Arbeitgeberverband/Gewerkschaft/Lohn?

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3 Antworten

Nein!

Es gibt vier Situationen, in denen ein Tarifvertrag angewendet werden muss:

1. Der Tarifvertrag wird vom Gesetzgeber aufgrund einer Entscheidung einer dazu eingesetzten Kommission für "allgemeinverbindlich"  für ein bestimmte Region oder für bestimmte Branchen erklärt; d.h. alle Betriebe, die unter den regionalen oder fachlichen Bereich fallen, müssen diesen Tarifvertrag auf alle ihre Arbeitnehmer anwenden - unabhängig davon, ob sie Mitgleider der Gewerkschaft sind oder nicht

2. Der Arbeitgeber erklärt arbeitsvertraglich (oder aufgrund betrieblicher Übung) die Anwendung eines Tarifvertrags auf die Arbeitsverhältnisse seiner Arbeitnehmer, obwohl er nicht (wenn er z.B. nicht Mitglied in einer tarifvertragschließenden Partei - Arbeitgeberverband - ist oder wenn ein Tarifvertrag nicht ohnehin allgemeinverbindlich ist) dazu verpflichtet ist; auch hier spielt es dann keine Rolle, ob die Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglieder sind oder nicht.

3. Der Arbeitnehmer schließt einen "Haustarifvertrag" (wie z.B. VW) mit der zuständigen Gewerkschaft; dieser Tarifvertrag ist dann zwingend auf alle Arbeitnehmer des Betriebs anzuwenden, die selbst Mitglieder dieser Gewerkschaft sind.

4. Der Arbeitgeber ist Mitglied in einem Arbeitgeberverband, der als Tarifvertragspartei einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft schließt; dann muss der Arbeitgeber diesen zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft geschlossenen Tarifvertrag wieder zwingend auf alle Arbeitnehmer des Betriebs anzuwenden, die selbst Mitglieder dieser Gewerkschaft sind.

In den Fälle 3. und 4. wird der Arbeitgeber in der Regel den Tarifvertrag auch auf diejenigen Arbeitnehmer seines Betriebs anwenden, die selbst nicht Mitglieder der Gewerkschaft sind (um sie, wenn er sie von den Tarifleistungen ausschließen würde, nicht "in die Arme der Gewerkschaft zu treiben").

Daraus ergibt sich als Antwort auf Deine Frage:

Gewerkschaftsmitglieder in einem Betrieb, der keinen Tarifvertrag nach den Fällen 3. oder 4. anzuwenden hat (die Fälle 1. und 2 sind für die Frage irrelevant), haben keinen Anspruch auf die tariflichen Leistungen.

Sie hätten diesen Anspruch nur dann, wenn der Betrieb Mitglied im Arbeitnehmerverband als der tarifschließenden Partei wäre oder selbst unmittelbar mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag schließen würde.

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Der Arbeitgeber wird auch den Beschäftigten Nichtmitgliedern den ausgehandelten Lohn zahlen, zum einen um zu verhindern das diese Arbeitnehmer auch in die Gewerkschaft eintreten, zum anderen um Unmut zu vermeiden.

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Kommentar von Familiengerd
12.06.2016, 14:29

Das beantwortet nicht die Frage.

Es geht ja nicht darum, ob ein einen Tarifvertrag anwendender Betrieb den Vertrag nur auf Gewerkschaftsmitglieder anwendet oder auch auf Nichtmitglieder..

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Das kommt darauf an ob ausgehandelte Tarifverträge in den Branchen oder flächendeckend angewandt werden. Ein zwingender automatismus entsteht nicht.

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Kommentar von Familiengerd
12.06.2016, 14:33

Das hat mit "Tarifverträge in den Branchen oder flächendeckend" nichts zu tun.

Auch branchenübergreifende oder "flächendeckende" Tarifverträge betreffen nur Arbeitgeber, die selbst dem Arbeitgeberverband als Tarifvertragspartei der entsprechenden Tarifverträge angehören - wenn diese Tarifverträge nicht vom Gesetzgeber für entsprechend "allgemeinverbindlich" erklärt worden sind.

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