Frage von CypressCreek, 34

Arbeitsrecht bei keiner Arbeit trotz anwesenheit?

Hallo, Ich habe eine Frage zum Arbeitsrecht. Ich bin Student und arbeite von daheim aus per Fernverbindung.

In meinen Arbeitsvertrag ist geregelt, dass ich 10 € die Stunde und max 45 Stunden Monatlich arbeiten darf. Es gibt allerdings keine Zeile die besagt was passiert wenn man unter oder über dieser Stundengrenze ist.

Ich habe seit 2 Monaten von meinem Arbeitgeber keine Arbeit bekommen. Das liegt daran, (was ich erst seit 1 Woche weiß) dass der Dienst für den ich zuständig bin jetzt kostenpflichtig ist und sehr wenige bis gar keine Kunden diesen Dienst mehr nutzen. Ich wurde nicht informiert über diese Änderung. Auch nicht darüber ob ich in meiner Arbeitszeit was anderes machen soll oder sonst irgendwas.

Ich habe mich trotzdem ganz normal eingeloggt auf Arbeit gewartet, nichts bekommen, und wieder ausgeloggt. Nachdem das die 2 Monate so ging habe ich mir gedacht die wollen mich kündigen und da er eh niemanden interessiert ob ich noch da bin oder nicht, habe ich über die 45 Std. gearbeitet (bis zu 70 Stunden monatlich).

Nun hat es mir gereicht und ich habe mich bei meiner Chefin gemeldet und gefragt was Sache ist. Nach langem Disskutieren und bösem Blut soll ich ihr ein Protokoll schicken was ich den letzten und diesen Monat gemacht habe. Ich habe ihr die Situation erläutert, sie hat es aber als "Über den Tisch ziehen" Situation verstanden.

Mein Arbeitsvertrag läuft in 6 Wochen aus und ich habe nicht vor dort weiter zu arbeiten.

Meine Frage: Muss ich eventuell das Geld das ich über die 45 Std verdient habe zurückgeben? Muss ich mit einer Anklage oder sonstigen Verfahren rechnen? Muss ich ihr ein Protokoll schicken, was ich die letzten 2 Monate gemacht habe? Ich habe ihr am Telefon bereits alles erklärt, aber sie wollte es trotzdem. Wer ist schuld für das nicht Melden beiderseits? Ich, weil ich keine Arbeit hatte und nur auf Bereitschaft da war oder sie, weil sie keinerlei Informationen an mich schickte oder mit mir sprach?

Ich wäre sehr dankbar für Hinweise, Links etc.

Danke

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von brromed, 20

1. Auch für sogenannte "Homeoffice"-Arbeitsverhältnisse gelten die Normen des Arbeitsrechts. Das bedeutet, der AG hat dafür zu sorgen, dass du die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung auch erbringen kannst, also Arbeit da ist. Versäumt er das, so ist es sein unternehmerisches Risiko und er schuldet dir gem. § 615 BGB ("Annahmeverzug") dennoch die vereinbarte Vergütung.

2. Wenn du mehr als die vereinbarten 45 Std. gearbeitet und hierfür vom AG bereits entsprechend Vergütung erhalten hast, hat dieser praktisch "konkludent" der Leistung dieser Überstunden zugestimmt und kann diese dann nicht mehr nachträglich zurückfordern.

3. Wer hier wen "über den Tisch ziehen" möchte ist meines Erachtens ziemlich klar. Der Nachweis deiner Tätigkeit via Protokoll ist jedoch ein legitimes Interesse des AG und somit durchaus im Rahmen des Erlaubten.

Kommentar von CypressCreek ,

Ich danke dir vielmals für die aufschlussreiche Antwort!

Antwort
von alexbababu, 27

Sorry aber diese Aussage:


Nachdem das die 2 Monate so ging habe ich mir gedacht die wollen mich kündigen und da er eh niemanden interessiert ob ich noch da bin oder nicht, habe ich über die 45 Std. gearbeitet (bis zu 70 Stunden monatlich).

kann man schon so interpretieren, als ob du deinen AG über den Tisch ziehen wolltest. Solltest du über 45 h gearbeitet haben und dein AG hatte kein Kenntnis davon, dann hast du nicht angeordnete Mehr"arbeit" verrichtet, die nicht bezahlt werden muss. 

Kommentar von CypressCreek ,

Danke für die Antwort. Ja die Stunden die ich über 45 Stunden gearbeitet habe waren eigentlich nicht in Ordnung und das ist mir klar. Allerdings stellt sich mir die Frage ob bei so einem Fall dann das Gehalt zurück verlangt werden kann? Mir ist nicht ganz klar ob der Fakt, dass sie mich bezahlt haben als Duldung durchgeht und ich deswegen nicht belangt werden kann?
Mir geht es um die Theorie. Natürlich würde ich den  Betrag über 45 Stunden bei Anfrage zurückzahlen. 

Antwort
von titlibinich, 34

Is egal ob deine arbeitstätigkeit nicht viele kunden hat. dein chef muss dich bezahlen

Kommentar von CypressCreek ,

Vielen Dank für deine Antwort. Wie ist es dann mit dem "Ohne Arbeit kein Lohn" Gesetz. Gilt Bereitschaft als Arbeit?

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