Frage von Julysses, 58

Anrecht auf Unterhalt für eigene Wohnung obwohl Elternhaus theoretisch verfügbar zum wohnen?

Die Situation:

Meine Mitbewohnerin Studiert, ihre Eltern sind geschieden, ist nicht Bafög berechtigt aufgrund des Einkommens der Eltern, Vater zahlt Unterhalt und sie ist gerade von der Mutter ausgezogen.

Nun gibt es aber immer wieder Probleme mit der Mutter, denn diese behauptet wiederholt "ihr garnichts schuldig zu sein", da sie ja theoretisch auch Zuhause wohnen könnte und genauso gut zur Uni käme. Es nun nicht so dass sie ihr kein Geld gibt, aber ständig anruft und sicherstellen will, dass sie nur exakt so viel Geld gibt wie überhaupt nötig und nicht was sie zahlen müsste laut ihres Einkommens.

Meine Frage nun: Ist da irgendwas dran, verfällt tatsächlich (auch nur Teilweise) Unterhaltsanspruch wenn man theoretisch von der Entfernung zur Uni auch Zuhause wohnen könnte?

Vielen Dank im voraus!


Zusätzlich: Habe ich das richtig verstanden dass eine Unterhaltsrechnung in etwa so abläuft:

(Bedarf - Kindergeld) * (Nettoeinkommen - 1200€ Selbstbehalt) / Einkommen beider Elternteile = Unterhalt, der vom Elternteil gezahlt werden muss

und das jeweils für jedes Elternteil?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DFgen, Community-Experte für Unterhalt, 6

Ein nicht mehr im Elternhaus lebender Student hat einen "unterhaltsrechtlichen Bedarf" von derzeit 735 Euro, wobei das Kindergeld in voller Höhe und ein möglicher eigener Nebenverdienst (zumindest teilweise) angerechnet werden...

Könnte der Student allerdings noch bei einem Elternteil wohnen, so errechnet sich sein "unterhaltsrechtlicher Bedarf" am Einkommen beider Elternteile zusammen und orientiert sich an der "Düsseldorfer Tabelle" - und fällt dann in den meisten Fällen geringer als 735 Euro aus.

  • Auch könnte dann der Elternteil, bei dem der Student noch wohnen kann, seinen errechneten Anteil am Gesamtunterhalt dann in Form von Verpflegung und Unterkunft statt als Bargeld gewähren  - und auch das Kindergeld dafür verwenden....

Ist da irgendwas dran, verfällt tatsächlich (auch nur Teilweise) Unterhaltsanspruch wenn man theoretisch von der Entfernung zur Uni auch Zuhause wohnen könnte?

Nein, der Unterhaltsanspruch an sich "verfällt" dann nicht, der Unterhalt könnte nur in anderer Form als als Bargeld gewährt werden.....

Allerdings muss Unterhalt - in welcher Form auch immer - tatsächlich erst dann geleistet werden, wenn der Anspruch vom "Kind" selbst entsprechend nachgewiesen, berechnet und ggf. tituliert wurde... 

Nur "von sich aus" muss kein Elternteil Unterhalt leisten.....

Habe ich das richtig verstanden dass eine Unterhaltsrechnung in etwa so abläuft:

Kann das "Kind" noch zu Hause wohnen, 

  • muss es die Einkommensnachweise beider Eltern einfordern und deren "unterhaltsrelevantes Gesamteinkommen" ermitteln ("bereinigtes" Durchschnittseinkommen der Mutter + "bereinigtes" Durchschnittseinkommen des Vaters). 
  • Anhand des Gesamteinkommens kann es seinen "Bedarf" dann in der "Düsseldorfer Tabelle" ablesen.

Kann das Kind nicht mehr bei den Elter wohnen, 

  • liegt sein "Bedarf bei 735 Euro.

Vom "Bedarf" werden dann 

  • das Kindergeld abgezogen 
  • und das eigene anrechenbare Einkommen des Kindes.

Die Differenz zum Bedarf entspricht dem Gesamtunterhaltsanspruch, 

  • der dann auf die Eltern "aufzusplitten" ist (im Verhältnis ihrer Einkommen zueinander).

Jeder Elternteil hat einen "Selbstbehalt von derzeit 1300 Euro, der nicht unterschritten werden darf...

  • auch wenn er/sie dann nicht den errechneten Unterhaltsanteil zahlen kann,
  • der dann auch nicht vom anderen Elternteil ausgeglichen werden müsste...
  • sondern ggf. als BAföG-Leistung beansprucht werden müsste......

Das Kindergeld muss an das Kind weitergeleitet werden, wenn es nicht mehr bei den Eltern wohnt......

Antwort
von Nemisis2010, 28

"Der Unterhalt eines volljährigen Studenten, der nicht bei einem Elternteil wohnt, beträgt 735 €. Der Betrag enthält 300 € für die Unterkunft inklusive Nebenkosten und Heizung. Soweit der Student nicht familienkrankenversichert ist, sind Kranken- und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren gesondert zu zahlen."

Quelle und Zitat unter Sonderfall "volljährige Kinder":

https://www.scheidung.de/duesseldorfer-tabelle.html

Die Unterhaltszahlung und auch das Kindergeld wird gegenüber dem Unterhaltsanspruch in voller Höhe angerechnet.

Antwort
von Menuett, 32

Der Studierenden stehen fix 735€ Unterhalt inklusive Kindergeld gemäß Düsseldorfer Tabelle zu.

545€ werden nach Gehaltshöhe gequotelt von beiden Elternteilen gezahlt.

Diese haben einen Selbstbehalt von 1200€.

Aaaber:

§ 1612 Bürgerliches Gesetzbuch

(1) Der Unterhalt ist durch Entrichtung einer Geldrente zu gewähren. Der Verpflichtete kann verlangen, dass ihm die Gewährung des Unterhalts in anderer Art gestattet wird, wenn besondere Gründe es rechtfertigen.

(2) Haben Eltern einem unverheirateten Kinde Unterhalt zu gewähren, so können sie bestimmen, in welcher Art und für welche Zeit im voraus der Unterhalt gewährt werden soll. Aus besonderen Gründen kann das Vormundschaftsgericht auf Antrag des Kindes die
Bestimmung der Eltern ändern. Ist das Kind minderjährig, so kann ein Elternteil, dem die Sorge für die Person des Kindes nicht zusteht, eine Bestimmung nur für die Zeit treffen, in der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen ist.


(3) Eine Geldrente ist monatlich im voraus zu zahlen. Der Verpflichtete schuldet den vollen Monatsbetrag auch dann, wenn
der Berechtigte im Laufe des Monats stirbt.

Antwort
von claudialeitert, 20

Ja das stimmt wenn der Wohnraum bei der Mutter nicht unzumutbar weit von der Uni weg ist ca 2 Std für hin und Rückweg dann kann man auch als Student nicht einfach ausziehen und Unterhalt verlangen , da gibt es schon vorlagen dafür. Warum kein Job machen? Das machen viele Studenten die können dann auch ausziehen . Aber nur von kindergeld und Unterhalt wird das nix. Nur wenn halt der weg zur Uni sehr weit weg wäre oder sogar andere Stadt dann gibt's das automatisch. Und so wie das aussieht wollte deine Mutter dir den Wohnraum zur Verfügung stellen. Mehr muss die nicht machen. Essen und Strom ist selbstverständlich.

Antwort
von Maro95, 27

Wo sie wohnt ist egal, ihre "Eltern" haben den Regelsatz gemeinsam nach der getroffenen Berechnung anteilig zu bezahlen. Wofür die Tochter das Geld benutzt, geht die Eltern auch nicht unbedingt was an.

Ein Volljähriger kann wohnen wo er will und ist nicht verpflichtet, im Elternhaus zu bleiben.

Nötigenfalls kann man den Unterhalt einklagen.

Kommentar von claudialeitert ,

Ein Student kann nur mit eigener wg glänzen wenn er dies auch selber bezshlen kann . Hier aber will er nur mit unterhalt und Kindergeld ne wg haben und dann kann er auch noch Zuhause wohnen weil der Wohnraum zur Verfügung steht und wenn die Uni nicht unzumutbar weit von Zuhause weg ist das heisst 2 Std für hin und Rückweg dann muss man keinen Barunterhalt leisten. Wie die Mutter es sagt er kann ja Zuhause wohnen.

Kommentar von Maro95 ,

Klar KANN sie Zuhause bei den Eltern wohnen. Muss sie aber nicht - Art. 11 Abs. 1 GG.

Auf den Unterhaltsanspruch hat die Entscheidung, auszuziehen, keine Auswirkungen. Wenn du das anders siehst, bitte in lesbarem Deutsch und mit Gesetzesgrundlage mitteilen. Danke.

Antwort
von bohemianflowers, 34

Nein, als Studentin hat sie einen ganz genauen Satz 735€. Davon wird das Kindergelt abgezogen und der Rest steht ihr als Unterhalt von ihren Eltern zu.

Und ja, die Mutter kann sie auch bei sich wohnen lassen und muss dafür keinen Unterhalt zahlen.

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