Frage von Selorien, 121

Arbeitskollege will keinen Krankenwagen?

Hallo, ich bin Ersthelfer in meinem Betrieb und vor ein paar Tagen hat sich ein Arbeitskollege am Knie verletzt (irgendwas ist da gerissen). Ich habe gesagt er braucht einen Krankenwagen, aber er wollte keinen. Im Endeffekt hat Ihn jemand mit dem Privatauto gefahren. Meine Frage wäre, darf er da sagen: "Nein ich will nicht!"? Und wenn ihn jemand fährt, muss der Ersthelfer dann dabei sein? Bitte keine "Ich rate mal" Antworten sondern nur wenn ihr wisst wovon ihr redet, habe mit google nicht fündig werden können, leider.

Antwort
von hameder, 51

Als betrieblicher Ersthelfer bist Du für eine ordnungsgemäße Erste Hilfe zuständig,  was in diesem Fall evtl. Unterstützung / Hochlagerung / Kühlung des Beines und ggf. das Absetzen eines Notrufes (bei einem Bänder-Riss sicher gerechtfertigt) bedeutet.

Die Meldung eines Notfalles bei der Rettungsleitstelle (112) stellt keinen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit des Patienten dar und setzt somit auch keine Zustimmung des Patienten voraus - entbindet dich aber rechtlich von der Verpflichtung hierzu (§333c, StGB).

Ein Transport von Erkrankten / Verletzten im Privatfahrzeug ist grundsätzlich die schlechteste aller Lösungen.

Zunächst aus medizinischer Sicht, da eine adäquate Lagerung / Behandlung nicht möglich ist, und vor allem aus haftungsrechtlicher Sicht.

Der Helfer steht unter einem gewissen Streßlevel, ist evtl. nicht ausreichend aufmerksam gegenüber dem Straßenverkehr, woraus eine erhöhte Unfallgefahr entsteht. Bei einem Folgeunfall liegt dann die (strafrechtliche) Haftung beim Fahrzeugführer.

Zivilrechtlich haftet  bei einer "betrieblich angeordneten Fahrt mit dem Privatfahrzeug des Mitarbeiters" der Arbeitgeber für entstehende Schäden.

Nimm einfach folgenden (gar nicht so seltenen) Fall an.

Der Ersthelfer fährt - weil "unter Druck" - zu schnell (Radarfalle), übersieht die Vorfahrt / Ampel etc. und es kommt zum Folgeunfall mit erheblichem Sach- oder gar Personenschaden.

Strafrechtlich haftet hierbei der Fahrzeugführer (Bußgeld / Punkte etc.)
Den Schaden am Mitarbeiter-Fahrzeug und die Schäden aus der (Folge-)Verletzung des / der Mitarbeiter gingen zwar auf die Rechnung der anordnenden Firma, aber nur wenn der Mitarbeiter im Streitfall die "betriebliche Anordnung" der Fahrt auch beweisen kann!

Ob sich der Chef bei einem entsprechenden Schaden dann noch an diese Anordnung "erinnern" kann, oder ob der "anordnende Vorgesetzte" überhaupt zu dieser Anordnung berechtigt war, ist dann mindestens sehr fraglich.

Fazit:
Niemals einen Patienten selbst transportieren!
Dafür gibt es den Rettungsdienst / Krankentransport.

Kleine Wehwehchen wie "Hand verstaucht" oder "Finger gequetscht" sollten bestenfalls mit dem Taxi zum Arzt oder in die Nothilfe gefahren werden.

Antwort
von Letsplaycop, 50

Hi

Das muss du als ersthelfer abschätzen... müssen wir im sanidienst auch

Wenn es eine schwere Verletzung ist und er keinen Rettungswagen möchte, solltest du trotzdem einen rufen und die Polizei wirddann meinstens auch alamiert. Wenn der Pat. es immer noch nicht möchte ( zb Suizid versuch) wird der Amtsarzt hinzugeholt.

Aber bei der Knie verletzung kommt es ganz darauf an wie die sizuation ist. Kann niemand den Patienten fahren oder der Patient hat so hohe schmerzen oder ggf. ein Schock sollte ein RTW gerufen werden.
Ansonsten eher nicht, aber lieber einmal mehr rufen als zu wenig ;)

Ich hoffe ich konnte dir helfen, falls fragen einfach melden

Lieben Gruß

Christian

Antwort
von Medicus112, 23

Du bist Ersthelfer und trotzdem ist der Arbeitskollege in diesem Fall weiter für sich selbst verantwortlich. Ein Transport mit Rettungsmitteln ist bei so einer Verletzung sicher nicht zwingend erforderlich. Schon viele Jahre fordern die Berufsgenossenschaft so etwas nicht mehr ein.Der Zustand des Kollegen wird sich auf der Fahrt auch nicht so weit verschlechtern, daß der Rettungsdienst benötigt wird. Auch bei banalen Schnittverletzungen kann nach der ersten Wundversorgung ein Taxi zum Krankenhaus eingesetzt werden. Rechtlich und medizinisch ohne Bedenken. Aufgrund eigener Unsicherheit oder falsch verstandener Aufgaben, Rettungsmittel welche zur Abwendung schwerer gesundheitlicher Schäden und bei Lebensgefahr vorgehalten werden anzufordern, kann nicht der richtige Weg sein.

Antwort
von Zususus, 87

Wenn er sagt, dass er keinen Wagen will, dann musst du auch keinen rufen, da du sonst die Kosten übernehmen musst. Der Ersthelfer kann gehen, solange die Situation unter Kontrolle ist und wie in deinem Fall ein anderer ihn zum Krankenhaus gefahren hat. Bin gut informiert, da ich erst grade den Erste Hilfe Kurs besucht habe ;)

Kommentar von Mariusraupach ,

Man muss en scheiß die Kosten selbst tragen wenn man den Krankenwagen ruft und die Person nicht mitfahren will

Antwort
von Maximilian112, 50

Der Patient wird wohl groß genug sein um über sich selbst zu bestimmen.

Von einer Privatfahrt ins KKH würde ich eher abraten. Dafür sind Krankentransporte da und bei einem Arbeitsunfall falls es denn einer war bezahlt das die Berufsgenossenschaft.

Und die die mit dem Krankenwagen kommen sind ganz bestimmt professioneller.

Der Ersthelfer leistet seine Arbeit an der Unfallstelle. Für den Transport ist er weniger zuständig.

Antwort
von Jla112, 16

Wenn er es nicht möchte, dann bist du Freigestellt.
Auch wir vom Rettungsdienst haben oft Leute die sich verweigern mit zu kommen, weil Leute einfach anrufen, ohne vorher mit der Person gesprochen zu haben. Und um so besser, wenns mit Privat PKW geht, warum nicht? :D

Antwort
von mkakmk, 72

Wir wissen alle nicht in welchem psychischen Zustand dein Arbeitskollege lst. Ich gehe mal davon aus er hat einen gesunden Menschenverstand. Denn dann bleibt ihm ganz alleine überlassen was er möchte und was nicht, solange keine Lebensgefahr besteht. Er kann nicht zwangsweise ins KH eingeliefert werden. Ich hätte aber Trotzdem den Krankenwagen gerufen! Andere wissen manchmal nicht was sie gerade brauchen. Und wenn sich seine Verletzung verschlimmert dann bringt der Spruch "ich habs dir doch gesagt" auch nichts mehr. Immer sofort handeln wenn so etwas passiert. Denn wenn der Krankenwagen schon mal da wäre, dann wäre er sozusagen in einer Grube und würde sich schon mal vor Ort untersuchen lassen wenn sie schon mal da sind.

Alles Gute für deinen Kollegen!

Antwort
von beast, 74

Der Patient kann selbst entscheiden ob er mit dem Krankenwagen befördert werden will oder nicht. Und nein, der Ersthelfer muss bei der Fahrt nicht dabeisein. Was sollte der auch dabei?

Kommentar von Selorien ,

Damit wenn irgendwas auf dem weg zum Krankenhaus passiert halt geholfen werden kann. Es hatte sich auch mal einer übel in den Finger geschnitten, da bin ich auch mitgefahren. 

Kommentar von beast ,

Dieser Kniepatient wollte nicht dass Du mitfährst, also akzeptiere das. Wenns der Fingerpatient wollte, dass Du mitfährst, muss  es  nicht jeder andere auch wollen. Frage am Rande: Ist dem Fingerpatient sein Finger unterwegs abgefallen? Nein?  Na siehst Du... für einen Laien sieht manches viel schlimmer aus, als es in wirklichkeit ist. Und  bevor jetzt irgendetwas kommt: Ich bin Sanitäter und habe schon so einiges erlebt.... 

Kommentar von amazingjule ,

Du hast wohl nur keine Lust zu arbeiten :D

Kommentar von beast ,

ich tippe mal auf Neugierede^^ . Dumm nur, dass im KH  dann niemand anders als der Patient selber in den Behandlungsraum reinkommt ^^

Kommentar von Selorien ,

Ich frage das nur, weil es unklar war und ich wollte bei dem Kollegen der sich den Finger verletzt hatte nicht mitfahren, sondern ich sollte. Darum war ich verwirrt und wollte wissen wie es rechtlich aussieht. Tatsächlich war da wohl eine Sehne durchtrennt. Aber das mit dem "nicht arbeiten wollen" stimmt auch :P 

Kommentar von beast ,

Du hast den erste Hilfe Kurs gemacht?  Dann solltest Du wissen, dass nach dieser ersten Hilfe alles getan ist für Dich. Beide Patienten hätten Dir sogar sagen können, dass Du sie in Ruhe lassen sollst  und  sie  sich selber verarzten.

Antwort
von Fornix, 91

Meine Ausbilderin sagte immer, dass der Patient "Chef im Ring" ist. Das gilt natürlich nur solange er bei Bewußtsein ist und man nicht annehmen muß, daß er einen Schock hat und deshalb Müll redet. Aber wenn du nicht von einem Schock ausgehen mußt, trägt dann der Patient die Verantwortung alleine.

Antwort
von brummitga, 80

erstens sind Privat-Fahrten in einer solchen Situation immer ein Risiko, zweitens hast du deine Pflicht getan und einen RKW angeboten. Wenn er den nicht will, ist es seine Entscheidung. (es sei denn, es gäbe lebensbedrohliche Zustände)

Antwort
von SlightlyAnnoyed, 85

Solange du keine akute Gefahr, die lebensbedrohlich sein könnte, erkennen kannst, wird es nichts bringen einen Krankenwagen zu rufen, wenn der Mitarbeiter das nicht will. Im Zweifelsfall würde ich es mir vom Mitarbeiter unterschreiben lassen das ein Krankenwagen von dir empfohlen wurde und der Mitarbeiter es auf eigene Verantwortung ablehnt.

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