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Arbeitsrecht: Verhalten am Arbeitsplatz

gefragt von Thursday am 18.07.2009 um 14:08 Uhr

Mein Problem ist ein wenig speziell Als Techniker einer Zulieferfirma installiere ich auch im Ausland Motoren und Regelungen für unseren Kunden, der Zeitungsdruckmaschinen herstellt. Aufgrund meiner mangelhaften Ausbildung durch meine Firma und die besondere Situation vor Ort (Termindruck, pers. Abneigungen, Versuch von Zahlungskürzungen etc.) stehe ich hier alleine einer Gruppe von Mitarbeitern unseres Kunden gegenüber und bin sozusagen zum „Spielball finsterer Mächte“ degradiert. Umso wichtiger ist es für mich, dass ich mich korrekt verhalte, zumal ich ja keine Zeugen benennen könnte. Nun kommt es durchaus vor, dass man dort angeschrien oder Baustelle verwiesen wird und möchte gerne wissen, wie ich mich Deiner/euerer Meinung nach in solch einer leider nicht hypothetischen Situation am besten verhalten sollte.


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anonym
beantwortet von Flamel am 19. Juli 2009 12:57
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Hilfreichste Antwort

Der AG hat in diesem Fall die Möglichkeit der Kündigung durch Minderleistung. Die Kündigung erfolgt in diesem Falle meist betriebsbedingt und er kann das mit "Midnerleistung" auch rechtlich begründen. Seit das neue Kündigungsschutzgesetz 2004 Einzug gehalten hat, ist der AG in verschiedenen Kündigungspunkten im Vorteil. Sie trifft die Beweislast, dass Ihr AG Sie eigentlich nicht kündigen dürfte. Ebenso ist es inkorrekt, dass die alleine Ausbildung beim AG liegt. Rechtlich sind Sie - leider Gottes - dazu auch privat veranlasst alles mögliche zu tun um Arbeitsplatzsicherung zu betreiben. Dazu gehört ebenso auch die Fortbildung. Ich rate Ihnen zunächst, wenn Sie sich mit best. Technologien beim Kunden nicht auskennen melden Sie dies schriftlich dem AG (E-Mail, Fax, etc.) mit der Bitte um Kurzschulung. Damit zeigen Sie erst mal, dass Sie sich mit der Problematik beschäftigen und Interesse an Fortbildung zeigen. Weiter sollten Sie sich z.B. per Fernstudium einen Kurs zur Weiterbildung heraussuchen. Das zeigt, das Sie beruflich weiterkommen wollen. Informieren Sie auch Ihren AG darüber. Vielleicht gibt es dort eine Beteiligung an den Lehrgangskosten. Eine Verhaltensweise beim Kunden ist: immer diplomatisch sachlich bleiben. Laut werden hilft Ihnen nicht. Wenn Sie lautstark beschimpft werden, so filtern Sie lediglich die Information und ignorieren Sie die Lautstärke. Weisen Sie darauf hin, dass man über alles reden kann und suchen Sie das ruhige Gespräch. Das klappt nicht immer, aber nach einiger Zeit und Übung wird es besser gehen. Bitte bedenken Sie: den Kunden oder Vorgesetzten anzuschreien kommt einer Beleidigung gleich und ist ein Grund zur fristlosen Kündigung.

Kommentar von Thursday am 19. Juli 2009 17:09

Vielen Dank für die ausführliche und wohl leider auch realistische Einschätzung. Mein Vorgesetzter hat mehrfach vage eine Schulung (irgendeine) in Aussicht gestellt. Natürlich habe ich mir Fachbücher besorgt, Internetrecherche und auch über Beziehungen ein wenig Fachunterricht extern genossen. Die entscheidenden Zusammenhänge sind allerdings firmenspezifischer Natur. Ich habe meinem Vorgesetzten gemailt, dass ich mir das Recht vorbehalte, die Baustelle im Falle einer verbalen Attacke für diesen Tag zu verlassen aus sicherheitstechnischem Grund; das entspricht meinem tatsächlichen Zustand und schliesslich arbeite ich auch an Starkstrom. Im Zustand reduzierter Konzentrationsfähigkeit kann das tödlich enden.

Kommentar von Flamel am 22. Juli 2009 12:14

Prinzipiell lese ich aus Ihrerm Kommentar, dass die Unzufriedenheit über die aktuelle berufliche Situation überwiegt. Ich rate Ihnen daher, solange weiter zu machen wie es geht und sich im Laufe der Zeit woanders zu bewerben. Auf Baustellen herrscht mitunter ein rauher Ton und auf Grund dessen eine Baustelle zu verlassen wird als Arbeitsverweigerung mit den nachrangig eintreffenden Konsequenzen gewertet. Wenn die Kollegen, Vorgesetzten und Kundenmitarbeiter den rauen Ton anschlagen, gilt für Sie erst einmal Ruhe bewaren und sich über Verbalattacken keine Gedanken zu machen. Üben Sie die Situation, in welcher Sie sich nur mit der Information Beschäftigen jedoch nicht mit der Artikulation des Gegenüber. Nutzen Sie in jedem Fall jede berufliche Weiterbildung. Schieben Sie es nicht auf die lange Bank. Fragen Sie beim Chef nach und betonen Sie die Dringlichkeit. Bücher lesen sind eine Sache, eine nachweisbare Ausbildung bzw. Seminare sind die andere. Haben Sie den Eindruck, dass man Sie loswerden möchte ? Fragen Sie sich selbst, warum dies möglicher Weise so ist und tun Sie etwas dagegen. Verbessern Sie Ihre Situation. Sie selbst sind für Ihre Situation verantwortlich. Handeln Sie !

Kommentar von Thursday am 25. Juli 2009 13:44

In der Tat bin ich stark beunruhigt, was meine Zukunft in dieser Firma angeht, bin ich doch beim Einstellungsgespräch in mehrfacher Hinsicht angelogen worden. Die Dringlichkeit meiner beruflichen Weiter-bildung habe ich an meinen Vorgesetzten weitergegeben. Sie war ihm überdies zu jedem Zeitpunkt bekannt. Ein Lichtblick ist ein ehemaliger Vorgesetzter, der sich bereit erklärt hat, mir fachlich weiterzuhelfen. Dies geschieht dann vermutlich auf privater Basis. Meine Entbehrlichkeit hat mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der allmählichen Wiedereinbindung eines ehemaligen Mitarbeiters stark zugenommen. Ich versuche jedoch, einen klaren Kopf zu bewahren und mich soweit das geht unauffällig und loyal zu verhalten. Natürlich sehe ich mich auch intensiv am Arbeitsmarkt um. Leider habe ich mit 50 Jahren und drei Monaten Kündigungsfrist vermutlich nicht allzu große Chancen. Vielen Dank für Ihre fundierten und engagierten Beiträge.


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Duque
beantwortet von Duque am 18. Juli 2009 14:11
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mit Deinem Chef reden und die fehlende Bildung in einer Schulung nachholen. Dem Chaf sagen, Du benötigst dies im Sinne seiner Kunden und Firma.

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 15:13

Mein Chef kennt die Situation. Er ist eher ein Teil des Problemes. Unsere Abteilung besteht in erster Linie aus ehemaligen Mitarbeitern, Du verstehst?


anonym
beantwortet von chicaBlue am 18. Juli 2009 14:10
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Ist da Mobbing im Spiel? Spreche deinen Vorgesetzten gezielt und sofort darauf an.

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 15:12

Mobbing wäre zuviel gesagt, eher ein traditionell schlechtes Betriebsklima. Mein Vorgesetzter verschärft diese Situation eher noch durch unrealistische Vorgaben.

Kommentar von chicaBlue am 18. Juli 2009 19:25

Arbeitsstelle wechseln.

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 19:50

Komisch. Daran habe ich auch schon gedacht. Trotzdem danke


hajottka
beantwortet von hajottka am 18. Juli 2009 14:13
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Das Hauptproblem ist die mangelnde Fortbildung. Mach Deinem Chef die Situation klar und versuche, ihm zu vermitteln, dass dies nur zu Reibungs-, Zeitverlusten und Kundenunzufriedenheit führt. Du mußt auf der Baustelle mit Deinem Fachwissen den Ton angeben können. So stehst Du doch wie ein Trottel da!

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 15:16

Das ist sicher ein wichtiger Ansatzpunkt, zumal wir alle dieses Jahr nicht allzu viel zu tun haben. Aber allen bisherigen Mitarbeitern, mit denen ich bisher sprechen konnte, wurde eine gründliche Einarbeitung bisher vorenthalten. Friß oder stirb.


clauzito
beantwortet von clauzito am 18. Juli 2009 14:16
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Da das vor ort scheinbar nicht zu regeln ist solltest du deinem chef und falls vorhanden betriebsrat darüber berichten mit der bitte, daß sich die jeweiligen firmenleiter kontaktieren und abhilfe schaffen. Dazu gehören natürl. auch schulungsmaßnahmen für dich. Oder mußt du befürchten, daß dann jemand anderes deinen (sicher mit extra zahlungen verbundenen) job übernehmen könnte?

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 15:17

In der Tat wird die Situation dadurch verschärft, dass ein langjähriger Mitarbeiter, der in eine andere Abteilung gewechselt ist, jetzt, da dort auch wenig zu tun ist, wieder bei uns eingeführt wird


Popeija
beantwortet von Popeija am 18. Juli 2009 14:17
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Wenn man der Spielball zwischen Kunden und Arbeitgeber ist, ist es immer eine schwierige Situation. Ich würde versuchen so wertfrei wie möglich mit deinem Chef über die Situation zu reden, berichte was vorgefallen ist. Sprich genau an, welche Probleme vor Ort regelmäßig entstehen und lass deinen Chef die Lösung zu weiterer Schulung aussprechen. Zur Not musst du in solchen Situationen auf deinen Chef verweisen, bevor du einen Fehler machen kannst und als Sündenbock herhalten musst. Manche Vorgesetzten wissen nicht einmal was sich beim Kunden abspielen kann und sind über jede Information froh (Zufriedener Kunde = Gute gelaunter Chef).

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 15:20

Das ist auch meine Absicht. Ich versuche, mögliche negative Entwicklungen vor Ort weitgehend wertfrei an ihn weiterzugeben. Auch, wenn ich weiß, dass es ihn nicht interessiert, muß ich nachweisen können, dass er darüber bescheid wußte.


lenzing42
beantwortet von lenzing42 am 18. Juli 2009 14:21
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Du solltest mit deinem Arbeitgeber sprechen.

Es kann doch nicht sein,dass du als Techniker des Lieferanten von den Mitarbeitern des zu beliefernden Betriebes runtergemacht wirst.

Unter normalen Umständen sollte es so sein,dass du als der Fachmann des Lieferanten den anderen bei der Montage und Einrichtung Anweisungen und Einweisungen erteilen solltest und die Firma sich glücklich schätzen sollte,so einen hervorragenden Techniker zur Seite stehen zu haben.

Kommentar von Thursday am 18. Juli 2009 15:24

Danke für die Blumen. Apropos Arbeitgeber: mein Vorgesetzter bekommt seinerseits einen neuen Vorgesetzten, der einen weit besseren, ruhigen und ausgeglicheneren Eindruck macht als sein Vorgänger. Ich fürchte aber, er wird sich unserem "tollen" Management auch anpassen müssen. Mal sehen was wird.


anonym
beantwortet von sanbrasil am 19. Juli 2009 11:57
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Vielleicht ist dein Chef nicht klar, dass du da draußen DIE Firma in Person bist, und somit musst du gut ausgebildet sein, um die Firma zur besten Zufriedenheit der Kunden/Lieferanten zu vertreten. Vielleicht wäre ein oder mehrere Gespräche, auch in Anwesenheit von neuem Chef vom Chef, notwendig? Es gibt übrigens Weiterbildungen die vom Arbeitsamt/ESF Fonds zum größten Teil für Fachkräfte übernommen werden. Melde dich beim Arbeitsamt und frage danach.

Kommentar von Thursday am 19. Juli 2009 16:54

Ja, tatsächlich wird ein solches Gespräch stattfinden. Ich sehe nur keine Möglichkeit für einen Konsens, da die Voraussetzungen für eine konstrukive Zusammenarbeit fast nicht mehr gegeben sind. Keine wahrgenommene Fürsorgepflicht des AG - keine Loyalität des AN. Dummerweise bin ich im Recht, müßte aber gehen.


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