Frage von batzi20114, 71

Arbeitsrecht: Hat Angestellter in einer bayer. Gemeinde ein Recht, einen Tag in der Woche früher nach Hause zu gehen um Abendschule zu besuchen?

Hallo liebe Community,

ich hätte mal eine Frage im Arbeitsrecht. Ich bin 25 Jahre alt und Angestellter einer kleinen Gemeinde mit 20 Mitarbeitern in der Oberpfalz. Nach meiner Ausbildung dort wurde ich übernommen und arbeite seit dem nun dort. Ich würde gerne für 4 Jahre mein Abitur an einem Abendgymnasium nachholen. Dort hatte ich auch schon ein Gespräch, der Aufnahme im September steht nun nichts mehr im Wege.

Da dies ein Abendgymnasium ist, habe ich weiterhin vor, normal zu arbeiten und eben abends die Schule zu besuchen. Meine Schulzeit und meine Arbeitszeit übeschneiden sich auch nicht, außer am Donnerstag: Wir haben Kernzeit auf der Arbeit bis 18 Uhr, die Schule beginnt aber im 1. Jahr auch um 18:00 Uhr, in den anderen 3 Jahren sogar um 17:15 Uhr.

Meine Frage nun: Darf mir das generell verboten werden, wenn ich wegen der Schule beantrage, dass ich donnerstags künftig eher heim darf, z. B. um 16 Uhr? Hängt das einzig und allein von der Entscheidung des Bürgermeisters / des Gemeinderats ab? Also, meine Frage zielt eher darauf, welche Rechte ich habe, dass ich wegen der Schule die Kernarbeitszeit nicht ganz einhalten kann und NICHT, ob mein Chef mir diese "Nebentätigkeit" erlaubt oder verbietet. Wir haben Gleitzeit, ich könnte die verloren gegangene Zeit problemlos an den anderen Tagen nachholen / ausgleichen, nur die Kernarbeitszeit geht donnerstags eben bis 18 Uhr.

Normalerweise ist es bei uns in der Behörde eigentlich locker – wir haben mehrere Teilzeitarbeitskräfte oder welche, die wegen ihren Kindern kürzere Arbeitszeiten haben. Dennoch habe ich Bedenken, dass sich mein Abteilungsleiter freut, wenn ich ihm von meinem Vorhaben erzähle; denn wenn meine Zimmerkollegin um 16 Uhr nach Hause geht (sie hat eine 11-Jährige Tochter zu Hause, weswegen sie immer donnerstags um 16 Uhr gehen darf), wäre unser Büro 2 Stunden „zu“ und die Bürger müssten immer zum Abteilungsleiter, wenn sie zwischen 16-18 Uhr kommen würden. Meiner Meinung nach fände ich es eigentlich ungerecht, wenn andere Mitarbeiter bzgl. Kindern usw. die Kernarbeitszeiten nicht unbedingt einhalten müssen; ich wegen der Schule aber gar keine andere Wahl habe. Und, mit welcher Begründung könnte ich erreichen, meinen Chef zu überzeugen? Wer weiß, wo es mich in 10 Jahren hin verschlägt – ich möchte unbedingt mein Abitur machen und das ist quasi die letzte Hürde. Gibt es vielleicht sogar einen § im Gesetz, der „Bildung“ während der Arbeitszeit fördert o. Ä.?

Natürlich erwäge ich, mit unserem Bürgermeister ein Gespräch zu suchen. Aber mein Abteilungsleiter hat großen Einfluss auf ihn, deshalb würde ich gerne Argumente haben, wenn er von vorne rein „Nein“ sagen würde.

Vielen Dank für sachliche hilfreiche Antworten;mir ist die Schule wirklich sehr wichtig!

Liebe Grüße batzi20114

Antwort
von FordPrefect, 29

Ich bin 25 Jahre alt und Angestellter einer kleinen Gemeinde mit 20
Mitarbeitern in der Oberpfalz. Nach meiner Ausbildung dort wurde ich
übernommen und arbeite seit dem nun dort. Ich würde gerne für 4 Jahre
mein Abitur an einem Abendgymnasium nachholen.

Mutig, aber eine gute Idee per se.

Da dies ein Abendgymnasium ist, habe ich weiterhin vor, normal zu
arbeiten und eben abends die Schule zu besuchen. Meine Schulzeit und
meine Arbeitszeit übeschneiden sich auch nicht, außer am Donnerstag: Wir
haben Kernzeit auf der Arbeit bis 18 Uhr, die Schule beginnt aber im 1.
Jahr auch um 18:00 Uhr, in den anderen 3 Jahren sogar um 17:15 Uhr.

Das ist schlecht. Einen Anspruch auf Freistellung gibt es hier nicht, es handelt sich um eine individuelle Entscheidung des Vorgesetzten, ob eine dauerhafte Veränderung der Arbeitszeiten möglich gemacht wird oder nicht.

Meine Frage nun: Darf mir das generell verboten werden, wenn ich wegen
der Schule beantrage, dass ich donnerstags künftig eher heim darf, z. B.
um 16 Uhr?

Ja. Hier greift das Weisungsrecht des Arbeitgebers; was Du in Deiner Freizeit machst, darf den AG umgekehrt auch nicht interessieren. Du hast aber einen Arbeitsvertrag, der bestimmte Dienstzeiten entweder per vertraglicher Vereinbarung, oder (wie hier vermutlich) per Dienstanweisung festsetzt. Diese kannst Du nicht einseitig ändern, sondern nur in Form einer schriftlichen Übereinkunft mit dem AG.

Hängt das einzig und allein von der Entscheidung des Bürgermeisters / des Gemeinderats ab?

In letzter Instanz ja.

Dennoch habe ich Bedenken, dass sich mein Abteilungsleiter freut, wenn
ich ihm von meinem Vorhaben erzähle;

Das mag sein, ist aber Dein Problem. Zudem musst Du ihn ohnehin informieren, schon aufgrund der Überschneidungen.

denn wenn meine Zimmerkollegin um 16 Uhr nach Hause geht (sie hat eine 11-Jährige Tochter zu Hause, weswegen sie immer donnerstags um 16 Uhr gehen darf),

Das ist in dem Alter aber auch kein Argument. Tagesstätten nehmen ja auch keine Kinder, die älter als 10 Jahre sind. Es ist auch hier zumutbar (und wird eigentlich auch im Allgemeinen erwartet), dass ein Kind mit 11 Jahren auch mal 2 Stunden alleine sein kann (siehe Beitrag von @brennspiritus).

wäre unser Büro 2 Stunden „zu“ und die Bürger müssten immer zum Abteilungsleiter, wenn sie zwischen 16-18 Uhr kommen würden.

Das ist eine Frage der Arbeitsorganisation. Du kannst in der Tat hier nur auf dem Kulanzweg eine positive Entscheidung anstreben, wie z.B. durch Mehrarbeit an anderen Tagen etc. auszugleichen respektive Deiner Kollegin entsprechend an anderen Tagen zu ermöglichen, eher zu gehen.

Jedoch - wenn der AG hier abschlägig bescheidet, dann bleibt Dir nur der Verzicht oder die Kündigung. Einen Rechtsanspruch darauf, an bestimmten Tagen einseitig zu verkürzen, egal aus welchem Grund, gibt es hier nicht.

Antwort
von BodenseeUser, 34

Hallo,

du solltest das erstmal mit deinem Abteilungsleiter besprechen.
Wenn du die Stunden nachholen kannst kann das ja kein problem sein!

Ansonsten kannst du auch eine Arbeitszeitverringerung beantragen nach Paragraph 8 Teilzeitbefristungsgesetz, die kann aber auch abgelehnt werden. Aber du hast zumindest mal eine möglichkeit, du rutscht dann aber in ein Teilzeitvertrag auch wenn du die Stunden nur gering reduzieren willst, das kann auch zu einem geringen Einkommen führen.

Hier der Link.

http://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__8.html

Kommentar von FordPrefect ,

Stimmt - nur löst das nicht zwingend das zugrundeliegende Problem. Denn wenn sich der AG weigert, der Verkürzung an einem bestimmten Tag zuzustimmen, nutzt das dem AN ja wenig. Was hat er von weniger Arbeitsstunden insgesamt, wenn er dann trotzdem am Donnerstag bis 18:00 Uhr arbeiten muss?

Kommentar von BodenseeUser ,

Ne das bringt dann nicht viel da hast du schon Recht! 

Ich denke es wird kein weg an einem vernünftigen Personalgespräch vorbeiführen.

Antwort
von SiViHa72, 32

Du gehst das schon ganz richtig an, dass Du Dir schon im Vorfeld die richtigen Argumente suchst.

Dass Du durch Gleitzeit ausgleichenkannst ist ja schon mal ganz gt. und ich denke auch, auch Kindrlose sollten eine Möglichkeit haben, an einem (!) Tag in der Woche eher zu gehen. Zumal wir ja nicht von Pillepapp reden sondern Abendschule. Unhd ein Arbeitgeber, ein Chef sollte auch so was unterstützen.

Ich kenn leider keine §§ oder so, aber ich drück Dir die Daumen,d ass es klappt.

Und dann auch später viel Erfolg!

Antwort
von brennspiritus, 33

Du kannst nicht einfach zum Bürgermeister gehen. du musst den Dienstweg einhalten, sonst wäre der Abteilungsleiter so richtig sauer.

In Bayern gibt es nicht einmal Bildungsurlaub, daher wird das nicht so einfach. Die Volkshochschule hat in den Ferien meines Wissens geschlossen. Biete also an, dass du in den Ferienzeiten lange bleibst. Deine Kollegin schiebt das Kind vor. Mit 11 Jahren kann es auch an einem Tag mal alleine bleiben. Das ist problemlos. Selbst die Kitas und Horte enden mit dem 10. Lebensjahr des Kindes. Da würde ich diplomatisch drauf hinweisen.

Viel Erfolg


Antwort
von elektromeister, 6

http://www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/Foerderrecherche/suche.html...

Da ist explizit die Förderung durch den Freistaat beschrieben. Sogar Zuschüsse zu den Kosten der Weiterbildung sind möglich!

Wenn dass keine schlagkräftigen Argumente sind......

Gruß Uli

Antwort
von mupsel, 35

Wieso meinst du, dass du deine Arbeitszeiten einseitig ändern darfst? 

Selbstverständlich muss dein AG damit einverstanden sein - und dabei ist es egal wer bei euch wann geht. 

Du kannst ihn nur bitten, dir diesen Gefallen zu tun - kannst ihm aufzeigen, dass er davon auch was hat. (Hat er irgendeinen Vorteil davon, wenn du deine Abendschule bestehst?) .... und ihm vielleicht irgendwas im Tausch anbieten:

Dafür mach ich 2 x im Monat den Samstagdienst.... oder sowas.

Antwort
von Johannisbeergel, 28

Wenn dein Chef dir keine Teilzeitstelle einräumen möchte, dann müsstest du halt kündigen und dir woanders was suchen mit weniger Stunden oder eben anderen Arbeitszeiten. 

Antwort
von bibi110640, 5

Wie bereits beschrieben, ist klar, daß darauf kein Rechtsanspruch besteht, und auch, daß der AL nicht begeistert ist. Trotzdem ist es einen Versuch wert mit der Argumentation, daß Du ja durch die Zusatzausbildung "wertvoller" für die Behörde wirst (allerdings entsteht dem AL dann möglicherweise ein Konkurrent).

Falls es nicht gehmigt wird, überleg doch mal, ob Du die Sache trotzdem durchziehen willst und kannst, indem Du donnerstags entschuldigt die erste Stunde fehlst. Möglicherweise findest Du ja auch einen Mitschüler, der bereit ist, den Stoff der 1. Donnerstag-Stunde für Dich zu notieren und mit Dir zu wiederholen???!!!

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