Frage von Caddyshack83, 97

arbeiten für Mindestlohn - mehr Geld übrig als bei Hartz4?

angenommen ich zahle 500 euro für die Miete, bekomme 900 Euro netto raus bei Vollzeit bei nem Mindestlohn von 8,50 Euro /Std

bleiben mir dann auch nur 400 Euro wie nem hartz 4 Empfänger oder hab ich mehr?

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Hartz 4, 27

Mit Einkommen hast du immer mehr als ohne !

Wenn du angenommen 500 € für deine KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) zahlen würdest und diese angemessen sind,dann käme zumindest noch mal dein derzeitiger Regelsatz von 404 € dazu,wenn du z.B. Single wärst.

Dein Bedarf würde sich also dann auf min. 904 € belaufen.

Würdest du jetzt in deinem Job 900 € Netto verdienen und angenommen 1200 € Brutto,dann stehen dir auf dein Bruttoeinkommen Freibeträge auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll zu.

Das sind dann erst mal deine 100 € Grundfreibetrag,von 100 € - 1000 € Brutto 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

Diese Freibeträge werden dann addiert,theoretisch vom Netto abgezogen und ergeben dein anrechenbares Einkommen,dies wird dann von deinen Leistungen abgezogen und wenn noch ein Bedarf besteht würdest du eine Aufstockung bekommen.

Also blieben hier bei angenommen 1200 € Brutto ein Freibetrag von 300 € und nach Abzug von deinen 900 € Netto ein anrechenbares Nettoeinkommen von 600 €.

Dir würden dann also noch ca. 304 € als Aufstockung vom Jobcenter zustehen.

In deinem Grundfreibetrag von 100 € sind 30 € Versicherungspauschale + 15,33 € für Werbungskosten = 45,33 € enthalten,es bleibt also ein Rest von 54,67 €.

Wenn du jetzt z.B. Fahrkosten wegen deiner Beschäftigung hast die diese 54,67 € übersteigen würden,dann kannst du diesen Betrag separat beim Jobcenter geltend machen.

Antwort
von Infomercial, 43

BINGO! Du hast gerade einen grundsätzlichen Systemfehler unserer Deppen-Regierung erkannt (der ist aber gewollt). Wäre ja doof, wenn du vom Mindestlohn anständig leben könntest. So ist der Druck zur Aufnahme eines Zweitjobs größer. Und wenn du anstatt 40 dann 60 Stunden arbeiten gehst, hast du weder die Zeit noch die Nerven dich mit eben diesem System zu beschäftigen , geschweigedenn demonstrieren zu gehen oder schlimmeres.

Also wenn du Hartzi bist, macht die Aufnahme eines Jobs für 900,00 netto keinen Sinn. Die 100Euro mehr gehen locker für deinen Arbeitsweg und mit der Arbeit verbundene Aufwendungen drauf.

Leg dir lieber nen Gemüsegarten an oder biete jemanden, der einen hat, deine Hilfe an. So kommst du quasi an Gratis-Lebensmittel (die sind außerdem wirklich "bio") und hast eine wesentlich entspanntere Arbeitswoche. Dazu paar Hühner und Kaninchen... schon sparst du vielleicht 70 Euro im Monat ein (für Lebensmittel, die du nicht kaufen mußt) und kannst dir von dem Geld n bunten Tag machen.

Kommentar von turnmami ,

Man könnte aber auch sich überlegen, dass aus einem Job mit Mindestlohn auch mal ein Job mit mehr Gehalt werden könnte, oder?

Kommentar von Infomercial ,

Ja, Träume soll man haben und bisweilen auch leben. Allerdings behaupte ich einfach mal: Ein Arbeitgeber, der später evt. vielleicht gewillt ist, tatsächlich mehr zu zahlen, wird dich bei entsprechender Qualifikation nicht zum Mindestlohn einstellen. Und ob man als "normaler" Kellner, Zimmermädchen, Putzkraft, Zusteller,.... jemals ein den Genuß eines Lohnes größer 8,50 kommen wird ist fraglich.

Kommentar von michi57319 ,

Erst informieren, dann Unfung schreiben! Wenn ich so was schon lese!

Reinigungskräfte bekommen 9,80 Euro pro Stunde. Das ist deutlich mehr, als der Mindestlohn. Übrigens gilt das nur für die Büroreinigung. Wer Fenster putzen geht, bekommt mal eben 12,98 Euro pro Stunde - ungelernt und von Anfang an.

Das ist gesetzlich festgelegter Mindestlohn in der Gebäudereinigung. Hängt damit zusammen, daß diese Branche dem Arbeitnehmerentsendegesetz angeschlossen ist.

Kommentar von Infomercial ,

Ja, weil man das ja auch garnicht über Zeitarbeit und Arbeitszeitkonten umgehen kann.

Zudem: Ich kann mir schwer vorstellen, daß bei einem Brutto von 1600Euro das Leben in den Ballungszentren oder Städten wie München oder Hamburg mit Mieten von 600 bis 800 Euro für ne 60m² Wohnung wirklich Spaß macht. Da biste nämlich ganz schnell bei einem Restbetrag von um die 300/400 Eus vom Netto und dir geht es nicht besser als dem Hartzer.

Wohne weiter draußen und vielleicht 150 eus günstiger, und zu 9h-Arbeitstag kommen nochmal 2h Arbeitsweg ... oder mehr. Da haste ja noch richtig viel Freizeit für n schmales Geld.

Der Niedriglohnsektor ist an und für sich keine schlechte Sache per se, allerdings ist der Haken die Höhe der Lebenshaltungskosten.

Und sparen? Spar mal jeden Monat zweihundert euro. Mit zwei Kindern schaffst du es da wenn überhaupt alle zwei Jahre 14 Tage auf die Kanaren. Zum Geburtstag und Weihnachten solls ja auch was geben. Und Schweinehack für 3,50 das Kilo ist auch nicht das Maß der Dinge.

Betriebswirtschaftlich betrachtet spielen die Oppurtunitätskosten eine wesentliche Rolle. Was bringt es, wenn ichs mache und was spare ich, wenn ichs sein lasse. Wenn du dann Streßfaktoren, Gesundheit, Freizeit, Sparpotential, Rentenerwartung, usw. mit einbeziehst, kommst auch du ganz schnell zu dem Schluß, daß - abhängig von der Region - die Arbeitsaufnahme in Vollzeit erst ab ca. 1400 Netto Sinn macht. Bedeutet bei SK1 rund 2350 Brutto ca. 13,50 die Stunde und somit knapp 40% Aufschlag auf den Mindestlohn.

Wenn du diese Rechnung noch nie aufgemacht hast bzw. entsprechend gut verdienst, dann geht es dir bedeutend besser, als rund 15mio Werktätigen.

Antwort
von sunnyhyde, 60

900-500=400  deine rechnung geht auf

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