Anzeigen wegen Diskrimierung beim Bewerbungsgespräch ?

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10 Antworten

Ar­beit­ge­ber können Ar­beit­neh­mern auf­grund ih­res Wei­sungs­recht nach Er­mes­sen Ar­beits­auf­ga­ben zu­wei­sen und auch Vor­ga­ben zur Be­klei­dung während der Ar­beit ma­chen (§ 106 Satz 1 Ge­wer­be­ord­nung - Ge­wO).

Al­ler­dings müssen sie da­bei die be­rech­tig­ten Be­lan­ge des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers berück­sich­ti­gen ("bil­li­ges Er­mes­sen").

Zu die­sen für Ar­beit­neh­mer wich­ti­gen Be­lan­gen gehören auch re­li­giöse Über­zeu­gun­gen, die durch das Grund­ge­setz (GG) geschützt sind, nämlich durch Art.4 Abs.1 GG.

Ar­beit­ge­ber können da­her mos­le­mi­schen Ar­beit­neh­me­rin­nen im All­ge­mei­nen nicht ver­bie­ten, während der Ar­beit ein Kopf­tuch zu tra­gen, denn da­mit be­folgt die Ar­beit­neh­me­rin ein aus ih­rer Sicht gel­ten­des re­li­giöses Ge­bot.

Hier liegt ggf. ein Fall von Diskriminierung vor; Du bist nicht eingestellt worden, weil Du ein Kopftuch tragen möchtest.

Es ist keine Straftat seitens des Unternehmens begangen worden, sondern Du kannst das Unternehmen beim Arbeitsgericht auf Entschädigung verklagen, weil Du aus Diskriminierungsgründen nicht eingestellt wurdest.

Einen Anspruch auf Einstellung leitet sich allerdings nicht ab, was auch nichts bringen würde, da Du während der ersten 6 Monate nicht dem Kündigungsschutzgesetz unterliegst (und bei einem Kleinbetrieb auch darüber hinaus nicht), sodaß man Dir direkt am ersten Tag wieder kündigen könnte.

Wenn das Arbeitsgericht die Diskriminierung bestätigt sind die Chancen gut, daß Du 3 Monatsgehälter als Entschädigung zugesprochen erhälst.

§ 61b (Arbeitsgerichtsgesetz) - Klage wegen Benachteiligung


(1) Eine Klage auf Entschädigung nach § 15 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzesmuss innerhalb von drei Monaten, nachdem der Anspruch schriftlich geltend gemacht worden ist, erhoben werden. 
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Kommentar von DerSchopenhauer
08.01.2016, 00:49

Verfahrensablauf:

Du solltest unverzüglich (innerhalb von 2 Monaten) schriftlich Deinen Anspruch auf Einstellung bzw. auf Entschädigung geltend machen - wenn dieser abgelehnt wird, ist innerhalb von 3 Monaten  Klage einzureichen.

Du solltest aber UNBEDINGT einen RECHTSANWALT konsultieren, damit keine Fehler bei den Ansprüchen gegenüber der Firma gemacht werden.

Es wird ggf. Beratungs- und Prozeßkostenbeihilfe gewährt - der RA ist vor der ersten Beratung darauf hinzuweisen - er stellt dann auch den Antrag.

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Slm,

das Tragen eines Kopftuches - und auch anderer aus religiösem Anlass getragener Kleidungsstücke - darf kein Ablehnungsgrund sein.

Bereits in mehreren Fällen sind Leute wie du rechtlich dagegen vorgegangen und waren auch erfolgreich. Passend dazu kannst du dir mal das Antidiskriminierungsgesetz anschauen.

Lass dich an dieser Stelle mal anwaltlich beraten, wenn du dagegen vorgehen möchtest.




Diskriminierung einer Bewerberin mit Kopftuch: ArbG Berlin, Urteil vom 28.03.2012 - 55
Ca 2426/12
Die Klage einer jungen Frau, die wegen ihres Kopftuchs aus einem Bewerbungsverfahren
ausgeschlossen wurde, hatte Erfolg.
Das Arbeitsgericht Berlin stellte fest, dass die pauschale Ablehnung einer
kopftuchtragenden Bewerberin eine unzulässige Benachteiligung wegen der
Religionszugehörigkeit darstellt und sprach ihr eine Entschädigung in Höhe von drei
Ausbildungsvergütungen zu.
Im konkreten Fall ging es um eine junge Frau, die sich in 2011 um eine Ausbildungsstelle als
Zahnarzthelferin bei einem niedergelassenen Zahnarzt beworben hatte. Ihre Bewerbung
wurde abgelehnt, weil sie sich geweigert hatte, während der Arbeitszeit ihr Kopftuch
abzulegen. Die Stelle blieb unbesetzt.
In der darauf folgenden Klage berief sich der Zahnarzt auf die Kleiderordnung, die in seiner
Praxis üblich ist und den Hygienevorschriften Rechnung trägt.
Die Richter ließen sich davon aber nicht überzeugen. Nach Ansicht der Richter bestehe kein
zahnmedizinischer Grund, dass die Bewerberin ihr Kopftuch während der Arbeit ablegen
müsse.
Das islamische Kopftuch könne leicht mit der üblichen weißen Kleidung kombiniert
werden und wäre auch nicht stärker mit Erregern und Schmutz behaftet als das
menschliche Haupthaar. Das Kopftuch sei für die Bewerberin „als Teil ihres religiösen
Bekenntnisses und als Akt der Religionsausübung anzuerkennen“.
Mit der Ablehnung der Bewerbung allein wegen des Kopftuchs habe der Zahnarzt gegen das
AGG verstoßen und die Klägerin wegen ihrer Religion benachteiligt.

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Anzeigen schon mal nicht. Es handelt sich nicht um Strafrecht. Das Tragen eines Kopftuch ist laut Bundesarbeitsgericht kein Kündigungsgrund, es gab da mal dem Fall einer Verkäuferin, die deswegen gekündigt wurde. 

Analog dazu heißt das für mich, jemand wegen des Kopftuchs ablehnen dürfte ein Verstoß gegen das AGG sein.

Ein Verbot des Kopftuch in der Bäckerei ist aber aus hygenischen Gründen möglich, aber dann müssten alle Angestellten eine Mütze/Haarnetz oder ähnliches tragen und/oder Anordnungen des Gesundheitsamtes vorliegen und/oder gesetzliche Bestimmungen.

Was du machen kannst, ist aufgrund des AGG eine Zivilklage einzureichen. Über die Erfolgsaussichten solltest du aber mit einem Anwalt reden

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Wäre es Dir lieber gewesen, sie hätte das Bewerbungsgespräch durchgezogen und Dir zwei Wochen später eine Absage geschickt?

Da nach Gesinnungen seit einigen Jahren hier nicht mehr geschnüffelt wird, kann niemand den wirklichen Grund für eine Absage ergründen. Ich selbst bin über 60 und mir ist es lieber, mir wird unter  vier Augen oder telefonisch gesagt, dass niemand über 50 eingestellt wird, als eine nichtssagende Absage zu bekommen.

Die Aussage mag das AGG verletzen, aber sie ist ehrlich, hat Dir Zeit und unnötiges Grübeln über vermeintliche Unzulänglichkeiten erspart. Außerdem ist sie nicht nachweisbar, deshalb lohnt es nicht, sich darüber aufzuregen.

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Kommentar von DustFireSky
07.01.2016, 18:03

Das haben die wirklich sehr unglücklich gemacht. Hätten einfach lügen müssen oder so machen müssen wie du es beschrieben hast.

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Es war sicher ein privat geführter Laden, oder? Dann können die auch sagen "nee, wollen wir nicht".

Aber sie können nichts gegen eine eigene Meinung unternehmen. Was bedeutet, ein öffentlicher Artikel in einer Zeitung kann schon zur Diskussion anregen.

Und du kannst mal bei der Bäckerinnung eine Frage dazu stellen.

Die menschliche Gesellschaft ist zu großen Teilen verlogen und verheuchelt. Damit muss man lernen, umzugehen.

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Wie wird denn in deinem Heimatland mit westlichen Frauen umgegangen, die kein Kopftuchtragen wollen? Denen ergeht es noch schlimmer. Auch aus der Sicht, was Kerle dann mit den Frauen veranstalten. Deshalb müssen dort westliche  Frauen sogar Kopftuch tragen, damit sie nicht angegangen werden.

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Kommentar von soulpancake
07.01.2016, 17:06

In meinem Heimatland werden Frauen mit Kopftuch unterdrückt. Bin deutsche :)

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Kommentar von Jewi14
07.01.2016, 17:35

In anderen Ländern wird auch Leute der Kopf abgeschlagen, der dummes Zeug redet. Sei froh, dass dies nicht bei uns der Fall ist. Solche erbärmlichen Vergleiche widern mich an.

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nein, das solltest du gelassen sehen, bzw. gelassen reagieren, zumal du ja vielleicht im Hinterstübchen an diese Möglichkeit der Ablehnung auch gedacht hast ( oder auch einkalkulieren mußt, denn du bist nun mal nicht in deinem Heimatland), 

also, was solls?

ich würde mir eine andere Bäckerei suchen, und davon gibts reichlich, die dich auch mit Kopftuch mögen, weil das mittlerweile nichts ungewöhnliches mehr ist - erkundige dich doch einfach, wo schon welche mit Kopftuch arbeiten?

du mußt willkommen sein, sonst klappt das nicht, auch wenn die dich notgedrungen nehmen würden

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Es ist die Pflicht eines jeden Arbeitnehmers sich an die Regeln des Unternehmens anzupassen. Wenn die eine gewisse Kleiderordnung voraus setzen, dann ist das halt so. Das hat mit Diskriminierung nichts zu tun! Du willst hier nur das Unternehmen kompromittieren, weil du dich nicht ANPASSEN willst. So sieht es aus!

Als Kunde möchte ich sehen, wer mir was verkauft! Ich würde das nicht anders machen. Sie haben Dir das extra noch erklärt wieso und weshalb! Und wenn du nicht bereit bist während der Arbeitszeit darauf zu verzichten, dann ist das nicht deren Problem, sondern deines ;)

Also schön die Kirche im Dorf lassen. Achja, ich meine natürlich die Moschee...

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Kommentar von violatedsoul
07.01.2016, 17:06

Es ist von Kopftuch die Rede, nicht von Verschleierung!

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Ich schließe mich den anderen an: 

Das Tragen eines Kopftuches ist kein Ablehnungsgrund für eine Bewerbung auf einen Job! Dies hat die Rechtsprechung eindeutig herausgearbeitet. Grundsätzlich ist dies eine Diskriminierung aufgrund der Religionszugeghörigkeit und damit ein Verstoß gegen das AGG. 

Tut mir Leid, dass dir so etwas widerfahren ist. 

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Ich sehe hier keine Art von Diskriminierung. Davon kenne ich andere Arten zu denen das Wort Diskriminierung wie die Faust aufs Auge passt. 

Natürlich ist das nicht gerade angebracht das zu sagen, was diese Leiterin von sich gegeben hat. Aber Deswegen Anzeige erstatten wäre kein Gewinn. 

Das bringt dir nichts. Es IST ein deutsches Unternehmen, hat sie so gesagt, und wenn du da arbeiten willst, MUSST du dich eben daran halten. Anders geht es nicht! 

Ich bin selber keine Deutsche. Aber DAS sind die Anforderungen!

:)

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