Frage von Frage297, 287

Arabische und persische Schrift gleich?

In meiner Klasse ist seit neustem ein Junge, der leider weder Deutsch noch Englisch spricht. Das einzige was er kann ist seine Sprache, also persisch (bzw. farsi, ich bin mir nicht sicher wie man die Sprache nennt). Ich würde mich trotzdem gerne mit ihm unterhalten und habe mir deswegen eine arabische Tastatur aufs Handy gemacht, damit wir über einen Übersetzer auf dem Handy reden können. Da ich keine Tastatur mit der persischen Schrift gefunden habe, habe ich jetzt arabisch genommen, da sich die Schriften glaube sehr ähneln. Tun sie das überhaupt? Wird er damit antworten können oder ist die Schrift komplett anders? Und wenn jemand weiß wo es eine persische Tastatur gibt, würde ich mich auch sehr freuen :) Danke in voraus :)

Antwort
von Rudolf36, 172

Im Prinzip sind arabische Schrift und persische Schrift (Sprache Farsi (farßi)) gleich. In Farsi gibt es 4 Buchstaben für 4 Laute mehr als im Arabischen. So gibt es im Arab. kein p. (Es heißt Baris statt Paris.) Das Persische setzt unter das arab. b anstelle des einen Punktes 3 Punkte und erhält so ein p. Ähnlich werden auch die 3 anderen Buchstaben erreicht.

Meine Frau hat auf ihrer Smartphone-Tastatur die Farsi-Schrift. Ich werde sie heute Abend, wenn sie nachhause kommt, fragen, woher sie die hat.

Der historische Zusammenhang, wie ihn Ottavio beschreibt, war mir nicht bekannt, ist mir aber sehr interessant! Ich war bisher, ohne zu fragen, davon ausgegangen, dass die Araber mit dem Islam auch die Schrift nach Persien gebracht haben.

Farsi ist als indogermanische Sprache tatsächlich mit dem Deutschen verwandt, mir Arab. überhaupt nicht. Einzelne Wörter, weniger die Struktur.


Antwort
von mulan, 108

Ottavios Darlegungen sind spekulativ und zudem vermischt mit verschiedenen Dingen. Als sie Perser Babylonien nahmen, übernahmen sie deren alte Keilschrift. Sie schufen daraus ein Silbenalphabet. Grotefend hat's entschlüsselt. Eine sehr bekannte Inschrift ist die von Behistun. Dies war Altpersisch. Lange Zeit später folgten Pehlevi und Avesta, welche nach Gelehrtenmeinung mit dem Aramäischen (nicht mit dem Arabischen) Schriftkreis zusammenhängt. Zwar gibt's gewisse Ähnlichkeiten rein optisch mit dem arabischen, aber das ist nur auf dem 1. Blick des Unkundigen so. Pehlevi (Mittelpersisch) und Avesta (der Parsen) sind weder formell noch lautlich mit dem arsbischen verwandt.

Dass die Araber zur Zeit der Niederlegung des Quran keine Schrift gehabt hätten, ist eine Theorie, dir nur wenige Zeilen. Es gibt sogar Felsinschriften, die dem im frühen Quran verwendeten Kufi sehr nahekommt. ... Und luxemburgs Hypithese eines syro-aramäischen Ursprungs des Quran ist ein ziemlich spekulatives Buch mit vielen Behauptungen, deren Beweise er schuldig blieb. Nur ein ahnungsloser und leichtgläubiger kann dem folgen, v.a. weil er die Sache nicht hinterfragen wird. ...

Antwort
von Ottavio, 176

Im Prinzip handelt es sich um dieselbe Schrift, auch wenn es leicht unterschiedliche Ausformungen gibt; das Farsi ist ja viel enger mit dem Deutschen als mit dem Arabischen verwandt. Als die Perser im 6.Jh.v.u.Z. das babylonische Reich erobert haben, haben sie dessen Schrift übernommen, Farsi wurde Schriftsprache. Die Schrift wurde weiterentwickelt, im dem die zuvor einzeln stehenden Buchstaben z.T. verbunden wurden und gleichaussehende durch Punkte unterschieden wurden. Als mehr als tausend Jahre später der arabische Quran aufgeschrieben werden sollte, war  arabisch noch gar keine Schriftsprache. Es wurde also die persische Schrift verwendet, die heute nicht ganz korrekt die arabische Schrift genannt wird. Vielleicht wurden dabei auch gleich viele aramäische Fremdwörter Mit übernommen. Man vergleiche das Buch "Die aramäische Auslegung des Koran" von ???, es ist sehr interessant, vielleicht kann man das ja googlen...

Kommentar von mulan ,

Was ist denn das bitte für ein Unsinn! Wo hast du denn das her?

Antwort
von Rudolf36, 96

Hallo Frage297,

bei meinem LG-Sprachersatz geht das so: 1. großes Zahnrad (Einstellungen), 2.oben rechts kleines Zahnrad, Allgemein, 3. Sprache und Eingabe, 4. LG Tastatur, 5. Eingabesprachen und Typ: hier können mehrere Sprachen ausgewählt werden, auch "Persisch - فارسی".

Danach beim Schreiben auf der Tastatur: unten links ist Schalter DE. Über diesen kann man zwischen DE und FA wechseln.

Wenn Farsi bei dir fehlt, werden Schüler und Übersetzer vielleicht auch mit dem Arabischen zurechtkommen. Schließlich sind es nur 4 Zeichen, die das Persische mehr hat.

(So ausführlich brauchte es wohl garnicht zu sein.)

Vielleicht kann man Farsi ja auch aus dem Internet von irgendwo holen.

Viel Erfolg


Antwort
von mulan, 81

Nachtrag: Pehlevi (Mittelpersisch) hatte man interessanterweise nicht so gelesen, wie geschrieben. Man hat die Worte in aramäischer Lesart geschrieben aber persisch ausgesprochen. Man kann das am Frahang-i Pahlavigh sehr schön aufgelistet finden. ... Man hat wohl dieselbe Art des Schreibens verwendet wo einst beim assyrischen, indem man die keilschrift sumerisch schrieb und assyrisch aussprach. ...

Kommentar von Ottavio ,

In einem Buch über den persischen Philosophen Zarathustra habe ich gelesen, das auch die Aufzeichnungen seiner Werke ein Gemisch aus parsischer und aramäischer Sprache waren, und in dem Buch "Die aramäische Lesart des Koran" wird vermutet, das auch dessen erste Aufzeichnungen ein Sprachengemisch waren.

Kommentar von mulan ,

Wie du schon festgestellt hast, es ist eine Vermutung. An sich wären gegenseitige Bezüge auch nichts neues und erstaunliches, da Aramäisch und arabisch z.B. zur selben Sprachfamilie gehören. Z.B. ist Gott im arabischen und aramäischen sehr nahe beieinander. Aramäisch: Alah(a); Arsbisch: Allah. ... Und im Persischen ist der Vater pedar, die Mutter mâdar, der Bruder brâdar oder die Tochter dochtár.

Kommentar von Rudolf36 ,

Ja ja, wie ich schon schrieb, Farsi gehört zu den indoeuropäischen Sprachen, von Sanskrit/Indien über Farsi, Hethitisch bis Keltisch/Irland. . .

Arabisch, Aramäisch, Hebräisch dagegen sind semitische Sprachen und zeigen keine Ähnlichkeit mit der ersten Gruppe.

Kommentar von mulan ,

Zu pedar, mâdar, ... die ähneln lateinischem pater, mater, ... Deutschen Bruder und Tochter ... Persisch ist keine semitische Sprache wie Arabisch oder Aramäisch.

Kommentar von mulan ,

Die ersten Aufzeichnungen des Quran waren Arabisch. Man sagt, es war der Dialekt des Hijaz bzw. der von Mekka. Dieses Arabisch wurde mit dem Quran die Grundlage der heutigen arabischen Hochsprache. Und der Text hat sich seit 1400 Jahren nicht geändert. Das alte kufi, ursprünglich ohne diakritische Zeichen, wurde schon bald mit Zusatzzeichen (Vokalzeichen pp.) versehen, auch um die Textsicherheit zu wahren. Sprachlich waren die Aktvorderen sehr stark und genau. Solange der Prophet lebte, waren seine Rezitationen der Maßstab wie auch seine Erklärungen dazu. Aber irgendwann könnte er nicht mehr gefragt werden. ...  Immer wieder verloren Getreue mit Kenntnis des gesamten Textes ihr Leben durch Waffengewalt. Da sah man es als notwendig an, sich nicht nur auf diejenigen zu verlassen, die den Quran im Gedächtnis hatten. Die textlegung des Kalifen uthman gilt als Maßzahl. Obgleich, schon Ali hatte einen Gesamtquran zusammengetragen und kommentiert. Aber man wollte seine Textausgabe nicht akzeptieren, warum auch immer. Dabei galt Ali als der wohl beste Qurankenner, bei dem auch die Kalifen oft Rat suchten. ...

Kommentar von mulan ,

Stimmt. Kultureller bzw. sprachlicher Einfluss steht da nicht im Widerspruch dazu. Sonst müssten wie all die arabische, hebräischen oder japanischen Ausdrücke oder Wendungen in unserer Sprache ablehnen.

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