Frage von Tigermommy, 594

Arbeitgeber will Arbeitnehmer zu Teambuilding zwingen?

Unser AG will eine Teambuilding Maßnahme anberaumen und hat schon vorab erklärt, dass diese verpflichtend ist (Direktionsrecht). Hinter vogehaltener Hand weiß ich (wie üblich), dass die Mehrheit dagegen ist, aber den Mut nein zu sagen nicht aufbringt. Also ein klares nein zu diesem Schwachsinn! Eine Kollegin hat aber nein gesagt und vor einigen Tagen habe ich sie unter vier Augen gefragt warum u.v.a., ob sie keine Angst hat. Sie hat mir einfach erklärt, dass es keine rechtliche Grundlage gebe nach der ein AG einen AN zwingen kann an so einer "Zwangsbespaßung" (Zitat Kollegin) teilzunehmen und das Teambuilding rechtlich auf einer Ebene mit einem Betriebsausflug angesiedelt ist. Ich habe es nicht so mit Paragraphen und die Kollegin ist meines Wissens auch Gewerkschaftsmitglied also evt. besser informiert. Daher meine Frage hier und vorab. Hat sie Recht? Kann ich das auch ohne Konsequenzen verweigern?

Antwort
von Paguangare, 557

Fest steht, dass man nicht dazu gezwungen werden kann, seine Freizeit für ein Firmenevent dranzugeben.

Mich würde schon interessieren, inwieweit Aktionen innerhalb der Arbeitszeit gemäß dem Direktionsrecht befohlen werden können.

Beim Besuch eines Hochseilgartens oder eine Kanutour etwa geht es darum, Mut zu beweisen und Vertrauen in den anderen Mitarbeiter zu haben, der einem vielleicht eine Hilfestellung gibt oder "im selben Boot sitzt". Was aber, wenn jemand nicht so der sportliche Typ ist, und sich dem nicht aussetzen möchte? Was ist, wenn man als Angsthase bloßgestellt wird?

Auf jeden Fall könnte es passieren, dass man mehr von seiner Persönlichkeit offenbart, als man es eigentlich möchte. Und wenn man sich verweigert, steht man als Sozialmuffel da.

Klar kann ein Teambuilding-Event auch positive Effekte haben. Aber ich sehe das als zweischneidiges Schwert.

Kommentar von Tigermommy ,

Das findet während der Arbeitszeit statt. Die Kollegin soll dafür extra im Büro bleiben dürfen und normal arbeiten. Die Info hatte ich vergessen.

Das würde ich (und andere wohl auch) vorziehen.

Antwort
von AdvDiabolus, 480

Einige haben es ja schon erkannt. Die Teilnahme basiert auf Freiwilligkeit. Den Gang zum RA kannste Dir eigentlich sparen. 

Und welche Konsequenzen soll das schon haben? Stell Dir vor ein Highperformer lehnt diesen Quatsch ab und der Lowperformer geht brav hin. Der AG muss sich dann von einem von beiden trennen. Doch sicher nicht vom Highperformer. Außer er schießt sich gerne selbst ins Bein. Aber dann stimmt wirklich was nicht mit der Firma ;-)

Antwort
von Othetaler, 375

Frage: Findest es während der Arbeitszeit statt? Wenn ja - teilnehmen und mitmachen. Solche "Zwangsbespaßungen" gibt es in allen größeren Firmen und man macht halt mit. Große Wirkung zeigen sie leider in den seltensten Fällen.

Kommentar von Tigermommy ,

Ja das tut es. Aber die Kollegin ist wohl nicht "betroffen" und auch rechtliche Schritte sind bisher keine erfolgt. Was wenn noch mehr abspringen v.a. die, die keine Lust haben? Nicht mal die Hälfte hat Interesse.

Kommentar von Othetaler ,

Wenn eine sich ausschließt, wird das sicher registriert werden und für die Kollegin möglicherweise irgendwann mal Folgen haben. Wenn viele sich ausschließen, wird es sicher Konsequenzen haben. Denn dann stimmt irgendwas in der Firma ganz und gar nicht.

Kommentar von AdvDiabolus ,

Was soll denn das für Konsequenzen haben wenn die Hälfte auf diesen vollkommen sinnfreien und freiwilligen Firlefanz keine Lust hat und dies auch kommuniziert. Du schreibst doch oben selbst man macht halt mit. Begeisterung klingt anders. Und wenn man es so sieht wieso stimmt dann irgendwas mit der Firma nicht? Das ist doch noch blödsinniger. Oder habe ich was falsch verstanden?

Antwort
von newcomer, 451

also unter "Teambuilding" verrstehe ich dass man sich gelegendlich im Betrieb trifft um aktuelle Probleme anzugehen. Dabei werden verschiedene Lösungen durch das Team eingebracht und eine davon probiert. Wenn es nicht klappt anderen Vorschlag. Dies soll die Mitverantwortung im Betrieb fördern. Finde den Vorschlag das durch Mitarbeiter lassen zu machen für Vorbildlich von Führungskräften

Kommentar von Tigermommy ,

Diese Maßnahme soll in der Arbeitszeit, aber weit außerhalb stattfinden. Wohl damit niemand weglaufen kann ;)

Die Mitarbeiter haben hier nichts zu sagen. Sie wurde von Teamleiter und Geschäftsführer angeordnet.

Kommentar von newcomer ,

so ähnliche Vorgehensweise kenn ich von einer anderen Firma. Chef wollte den Führungskräften klar machen dass die Firma nur Stark ist wenn sie gemeinsam an einen Strang ziehen und gut zusammenarbeiten. Zu diesen Zweck sind sie gemeinsam nach Afrika geflogen und haben dort mit Baumstämmen eine Aussichtsplattform erstellt. Hierbei war es notwendig dass mindestens immer 2 oder 3 Mitarbeiter anpacken das sie das alleine nicht heben konnten. Die Aktion hatte Wirkung gezeigt und entsprechend hatten auch andere Mitarbeiter Nutzen davon. Ich würde so eine Aktion sofort mitmachen :-)

Kommentar von Tigermommy ,

Wir sind aber keine Führungskräfte. Wir sind normale Innendienstler mit jew. eigenem Privatleben und Umfeld. Freundschaften gibt es meines Wissens nach innerhalb des Teams keine. Aber auch keine echten Feindschaften.

Kommentar von faiblesse ,

"Wir sind aber keine Führungskräfte. Wir sind normale Innendienstler"

Ja und? Seit ihr deswegen weniger wert?

Auch das beste Getriebe läuft nicht ohne die kleinste Schraube.

Und auch diese müssen gut zusammen arbeiten.

Da keiner von uns bei dir arbeitet, kann man die Situation ob notwendig oder nicht, nicht beurteilen.

Kommentar von Joe789 ,

Das stimmt aber ich habe als Teamleiter immer wieder beobachtet, dass die meisten "Indianer" eher auf ihre Work-Life Balance achten ;) Das ist wohl eher als grundsätzliche Entscheidung zu verstehen. Auf so eine Aktion wie o.g. in Afrika hätte ich wirklich Lust. Aber ich verstehe inzwischen auch alle die damit nichts anfangen können.

Antwort
von skychecker, 375

Ein Teambuilding findet, ob ihr wollt oder nicht, immer in einer Firma automatisch statt. Dagegen kann sich der Mensch gar nicht verwehren. 
Das passiert  automatisch.
Einer tut sich immer hervor, einzelne werden ausgegrenzt, andere unterstützen sich untereinander, wieder andere verbünden sich.

Das kann im Zweifel, so wie es passiert, sinnvoll und nützlich für diese Firma sein. Es kann aber auch durchaus sein, dass dieses für die Firma nachteilig in der Konstellation ist.

Wenn ein Arbeitgeber dafür Geld in die Hand nimmt und ggf. hierfür sogar noch einen systhemischen Coach einlädt, dann ist eher der Verdacht groß, dass euer Team nicht so gut funktioniert.

Nun kann man die Sache von mehreren Seiten angehen.
Man kann hier mit klaren Arbeitsanweisungen Dinge vorgeben, Störenfriede im Team entlassen, Zusammenarbeit erzwingen.

Hier scheint der Arbeitgeber sich gegen entschieden zu haben und ein angeleitetes Teambuilding vorzuziehen.

Dies heißt für mich erst einmal, dass euer Arbeitgeber sich viele Gedanken gemacht hat und ihr ihm auch etwas wert seid.

Dazu wird es sicher viele geben, die an die Sache mit gemischten Gefühlen heran gehen. Wenn es nicht so wäre, dann würde mich das auch überraschen.

Dennoch ist es für mich unverständlich, warum man sich per se dagegen weigern will und gleich nach Paragraphen sucht, die einem die jetzigen Komfortzone sichern können.

Im Zweifel ist dieses auch nichts anderes als ein Seminar, welches innerhalb der Arbeitszeit stattfindet.

Dagegen kann sich auch niemand verwehren, wenn er weiter in der Firma arbeiten möchte.
Von daher sehe ich erst einmal nicht, dass ein Teambuilding sich im Bereich eines Betriebsausflugs bewegen soll. Ja, einen (wenn auch kleinen) Anteil eines Betriebsausflugs gehört auch dem Teambuilding. Aber eine Teambuilding-Maßnahme allein ist noch kein Betriebsausflug...

Es ist erst einmal schön, wenn du (wie üblich) weißt, wie die Meinung deiner Kollegen ist. Eine solche Aussage glaube ich aber nicht. Solche Aussagen gibt es immer in einem Mitarbeiterkreis. Wenn es denn wirklich so ist, dann muss allerdings die Frage erlaubt sein, warum ein Mitarbeiter, statt zu arbeiten, eher umher läuft und Meinungsumfragen macht.
Schon alleine daran kann man doch fest machen, dass ein gelenktes Teambuilding sinnvoll sein kann.

Und nur weil deine Kollegin in der Gewerkschaft ist und dadurch ggf. besser informiert sein kann, heißt es noch lange nicht, dass sie es dann auch automatisch ist.

Vielleicht hilft dir der Link http://karrierebibel.de/teambuilding-uebungen-tipps-wie-sie-ein-team-bauen/

Es ist dort dann durchaus zu sehen, wie wenig ein Betriebsausflug mit dem zu tun hat, was euer Arbeitgeber vielleicht vor hat.

Ich empfehle euch, dem Ganzen wenigstens einmal eine reelle Chance zu geben.

Kommentar von redhouse2011 ,

Also bei uns ist es tatsächlich an zwei Kollegen gescheitert und die Begründung war im Prinzip dieselbe. Die Firma bzw. der Vorgesetzte hat es fallen gelassen und hinterher waren die meisten auch glücklich darüber bzw. diejenigen, die unbedingt mitgemacht hätten hielten sich doch in überschaubaren Grenzen. Man kriegt so etwas in einem Büro schon mit ohne groß herumlaufen zu müssen und in den Pausen meine ich wäre das noch nicht mal verboten.

Wir wurden damals auch aus rechtlichen Gründen darauf hingewiesen, dass ein Teambuilding immer wie ein Betriebsausflug bewertet wird (Info) die auch rechtlich so gesehen wird.

Das man dem Arbeitgeber deshalb so viel wert ist würde ich daraus nicht schließen. Teambuilding ist immer auch der Versuch von außen Menschen emotional und psychologisch zu beeinflussen. Daraus ergibt sich schon ein erstes Dilemma. Die meisten Organisatoren sind dafür nicht mal ansatzweise hinreichen ausgebildet (also keine Psychologen o.ä.). Sehen Sie sich mal work hard, play hard an. Da meint eine von Unilever man müsse den Leuten deren DNA einpflanzen, um am Ende weiter zu optimieren. Teambuilding ist da sicher auch ein Weg nicht nur um das Team zusammenzubringen, sondern auch um die sogenannten Selbstoptimierungsprozesse in Gang zu bringen.

Eine mehr als zweischneidige Sache und je mehr sich wie in diesem und unserem Fall dagegen wehren, desto seltener wird das versucht. Und es gibt schließlich bis heute keinen Beweis dafür, dass Teambuilding wirklich einen positiven Effekt auf das Arbeitsklima hat. 

Ach ja und wir arbeiten alle noch weiter in der Firma ;) Warum auch nicht? Was hat die Weigerung an einem Teambuilding teilzunehmen denn damit zu tun? Gegen wirklich fachlich bezogene Seminare hat dagegen sicher niemand etwas.

Kommentar von Joe789 ,

Ich hatte als Teamleiter vor fast 4 Jahren eine ähnliche Situation. Mit dem Abteilungsleiter und der Firma waren wir uns einig ein Teambuilding innerhalb der Arbeitszeit zu veranstalten damit jeder daran teilnehmen kann bzw. "muss"!

Der Veranstalter war optimistisch, dass man mit guten Gesprächen und notfalls leichtem sozialen Druck und dem Direktionsrecht letztlich alle dazu bewegen zu können. So zumindest seine bisherigen Erfahrungen.

Ein Mitarbeiter verweigerte sich aber konsequent mit dem Hinweis das es eben keine Weiterbildung sei. Von so starkem Widerstand überrascht konsultierten wir dennoch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht und erlebten eine Überraschung. Tatsächlich ist ein Teambuilding keine Weiterbildung und vergleichbar mit einem Betriebsausflug. Findet das während der Arbeitszeit statt muss man als Arbeitgeber allen die nicht daran teilnehmen wollen die Möglichkeit geben zur Arbeit zu erscheinen, oder bezahlten Sonderurlaub gewähren. Damit war das Teambuilding erledigt denn es stellte sich heraus, dass nachdem wir dem Mitarbeiter Recht geben mussten plötzlich noch 4 weitere Mitarbeiter/innen nicht teilnehmen wollten so das am Ende nur 4 von 9 Interesse hatten.

Enttäuscht war ich von dem Veranstalter, der uns letztlich falsch informiert hat und es mit Druck zu versuchen kann ich nicht empfehlen. Besser macht es dieser hier:

http://www.teambuilding-outdoor-event.de/betriebsausflug-idee-outdoor-training/

"Findet die Veranstaltung in der Arbeitszeit statt, so gilt Anwesenheitspflicht. Wer nicht teilnehmen möchte, muß im Betrieb bleiben."

Inzwischen bin ich in einer anderen Firma und handhabe als das nun wie folgt. Das Team entscheidet selbst, ob und was es will. Und das Ganze auf der Basis von Freiwilligkeit. Leider ist es dann aber so, dass ein Drittel bis zur Hälfte fernbleiben. Aber so ist es sicher besser als wenn jemand gezwungenermaßen teilnimmt u.v.a. auch ehrlicher.

Kommentar von Nightstick ,

Letzendlich kann man Teamwork weder verordnen noch erzwingen!

Die Konstellation muss passen, und ein echtes Team kann nur auf freiwilliger Basis zusammenwachsen.

Ein Vorgesetzter kann dafür lediglich die Rahmenbedingungen schaffen. Natürlich ist eine Zwangsverpflichtung zu einer Teambildungsmaßnahme dazu vollkommen ungeeignet. Hier sollte der Vorgesetzte / die Firmenleitung zuvor selbst erst einmal einen entsprechenden Management-Lehrgang besuchen! 

Antwort
von faiblesse, 392

Na  wenn ihr alle das nicht wollt, ist die Stimmung bei euch ja wohl im Keller, und so eine Maßnahme sinnvoll.

Ich kenne es aus dem Sport, da macht man sowas, damit das Team zusammen geschweißt wird, und mehr Leistung bringen kann.

Das kann man ja auch auf die Arbeit umlegen.

Zeigt eurem Chef, dass ihr gut zusammen arbeitet, dann kommt er nicht mehr auf solche Ideen.

Kommentar von Tigermommy ,

Die Stimmung ist kein Problem. In einer so großen Gruppe gibt es immer diverse Gruppen und auch ein paar Einzelgänger. Was sollte daran problematisch sein?

Kommentar von faiblesse ,

Gibt viele Möglichkeiten.

Die Gruppen Grenzen sich ab, dadurch entsteht evtl eine lästergruppe. Die Gruppen arbeiten nicht mehr miteinander.
Einzelgänger wurden ausgegrenzt, sind es also nicht ganz freiwillig.

frag deinen Chef nach seinen Gründen, vielleicht will er diese Grüppchenbildung nicht.

Das wird auffallen, wenn bei der teambuildingmaßnahme die Gruppen entsprechend aufgeteilt werden.

Kommentar von redhouse2011 ,

Denken Sie ehrlich, dass Sie Lästerei, die so alt wie die Sprache ist durch Teambuilding beseitigen können? Denken Sie das Mitarbeiter, die zwar professionell miteinander umgehen sich aber sonst aus dem Weg gehen nach so einem sorry Ringelpietz mit Anfassen plötzlich gute Freunde sind?

Um eine Grüppchenbildung zu verhindern müsste man zaubern können ;)

Antwort
von redhouse2011, 306

Frau Tigerin bleiben Sie und am Ende das Team hart. Es lohnt sich und es wird keinem was passieren. Wir haben das vor fast drei Jahren auch schon erlebt und das Projekt gekippt. Ohne Konsequenzen. Naja doch. Wir haben unserem Arbeitgeber davor bewahrt sinnlos mehrere Tausend Euros zu verpulvern auch wenn er auf solche Peanuts sicher nicht angewiesen ist.

Kleiner Rat. Gehen Sie auch wenn es etwas kostet zu einem Anwalt für Arbeitsrecht. Das hat damals einer aus unserem Team auch gemacht und das war am Ende entscheidend für unseren Erfolg.

Liebe Grüße

Antwort
von Joe789, 283

Zwingen kann er niemanden. Deine Kollegin liegt im Prinzip völlig richtig.

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