Frage von KreativesKind, 82

Antidepressiva mit 16, letzte Möglichkeit?

Ich war schon mit 8 Depressiv, sogar im Kindergarten für eine Weile (soweit ich mich erinnern kann). Die Episoden kommen immer wieder seitdem. Meine Hochbegabung, der Perfektionismus und die Unzufriedenheit darüber, dass ich meine Intelligenz nicht nutzen kann, machten die ganze Sache schon immer schlimmer.

Mein Problem ist, dass ich kaum noch klar denken kann und ich denke, das könnte etwas mit meinen Depressionen zu tun haben. Es geht auch um die Antriebslosigkeit. Ich werde durch dieses nicht klar denken- können außerdem schnell aggressiv, kann Anderen bei Gesprächen (und im Unterricht!) nur mit Mühe folgen und wünsche mir fast jeden Tag, zu sterben. Ich bin wie betäubt und empfinde doch Schmerzen und Unwohlsein.

Meine Therapie bringt nichts btw nicht genug, obwohl sie schon seit ca. 9 Monaten läuft.

Früher habe ich mich selbst verletzt und mein Arm ist voller Narben, damit habe ich nach ca. 4 Monaten Theraphie aufgehört. Mir ging es wieder gut. Jetzt kommen die Depressionen wieder zurück.

Ich sehe bald keinen anderen Ausweg mehr außer Suizid, aber ich will das überstehen, noch kann ich kämpfen. Doch langsam werde ich schwach. Deshalb will ich Antidepressiva.

Das größte Problem ist die Sache mit der Konzentration. Ich habe einen ADS-Test mit meiner Therapeutin gemacht, da traf nur der Teil mit der Aufmerksamkeitsspanne zu. In der Schule und Zuhause kann ich mich nur mit grlßter Mühe aufs Lernen konzentrieren, es fällt mir schwer, Gesprächen zu folgen und einfachste Dinge zu erkennen/ durchdenken/ erledigen. Das liegt meiner Meinung nach an den Depressionen.

Nun meinen einige, Antidepressiva würden da kontraproduktiv sein: sie machen angeblich noch schläfriger. Das würde meiner Antriebslosigkeit und fehlenden Konzentration nicht helfen. Außerdem sollen sie dick machen. Und ich habe schon genug Selbstzweifel und Probleme mit meinem Übergewicht.

Würde es in meiner Lage Sinn machen, Antidepressiva zu nehmen? Ich weiß nicht mehr, was ich sonst tun sollte...

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Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 23

Ich leider selbst unter Depressionen und habe auch Medikamente. Ein Arzt oder Psychologe stellt die Diagnose "Depression" aufgrund objektiver Kriterien. Meist wird dazu das internationale Diagnoseverzeichnis (ICD-10) der Weltgesundheitsbehörde WHO verwendet.

Die Kriterien sind in 3 Hauptsymptome und 7 Nebensymptome aufgeteilt.
Für eine leichte Depression müssen min. 2 Hauptsymptome und 1-2
Nebensymptome für min. 2 Wochen in ausreichender Stärke durchgehend
vorhanden sein. Für mittelschwere Depressionen min. 2 Hauptsymptome und 2-4 Nebensymptome und für schwere Depressionen min. 2 Hauptsymptome und 4 oder mehr Nebensymptome.

Zu den Hauptsymptomen gemäss ICD-10 gehören:

- Stimmungseinengung oder das "Gefühl der Gefühlslosigkeit"

- Freudlosigkeit und/oder Interessensverlust am Alltag

- Antriebslosigkeit oder erhöhte Ermüdbarkeit

Zu den Nebensymptomen gemäss ICD-10 gehören:

- Schlafstörungen

- Verminderter Appetit

- Mangelndes Selbstwertgefühl oder mangelndes Selbstvertrauen

- Suizidgedanken

- Hoffnungslosigkeit

- Vermindertes Konzentrationsvermögen

- Schuldgefühle

Eine Diagnose stellen kann allerdings nur eine Fachperson. Aufgrund deiner Schilderungen gehe ich davon aus, dass dies bereits geschehen ist.

Eine Therapie ist das A und O um eine depressive Erkrankung zu bekämpfen. Mache diese unbedingt weiter. Viele depressive Patienten sind hoch intelligent und gleichzeitig sehr perfektionistisch. Auch diese Gegebenheiten sind klassische Anzeichen. Zudem haben Sie aufgrund der Konzentrationsprobleme und Antriebslosigkeit oft Probleme Gespächen oder komplexeren Zusammenhänge zu folgen.

So und jetzt zu den

Medikamenten

: Medikamente werden ab einer gewissen Stärke der Depression oder wenn eine Psychotherapie nicht anschlägt fast unausweichlich. Ich an deiner Stelle würde es einfach versuchen.

Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva. Meist werden als Erstmedikation sogenannte Antidepressiva der SSRI (selektive Serotonin Wideraufnahme-Hemmer) oder SSNRI (selektive Serotonin und Noradrenalin Wideraufnahme-Hemmer) verwendet. Diese Medikamente wirken antriebssteigernd und machen somit nicht müde. Gewichtszunahmen sind selten und auch nur bei einigen Präparaten. Medikamente der SSRI-Kategorie ohne Gewichtszunahme sind u.a. Sertralin und Fluoxetin.

Antriebssteigernde Medikamente der SSNRI-Klasse ohne Gewichtszunahme sind Venlafaxin und Duloxetin. Bei deinen Symptomen würde ich persönlich dir Duloxetin empfehlen. Dies hat damit zu tun, dass Venlafaxin erst ab einer Dosis von 150-225mg auf das Noradrenalin wirkt, Duloxetin hingegen von anfang an.

Müde machen hingegen vorallem die älteren Antidepressiva, also die sogenannt tri- und tetrazyklichen Antidepressiva. Diese führen auch zu Gewichtszunahmen. Ebenfalls zu Gewichtszunahmen führen Neuroleptika (ausg. Aripiprazol) wie z.B. Seroquel.

Antidepressiva müssen täglich eingenommen werden. Bis eine Wirkung eintritt vergehen durchschnittlich 2-4 Wochen. Bedenke dabei, dass Antidepressiva keine Glückspillen sind. Sie sind oft mit starken Nebenwirkungen verbunden.

Ca. 30% der Patienten reagieren ausreichend auf ihre Erstmedikation. 40% erst nach diversen Versuchen mit anderen Präparaten und 30% gar nicht. Es kann also sein, dass du mehrmals das Medikament wechseln musst bis eines wirklich greift, doch wenn du eines findest, das dir hilft, bist du bald wieder auf den Beinen.

Hier noch eine gute Homepage mit einer guten Übersicht über alle Medikamente die bei Depressionen verwendet werden. Inkl. Informationen über Gewichtszunahmewarscheinlichkeit bei jedem Medikament: http://www.deprohelp.com/medikamente2/

Wie gesagt, versuche es einfach.

Hoffe konnte weiterhelfen..

Kommentar von samm1917 ,

Ach ja, habe ich vergessen: Eine wiederkehrende Depression nennt sich "rezidivierende Depression" und ist die häufigste Erscheinungsform dieser Krankheit.

Kommentar von KreativesKind ,

Wow, Danke! Da hast du dir mal wirklich Mühe gegeben. Sehr hilfreich! (Tut mir leid, das klingt ziemlivh sarkastisch... ist aber ernst gemeint.)

Kommentar von samm1917 ,

danke ;-)

Antwort
von winnso, 23

Hallo KreativesKind,

das tut mir sehr leid, was du erzählst!😔 Aber ich finde, du gehst das Ganze sehr richtig an: Du machst Therapie und steckst nicht den Kopf in den Sand! Mach weiter so! Auch, wenn dir das alles zu langsam geht und du denkst es geht nicht voran. Aber du hast gerade geschrieben, dass du nach 4 Monaten aufgehört hast dich selber zu verletzen! Das ist doch ein genailer Fortschritt! Super!👍😊

Mit den Medikamenten muss man halt leider erstmal etwas herum experimentieren, weil jeder anders darauf reagiert! Und na klar, das sind keine Bonbons, man muss schon behutsam an das Thema herangehen.
Findest du ein Medikament, das dir hilft, wirst du mega froh sein, es gewagt zu haben!

Und es muss auch nicht unbedingt mit Gewichtszunahme verbunden sein! Klar, nehmen viele etwas oder viel zu, andere nehmen aber gar nicht zu oder nehmen sogar ab.
Das muss man alles ausprobieren, es gibt ja so massig viele Medikamente, die unter den Oberbegriff "Antidepressiva" fallen.

Ich wünsche dir von Herzen, dass es klappt, wie du dir das vorstellst, du "dein" Antidepressivum findest, das bei dir gut anschlägt und du deine Therapie erfolgreich weiter machst. Und vor allem, dass du dein Talent nutzen und etwas daraus machen kannst. 😉

Liebste Grüße❤

Antwort
von dennybub, 33

Wenn dann kann dir nur der Arzt Antidepressiva verschreiben und es für gut heißen, oder aber auch nicht.

Wenn es dir jetzt wieder schlechter geht, solltest du unbedingt mit deiner Therapeutin sprechen. Eventuell brauchst du mehr Termine als bisher.

Alles Gute für dich!

Antwort
von DukeSWT, 42

Anti-Depressiva sind extrem schädlich für das Herz etc. Wenn, dann nur mit Psychotherapie und Anti-Depressiva kombiniert. Beten hilft als Unterstützung zudem auch.

Kommentar von FrageHase91 ,

Nicht bei jedem gehen Antidepressiva auf das Herz 😒 Nur bei einem geringen Teil ...

Antwort
von FrageHase91, 26

Mir haben Sie extrem geholfen !
Ja und ich bin auch schon seit dem ich Kind bin depressiv . Aber dick machen Sie leider schon . Und schläfrig ebenfalls . Da muss ich zustimmen . Aber Suizidgedanken habe ich durch die Medikamente so gut wie gar nicht mehr .
Wenn man bedenkt das ich vorher den ganzen Tag über mit Selbstmordgedanken zu kämpfen hatte . Ich würde es versuchen ein Versuch ist es Wert . Und mir haben Sie unheimlich geholfen . Trotz dessen das mir immer noch extrem schlecht geht 😅

Kommentar von KreativesKind ,

Wie kann ich mir das vorstellen? Wo haben sie geholfen, wenn es dir immer noch *** geht?

Kommentar von FrageHase91 ,

Weil ich sonst in der geschlossen Psychatrie gelandet wäre . Weil es mir insgesamt extrem schlecht geht . Und ich vorher unter Halluzination und extrem Ängsten gelitten habe . Und zusätzlich auch unter Depressionen . Es war so schlimm das ich Nachts nicht mehr schlafen konnte und ich Nachts in den Straßen rum gelaufen bin . Weil ich mich nicht mehr in den eigenen vier Wänden aufhalten konnte vor lauter Angst . Und jetzt habe ich nur noch das Problem mit der Antriebslosigkeit und den Ängsten vor Menschen . Wenn ich das damit vergleiche geht es mit zur vorher extrem besser ...

Kommentar von winnso ,

@FrageHase91 darf ich fragen, welches Medikament du nimmst?

Kommentar von FrageHase91 ,

Venlafaxin & Seroquel
Wobei Seroquel ein Neuroleptika ist 😅

Kommentar von winnso ,

Ah ok. Und wieviel nimmst du wann?

Kommentar von FrageHase91 ,

Morgens eine 75 mg Kapsel von dem Venlafaxin
Und eine 37,5 mg Kapsel . Und Abends eine 50mg Tablette von dem Seroquel . Womit es mir viel besser geht aber halt immer noch nicht so wie es sein sollte 😅

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