Frage von Annelida, 142

Anwaltsschreiben ignorieren wegen falscher Rechnung?

Hallo ihr lieben, ich habe vor 2 Wochen einen Brief vom Anwalt erhalten. Er verlangt eine Rechnung zu zahlen, die ich zum Teil beglichen habe. Jedoch es ist ein bisschen komplizierter. Ich bin ab September nach Hannover gezogen in eine 2er WG. Die Miete beträgt warm 350€. Jedoch hat sich herausgestellt das ich mit einem Psychopaten zusammen wohne (Alkoholsucht, ist unter Drogen eingeschlafen und der Küchentisch hat angefangen zu brennen, Strom abstellen, unsauber wie ein Messi, etc) Wir haben uns so oft darüber gestritten das ich ihm erzählt habe das ich so schnell wie möglich ausziehe und nicht länger als 3Monate bei ihm wohnen werde (Er hat es schriflich unterzeichnet das ich so schnell wie möglich ausziehen soll). Die Miete für September habe ich Ihm bezahlt plus 80€ Kaution (ich besitze einen schriftlichen Beweis). Im Oktober und 10 Tage vom November (Die Zeit die ich da gelebt habe(Sep,Okt, und 10 Tage vom Nov.) habe ich ihm nicht bezahlt unter folgenden Gründen. Ich konnte ihm nicht ansprechen oder anschreiben da er mich ignoriert hat nach dem Streit, ich habe ihn nie gesehen um ihn auf die Kontonummer anzusprechen und es war mir einfach nach einer Zeit, zu doof ihm hinterher zu rennen. Außerdem hat er jedes mal wenn ich duschen war den Boiler abgestellt, die Wifi-Box mit zur Arbeit genommen, die Wohnung offen stehen lassen und unterkühlen lassen (12 Grad im Haus) Heizung jedes mal ausgestellt etc obwohl wir einen WG- Plan hatten.

Dann konnte ich endlich ausziehen und bin auch dann ausgezogen als mein Mitbewohner nicht zuhause war. (was ein Zufall war und ich konnte ihm nicht sagen das ich ausziehe) Und nun bekomme ich ein schreiben vom Anwalt das ich die Miete für September, Oktober, November und Dezember bezahlen muss (1400€ weil es eine Kündigungdfrist von normalerweise 3 Monaten gibt.) plus verlorengegangender Gegenstände (50€) und Anwaltskosten 220€. Dazu muss ich sagen das ich eine Untermietvertrag unterzeichnet habe mit 350€ Miete und je 3x80€ Kaution, jedoch KEINE Kündigungsfrist. Außerdem habe ich eine Kopie und er hat nach zwei Tagen das Orginal entsorgt somit hat er keinen Beweis und dazu bin ich mir 100% sicher weil als ich den Müll raus gebracht habe habe ich den im Müll geschmissenden orginalen Untermietvertrag gesehen und einen kopierten Untermietvertrag hat er nicht). Jetzt meine Frage, was soll ich mit den Anschuldiungen machen? Ich bin eine Geologie Studentin die sich KEINEN Anwalt leisten kann. Ich habe tatsächlich die 40Tage nicht bezahlt aber ich konnte es auch nicht. und nun liegt mir so eine Hohe Rechnung vor. Braucht ein Anwalt beweise für diese anschuldigungen? Kann das vor Gericht gehen. Soll ich den Brief ignorieren? Bitttttte Hilft mir! Liebe Grüße - Sue

Antwort vom Anwalt erhalten
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Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 60

Früher machte man Abitur und es bedeutete Reifeprüfung. Jetzt macht man offenbar Abitur und in Bezug auf Reife hat das keine Bedeutung.

Du mietest Dir irgendwo eine Wohnung oder einen Teil davon und hast keinen blassen Schimmer von Mietrecht, geschweige denn überhaupt von Vertragsrecht oder ähnlichem. Ein paar Grundkenntnise gehören eigentlich zur Grundausstattung, wenn man aus dem Elternhaus auszieht und sich "selbständig" macht. Du hast es versäumt, Dich damit auszustatten und nun ist das passiert, was damit so leicht passieren kann: Schulden! Und Kosten, die so leicht vermeidbar gewesen wären.

1. Schriftliche Kündigung spätestens Ende September zu Ende Dezember.

2. Schriftlichen Aufhebungsvertrag machen und darin den Auszug zum nächst möglichen Zeitpunkt ohne finanzielle Folgen absichern.

Es ist im übrigen völlig egal, ob Dein Vermieter seinen Untermietvertrag weg geschmissen hat oder nicht. Du bist eingezogen, hast einen Schlüssel erhalten und Miete bezahlt. Somit kam beweisbar ein Mietvertrag zustande, in dem ausschließlich die einschlägigen Paragraphen des BGB gelten. (Übrigens, meist günstig für Mieter.) Damit ist aber auch die gesetzliche Kündigungsfrist von 3 Monaten vereinbart.

Alle Anschuldigungen, die Du erhebst, kannst Du nicht gegen Deinen Vermieter verwenden. Erstens brauchst Du Beweise und zweitens, wenn was dabei war, was zur fristlosen Kündigung gereicht hätte, ist das nachträglich nicht möglich. Du hast sie also verfallen lassen. Fristlos hätte aber auch bedeutet, sofort ausziehen.

Das vom Vermieter unterzeichnete Schreiben, in dem "Auszug so schnell wie möglich" vereinbart wurde, kann nur als normale Kündigung (3 Monate Frist) gewertet werden.

Wenn Du Dir keinen Anwalt leisten kannst, dann dürfte es das beste sein, die offenstehenden Beträge und die Rechnung des Anwalts zu zahlen und ggf. noch über eine Ratenzahlungsvereinbarung zu verhandeln.

Sieh es als Lehrgeld (s. o.) und befasse Dich künftig auch noch ein wenig mit dem Grundwissen, das man braucht, wenn man Verträge, insbesondere Mietverträge eingeht. Immerhin geht es regelmäßig um sehr viel Geld und da darf man nicht so blauäugig sein und glauben, dass immer alles schon irgendwie funktionieren wird. Dein Vermieter hat Dich jetzt am Wickel.

Antwort
von DerHans, 65

Grundsätzlich schreibt ein Anwalt das, was sein Klient von ihm verlangt. Er ist keineswegs verpflichtet diese Forderung vorher zu prüfen.

Einfach ignorieren solltest du dieses Schreiben also auf keinen Fall. Das kann dann sehr schnell teuer werden. Wenn du geringes Einkommen hast, kannst du dir ja einen Beratungsschein auf dem Amtsgericht holen und dann selbst einen Anwalt aufsuchen.

Wenn du deine Kündigung und deine Zahlungen belegen kannst, kann dir ja nicht viel passieren.

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 61

Hast Du form- und fristgerecht gekündigt?

Eine Kündigungsfrist muß nicht im Vertrag stehen. Die steht im BGB und das reicht.

Kommentar von Annelida ,

Das ist ja leider das Ding ich konnte ihm es nie persönlich sagen. Und als ich ausgezogen bin habe ich ihm es schriflich auf dem Tisch hinterlegt, als Brief. Außerdem hatten wir beide den Vertrag das ich so schnell wie möglich ausziehe, sobald ich eine Wohnung gefunden habe was ich auch gemacht habe.

Kommentar von anitari ,

Das nutzt Dir leider alles nichts. Ein Brief "ich ziehe aus" oder so ähnlich ist ohnehin keine korrekte Kündigung.

Du wirst wohl nicht drum rum kommen die Mieten für Oktober, November und Dezember zu zahlen.

Wenn keine korrekte Kündigung deinerseits erfolgt ist bist Du damit noch gut weg gekommen.

Antwort
von Nemisis2010, 66

Du schreibst ziemlich wirr - deshalb nur eins dazu:

Wenn mietvertraglich keine Kündigungsfrist vereinbart hat, richtet sich diese nach den gesetzlichen Vorgaben im BGB.

Diese beträgt gem. § 573 c BGB für den Mieter 3 Mon. - die Kündigung bedarf zwingend der Schriftform. Ein Auszug beendet keinen Mietvertrag.

Der Anwalt wird wohl nach Fristablauf einen gerichtlichen Mahnbescheid gegen Dich beantragen.

Wir haben uns so oft darüber gestritten das ich ihm erzählt habe das ich
so schnell wie möglich ausziehe und nicht länger als 3Monate bei ihm
wohnen werde (Er hat es schriflich unterzeichnet das ich so schnell wie
möglich ausziehen soll).

Ob hier tatsächlich ein wirkungsvoller Mietaufhebungsvertrag geschlossen wurde, mag im Zweifel das Gericht entscheiden.  Denn m.E. wird ein Aufhebungsvertrag unverzüglich wirksam.

Kommentar von Annelida ,

Er hat es auch von sich aus angesprochen das ich so schnell wie möglich ausziehen werde und dem habe ich auch zugestimmt. Ich denke mal jetzt ist es ihm egal und wird es nicht dem Anwalt gesagt haben da er das Geld für die restlichen Monate auch haben möchte.

Kommentar von DerHans ,

Wenn du das nicht schriftlich belegen kannst, ist das nur eine Behauptung.

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