Frage von malcolmy, 42

Arbeitslosenquote und verfügbare Arbeitsstellen, wie soll das funktionieren?

Hallo!

Leider hat mir das Internet nicht weiter helfen können. Das Recht auf Arbeit spricht von freier Berufswahl und Sicherung der Menschenwürde. Mir kommt es im Leben vor, als müsse man dem Umfeld nachgehen, welches einen ständig zu etwas zwingt und bei Fragen wie >Hast du Arbeit? Nein? Du musst arbeiten, sonst bist du nichts wert< oder >Wo arbeitest du? Aha? Wieviel verdienst du?< , >Was Sozialhilfe, seit wann? Geh arbeiten!< usw., ich ständig einer subjektiven Menschen-Bewertungsskala ausgesetzt bin,die mit vielen Vorurteilen behaftet ist, und die mich dann Sachen hinterfragen lässt, wie zb. auf was es in dieser Gesellschaft überhaupt ankommt? Auch heute habe ich mich gefragt, was genau die Zukunft bringt, wenn es vielfach mehr Arbeitslose als Arbeitsstellen gibt. Wohin führt uns dieses System? Warum sollen alle arbeiten gehen, wenn nichtmal diese Stellenanzahl zur Verfügung steht? Es werden doch immer mehr Arbeitsstellen durch automatisierte Robotersysteme wegrationalisiert, oder nicht? Bitte um Info und um Entschuldigung, falls ich durch Informationsmangel zu einer Ansicht gekommen bin, die nicht den Tatsachen entspricht.

Antwort
von Suboptimierer, 42

Hmm, du hast ein Problem erkannt, mit dem wir zu kämpfen haben, nämlich die hohe Arbeitslosigkeit. Eine Lösung gibt es hierfür nicht und jeder muss für sich versuchen, das beste daraus zu machen.

Antwort
von SupraX, 29

Der Deutsche definiert sich und seinen Wert überwiegend (anders als in manchen anderen Ländern) über Vermögen und Ansehen des Arbeitsplatzes. Der Arzt mit Strandhaus hat viel mehr ansehen als der arme Handwerker, obwohl beide hart für ihr Geld arbeiten. Der Müllmann (obwohl er einen harten und auch durchaus gut bezahlten und sehr wichtigen Job macht) ist im Ansehen bekanntlich sehr weit unten.

Das hat nun zur Konsequenz, dass jeder nur noch einen Top-Job haben will. Jeder will Abitur machen und studieren (egal ob er dafür eigentlich geeignet ist oder nicht). Viele Berufe (vor allem im kaufmännischen Bereich) sind restlos überlaufen, während andere Berufszweige wiederum verzweifelt nach Leuten suchen und keine finden, weil das einfach keiner machen will. Und so wirklich hart arbeiten (auf dem Bau z.B.) will ja eigentlich auch noch kaum einer.

Dann gibt es noch die wachsende Gruppe der für den Arbeitsmarkt einfach völlig unbrauchbaren Intelligenzbestien (die Sorte: Ey, Alda, ich weis nicht wo Deutschland auf der Karte liegt oder was die Hauptstadt ist und ich bin voll Stolz drauf, ey), auch wenn diese einen sehr geringen Teil ausmachen.

Ein echtes Problem aber sind die Leihbuden (Zeitarbeit). In Deutschland hat man ein sehr gutes System zum Schutz und zur Absicherung der Arbeitnehmer aufgebaut. Dieses wird durch diese Leihubden immer mehr ausgehebelt. Es ist verständlich, dass viele gut ausgebildete Fachkräfte nicht bereit sind sich für Dunpinglöhne ausbeuten zu lassen, während die ZA sich die Taschen voll macht und der Arbeitgeber einen wie Dreck behandeln kann, weil man einfach sofort wieder gekündigt wird wenn man nicht spurt. Viele Stellen sind schon da, nur hocken da die ZAs drauf und keiner der nicht unbedingt muss (weil z.B. das Amt ihn dazu zwingt) nimmt sie an.

Das Problem an sich ist also wesentlich komplexer als einfach nur "es ist halt nicht genug Arbeit für jeden da, deswegen habe ich halt keine". Der aktuelle Arbeitsmarkt ist sehr schwierig und ohne Arbeit zu sein ist nichts wofür man sich schämen muss, sofern man sich Mühe gibt die Situation zu ändern und dabei auch mal über den Tellerrand hinaus schaut.

Kommentar von malcolmy ,

"es ist halt nicht genug Arbeit für jeden da, deswegen habe ich halt keine" das war nicht meine frage. meine frage war, es gibt um ein vielfaches mehr arbeitslose als angebotene arbeitsstellen, wie soll das funktionieren? und wieso soll jeder arbeiten? ich kann allen arbeitslosen eine schaufel in die hand geben und ein loch graben lassen und wieder zuschaufeln lassen, arbeit findet man, aber was hat das für einen nutzen für die gesellschaft?

Kommentar von SupraX ,

Dann habe ich deine Frage tiefsinniger eingeschätzt als sie tatsächlich ist.

Das Recht auf Arbeit umfasst nur das Recht bei freier Berufswahl und unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten zu dürfen und eine Absicherung bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit. Es garantiert aber keinen Arbeitsplatz.

Es schadet einer Gesellschaft wie unserer nicht, wenn nicht alle arbeiten. Im gewissen Sinne ist das auch gut, denn wenn sowieso jeder einen absolut sicheren Arbeitsplatz hätte, wozu soll man sich dann Mühe geben? Richtig ist, das Missverhältnis zwischen (vernünftigen) Stellen und Arbeitslosen wird immer größer. Die Gründe habe ich ja bereits oben versucht aufzuzählen.

Ansätze den Langzeitarbeitlosen einfach eine Schaufel in die Hand zu drücken damit sie etwas für die Gesellschaft tun gab es ja schon (z.B. die 1€ Jobs). Diese lösen natürlich solche Probleme nicht.

Kommentar von malcolmy ,

Ich finde diese Gründe sehr Oberflächlich geschrieben, also es erklärt mir nicht den Kern der Dinge. Sehr viele Verallgemeinerungen ohne auf die wahren Bedürfnisse und Hintergründe der Menschen einzugehen

"Wenn jeder einen sicheren Arbeitsplatz hätte, wozu soll man sich dann die Mühe machen?"

Also es wird den Menschen ein unsicheren Gefühl suggeriert, damit sie Angst um ihren Job und dadurch vielleicht auch noch Geldsorgen bekommen, um aus Angst, die nötige Motivation für die erforderliche Arbeit zu generieren, sehe ich das richtig?

Kommentar von SupraX ,

Dann verstehe ich leider nicht was genau jetzt das Ziel bzw. der Sinn deiner Frage ist. Was ist denn für dich der Kern der Dinge? Und warum soll ich jetzt plötzlich auf die Bedürfnisse und Hintergründe eingehen? Ging es dir nicht darum, warum es mehr Arbeitslose als Arbeitsstellen gibt und wie das funktionieren soll? Die Arbeitsplätze gibt es so oder so nicht, da ist der Hintergrund der Leute doch egal, oder nicht?

Also es wird den Menschen ein unsicheren Gefühl suggeriert, damit sie  Angst um ihren Job und dadurch vielleicht auch noch Geldsorgen bekommen, um aus Angst, die nötige Motivation für die erforderliche Arbeit zu generieren, sehe ich das richtig?

Das ist das, was tatsächlich in der Realität immer öfter passiert. Immer mehr Menschen sind bereit viele Abstriche zu machen und lassen sich viel gefallen nur um überhaupt eine Arbeit zu haben/ihre Arbeit zu behalten.

Das ist aber nicht das, was ich damit gemeint habe. Mir ging es mehr um den Aspekt, dass es keinen Grund mehr gäbe sich irgendwie zu bemühen (einen guten Schulabschluss zu schaffen, sich weiterzubilden, gute Leistungen in der Arbeit zu erbringen) wenn ich sowieso eine garantie auf einen angemessenen Arbeitsplatz habe. Eine gewisse Konkurenz ist einfach notwendig.

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