sollte dies in seinem gewerbe auch wissen.

-> Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Er brauch sich keine Sorge um die Arztbesuche etc. machen. Sollte nur seine geistige Reife und seinen Sicherheitssinn mal stark überdenken.

MfG. der jetzt sogar geschockte IT-Support

Kommentar von AalFred2 ,

Sga mal denkst du dir den Unsinn aus? Das ist doch vollkommener Quatsch.

Der AG ist sowohl für Sicherheitsunterweisungen als auch für persönliche Schutzausrüstung zuständig. Es war ein Arbeitsunfall. Die BG zahlt und wird sich mit eventuellem regress an den AG halten.

Kommentar von DerITSupport ,

Schönen dank, dass du wiederholst was ich sage aber was hat das für einen Mehrwert?

Der AG muss die Sicherheitsunterweisungen durchführen. - Er muss für die Utensilien aufkommen.

Es ändert alles nichts an der Tatsache, dass man als denkender Mensch, keine Tätigkeiten vollführt, für die man keine Ausrüstung hat. Mehr war in meiner Aussage nicht verpackt.

Das ich dem AG Recht geben will lest ihr möglicherweise beide zwischen den Zeilen, steht so aber nicht drin.

Wenn du Gemüse für einen Auflauf schneiden sollst (AG gibt Anweisung) und du danach den Auflauf aus dem Ofen holst (AN arbeitet eigenständig weiter) obwohl dein AG sagte, gibt keine Ofenhandschuhe (Ausrüstung fehlt), greifst du dann in den Ofen?

Selbst wenn er es gesagt hat, packst du dann diese verdammt heiße Auflaufform an? Oder sagst du Tut mir leid Meister, aber das mache ich 100% nicht ohne meine Ausrüstung!

Selber denken hilft oft weiter...

Oder richtig lesen....

MfG. der sich nun raushaltende IT-Support

Kommentar von AalFred2 ,

Abgesehen davon, dass dein heisser Schüssel Vergleich schon nicht mehr hinkt sonder einbeinig daher kommt, triffst du eine Schuldzuweisung an den AN als Antwort auf die gestellte Frage. Oder wolltest du die Frage gar nicht beantworten, sondern nur deine Weltsicht verkünden?

Kommentar von bergquelle72 ,

so einfach ist das nicht.

da sind viele Dinge zu berücksichtigen.

z.B. Er ist Anfänger in diesem Job. Hat er bereits eine Sicherheitseinweisung bekommen ? Wenn ja, wurde auf die Sicherheitsschuhe hingewiesen. Gibt es öffentlich ausgehängte Sicherheitsregeln , die er kennen konnte ?, hat er selbst auf die fehlnden Sicherheitsschuhe hingewiesen ?, wie wurde sein Hinweis beantwortet ?, ... und vieles mehr ...

Kommentar von emib5 ,

Deine hier dargestellte Ansicht widerspricht der laufenden Rechtssprechung auf dem Gebiet.

Ja, theoretisch hätte er "Nein" sagen müssen. Aber gerade in der Probezeit kann ein solches "Nein" schnell den Arbeitsplatz kosten.

Und das wissen auch die Richter und sehen die (Mit)schuld des Verunfallten regelmäßig als nicht gegeben oder vernachlässigbar klein an.

Antwort
von Kandahar, 61

Natürlich bist du im Vorteil.

Dein Arbeitgeber hat seine Fürsorgepflicht und die Sicherheitsvorgaben verletzt, in dem er dir nicht die vorgeschriebene Arbeitskleidung zur Verfügung gestellt hat.

Er wird eine Menge Ärger deswegen bekommen.

Kommentar von bergquelle72 ,

Was mag das bedeuten "Natürlich bist Du im Vorteil."

Wie kann jemand mit einem zerquetschten (???) Fuß einen Vorteil haben ??

Kommentar von Interesierter ,

Was soll der Blödsinn? Ist es ein Vorteil für den Beschäftigten in der Probezeit, wenn sein Arbeitgeber eine Menge Ärger bekommt?

Wohl eher nicht. In der Probezeit ist der Fragesteller immer in der schwächeren Position, da er ohne Angabe von Gründen gekündigt werden kann.

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Ist es von Vorteil für den Beschäftigten wenn er (durch Mißachtung der Sicherheitsvvorschriften durch den AG) nun ein Verletzung (in unbekannter Höhe) zu ertragen hat?

Hier ist die Probezeit und Kündbarkeit in den Hintergrund zu stellen.....wobei es immer ein Licht auf den AG wirft wenn er in dieser Situation eine Kündigung ausspricht.

@bergquelle

Der Vorteil bezieht sich auf den Versicherungsschutz durch die BG, dies ist ein realer Vorteil für den Verunfallten.

Kommentar von LouPing ,

Hey Ursusmartimus

Die BG wird sehr unangenehme Fragen stellen, dem AG und dem AN.

Grobe Fahrlässigkeit im Arbeitsschutz hat Konsequenzen für beide Seiten. Die BG kann sich teilweise weigern bestimmte Kosten zu tragen(z.B. Reha, Unfallrente) und dem AG drohen Vertragsstrafen.

Ich als AG kenne das Kleingedrucke einer BG-Versicherung. 

Kommentar von Lokicorax ,

Offenbar kennst du dich nicht so gut im Versicherungsrecht aus - wo steht es den geschrieben, dass Kosten verweigert werden dürfen? Quelle??

§ 7 SGB VII Begriff

(1) Versicherungsfälle sind Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.

(2) Verbotswidriges Handeln schließt einen Versicherungsfall nicht aus.

 

Kommentar von emib5 ,

Scheinbar hast Du das "Kleingedruckte" er nicht verstanden. Zumal es eigentlich kein "Kleingedrucktes" bei der BG gibt.

Grobe Fahrlässigkeit hat in dem Fall nur Konsequenzen für den AG, nicht für den Verunfallten. Und die BG wird sich auch im Falle der groben Fahrlässigkeit des AG nicht weigern bestimmte Kosten zu tragen.

Dem AG drohen auch keine Vertragsstrafen, sondern wenn, dann Regressnahme.

Antwort
von emib5, 10

Du bist hoffentlich beim Durchgangsarzt (D-Arzt) gewesen (kann auch im Krankenhaus gewesen sein) und hast angegeben, dass es ein Arbeitsunfall war. Wenn nicht, dann solltest Du das schnellstens tun.

Dann musst Du erst mal nichts weiter tun. Um die Heilbehandlung kümmert sich die BG.

Wegen der Sicherheitsschuhe musst Du Dir keine Sorgen machen. Der Arbeitgeber hätte diese stellen müssen.
Deine Ansprüche gegen die BG werden dadurch nicht geschmälert.

Ich hoffe, dass der Fuß nur gequetscht und heilbar ist, und nicht wirklich zerquetscht.

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