2

Antike, Kriege

Frage von tvontheradio tvontheradio

Im Film "Troja" wird zu Beginn ein Kampf der Griechen gegen ein Volk (das mir grad nicht einfällt) geführt. Agamemnon oder der andere Kriegsherr bietet der anderen Seite an, statt Volk gegen Volk nur den Besten jedes Volkes gegeneinander antreten zu lassen und so entscheiden welche Seite gewinnt.

Achill vs. Krieger (keine Ahnung)

War das früher teilweise üblich? 1vs1 entscheidet anstatt Tausende gegen Tausende? Oder ist das alles nur aus dem Trojanischen Sagenkreis entstanden?

Fragen zu gleichen Themen finden

Antworten (2)

  • 3
    RatgeberHelden Antwort von Albrecht Albrecht

    Im Film Troja von Wolfgang Petersen gibt es zu Anfang einen Zweikampf zwischen Achilleus und Boagrios. Triopas, König von Thessalien, schlägt dies dem gegen ihn Krieg führenden Agamemnnon, König von Mykene vor. Beide Seiten sind Griechen. Boagrios ist als Name einer Person im antiken Griechenland nicht überliefert, nur als Fluss in der Landschaft Lokris (die Stadt Thronion wurde auch in einer Variante nach ihm genannt). Nicht nur der Zweikampf, sondern der Kriegszug ist eine Erfindung, die keiner antiken Erzählung entspricht. Peleus ist Herrscher von Phtia, einer Stadt in Thessalien und Achilleus sein Sohn.

    Bei Homer, Ilias, 13, 38 – 120 und 260 – 382 wird ein Zweikampf zwischen Paris und Menelaos geschildert (Entstehung des Gedankens, Verkündigung der Aufforderung, Vereinbarung) der Sieger erhält Helena und die Schätze), Vorbereitung, Kampf). Im Film weicht das Ende völlig ab (Paris flieht verwundet zu seinem Bruder Hektor, der den angreifenden Menelaos tötet). In der Ilias wird der unterlegene Paris von Aphrodite entrückt. Menelaos überlebt den trojanischen Krieg (vgl. Odyssee).

    Homer, Ilias 7, 37 – 309 wird auch noch ein förmlich vereinbarter Zweikampf zwischen Hektor, der allgemein einen tapferen Griechen ehrausfordert, und Aias (von denen, die sich melden, ausgelost) geschildert, allerdings ohne Vereinbarung über eine Entscheidung des ganzen Kriegs. Im Film wird Aias von Hektor während einer Schlacht getötet, was nicht mit einer antiken Überlieferung übereinstimmt (der Zweikampf wird bei Anbruch der Dunkelheit ohne Entscheidung abgebrochen).

    Ein Zweikampf statt einer Massenschlacht ist in gewisser Hinsicht eine faszinierende Idee der Kriegsführung, besonders wenn die Anführer und Anstifter antreten müßten. Andererseits hätte der Kampferfolg einzelner Personen eine gewaltige Auswirkung auf das Schicksal vieler Menschen, die ohne eigene Eingriffsmöglichkeit an den Ausgang gebunden wären.

    Ich habe keine systematische umfassende Darstellung zum Thema Zweikampf gefunden. Ich will Fälle, vor allem in frühen Stammesfehden irgendwo in der Welt nicht auschließen, kenne aber keine Belege über ein in der Realität übliches Vorgehen in dieser Art. Beispiele kommen vor allem in Mythologie/Sagen vor.

    Hyllos, der älteste Sohn des Herakles (seine Mutter war Deïaneira) unterliegt und stirbt in einem Zweikampf, der eine Auseinandersetzung von Herakliden und Peloponnesiern entscheidet, gegen Echemos, dem Anführer der Truppen aus Tegea. Die Herakliden sind verpflichtet, 50 Jahre lang stillzuhalten.

    Aeneas besiegt bei Vergil, Aeneis 12, 1 – 952 den Rutulerfürsten Turnus in einem Zweikampf, der über die Heirat mit Lavinia und die zukünftige Herrschaft über Latium entscheidet, und tötet ihn.

    Bei Saxo Grammaticus, Gesta Danorum besiegt Offa /Uffo, Sohn des Königs Varmund/Vermund, den Sohn des sächsischen Königs und seinen besten Kämpfer, nachdem zunächst der König der Sachsen den König der Dänen zum Zweikampf als Entscheidung in einem Kriegszug herausgefordert hatte (der Kampf gegen zwei Gegner zugleich soll einen Makel eines Kampfes von zwei Dänen gegen einen schwedischen König austilgen). Dies ist allerdings eine eher sagenhafte Erzählung.

    Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, Frankfurt/Main ; Berlin ; Wien : Propyläen, 1973, S. 479 – 484 geht auf den Fürstenzweikampf im Mittelalter ein, der mehrfach vereinbart, aber nicht ausgetragen wurde. Karl I. von Anjou und Peter III. von Aragon vereinbarten im Krieg um Süditalien und Sizilien einen Zweikampf am 1. Juni 1283 in Bordeaux mit dem englischen König Edward I. als Schiedsrichter. Jean d'Argilly, Seneschall der Guyenne und Vertreter des englischen Königs ließ von einem Notar eine Urkunde über das Erscheinen ausfertigen, wollte aber keine Sicherheit gewähren. Die Gegner trafen sich nicht. Peter erschien in der Nacht und zog dann still wieder ab. Noch Kaiser Karl V. bot 1536 König Franz I. von Frankreich einen Zweikampf um Burgund und Mailand an. Wie andere im spätromantischen Mittelalter hat dieses Fürstenduell nicht stattgefunden.

    Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, Stuttgart : Kröner, 1987, S. 108 – 113 geht auch auf die ritterliche Form des Fürstenduells ein. So forderte Herzog Philipp III. („der Gute“) von Burgund 1454 auf dem Fasanenfest den Sultan des Osmanischen Reiches Mehmed II. zu einem Zweikampf auf.

    Michel de Ferdinandy, Karl V. : eine Biographie. Taschenbuchausgabe 1. Auflage. München. Goldmann, 1978 (Goldmann Sachbuch ; 980), S. 50 – 53 und S. 308/9 (Anmerkungen 27 – 30) weist auch auf einige Herausforderungen zu Zweikämpfen hin (neben Philipp und Karl auch König Ladislaus (László) I. („der Heilige“) von Ungarn an seinen Vetter König Salomon, der erschien, sich aber nicht mit ihm zu messen wagte und aus seinem Königreich floh und ein Anführer der Pommern, der König Mizilaus (Micislaw/Mieszko) I. von Polen herausforderte, und von dessen späteren Schwiegersohn und König von Ungarn Béla I. getötet wurde).

  • 0
    Antwort von Simmi821 Simmi821

    Weiß es zwar nicht 100%ig, aber ich habe vom Mann-gegen-Mann-Kampf auch aus anderen Geschichtsepochen (Mittelalter z.B.) gehört.

Diese Frage

Verwandte Fragen

Noch nicht den richtigen Rat gefunden?

Einfach und schnell viele hilfreiche Ratschläge von Deutschlands aktivster Ratgeber-Community erhalten!

Einfach und schnell einen Tipp erstellen und Ihren guten Rat mit anderen teilen!

Einfach und schnell ein Video hochladen und anschaulichen Rat an alle geben!

Die unter gutefrage.net angebotenen Dienste und Ratgeber Inhalte werden nicht geprüft. Die Richtigkeit der Inhalte wird nicht gewährleistet. Rechtliche Hinweise finden Sie hier.