Frage von RedBullxxx777, 97

Arbeitsrecht - Überstundenabbau - Krankmeldung?

Hallo Community,

ich hab eine Frage bezüglich des Arbeitsrecht. Ich habe meine Arbeitsstelle gekündigt, habe 136 Überstunden und bin die letzte Woche meines Kündigungsfrist krankgeschrieben.

Der Arbeitsplan wurde letzte Woche geändert und ich wurde nicht eingeteilt, so dass ich meine Überstunden abbauen kann, aber ich wurde 2 Tage vorher krank.

Nochmal kurz zusammengefasst:

Wurde nicht eingeteilt um Überstunden abzubauen aber bin in diesem Zeitraum krankgeschrieben.

Darf der AG trotzdem Überstunden abziehen oder krieg ich meine Tagesstunden bezahlt, so das ich keine Minusstunden mache und mit meinen 136 Überstunden aussteige?

Danke im voraus für eure Antworten.

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Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 61

Sorry, ich kann meinen "Vorrednern" nicht zustimmen. Die Antworten sind leider falsch.

Wenn im Arbeits-/Schicht-/Dienstplan keine Arbeit geplant ist weil der AN Überstunden "abbummeln" will/soll, bekommt er während einer Arbeitsunfähigkeit diese Tage/Stunden auch nicht bezahlt.

Hier gilt das Lohn- oder Entgeltausfallprinzip. Danach muss ein AN, sollte er krank werden, so bezahlt werden als hätte er gearbeitet. Die Krankheit muss der ursächliche Grund sein, dass keine Arbeit geleistet werden kann.

Im Fall des Freizeitausgleichs ist aber keine Arbeit geplant, also wird auch kein Entgelt geleistet. Sollte es in einem anwendbaren Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag keine anderslautende Klausel geben (was ich vermute), gilt die gesetzliche Regelung und die Überstunden werden im Freizeitausgleich trotz Krankheit abgezogen.

Urlaub ist eine Ausnahme. Da ein AN während einer Krankheit nicht in der Lage ist Urlaub zu nehmen, werden Urlaubstage dann nicht abgezogen.

http://www.dresdner-fachanwaelte.de/index.php/rechtsgebiete/arbeitsrecht/aktuell...

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Hallo, danke für die Aufklärung. 

Aber was ist wenn der Arbeitsplan umgeändert wurde, nachdem die Krankschreibung abgegeben wurde und erst im Krankheitsfall die Anordnung kam Überstunden “abzubummeln“ und die Folgebescheinigung eingereicht wird? 

Ein Beispiel um es verständlicher zu machen:

Mo, Di, Mi gearbeitet 

Do Einreichung des Attest bis nächsten Donnerstag, am selben Tag die Anordnung das man für die Tage nach der Krankheit [in dem Fall noch Fr, Sa, Mo, Di und Mi (Austritt)] Überstunden abbummeln wird, aber die Folgebescheinigung 

Darf der AG trotzdem Überstunden abziehen? 

Kommentar von Hexle2 ,

Wenn ein Schichtplan mit Überstundenabbau feststeht und der AN dann krank wird, werden die Überstunden (wie gesagt) abgezogen.

Steht der Schichtplan ohne "Überstundenfrei", der AN wird krank und der AG ändert daraufhin den Schichtplanplan und trägt Freizeitausgleich ein, geht das selbstverständlich nicht. Dann muss der AG den AN nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz bezahlen und darf keine Stunden verrechnen.

In Deinem Fall hat der AG die freien Tage erst geschrieben als feststand, dass Du krank bist. Wenn nicht schon vorab über den Freizeitausgleich gesprochen wurde, kann man dem AG hier unterstellen, dass er so die Auszahlung der Überstunden sparen wollte.

Stand aber vorher schon fest (auch ohne Arbeitsplan), dass Freizeitausgleich genommen werden soll oder der AG hat den AN bis zum Ende der Kündigungsfrist freigestellt, dürfen die Überstunden abgezogen werden.

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Also wenn ich heute die Folgebescheinigung einreiche, da ich noch nicht 100% auskuriert habe, für die restlichen Tage bis Mittwoch (bis zu meinem Austritt), darf der AG keine Überstunden abziehen, richtig? 

Wenn ich das so richtig verstanden habe und die Überstunden trotzdem abgezogen werden, dann werde ich nicht um ein Gericht umkommen wahrscheinlich.

War sehr hilfreich, vielen Dank für den Aufwand! 

Kommentar von Hexle2 ,

Wenn Du dem AG nachweisen kannst, bzw. er nicht widerlegen kann, dass Du ohne Krankheit gearbeitet hättest, darf er die Stunden nicht abziehen.

Im Nachhinein, wenn man weiß, dass der AN arbeitsunfähig ist, Überstundenabbau einzutragen geht nicht. Da ist ja offensichtlich dass der AG sich um die Auszahlung drücken will.

War der Abbau geplant, ist die Verrechnung der Überstunden rechtmäßig.

Es muss halt alles beweisbar sein (gilt für beide Seiten)

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Ok, eine allerletzte Frage noch. Das einzige was ich nachweisen kann ist, wann ich die Arbeitspläne erhalten habe, wann ich die Krankbescheinigung eingereicht habe und wann mir Überstundenabbau angeordnet worden ist. Allerdings das ganze nur durch Whatsapp. 

Ist zwar schriftlich aber ist es auch ausreichend? 

Nochmal danke und einen schönen Tag noch! :)

Kommentar von Hexle2 ,

Ist zwar schriftlich aber ist es auch ausreichend? 

Du hast einen Beweis den der AG nicht widerlegen kann.

Bevor Du zum Arbeitsgericht gehst weil der AG die Überstunden nicht bezahlt, solltest Du ihn allerdings auf die Rechtslage hinweisen und Dein Geld fordern.

Zum Arbeitsgericht geht man dann, wenn man den AG schriftlich zur Zahlung aufgefordert und ihm eine Frist gesetzt hat,  die vom AG  aber nicht eingehalten wurde.

Wenn Du rechtsschutzversichert oder Gewerkschaftsmitglied bist, kann Dich ein Anwalt beraten und Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Ansonsten kannst Du auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen. Dort wird Dir bei der Klageformulierung geholfen und das ist kostenlos.

In der ersten Instanz ist kein Anwalt vorgeschrieben

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Ok

Danke und LG! 

Kommentar von Ernsterwin ,

Hallo Hexle2, soweit ich das erkenne, liegt beim Fragesteller genau der entgegengesetzte Fall von dem von Dir zitierten vor. Erst ist der Fragesteller erkrankt, dann wurde der Dienstplan aufgestellt. Also vergleichbar mit dem Normalfall.

Unter diesen Bedingungen müssten die Überstunden bezahlt werden - oder sehe ich das falsch?

Kommentar von Hexle2 ,

@Ernsterwin,

geantwortet habe ich auf die Eingangsfrage und die war am Anfang nur die Hälfte. Der Text dass vor der Krankheit kein Überstundenabbau geplant war (die Zusammenfassung), kam erst später.

Wie Du an den folgenden Kommentaren siehst, hat sich meine Antwort mit zunehmenden Informationen verändert.

Es ist immer "blöd", wenn Fragen im Nachhinein verändert, erweitert werden. Da passt dann die eine oder andere Antwort nicht mehr. In diesem Fall stimmt wenigstens das Ergebnis. 


Unter diesen Bedingungen müssten die Überstunden bezahlt werden - oder sehe ich das falsch?

Nein das siehst Du richtig, deshalb auch meine entsprechenden Kommentare.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Krankheit, 66

Hallo RedBullxxx777,

soweit ich weiß, müßtest Du sie bezahlt bekommen.

Du solltest nicht arbeiten, um Überstunden abzubauen. Jetzt bist Du krank. Also müßte der normale Arbeitslohn im Krankheitsfall bezahlt werden sowie die Überstunden, die Du nicht abbauen konntest. Bin aber kein Anwalt.

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht könnte es Dir genauer sagen. Oder, falls Du drin bist, die Gewerkschaft. Oder der Betriebsrat.

LG

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Wenn ich auf meinen Austritt warte um zu sehen ob mein Arbeitslohn bezahlt bzw ob überstunden abgezogen wuden und dann einen Anwalt aufsuche, wäre es nicht zu spät oder?

Kommentar von Buddhishi ,

Nein, kein Problem. Vorher geht es ja eh nicht. LG u. alles Gute

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Danke u Grüße zurück :)

Kommentar von Buddhishi ,

Hallo, Du hast es sicher schon gemerkt. Ich habe mich leider geirrt, also höre nicht auf mich, sondern auf Hexle2. LG

Kommentar von Familiengerd ,

Bin aber kein Anwalt.

Darum ist Deine Antwort auch (leider) auch falsch - siehe die richtige Antwort und die Kommentare von Hexle2!

Kommentar von Buddhishi ,

Danke für Deinen netten Kommentar :)

Habe mir die richtige Antwort von Hexle2 durchgelesen und freue mich, wieder etwas dazugelernt zu haben. LG

Antwort
von Spediteur1953, 15

Nein darf er nicht, ich hoffe ihr habt ein ordentliches Arbeitszeitkonto und er hat die Überstunden bestätigt?

Antwort
von Farmer00, 66

Hallo, liegt dem AG ein schriftliches Attest für die Zeit der Krankheit vor?

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Ja wurde abgegeben

Kommentar von Farmer00 ,

Hallo,

dann hast du das Recht auf die Auszahlung der Überstunden, wenn sie offiziell vom AG anerkannt wurden. Wenn du die Überstunden beweisen kannst(Stundenzettel,etc.), hast du das Recht darauf. Das schlimmste, was passieren könnte wäre ,dass das Ganze vor Gericht kommen könnte, aber selbst dann hat der Arbeitgeber wenig Chancen.

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Ok danke, weil im Prinzip ist es doch mit Urlaub vergleichbar oder?

Hat man eine Woche Urlaub genommen, aber wurde in dieser Woche krank, dann werden die Urlaubstage auch nicht gestrichen. 

Kommentar von Farmer00 ,

Das ist die Theorie, aber ich habe erst letztens in den Nachrichten gehört, dass über 80% der Arbeitnehmer, die im Urlaub krank wurden, ihre Urlaubstage nie zurückgefordert haben. Und einige Arbeitgeber drohten sogar den Arbeitnehmern mit der Kündigung, insofern sie die Urlaubstage rechtlich zurückforderten. Aber du solltest darauf bestehen!!!

Kommentar von RedBullxxx777 ,

Aufjedenfall. Da ich eh gekündigt hab kann mir in der Hinsicht nichts passieren. 

Ich werde die Woche abwarten, dann meine Arbeitsstelle besuchen um meinen Wochen Report (wöchentlich gearbeitete Stunden, überstunden etc werden darin festgehalten) zu unterschreiben. 

Wollte mich nur vergewissern bzw mehr Einblick haben, dass ich vom AG nicht “abgezogen“ werde um weniger Geld zu kriegen.

Danke und schönen Abend :)

Kommentar von Familiengerd ,

Ok danke, weil im Prinzip ist es doch mit Urlaub vergleichbar oder?

Nein, ist es nicht: das Verfahren ist beim Urlaub anders als beim  Überstundenabbau.

Wenn Urlaub genehmigt ist, und Du wirst dann krank, bleibt der Urlaubsanspruch bestehen.

Ist ein Überstundenabbau vereinbart (z.B. im Dienstplan festgelegt), und Du wirst krank, sind diese Überstunden für Dich verloren; nachträglich (nach Beginn der Erkrankung) darf selbstverständlich ein Dienstplan nicht mit "Überstundenabbau" geändert werden!

Ausführlich hat das Hexle2 in ihrer korrekten Antwort und ihren Kommentaren richtig und ausführlich erläutert.

Die Antworten von Farmer00 und Buddhishi sind falsch!

Kommentar von Familiengerd ,

@ Farmer00:

dann hast du das Recht auf die Auszahlung der Überstunden

Das ist falsch, wenn der Überstundenabbau vereinbart war und dann der Arbeitnehmer in dieser Zeit erkrankt.

Hier wird anders verfahren als im Fall von Urlaub.

Siehe dazu die richtige Antwort und die Kommentare von Hexle2!

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