Arbeitslos, aber 350€ für Privatversicherung zahlen?

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10 Antworten

Ich gehe stark davon aus, dass die Tochter zu Studienzeiten sich hat von der Versicherungspflicht befreien lassen. Als Folge davon - und als Resultat des Umstandes, dass sie seither keine versicherungspflichtige Tätigkeit im europäischen oder außereuropäischen Ausland innehatte - gilt diese Befreiung unverändert auch nach ihrer Rückkehr fort. Siehe § 8 Abs. 2 SGB V. Ein Versicherungsschutz bestand daher bislang vermutlich über eine private Versicherung. In diesem Fall ist mit der Rückkehr nach D ohne Aufnahme einer sv-pflichtigen Tätigkeit kein Wechsel in die GKV möglich.

Ohne Anstellung kann sie nicht bei einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert werden.

Das ist - so pauschal formuliert - zwar nicht ganz korrekt, stimmt aber im Kontext. Selbstständige müssen sich nicht zwingend privat versichern, aber hier liegt aufgrund der Vorgeschichte keine Wechselmöglichkeit vor. Ohne Statuswechsel ist ein Wechsel des Versicherungssystems vom Gesetzgeber bewusst versperrt worden.

Also bleibt nur eine private Krankenversicherung. Dort kostet der Basistarif 360€. Kann das denn sein?

Der Basistarif ist hier nicht relevant; die genannte Summe dürfte aber etwa dem Durchschnitt in der PKV nach Alter (und inkl. der ges. PV) entsprechen.

Gibt es keine Alternative??? Eigentlich wird sie für den Freiwilligendienst "bestraft"

Nein. Sie wird nicht bestraft, sondern sie muss entweder einen SV-pflichtigen Job annehmen, oder aber wenigstens zusätzlich einen Minijob, aus dessen Einkünften sie die KV bezahlen kann. ALG2 ist hier auch keine Lösung, weil sie dadurch ebenfalls keinen Anspruch auf einen Wechsel zur GKV hätte und sich ggfs. sogar schlechter stellen würde. Siehe § 5  Abs. 5a SGB V.

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Viel Halbwissen hier in den Antworten, daher:

Man kann NIEMALS aus privater Vollversicherung in eine freiwillige Mitgliedschaft in der GKV wechseln!

Das ist vom Gesetzgeber mit Absicht so gebaut worden um das Systemhüpfen zu vermeiden.

Sie kommt in die GKV nur auf zwei Arten zurück:

  1. Sie nimmt eine versicherungspflichtige Beschäftigung mit Arbeitsentgelt von mind. 450,01 € und maximal 4.687,50 € im Monat auf (§§ 5 Abs. 1, Nr. 1 i.V.m. § 6 Abs. 1, Nr. 1 SGB V)
  2. Sie heiratet jemanden, der freiwilliges oder Pflichtmitglied der GKV ist und erzielt selber ein Einkommen von maximal 415,- € (§ 10 Abs. 1 SGB V) und kann daher familienversichert werden.

Auch ein Antrag auf ALG II löst keine Versicherungspflicht aus, da sie aktuell privat versichert ist (§ 5 Abs. 5a SGB V).

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Kommentar von beangato
07.09.2016, 14:37

... hat weder einen Job noch eine Krankenversicherung

Hast Du das überlesen?

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Teilweise hilfreich, aber ganz ehrlich - wer ist den freiwillig arbeitslos. Sie hat schon in Indien angefangen Bewerbungen zu schreiben und ist sehr verzweifelt, weil sie trotz mehr als 50 versendeter Bewerbungen noch keinen Job gefunden hat. In Brüssel könnte sie sofort wieder beider Europäischen Kommission arbeiten, aber sie möchte ja nach Deutschland. Vor dem Studium war sie mit ihrem Vater privat krankenversichert, in Holland war sie als Studentin gesetzlich versichert, in Brüssel bei einer belgischen Gesetzlichen, in Indien hatte sie eine Auslandsversicherung und als Arbeitssuchende hat sie gar nichts.

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wo und wie war sie denn letztmalig in Deutschland krankversichert - also bevor sie ins Ausland gegangen ist?

hat sie bereits eine private Krankenversicherung abgeschlossen, oder habt ihr bisher nur Angebote eingeholt?

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Hier muss erst mal geklärt werden wie sie denn im Ausland versichert war.

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"Ohne Anstellung kann sie nicht bei einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert werden."

Wieso nicht? Ich bin auch selbständig, im Moment noch nach der Kleinunternehmerregelung und bin in der gesetzlichen KV. Basistarif 264,-

" Eigentlich wird sie für den Freiwilligendienst "bestraft" ". Nein, warum? Sie war die letzten Jahre im Ausland und hat nicht in Deutschland gearbeitet, woher sollte sie dann ALG1-Ansprüche erworben haben? 

Allerdings bin ich nicht sicher, warum sie keinen ALG2-Anspruch haben sollte?

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Kommentar von kevin1905
07.09.2016, 14:25

Wieso nicht?

Weil sie aktuell privat vollversichert ist.

Aus privater KV kann nicht in freiwillig GKV gewechselt werden! Sie bleibt so lange in der PKV bis sie eine versicherungspflichtige Tätigkeit annimmt oder ein Anspruch auf Familienversicherung entsteht.

Kleinunternehmer ist ein Begriff des Umsatzsteuerrechts. Hat mit der Krankenkasse überhaupt nichts zu tun.

Allerdings bin ich nicht sicher, warum sie keinen ALG2-Anspruch haben sollte?

Das ist allerdings eine interessante Frage. Denn die Bedürftigkeit sollte zu bejahen sein.

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Sie hat doch einen prima Abschluss. Damit sollte sie einen Job finden können und wäre dann pflichtversichert.

Oder sie muss ALG II beantragen.

Oder bei einer Krankenkasse sich freiwilligversichern.

https://www.barmer-gek.de/versicherung-beitraege/beitraege/freiwillig-versicherte/beitraege-freiwillig-versicherte-9378


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Kommentar von kevin1905
07.09.2016, 14:26

Oder bei einer Krankenkasse sich freiwilligversichern.

Nein, geht nicht!

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"Sie hat doch einen prima Abschluss. Damit sollte sie einen Job finden können und wäre dann pflichtversichert.
Oder sie muss ALG II beantragen.
Oder bei einer Krankenkasse sich freiwilligversichern.
https://www.barmer-gek.de/versicherung-beitraege/beitraege/freiwillig-versichert..."

Sie muss ja erst mal einen Job finden. Das ist ja in die Wege geleitet. Aber bis dahin muss sie krankenversichert sein. Und wie bitte soll jemand, der keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat und auf Arbeitssuche ist 350€ pro Monat für eine Krankenversicherung aufbringen???

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Kommentar von FordPrefect
07.09.2016, 15:40

Aus Erspartem, Gestiftetem oder Erarbeitetem. So wie jeder andere auch. Es ist nicht Aufgabe des Gemeinwesens, jeden möglichen Lebensweg vorauszufinanzieren.

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Kommentar von kevin1905
07.09.2016, 14:25

Nein kann sie nicht, da sie aktuell privat versichert ist und das bleibt sie auch bis Versicherungspflicht nach § 5 SGB V in der GKV eintritt, bevor sie 55 wird, oder sich ein Anspruch auf Familienversicherung nach § 10 Abs. 1 SGB V einstellt.

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Wieso wird sie bestraft?

Niemand zwingt Deine Tochter selbstständig zu arbeiten.

Sobald Deine Tochter einen bezahlten Job annimmt, ist sie auch in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert.

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