Frage von knowonk, 67

antikes Athen: Frauenrechte - Was gibt es für pro Argumente?

Wenn eine Frau in der Antike in Griechenland, also in einer Polis, leben würde, und eine Rede vor dem Volk halten müsste, wie könnte sie das Volk überzeugen, Frauen mehr Rechte und politische Mitbestimmung zu gewähren? bezogen auf die Reformen von Perikles

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 21

Realistisch betrachtet ist bei einer Rede für eine Gewährung umfangreicher Rechte und Mitbestimmung an die Frauen ein Erfolg nahezu ausgeschlossen, gleichgültig wie stichhaltig die Argumente sind. Die Forderung steht zum Weltbild der Mäner der damaligen Gesellschaft in Widerspruch (und auch bei Frauen kann Gewohnheit und mangelndes Zutrauen ein Hindernis sein).

Frauen hatten keine politischen Rechte und damit z. B. kein Recht, an der Volksversammlung (ἐκκλησία [ekklesia]) teilnehmen. Vollbürger waren ausschließlich männliche freie Erwachsene mit Bürgerrecht.

Der Vater (bzw. der männliche Vorstand des Hausverbandes) besaß die rechtliche Gewalt/Vollmacht (κυριεῖα [kyrieia] und damit das Bestimmungsrecht über die Haushaltsangehörigen. Frauen blieben rechtlich immer einem κύριος [kyrios; Herr, Gebieter] unterstellt.

Am ehesten hätten Vorschläge kleiner Verbesserungen im Privatrecht (z. B. Erbschaftsangelegenheiten, Ehe-und Scheidungsrecht, Geschäftsfähigkeit) Chancen, indem gezeigt wird, wie etwas für eine Freie und Bürgerin entwürdigend ist und mehr Rechte der Frau auch für die Gemeinschaft insgesamt nützlich sind.

Als Soldaten dienten in der Hauptsache die Bürger selbst und Wehrdienst und politische Rechte in Beziehung zueinander zu sehen, war damals naheliegend. An einem Argument, das darauf eingeht, ist also Bedarf (wenn nicht ein die Gewohnheiten umstürzender Vorschlag weiblichen Wehrdienstes gemacht wird, ist irgendein anderer Gedanke erforderlich, z. B. Geburten als Leistung einzustufen).

In der Zeit des Perikles ist viel Teilhabe (Partizipation) der Bürger ermöglicht und verwirklicht worden. Eine Ausweitung der Teilhabe auf eine weitere Gruppe, die Frauen, mag folgerichtig erscheinen, stamd aber im Gegensatz zur gängigem Vorstellung von der Rolle der Frau, bei der Frauen gar nicht für so etwas als anspruchberechtigte Gruppe in Frage kam.

Zugunsten von Gleichberechtigung könnte mit gleicher Fähigkeit (einschließlich von Energie und Festigkeit bei der Anwendung) zu vernünftigem Denken und Handeln, Urteilskraft und einem nicht geringerem Vorkommen guter Charaktereigenschaften argumentiert werden. Gegensätzliche Meinungen wären als Vorurteile zu widerlegen.

Verweise auf Leistungen von Frauen in der Führung des Haushalts (einschließlich von Erziehung von Kindern, Beaufsichtigung von Dienerschaft, Umgang mit Geld) könnten als Stütze dienen.

Beim Bürgerrechtsgesetz könnte auf die Bedeutung, die dabei die Mutter bekommen hatte, hingewiesen werden: Perikles hat das Bürgerrechtsgesetz beantragt, das 451/450 v. Chr. festlegte, Anspruch auf das athenischer Bürgerrecht habe nur, wessen beide Eltern athenische Bürger seien (Aristoteles, Athenaion Politeia 26, 4; Plutarch, Perikles 37, 3). Anscheinend wurde Wert darauf gelegt, nur „echten“ Athenern politische Teilhabe zu gewähren.

In einer 392 v. Chr. (also mehrere Jahrzehnte nach Perikles) geschriebenen Komödie des athenischen Dichters Aristophanes erreicht eine Frau (die als Mann verkleidete Praxagora; viele weitere Frauen sind als Mann verkleidet auch zur Volksversammlung gekommen) eine Übertragung der Leitung der Staatsgeschäfte auf die Frauen (statt wie bisher seitens der Männer ). Die Rede selbst wird nicht direkt dargestellt, aber vorher und nachher kommen Gedanken vor. Das Theaterstück ist eine Komödie und eine politische Mitbestimmung der Frauen wird nicht in der Praxis ernsthaft in Betracht gezogen. Eine Art kommunistisches System (Besitz wird zu Allgemeingut erklärt) und ein sexuelles zur Verfügung-Stehen-Müssen der Männer machen eher einen unpraktikablen und absurden Einrduck.

Aristophanes, Frauen in der Volksversammlung/Die Weibervolksversammlung (Ἐκκλησιάζουσαι; lateinisch: Ecclesiazusae) 205 - 241, 465 - 478, 583 - 585 enthält Argumente.

Darunter sind neben Hinweisen auf Schaden anrichtende Männer (es gibt selbstsüchtig auf Gewinn bedachte Männer) Argumente mit Leistungen und Eigenschaften von Frauen:

  • Aufsicht über Geld/Haushaltskasse (Frauen können gut mit Geld umgehen) und Küche/Voratskammer
  • Fürsorglichkeit (sind als Mütter darauf bedacht, Soldaten gut und schnell zu versorgen)
  • Findigkeit in der Geldbeschaffung
  • lassen sich kaum täuschen
  • werden lebenslanges Glück bewirken
  • Verständigkeit
  • Fleiß und Sorge für Erwerb
  • Vertrauenswürdigkeit (Frauen leihen einander Kleidung, Schmuck und Geschirr und geben es zurück, ohne etwas zu unterschlagen)
  • Frauen sind nicht als Sykophanten (Ankläger mit Neigung zur Denunziation mit dem Zweck eigener Bereicherung) tätig und haben keine starke Neigung zu Rechtsstreitigkeiten
Antwort
von Bitterkraut, 29

Frauen hatten in der attischen Demokratie nix zu sagen. Demnach hätten sie auch keine Reden zu halten.

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